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Verlag Langgasse 21

„Tagbl.tthaus".

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Samstag» 22. Iuni 1918.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Ber lin W. 57 , An der Apostelkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203:

ktbend-Kusgabe. _

Nr. 286. . 66. Jahrgang.

Der Tagesbericht vom 22. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 22. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.

Zwischen Arras und Albert dauerten die hef- ligen Teilvorstöße des Feindes gestern bis zum Morgen an. Sie endeten mit vollem Mißerfolg für den Gegner. Beiderseits der Scarpe bei Boiry-Becquerelle, Hebnterne, Hamel und im Wald von Aveluy wurden starke englische Abteilungen, teilweise in erbittertem Nahkampf, zurückgeschlagen. Auch an der übrigen Front trieb der Eng­länder mehrfach vergebliche Erkundungen vor. Bei Abwehr deS Feindes und bei eigenen Borstötzen südlich der Somme; machten wir Gefangene.

Feindliche Fliegerangriffe auf Brügge fügten der Bevölkerung Verluste zu.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

Südwestlich von N o y o n wiederholte der Feind mit stärkeren Abteilungen seine vergeblichen Angriffe südlich von Baudclicvnrt. Zwischen Maas und Marne lebhafte Tätigkeit des Feindes. Mchufach angesevte Krkundungsvorstoße der Franzosen blieben erfolglos. Teilanqriffe der Franzosen und Amerikaner nordwestlich von Ehateau-Thierrp wurden blutig abgewiesen.

Der Erste Generalanartiermeister: Ludendorsf.

Die Schwächung der feindlichen Kampfkraft.

W. T.-B. Berlin, 21. Juni. Inwieweit die ersten drei Monate -der deutschen Offensive im Westen die feindliche Kampfkraft geschwächt haben, geht einwandfrei aus dem Ein­satz der Entente-Streitkräfte und dem Verbrauch ihrer Reser­ven hervor. Während der großen Schlacht von Cambrai-St. Ouerrtin-La Fere wurden insgesamt 15 feindliche Infan­terie-Divisionen und 6 Kavallerie-Divisionen eingesetzt. Die deutsche Offensive in Flandern zwang zum weiteren Einsatz von 36 feindlichen Jnfanterie-Divisinnen und 2 .Kavallerie- Divisionen. Die Schlacht Mischen der AiSne und der Marne ritz aufs neue 49 Infanterie- und 5 Kavallerie-Divistonen in den Kampf. Während des deutschen Angriffs zwischen Mont­didier und Noyo» muhte der Entente-Generalissimus wieder­um 17 Divisionen den Deutschen entgegenstellen. Die Ge­samtzahl der feindlichen Infände rie-Divisionen an der West­front beträgt 189. Bon diesen sind in Summa innerhalb der Zeit vom 21. März'bis 21. Juni 177 Infanterie-Divisionen, außerdem 18 Kavallerie-Divisionen eingesetzt. In der Zeit Mischen den einzelnen Großkampsabschmitten eingesetzte Divisionen sind nicht miig-erechnet. Trotz des vermehrten Ein­satzes von Amerikanern und Italienern sowie farbigen fran­zösischen Formationen sind die französischen Reser­ven stark vermindern Zurzeit beträgt die Zahl der kampfkräftigen französischem Reserven nur etwa ein Viertel der früheren.

*

Amerikanische Verluste nach eigenen Angaben

IV. T.-B. Washington, 21. Juni. (Drahtbericht.) Die Gesamtverluste der Landstreitkräfte der Bereinigten Staaten betragen bisher 817 3 Tote, Verwundete und Ver­mißte.

Unmenschliche englische Grausamkeiten gegen Gefangene.

Ein neuerlicher Vorfall aus dem K e in m e l - G e - b i e t beweist wiederum die unmenschliche Grau- . sizmkeit englischer Soldaten q-egen Ver- wundete. An- 25. April wurden ein Offizier und fünf Leute des Jnfanteri e - R e gin, en ts Nr. 118 bei ibrem Vorgehen in die englische Stellung umzingelt. Kurz darauf hörte man von der stelle. wo sie im englischen Graben verschwundn waren, entsetz- li che To des schreie. Als der deutsche Angriff dann über diese englische Stellung vorgetragen wurde, fand man die Leute in einem Saufen kreuz und guer durcheinander tot daliegen. Nach ihrer ganzen Lage waren sie nicht im ehrlichen Kampfe gefallen. Ver­schiedenen Leuten waren die A u g e n a u s g e st o ch e n. Der dazu benützte Dolch lag mitsamt den Augen auf der Brust des Offiziers: die anderen waren in rohester

Weise verstümmelt._,_

Line neue Umwälzung in Rußland vor der Tür?

Sr. Rotterdam, 22. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Inner­halb der englischen Regierung hat man nach Infor­mationen des Auswärtigen Amtes die Auffassung, daß die Loge der russischen Sowjetregierung so gefährdet sei, daß sie die im Werden begriffene Krise nicht tiberdauern werde. Noch vor der Ernte könne nach dieser Londoner Auf- saffung die Umwälzung eine bürgerliche Regierung ans Ruder bringen, in der die Kadetten die Führung haben sollen.

ver vereitelte Putsch gegen die Sowjet- Regierung.

