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Verlag Langgaffe 21 „Tsgblanha»«".

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12 Ausgaben.

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Berliner Abteilung deS Wiesbadener Tagblatts: Berlin IV. 57, Au der Apostelkirche 7, 1. Fernsprecher: Amt Lützow 8203 und 6803.

Mittwoch. 26. Iuni 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 291. ♦ 66. Iahrgang.

Deutscher Reichstag.

(Eigener Trahlbericht des „Wiesbadener Tagblatts".)

Berlin» 25. Juni.

Am Bundesratsttsch: Gras Hertling, v. Payer, v. Kühl- Mmrn, Wallcaf und v. Waldow. — Präsident Fehrenbach er­öffnet die Sitzung um 2,D Uhr. Auf der Tagesordnung stehen zunächst

ttleine Anfragen.

Abg. Prinz Schönaich-Carolath (natl.) fragt an, ob ener­gischer Widerspruch dagegen erbeben worden ist, daß während der Schlachten im Kemmelgebret am 25. April ein Offizier und 5 Mann des Infanterie-Regiments 118 nach ihrer Gefangennahme durch die Engländer unmenschlich gemartert, verstümmelt und ihres Augen­lichts beraubt worden sind.

Oberst v. Fransecki: Es sind sofort Feststellungen über diese Mitteilungen eingeleitet worden. Sollten sie tatsächlich zutrcsten so wird in nachdrücklichster Meise Einspruch gegen derartige niederträchtige Verbrechen erhoben und strengste Bestrafung der Schuldigen gefordert werden.

Abg. Prinz Schönaich-Earolath (natl.) fragt nach der Maßnahme dagegen, daß auf Malta 150 deutsche Ge­fangene in Gefahr sind, Hungers zu sterben und daß die dort Internierten von über 56 Jahren zurückgehalten »werden.

Direktor im Auswärtiger^ Amt Dr. Krieg: Die deutsche Regierung hat die Lage der auf Malta befindlichen deutschen Kriegs- und Zivilgefcmgenen (zurzeit 1860s aufmerksam ver­folgt. Sie hat insbesondere Sorge getragen, daß die Ver­hältnisse durch den mit der Wahrnehmung der deutschen In­teressen von rer schweizerischen Regierung betrauten däni­schen Konsul auf Malta festgestellt wurden. Aus. dem Be­richt ist zu ersehen, daß die deutschen Gefangenen ans Malta namentlich hinsichtlich der Ernährung zurzeit erheblich besser als in England gestellt sind. Die Regierung erachtet es selbstverständlich als ihre Pflicht, falls die Behandlung unserer Gerangenen Grund zu berechtigter Beschwerde geben sollte, dagegen nachdrücklich Einspruch zu erheben. Wegen Zurück­haltung von Internierten, die wegen ihres Alters und Ge- snnt Heilszustandes Heimzuschiffen wären, sind wiederholt bei der englischen Regierung Schritt? unternommen worden. Die^e beritten sich ans den Mangel an Transportmitteln, um die Heimfahrt ohne Gefährdung durch den Unterseebootskrieg zu bewerkstelligen. Die Verhandlungen im Haag über die Gefangenen frage werden hoffentlich zur Verständigung auch hierüber führen.

Abg. Schiele lkons.) fragt, ob den wiederholten Ent­schließungen de? Reichstags entsprechend

Einberufungen von Heerespflichtigrn zur Saat- und

Erntezeit behufs Besserung der Volksernährung ver­mieden werden sollten.

Oberst v. Braun: Da die Wehrpflicht allgemein gilt, kann die Befreiung einer ganzen Berufskiasse von der Ein­berufung nicht mit ihr in Einklang gebracht werden. In Anerkennung der Bedeutung der Landwirtschaft hat aber das KriegSministerium dar,ruf hingewiesen, daß in der Landwirt­schaft tätige Arbeitskräfte dann nicht eingezogen werden, wenn iie von den dafür zuständigen amtlichen Dienststellen als iniolkömmlich erklärt werden und weitgehende Be­rücksichtigung der Urlaubsgesuche der ernbe- rufenen Landwirte empfohlen. Hierdurch ist den Bedürfnissen zu Erntearbeiten so weit Rechnung astragen worden, als sich dies mit Rücksicht auf die militärische Ausbildung verant­worten läßt. Außerdem wird der Landwirffchaft durch Zu­weisung von Kriegsgefangenen und durch be­sondere Maßnahmen geholfen.

Sodann wird die Beratung des Haushaltsplans des Reichskanzlers und desjenigen für das Aus­wärtige Amt fortgesetzt.

