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Montag, 24. Juni 1918.

Die hohe Politik im Reichstag.

(ffion unserer Berliner Abte: lun g.)

B. A. Berlin, 24. Jvui. («Eig. Drahtlbericht. Ab.) Der größte Teil dieser Woche dürfte im«ReichItag der hohen Politik geivstdiner sein. Bereits vormittags 10 Uhr «begannen heute im Hauptausschuß die Verhandlungen üiber «dem rumäni­schen Friedensvertray, die gleich zu Beginn,, als Herr v. Kühlm-cnn die Aussprache einleitete, für vertraulich erklärt wuvdem.

11m 2 Uhr Nachmittags trat dann «der Reichstag iu die zweite Lesung des Etats des Reichskanzlers und des Auswärtigem Amts ein. Die hochgespannten Er­wartungen, daß Gras Hertling 'die Gelegenheit benutzen werde, um dielse Verhandlungen mit einer politischen Rede eiinzuleitsn, Uiurdeu enttäuscht. Man versteht in weiten parlamentarischem Kreisen nicht recht, warum der Kanzler diese günstige Gelegenheit versäumte, um einmal dem deutschen Volk gegenüber eine Erklärung 'wbzugeibem, die von dieser Stelle aus eine ganz andere Wirkung «haben müßte, als alle Reden und Artikel anderer Staatsmänner und Par­lamentarier. Weiter aber auch ist mau vielfach der Meinung, 'daß os an der Zeit gewesen wäre, wenn «der erste deutsche Staatsmann dem Ausland gegenüber auf «das Trommelfeuer der feindlichen Politiker geantwortet «hätte und Deutschlands Stellung, ohne irgend «welche Schwäche zu zeigen, scharf präz:- ' siert hätte. Die Gründe, welche Graf Hertling veranlassen, sich vorläufig in Schweigen zu hüllen, müssen recht schwer­wiegender Natur sein, wenn sie gegenüber den vielfach ge­äußerten Wünschen der Parlamentarier uUd «der Presse ihn veranlassen, von einer einleitenden großen Rede Abstand zu nehmen. Sc«lbstvevstän«dlich sieht «man -den Verhandlungen im Hause selbst mit großer Spannung entgegen. Nach dem Er­gebnis der Kommissie«n«sberatungen dürften allerdings 'ge­legentlich dieses Etats Fragen «der äußeren Politik, die sich auch auf die mit unseren Verbündeten schwebende:: Verhandlungen beziehen, zur Frage kommen. Das HauS war denn auch, wie stets an großen Tagen, gut besucht, die Tribünen überfüllt. So ziemlich alle Bundesratsmtt- gsieder waren erschienen unid auch alle Reichsämter unid preu­ßischen Staatsmiuisterien 'vertreten.

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Ein Sleuerkompromitz«

Br. Berlin, 24. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.i über ein Steuerkumpromitz in der Besteuerung des Mehrein- k o m m e n s berichtet der „Münch. Anz." Danach sollen bei der geplanten Dtehralnkommensteuer ein Me«hre,nkommen dir zu 3000 M. steuerfrei bleib-,. Dabei ward als Friedens- einkommen die Summe von 10 000 M. angenommen, auch wenn das Einkommen früher geringer war. Auf diese We,se will man erreichen, daß die Kriegsteuerungszulagen steuer­frei bleiben. Vom Mehceinkommen werden dann folgende Sätze erhoben' Für die ersten 10 000 M. 5 Prozent, für die nächten 10 000 M. 10 Prozent, für die nächsten 30 000 M. 20 Prozent, für die nächsten 50 000 M. 30 Prozent, für d,e nächsten 100 000 M. 40 Prozent und darüber h,naus 50 Prozent. Bei der Abgabe vom Vermögen sollen 100 000 M. frei bleiben; sodann werden folgende Sätze er­hoben: für die ersten 1ÖDOOO M. des steuerpflichtigen Ver- möoens 1 pro Mille, für/die nächsten 300 000 M. 2 pro Mille, für die nächsten 300 000 M. 3 pro Mille, für die M,llron 4 pro Mille, fiir höhere Summen 5 pro Mille.

Die Reform des diplomatischen Dienstes.

8. A. Berlin, 24. Juni. («Eig. Drahtbericht. Ab.) W«e wir höreu, beabsichtigt -man, die Debatte über die sog. Reform des diplomatischen Di echtes von «der e igen «tl i ch e n polilischeu 'Aussprache zu trennen, «da es sich «dabei um eine irm.ebdentsch«e Amgele genheik «handelt, die mit «der auswärtigen Politik besser nicht in Verbindung zu brin­gen fei.

