Der undenkbare §aU.
Von ßermann Wagner. «Nachdruck oerboten.,
er Gouverneur des sibirischen Kreises W.. . erhielt eines Tages aus Batum im Kau n 'ST» kasus, einer Stadt, in welcher er van seiner J$5) W I früheren Wirksamkeit her ebenso viele Feinde uf ^5 L wie Freunde hatte, ein Telegramm, dessen i) Inhalt ihn in große Unruhe versetzte. Das
y/Qj Telegramm war ohne Unterschrift und ent-
hielt eigentlich nichts als eine Warnung. Die Warnung, auf der lfut zu sein, ohne Angabe, vor wem. Ulan sei Unregelmäßigkeiten auf die Spur gekommen. Ts existierten Personen, die Beweise in fänden hätten. Das war alles.
Der Gouverneur geriet durch dieses Telegramm in solche Aufregung, daß er in seiner Wut zwei Stühle zer brach und seinem Sekretär ein gefülltes Tintenglas an den Kopf warf.
„Ihr lfunde", schrie er seine Beamten an, „laßt mich rllein! Ich rate euch, niemanden mehr vorzulassen! Ts wäre sein Tod!"
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Und doch fand sich einer, der den Wunsch äußerte, gerade an diesem Tage vor den Gouverneur geführt zu werden, der seinem Wunsch durch ein großes Trinkgeld Nachdruck gab und der alle Warnungen kühl damit abtat, daß er bat, Man möge nur diese Karte dem Gouverneur übergeben, worauf sich alles weitere finden würde. Nur folgende Worte standen darauf: „Karl Wilhelm Brand, ein Deutscher aus Batum, bittet um eine Unterredung in dringender Angelegenheit."
Ts uxir, als lächele der Beamte hämisch, während er die Karte dem Gouverneur mit einem Bückling überreichte.
Das Gesicht des Gouverneurs, während er die Karte las, schien immer zahmer und bleicher zu werden. Tr nickte nur, hustete und sagte unsicheren Tones: „Lasset ihn herein!"
Der Deutsche trat ein, grüßte kühl-höflich, nahm, ohne dazu ausgefordert zu sein, Platz, schlug ein Bein über das andere und sagte ohne weitere Umschweife: „L.rzel- lenz, ich bitte um einen Auslandspaß!" U7an konnte den Tindruck haben, daß der Gouverneur ob dieser Frechheit starr sei. Tr schwieg eine weile, rückte nervös an seiner goldenen Brille und fragte sodann: „wer sind Sie?" „Mein Name steht auf der Karte; ich habe viele Jahre als Leiter eines großen deutschen Unternehmens in Batum gelebt. Nach Ausbruch des Krieges wurde ich als Zivilgefangener hierher nach Sibirien verschickt." „So, und nun — — —" „—-nun wünsche ich einen Aus
landspaß, um endlich heim reisen zu können."
Gibt's nicht," sagte der Gouverneur schroff.
„Doch, das gibt's," erwiderte der Deutsche noch schroffer und holte sich eine Zigarette hervor, um sie sich anzuzünden. „Ich bin über 50 Jahre, Exzellenz Laut Ulini- sterialverordnung vom so und sovielten habe ich als Unverdächtiger einen Auslandspaß zu erhalten."
„wann, sind Sie verrückt?"
„Durchaus nicht, Exzellenz. Aber zu allem entschlossen."
„Zu allem — — —?"
„Entschlossen, ja."
„was heißt das?"
„Das heißt, wenn Txzellenz sich weigern sollten- "
Der Gouverneur sah ihn mit einem Blick glühenden Hasses an. „Ich weigere mich!" sagte er hart und schnell. Doch d.r Deutsche schüttelte nur lächelnd den Kopf.
„Sic werden sich nicht weigern, Txzellenz!"
Da sprang der Gouverneur mit vor Wut verzerrtem Gesicht auf. „wirst du schweigen, Kanaille?"
„ — — •— denn ich bin jederzeit in der Lage, Exzellenz der Unterschlagung großer, fiir Kriegszwecke gesammelter Beträge zu überführen!"
Diese letzten Worte sprach der Deutsche sehr laut.
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Der Gouverneur war totenblaß geworden.
Ts verstrich eine Pause, in deren Verlauf der Deutsche eine weitere Zigarette hervorzog, sie in Brand setzte und dann sagte:
„Exzellenz, ich habe Beweise."
„Beweise? Ich lache Sie aus. was nützen Ihnen Beweise, wenn ich Sie abführen und auf der Stelle erschießen lasse?"
„Nichts", entgegnete trocken der Deutsche.
Der Gouverneur sah ihn verblüfft an.
„Exzellenz halten mich für dümmer, als erlaubt ist. Die Beweise befinden sich natürlich nicht in meinen Händen, denn in diesen wären sie für mich so gut wie wertlos. Aber sie befinden sich in Händen, gegen die Sie machtlos sind, Exzellenz, und die, das schwöre ich Ihnen, von ihnen Gebrauch machen werden, sofern nicht nach Ablauf einer bestimmten Frist von mir aus Schweden ein in be- stimmten Worten abgefaßtes Telegramm einläuft, aus dem hervorgeht, daß ich frei bin!"
„Und wer bürgt mir dafür, daß Sie die Wahrheit sprechen?" murmelte er.
Der Deutsche sah ihn verachtungsvoll an.
„Ihr schlechtes Gewissen, Exzellenz!"
„Herr —!" brauste der Gouverneur auf.
