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„Exzellenz, schreien Sie nicht! Meinen Sie, daß das Telegramm, welches Sie heute erhalten haben, imbekannt geblieben sei? Ls lieat ganz in Ihrem Interesse, alles ju vermeiden, was Sie aufgeregt zeigt. Ich empfehle Ihnen eine gleichmäßige heitere Ruhe. Jene Ruhe, welche der Ausfluß eines Gewissens ist, das rein ist. Und mit der Sie jetzt draußen den Auftrag geben werden, mir einen Auslandspaß auszufertigen. Denn die Zugverbindungen jetzt im Kriege sind sehr schlecht und gar leicbt könnten Sie jene Frist verpassen, welche gesetzt ist!"
„Aber wer bürgt mir dafür, daß auch Sie Wort halten werden?" fragte der Gouverneur zögernd.
Der Deutsche hielt ihm die Hand hin.
„Das Ehrenwort eines Deutschen wird Ihnen genügende Bürgschaft sein."
Der Gouverneur holte tief Atem, schlug in die dar- gcbotene Hand ein, schellte und befahl dem eintretenden Beamten °.
„Dieser Herr erhält unverzüglich einen Auslandspaß. Seine Reise ist in jeder weise zu unterstützen und im nächsten
Petersburger Zug ein Abteil erster Ulasse für ihn zu reservieren!"
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Bierzehn Tage später saß der Deutsche in Berlin im Kreise seiner Bekannten und erzählte den Fall.
„Mensch", rief man erstaunt aus, „woher in aller Welt hattest du die Beweise?"
„Beweise? Ich hatte keine, was ich hatte, war nur eine Gewißheit. Die Gewißheit, daß der Gouverneur, wie alle russischen Gouverneure, gestohlen hatte. Auf diese Gewißheit baute ich meinen plan."
„Und die Depesche?"
„Rührte von einem mir befreundeten Grusinier her, mit dem ich die ganze Geschichte, ehe ich meine unfrei- -willige Reise nach Sibirien antreten mußte, abgekartet hatte."
„Und wenn es schief gegangen wäre?"
Der andere schüttelte lächelnd den Kopf.
„Das wäre nur möglich gewesen, wenn der Gouverneur ein reines Gewissen gehabt hätte. Dieser Fall aber war undenkbar. Deshalb riskierte ich nichts.
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Von e. Rampe. (Nochdn.- »erb-».».,
urz vor ihrer Mündung ins Meer biegt die Hser im scharfen rechten Winkel nach Westen um, läuft eine Strecke in gleicher Richtung mit dem Meer, um dann wieder in der alten Nordrichtung unfern Nieuport der See zuzuströmen. Dieser nordwestlichste Fleck Flanderns zwischen Meer und Fluß, der wieder nach den kürzlichen Heeresberichten den Schauplatz heftigster Kämpfe gebildet hat, schaute schon oftmals deutscher Waffen Heldentat.
Hier war es, da die aus den, erstürmten Antwerpen in panischer Flucht znrückflutenden englischen und belgischen Truppen zum ersten Mal sich aufs Reue festsetzten, um hinter dem starken jenseitigen Damm der Hser, die sich wie ein unüberwindbares tiefes Hindernis quer durch die tennengleiche Ebene streckt, dem Ansturm der deutschen Verfolger zu trotzen.
Diese Hoffnung schien nicht so unberechtigt. Denn von dem hohen Damm aus beherrschte sie weithin die endlose, jeder Deckung bare Fläche, die außerdem noch mit zahlreichen, dem Angreifer hinderlichen Wassergräben durchzogen war. Die allein Deckung bietenden Dörfer oder Gehöfte waren vorher in Trümmer gelegt. In dem großen Dorf Mannekensvere war nur noch ein einziger kleiner Stall stehen geblieben, der aus Beton erbaut war. Selbst die Kirchen der Dörfer hatten die Belgier in unsinnigster weise gesprengt, damit sie keine Deckung oder Beobachtungsmöglichkeit gewähren könnten. So erhebt sich in St. Pierre Lhapelle ein entsetzlicher, viele Meter hoher Steinhaufen — die einstige Kirche.