Reichskanzler Graf v. Hertling:

Meine Herren! Ich habe ursprünglich nicht die Absicht gehabt, unter den gegenwärtigen Verhältnissen mich an diesen Verhandlungen zu beteiligen. Die Gründe, welche mich zu dieser Zurückhaltung bestimmten, liegen auf der Hand. Es sind die Erfahrungen, die ich mit meinen Herren Ämts- vorgängern über die Erfolge unserer Reden gemacht habe. Sprachen wir von unserer friedfertigen Gesinnung, von unserer Friedensbereitschaft, so wurde das von einer Seite als Anzeichen unserer Schwäche und unseres unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs aufgefaßt, auf der anderen Seite als eine listige Falle. Sprachen wir dagegen von unscremHinerschiitterlichen Willen, den uns aufgezwungenen Eroberungskrieg abzuwehren, so hieß eS: das :st die Stimme des preußischen Militarismus, dem auch die leitenden Staatsmänner sich wohl oder übel fügen müssen. Ich bin am 24. Avril d. I. einen Schritt weitergegangen. Ich habe da­mals ausdrücklich Stellung genommen zu der Boffchaft Wilsons. Ich habe seine bekannten vier Punkte besprochen und grundsätzlich meine Zustimmung zu diesen vier Punkten erklärt. Ich habe gesagt, daß die viec Punkte möglicherweise die Grundlage für einen allgemeinen Weltfrieden bilden tonnen.

Irgendwelche Äußerung des Präsidenten Wilson ist darauf nicht erfolgt.

Alles das hat keinen Zweck. (Sehr richtig!) Nach den Mrt- ieilunaen. die mir aus den feinblktkn Staaten, namentlich!

aus Amerika, zugekommen sind, hat sich deutlich erkennen lcssen, was unter dem Frieden, dem Völkerbund von Freiheit und Gerechtigkeit, zu Erstehen ist. Deutlich lassen ja unsere Gegner erkennen, daß sie der Kern dieses zu bildenden Völkerbundes sein würden und daß es somit gar kein? Schwierigkeit haben würde, das ihm unbequeme aufstrebende Deutschland zu isolieren und ihm ducch wirtschaftliche Ab­schnürung den Lebensodem aasznlöschen. (Sehr wahr!) Ich habe es dagegen' für durchaus angemessen gehalten, daß der Staatssekretär des Auswärtigen ArnteS Mitteilungen über Einzelheiten unserer politischen Lage im Osten, von Finn- laird bis zum Schwarzen Meer, hier machen möchte, der dazu berufen ist auf Grund seiner Sachkenntnis, auf Grund der Erfahrungen, durch seine mehrmonatige aufopfernde und erfolgreiche Teilnahme an den Verhandlungen.

Ich bin der Meinung, daß der Herr Staatssekretär sich,

- dieser Aufgabe durchaus sachgemäß entledigt hat. Dagegen haben einige seiner Äußerungen, wie ich zu meinem Beidauern konstatieren mußte, in weiteren Kreisen eine mehr oder weniger unfreunAiche Aufnahme erfahren. (Sehr rich­tig! Sehr wahr!) Der Herr Staatssekretär sprach über die Schubdfrage.

Die Schuldfrage können wir getrost der Geschichte über­lassen.

Schon jetzt liegen ZeuMiisse vor, daß Deutschland nicht schuld am dem Krieg war, daß es nicht die Fackel iw® WcMbrandes entzündet hat. (Sehr wahr!) Ich halte mich jedoch für ver­pflichtet, mit den Mißverständnissen aufzuräumen, die, wie mir scheint, der Auffassung des zweiten Teils >der Ausfüihrun- gsn des Herrn StaatssekretäDs zugrunde liegen, die Verant­wortung für di« Fortsetzung und die unabsehbare Verlänge­rung des entsetzlichen Kriegs den feindlichen Mächten zuzu- schieben, ganz tn dom Sinne, wie ich es am 24. Februar ge­tan habe.

Bon ctintzr Lähmung unseres Willens, von einer Er­schütterung unserer Siegeszuversicht kann demnach selbst- nerständlich nicht die Rede sein.

(Lebhafter Beifall links.) Nach wie vor stehen Kaiser, Re­gierung, Fürsten und Vblk eng und vertrauensvoll zusammen. Sie vertrauen unseren unvergleichlichen Truppen (Lebhafter Beifall.), sie vertrauen auf unser einheitlich und unerschütter­lich zafammenstAondes Volk und auf seine großartige Hal­tung, wie wir sie feit Jahren bewundert haben. (Lebhafter Beifall.) Wir dürfen .hoffen, daß der Allmächtige, der uns bisher gehüsten uüd uns von Sieg zu Sieg geführt, diese. Treue dos deutschen Volkes ^belohnen wird. Über die Einzel­heiten wird der Herr Staatssekretär selbst das Wort ergreifen und die Mißverständnisse aufzu klären suchen. (Beifall.)