Das zweite Gesicht der Entente.

Die oniü cr t P n kämpfen, wie sie denen, die es glauben, immer wieder versickern, für die Freiheit der Nationen, für das Selbstbestrmmnngsreckt. der Völker, für die Demokratie und für den Weltfrieden. Ein wertvolles Bestpiel für diese von den Wiffon, Lloyd George, Cleineneeau und Konsorten tausendmal abgegebene feierli'ye Versicherrmg bietet der Erbundesgenoffe Ruß- l a n d. den wir als klassischen Zeugen für die große Lüge des Vielverbandes vor Gericht, vor das Wclt- gcrich:. laden können. Das Spiel, welches die Entente zurzeit m Rußland treibt, indeni sie durch bezahlte Ncwnten die Bevölkerung aufzuhetzen, das Sowjet- regnne zu stürzen sucht, mit dem offen mrsgesprochenen Zweck, das Land wieder indenKricg gegen Deutsch­land kineinzuireiben, wie sie ferner die Japaner, da diesi für den Krieg in Europa nicht zu haben sind, als Büttel gegen das widerspenstige Rußland zu be­nutzen sucht," bildet eine herrliche Illustration zu den Völkerrechts* und Freiheitsphrasen, zeigt das zweite Gesicht der Entente.

So wenro echtest sie die Freiheit der Rationen und das SclbstbesüvWMrgÄ'echt der Volker, daß sie, die

klbend-klusgabe.

gegen uns den unberechtigten Vorwurf der imperialistr scheu Politik erhebt, sich immer wieder in die inneren Angelegenheiten Rußlands hineinmisckt. Mag man über die derzeitigen Zustände im Exzarenreiche und über das Sowjetregiment mit all seinen Verwirrungen und Verirrungen denken, wie man will, io sollte doch das ebenso wie für uns auch für d?i Entente eine inner russische Angelegenheit sein. Und gerade die Alliierten, welche angeblich die Demokratie auf ihr Banner geschrieben haben, sollten doch das Selbst- bestimmurgsrecht der Völker auch in der Praxis Er­kennen. Statt dessen kämpfen sie teils im geheimen, teils offen gegen dasSewjetreqiment, um unter der Firma „Weltfrieden und Comp." Rußland in einen neuen Krieg binernzichetzen.

Das zweite Gesicht der Entente zeigt sich hierbei m einer ganz merkwürdigen Weise, denn es ist nicht etwa der Abscheu gegen die Bolschewiki, der sie zu ihrem Vor­gehen treibt. Ach nein in der Ukraine unterstützen sie die bolschewistischen Banden gegen untere und die ukrainischen Truppen durch Zufuhr von Waffe:! und drnch die Hetzarsteit ihrer Spione, weil eben die Ukraine mit uns Frieden geschlossen bat. In,Ruß­land aber geht die Taktik umgekehrt dahin, die Bolscbcwikireeikrung zu stürzen und an ihre stelle eine Koalitionsregierung der Radikalen, «Sozialisten und Kadetten zu bringen, weil die Bolschewisten mit uns i\ Frieden aemncht haben und nmn sich «irsicheincnd einredet, daß die Gegenpartei Neigung haben könnte, nochmals das Kriegsbeil gegen uns anszugraben. Nach bewährter Methode bedient nian sich dazu bezahlter Agenten, um „Dolksstimmunq zu machen"; aber, diese Versuchs, das Gesicht der Demokratie zu wahren, stellen doch ein allzu durchsichtiges Manöver dar. Welches das Ziel dieser Gegenrevolution ist. ging deutlich a»S der Kundgebung dcr Ententesozialisten in Genf hervor, in der niit bemerkenswerter Offenheit mitgeteilt wurde; ,Das Programm der Geaenrevolutionäre ist sehr ein­fach, ,Die Bolschewiki stürzen, eine große Armee aus die Beine bringen, von neuem den Krieg gegen die Deutschen, die Todfeinde, Rußlands und dcr Revolution beginnen und sofort die Konsti­tuante znsammenberiifen."