Und doch ist der unmöglich scheinende Angriff von dem verfolgenden deutschen Reservekorps mit zähem Heldenmut durchgeführt worden. Zwar ein heißes Laufen mit dem Tode um die wette wars im Granatenhagel und Schrapnellregen über den deckungslosen wiesenplan! Aber der diesseitige Damm des Flußes winkte ja Deckung und wurde endlich erreicht. Doch nun gähnte breit die tiefe Hser, mit höhnischem Glucksen ihre dunklen Fluten vorbeiwälzend, und hart über dem Damm lugte im Anschlag der Feind.
Abend ward's. Und im Grauen der Nacht zimmerten geheim hinter dem diesseitigen Damm deutsche Pioniere eine leichte Behelfsbrücke. Im ersten Morgennebel warfen sie diese plötzlich über den etwa vierzig Meter breiten Fluß bis auf den jenseitigen Damm. Der Pionierhauptmann, der dieses tollkühne Werk seiner Kompagnie geleitet hatte, schwang sich selber als erster im herbstlichen Morgennebel auf schwankem Brückensteg über das gurgelnde
Wasser, um die feindliche Brüstung zu gewinnen. Dort fiel er. Aber seinem Beispiel waren bereits viele brave Pioniere gefolgt und hatten sich im Handumdrehen des feindlichen'Grabens bemächtigt. So war das Unternehmen gelungen, ehe der überraschte Feind noch recht diese unglaubliche Tatsache erfaßt hatte. Zweihundert Gefangene ließ er in der Hand des Siegers, der Rest entfloh in kopfloser Hast.
Ihm setzten die deutschen Truppen auf den Fer,en nach. Und da dieser keine Rettung in eigener Kraft mehr sah, öffnete er die Schleusen seiner Kanäle und überscbwemmte weithin das eigene Land. Bis hart vor Nieuport waren die Deutschen nachgedrungen, als die immer höher steiaende Flut ein Halt gebot. Auf die Meldung nach rückwärts, daß die Truppe bereits bis an die Düften im Wasser wate, kam die Anfrage, ob dies ein Hinderungsgrund für deutsche Truppen sei, weiter vorzugehen? Erst als das Wasser noch höher geschwollen war und die Mannschaften ernstlich bedrohte, wurden die Truppen wieder bis hinter den Fluß auf den trockenen Damm zurückgenominen.
Mit teurem Blute waren diese ewig denkwürdigen Taten erkauft. Auf dem breiten wall des Dammes ragten bald zahlreiche schlichte Holzkreuze auf, die Stellen kündend, an denen deutsche Helden ihre letzte Ruhestatt gefunden hatten. In den hinter dem Gefechtsfelde liegenden Dörfern aber entstanden überall unter der Pflege sorg- samer Hände besondere Ehrenfriedhöfe.
Freilich, als wir das tapfere Korps bald darauf aus seiner Stellung am Hserdamm ablösten, war es mittlerweile auch hier friedlich und still geworden. Nach dem tollkühnen Stürm war der Feind in achtungsvoller Entfernung weggeblieben und hatte sich hinter einem andern gleichlaufenden Kanal verschanzt. So unterbrach in der Winternacht der Ablösung nur ab und zu der eintönige Ruf eines Wasserhuhnes 'die nächtliche Stille. Bisweilen auch schwoll fernher ein dumpfes Brausen an. Als wir unsern Begleiter, der uns in die neue Stellung geführt hatte, über dieses seltsame Geräusch befragten, erwiderte er uns lächelnd, daß es das Meeresrauschen sei, was wir hörten, wie staunten wir da! So nah also lag uns jetzt das Meer.
Dann führte uns der Begleiter über die von Granaten zerwühlte breite Krone des Dammes bis an den dunkelglänzenden Spiegel des Flußes.. Er ergriff eine Hand voll Erde und warf sie hinein, — zischend blitzte es
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