Staatssekretär v. Rühlmann:

Ich werde Ihre Zeit, meine Herren, nur wenige Minuten in Anspruch zu nehmen brauchen. Aus der Presse und im Stenogramm'habe ich ersehen, daß der Herr Abgeord­nete Graf Westarp zum Schlüsse der gestrigen Verhandlungen, lein beizuwohnen ich leider durch dringende Amtsgeschäste verhindert war, verschiedene Kommentare zu meinen Aus­führungen gemacht hat, denen ich zum Teil beitrete, denen rch zum Teil sehr nachdrücklich entgegenzutreten gezwungen bin. Ich möchte Ihre Geduld nur einen Augenblick in An­spruch nehmen, um zu verlesen, was ich hier tatsächlich gesagt habe: „Wenn einmal der Moment gekommen sein sollte — wann er kommt, damit möchte ich mir aber nicht einmal eine Prophezeiung erlauben —, daß die Nationen, die heute kämpfen, in einen Gedankenaustausch eintreten, so wird vor allem auch als Vorbedingung nötig sein, daß man ein ge­wisses Maß von Vertrauen in die gegenseitige Anständigkeit und Ritterlichkeit schasst. Sv lange jede Erörterung von den anderen als Friedensoffensive, als falsche Unterstellung, um zwischen den Verbündeten Zwietracht zu säen, aufgefatzt wird, so lange wie jeder Annäherungsversuch von dein Gegner in den verschiedenen Ländern sofort auf das heftigste be­kämpft wird, so lange ist nicht abznsehen, wie irgend ein Ge­dankenaustausch eingeleitet wwden kann, der zum Frieden führen könnte. Ohne einen solchen Gedankenaustausch wird bei der ungeheuren Größe dieses KoalitionskriegeS und bei der Zahl der in ihn begriffenen auch überseeischen Staaten durch die rein militärische Entfaltung allein ohne diploma- nsche Verhandlungen ein absolutes Ende kaum erwartet wer­den können." (Zuruf rechts.) Ich habe Herrn v. Westarp an- heimaestellt, das Stenogramm einzusehe.i. Wenn die Herren Wert darauf legen, können Sie das Stenogramm selbst ein- sehen, es ist nichts korrigiert, wo? dem Sinne im geringsten widerüricht. (Zuruf rechts.) Ich weiß nicht, ob Graf Westarp das Stenogramm hier zur Hand har. Es ist ihm zur Ein- sicht übellassen.

Unsere Stellung auf den Schlachtfeldern, die ungeheuren Reserven an militärischen Hilfsmitteln, die uns zur Ver­fügung stehen, zeigen, daß der Gedankt au einen Sieg der Entente Traum und Illusion ist.

Sie werden, wie Mister ASguiih von uns erwartet, 'seinerzeit den Weg finden, um mit FriädenSangeboten an uns herair- zutveten, welche der Lage entsprechen und welche den »deut- schsn Lelbensnotwenldigkeiteri genüge». .Ich möchte mir er­lauben, hierzu die Ausführungen ides Grasen Westarp, wie sic aus vom Stenrgrarrmn hier vvrlisgeu, gleichfalls zur Ver­lesung zu bringen.

Erbitterter Ringen zwischen Afiago und der Piave.

Gesamtverluste der Italiener 13V000 Monn.

W. T.-B. Wien, 25. Juni. (Derhtberrcht.) Amtlich ver­lautet vom 25. Juni, mittags:

Gestern war die Gebirgsfront zwischen Asiago und der Piave wieder der Schauplatz heftiger Kämpfe. Der Feind bot alles auf, um die am 15. Juni verlorenen Höhenstellnngcrr znrückzuervbern. Ans dem Monte de Val Bella, Eol del Roso, Asolone, Solarolo und Monte Pertica wurde des größten Teils deS Tages erbittert gerungen. Die Italiener wurden überall, an mehreren Stellen durch Gegen­stöße, zurückgeworfen. Die vorliegenden Meldungen schildern das über alles Lob erhabene Verhalten der an de» Kämpfen beteiligten Infanterie und Artillerie und erwähnen besonders die Infanterie-Regimenter »9 (Galizifches), 53 «Kroaten), 114 (Ober- und Nieder-Osterreicher), 126 (Schlesier) und daS 4. Bosnisch-Herzegowinische. Im Monte!!»- Gebiet und südlich davon fühlt der Feind mit Patrouillen gegen die Piave vor. Im Raum von San Dona hatten die den Nferwechsel unserer Divisionen sichernden DrckungS- gruftpen in den letzten Tagen starke Angriffe abzuwehren. Nnferc Bewegungen vermochten auch hier planmäßig und ohne Verlust an Kriegsgerät durchgeführt zn werden. Seit dem 15. Juni büßte der Italiener über 56 606 Mann an Ge­fangenen, daruntec 1166 Offiziere, ein. Die Gesamtver­luste des Feindes sind bei strengster Schätzung auf 15 6 6 66 Mann zu berechnen. Der Chef des Generalstabes.