Kennzeichnend für die Taktik der Entente rst der von ihr a. n a e st i f t e t e und finanzierte Ans- stand der Tschechen und Slowaken gegen die russische Regierung, der bereits einen solchen Umfang angenommen hat daß die „Petersburaer Telegraphen- Ugentur" offiziell von der tschechisch-slowaki­schen Front berichtet. Diesmal werden die Russen sich freilich die Ohren verschließen, wenn ihre „slawi­schen Brüder" ihnen wieder wie vor ihvmr überlaufen znrnfen sollten; Rsc strselai brat, ja tschech! (Schieß nickt Bruder, ich bin TschecheEs kennzeichnet endlich das zweite Gesicht der Entente, wenn, die Pariser ministeriellen Organe setzt abermals eine Aktion Japans gegen die Sowietreoierung cmkündiqen, wo­bei die Ententemächte in einer Proklamation gegen das russische Volk Japan als , Vollmachtträqer zur Gerstel- Iitna der Ordnuna" hinstellen wollen. Nun werden die Alliierten sich freilich insofern schneiden, als Japan bei einer solchen Aktion wie bisher nicht an eine .Hilfe für die Alliierten, sondern an die eigene Bereicherung denkt.

Im i'brigen dürfte die gegen die Entente gerich­tete scharfe Mahnung der offiziösen „Jswestisa" vielleicht doch in London und Paris etwas abkühlend wirken. Die russischen Pläne der Alliierten aber sind nicht nur deshalb zum Scheitern verurteilt, weil die So»o;etregieruna fürs erste noch am Ruder ist, sondern weil auch jede andere Reaiernng angesichts der völligen Erschbvfnna Rußlands, der allgemeinen, Desorganisa­tion und Verwirrung außerstande wäre, nochmals Kriegssold von der Entente zu nehmen, um zwangs- ,o.’i)r für die ,,Freisten" zu kämpfen und Krieg „für den Weltfrieden" zu führen — im Sinne der Enteiste.

. Di« halbamtliche Moskauer Erklärung aeaen einen neuen Rrieg.

W. T.-B. Stockholm, 21. Juni. (Meldung der Peters­burger Telegraphen-Agentur.) Die halbamtliche Zeitung „Jstvestija" wendet sich in einem Artikel gegen die Bestrebun­gen. Rußland ohne Rücksicht auf den Mangel an Vorbereitung und auf die Abneigung der Bevölkerung in einen neuen Krieg zu treiben. Sie sck>eeibt' „Die, welche zu diesem Abenteuer Hetzen, mögen sich bewußt sein, daß sie bei der Ver­wirklichung ihrer Pläne ans den v e r z w e i f e I t e n W i d e r- st a n d W§ revolutionären St ußland stoßen werden. Sin schlechter Trost sind für sie die Phantasien verräterischer Sozialisten, die sich einbilden. die Macht der Sowjets in die Luft sprengen zu können, indem sie die angebliche Ent­täuschung der Massen über die Sowsetregierung in die Welt l-inauspolaunen. Die Regierung bleibt unerschütterlich in dem Vertrauen. Es werden sich nicht nur Millionen vor, Arbeitern und Bauern in revolutionäre Legionen verwan­delt,. um im äußersten Notfall die Macht der Sowjets zu ver*

Nr. 288. . 66. Jahrgang.

leidigen, sondern auch überall werden die Massen nicht dulden, daß Rußland in einen neuen Krieg mit Deutsch­land gehetzt wird. Die'Alliierten wißen wohl, daß sie, selbst denn sie sich die Mitarbeit gewisser treuloser Elemente bei ihrem gegen die Sowjets gerichteten Abenteuer zu, sichern wüßten, nur den Sturm des Bürgerkrieges in, gan, Rußland entfachen würden. Vielleicht ist es zu spät sie auf die Gefahren des betretenen Weges hinzuweisen, trotzdem wellen wir am Vorabend entscheidender Ereig­nis s e, die der gesamten Geschichte eine neue Richtung geben sollen, und in der Voraussicht gewaltiger Katastrophen und des vollkommenen S che ist er ns der Anschläge des antigermanischen Bundes voll tiefer Besorgnis für beide Parteien unseren alten Rat wiederholen: Die einzig gerechte und für beide Teile vorteilhafte Politik ist es, welche die Alliierten dazu führen wird, die Sowjetregierung an zu er - kennen und dem revolutionären Rußland zu helfen und es bei der Wiederberstellung seines- wirtschaftlichen Apparates zu unterstützen. Jede andere Politik märe nicht nur ein Verbrechen, sondern ein Fehler. Die unglücklichen Völker zahlen rst einen zu hohen Preis für die Fehler ihrer Regie­rungen."