Zur Lage in Groh-Kutzland.

W. T.-B. Stockholm, 25. Juni. «Drahtbericht.) In einern Aufruf des Rats der Volksbeauftragten m Moskau heißt es: Es ist unmöglich, die Macht der Sowjets vor der Hungesnot kapitulieren zu lassen. Aus den Gebieten von Zaeizyn, Don und Kuban werden gewaltige Vorräte an Lebensmittel in den nächsten Tagen nach der Gegend? tcn Moskau und weiter nördlich geliefert werden. Inzwischen wird der Aufstand in Sibirien erstickt sein. Die Lebensmittel, die sich unterwegs beffnden, werden ihre Bestimmung er­reichen. Um diesen Plan zu verwirklichen und für immer den chaotischen und umstürzlerischen Bestrebun­gen des reakt'onären Bürgertums ein Ende zu machen, wird zu folgenden Maßnahmen gegriffen: Teilweise Mobstmachung im Wolgagebiet, ini Ural und in Sibirien gege i die Aufstände in den benachbarten Gebieten, all« ört­lichen Sowjet? üben eine itrenge Kontrolle über die Bürger aus. um jede Verschwörung unbarmherzig zu unter­drücken. Ehemalige Offiziere, die ehrlich an der Wieder­herstellung der Sowjetarmee gearbeitet haben, genießen voll­ständige Straflosigkeit und den Schutz der Sowjetbehörden. Die Verschwörercffiziere, die Mitschuldige von Skorovadski, Kvasnoff und des sibirischen Obersten Iwanow sind, werden ohne Gnade hingecichtet.

Bolschewistischer Wahlsieg in Petersburg.

W. T.-B. Moskau, 24. Juni. Infolge der Wahl­kampagne erscheinen alle Petersburger Zeitungen. Bis­her völliger Sieg der Bolschewiki in Petersburg.

*

Begrüsmngstclearamme von Hertling und Burian.

W. T.-B. Warschau, 24. Juni. Anläßlich der Eröff­nung des polnischen Staatsrates brachten der Reichs­kanzler Graf Hertling sowie der österreichisch-ungarische Minister des Äußern Graf Burian dem polnischen Ministerpräsidenten Steczkowski ihre herzlichsten Wünsche aus. Mögen die Beratungen des Staatsrates. so telegraphierte Graf Hertling, von deniselben Ver­trauen zu den Mittelmächten geleitet sein, welches sie dem polnischen Volke gegenüber durch die Proklamation vom L. November zeigten. Graf Burian versicherte, daß er nach Kräften den Aufbau des polnischen Staates zu unterstützen sich bemübe, trotz der verschiedenen, durch die Verhältnisse des gegenwärtigen Augenblicks hervor- gerittenen Schwierigkeiten. Ich habe die begründete Hoffnung, so schließt das Telegramm, daß gleichzeitig mit den Arbeiten des Staatsrates, welche den inneren Aufbau eines freien Polens zum Zielen baben, infolge der zwischen den Negierungen Österreich-Ungarns und dem Deutschen Reich im Gange befindlichen Verhand­lungen eine Grundlage aeschaffen wird, auf der das volnische Volk selbst über die Zukrmst Polens wird ent­scheiden können in einer Weise, welche 'eine Größe und sein Wohlergeben sichert.

Prinz Leopold von Bayern in Reval.

W. T.-B. Berlin, 25. Juni. Bei herrlichstem Frühling», weiter traf der Oberbefehlshaber Ost Prinz Leopold von Bayern am 21. Juni, früh um 7i/> Uhr, in RevaI auf dem Baltischen Bahnhof ein, wo sich zur Begrüßung der komman­dierende General Frhr. v. Seckendorfs mit den Spitzen der Militärbehörden erngefunden hotte. Vom Bahnhof aus ve- gab sich der Prinz, in dessen Begleitung sich der Sohn des Prinzen, Georg von Bayern, befand, nach dem Peterplatz, wo die Truppen Auffüllung genommen hatten. In «iner An-