W. T.-B. Moskau, 22. Juni. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Die Zeitung „Jsweitija" schreibt zu dem Versuch, Rußland in einen neuen Bürgerkrieg zu stürzen: Ein durch einen neuen Kampf, geschwächtes Rußland wird nickt einen Stützpunkt für eine ' neue Front bilden können, und selbst wenn e§ England» und Frankreich gelänge, auf russischem Gebiet vorzudringen, um die Deutschen zu bekämpfen, würde das russische Volk den Alliierten diesen neuen Einfall niemals verzeihen, der unter der Maske der Hilfeleistung verschleiert wird.

Ein Proteststreik derrufsischen Industriearbeiter.

«B*. Basel, 24. Juni. (Eig. Drahtlbericht. zjb.) Nach «dem HÄ«stn«gforser „Hufvudbladeid" «beschloß eine ^et«^^s^u^^^gz»^er- sarnmili'm'g van Jm>dustrieavbeitern, einen politischen allgenrei­nen Ausstonid gegen «das jetzige Regierungs- fffem Rußlands zu verkünden. Die Sowjetrsgierimy wird in den nächstem Tagen wogen zuneihmonder Gärung dem v e r- schärsten Be«lageruugszustan-d üiber eine Anzahl rufsischvr Städte «verhän«gen.

weiteres Vordringen der Ekckiecho-Slsrvaken.

W. T.-B. Moskau, 22. Juni. (Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Rach der Einnahme von Omsk rnar- r inerten die Tschecho-Slowaken auf Tobolsk und Jschim. Nach der Schlacht vom 8. und 9. Juni warfen - die an Zahl weit überlegenen tschecho-slo«wakischen Abteilungen die «Sowjet- truvpen in der Richtung ans Kasontin und Tscheljabtnsk zurück.

Rückzug Semenows.

Haag, 23. Juni. Reuter meldet aus Schanghai: Aus Charbin wird berichtet, General Semenow wurde gezwungen, sich aus der Mandschurei z u rü ck z u z ieh e n, da 3000 Kosaken zum Feind übergingen, nachdem sie zuvor ihre Offi­ziere ermordet hatten. Die Rote G«irde bedrohte die äußerste Flanke der Truppen Semenows. — Reuter meldet weiter: Tie Bolschewiki besetzten die Eisenbahn zwischen Borzia und den Stationen in der «Mandsckuei, auf denen sich die Näch­st u t Semenows befindet, die sich mach der chinesischen Grenze zurückzieht. Die Grenze ist stark mit chinestschen Truppen k esetzt. Diese erhielten den Befehl, nickt gegen die Bolschewik, rorzngehen, so lange die Grenze nicht bedroht sei.

Sibiriens neue Front gegen uns?

Basel, 24. Juni. „Matin" «borichdet: Die neue sKirrsche Regierung sam«mett alle ruisstschon Patrioten um sich. Sie richtet einen Appell an die Alliierten, um eine «neu e F-r«o>mt zu schaffen und die Deutschem zu verjagen.

Jepans Intervention?

Basel, 24. Juni. Nach „Homme libre" hat Japan sich zu der Jmter vo n t i o n e'ntjlchiösseln.

Der Tagesbericht vom 24. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Juni. (Anrtüch.)

Westlicher KricgSschauplah.

Die Lage ist unverändert.

An der A n c r e und A o r e blieb die Gefechtstäti^eit tagsüber gesteigert. Am Abend lebte sie auch in anderen Ab­schnitten der Kanipffront ans Während der Nacht rege Er­kundungstätigkeit.

Östlich von Badonvillrr drangen Sturmtrupps in amerikanisch-französische Elräben ein, fügten dem Feind« schwere Verluste zu und brachten 4v Gefangene zurück.

Leutnant U d e t errang seinen 31. und 32., Oberleut­nant Göhring seinen 20. nnd 21. Luftsieg.

Der Erste Generalqnartiermeister: Ludrudorff.

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In Erwartung einer neuen' Schlacht.

Sr. Zürich, 24. Juni. (Eig. Drahtlbericht. z«b.) Die Lon- donsr „Morming Polst" mÄdst: Die Anzeichen mehren sich daß die SckMcht im Westen vor ihrem Wivderibsginn stetst. Auf deck verschiedsnsten Teilen der lam-ggeskreckt-in Front nim«mt «das feindliche Artilleriefeuer zu. Die A mm e-e- kommiss io neu -btzgabe« sich inLoö HaWchuamtier.