W. T.-B. Moskau, 21. Juni. In einer offiziellem Bc- L»mtuc «chll«g über die Verhaftung der Teilnehmer an der

Konferenz der rechtem Sozialeevolutionäre und Menfchowik: wird mitgeteilt. >daß nach erbeuteten Papieren der Zweck der Versammlung der Sturz der R ä t e r e g i e r u n g und btc Einberufung der Konstituante war.

vie Erhebung der Tschecho-SIowaken.

W. T.-B. Moskau, 20. Juni. (Petersburger Telegraphcn- Agcntur.) Die Erhebung der Tscheche-Slowaken dauert an und erschwert die Verbindung auf den sibirischen Eisenbahnen sowie die Versaraung der Industrie-Zentren mit Lebens­mitteln/ Die Lage in Pensa ist ernst geworden, da sich die Stadt in der Gemalt der Aufftändischcn befindet. Gegen- wärtia sind die Tscheche-Slowaken Herren der Städte Mas, Kozmeisk und Tscheljabinsk und der Verbindungslinien. Die Beilegung der Erhebung läßt sich für die nächsten Tage vor- ausskhen, da alle Zwischenfälle nur durch die Offiziere der Achecho-slowakisckwn Truppen und gegenrevolutionäre russische Elemente hervorgerufen sind.

W. T.-B. Moskau, 48. Juni. Nach einer Meldung der hiesigen Presse gehen die isibecho-slowäkischen Trappen auf der Linie T s ch e l i a b i n s k - U f a vor. Bei Kischtyn fanden schwere Kämpfe statt.

Eine Proklamation Trotzkvs.

Haag. 22. Juni. Trotzkh hat eine Proklamation ver­öffentlicht, worin er die Erwartung ausspricht, daß die Sowjets der gegenrevolutionären Bestrebungen und der tschechisch-slowakischen Banden bald Herr werden würden.

Flucht eines Großfürsten.

W. T.-B. Moskau, 22. Juni. Nach einer offiziellen Be­kanntmachung entfloh der Großfürst Michael Alexandrowiffch aus Perm.

Zwangseinziehunq der Russen in der Union!

\V. T.-B. Köln, 20. Juni. Wie die »Köln. Ztg." erfährt, haben über 100 000 in den Vereinigten Staaten von Amerika lebende Russen eine Eingabe a» die amerikanische Regie­rung gerichtet, in der sie um die Erlaubnis zur Rückkehr nach Rußland bitten, um dort beim Wiederaufbau des Landes Mitwirken zu können. Diese Bitte ist von der ameri- kar-ischeu Regierung abgeschlagen worden mit der Be­gründung, daß die Gesuchstellec erst ihren militärischen Verpflichtungen Nachkommen müßten. Es wird be­richtet. daß die zwangsweise Einziehung in die amerikanische Armee in allernächster Zeit in Frage komme. Eine große Anzahl Juden ist nach Kanada geflohen, um so der zwangs­weisen Einziehung in die amerikanisch: Armee zu entgehen. Hierzu bemerkt die ..Köln. Ztg.": Diese Nachricht beweist klarer als alle amerikanischen Redensarten, wie es in Wirk­lichkeit um das amerikanische Interesse für Rußland steht.

23000 Tonnen im Mittelmeer.

W. T.-B. Berlin, 21. Juni. (Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitänleutnant Marschall, berKnkte im Sperrgebiet des Mittelmeeres auf Ibtägiger Unternehmung sieben Dampfer ton rund

23 000 Bruttoreyistertonncn.

Alle Dampfer waren außerordentlich wertvoll. Die Ladungen testanden aus Baumwolle, Benzin, Hl und Stückgut.

Der Chef des Admiralstabs der

Ein päpstliches Weißbuch.

Bern, 21. Juni. Italienischen Blättern zufolge steht die Veröffentlichung eines Päpstlichen Weißbuches bevor, das über das Werk des Heiligen Stuhles im Weltkrieg an Hand vcn Dokumenten Ausschluß erteilen werde.

Ablehnung eines pazifistischen Unterhaus- Antrags.

IV. T.-B. London, 21. Juni. (Router. Unterhaus.) Bei der zweiten Losung der Bill über die konsolidierte Staats­schuld brachte der Pazifist Morell folgenden Zusatzantrag ein: „Das BoW wünscht von der Regierung die Zusicherung zu evbalten, -daß sie keine Gelegenheit. die Kriegsprobl-emie auf diplomatischem Wege durch Übereinkünfte zu lösen, vorübergchen lassen wird, und gibt ferner der Meinung Aus­druck, daß die Geheim Verträge mit den Alliierten einer Revisicn unterzogen werden sollten, da sie in ihrer gegen- wc^tigen Gestalt mit den Zielen unvereinbar sind, für die England in dm Krieg eingetreten ist, und daß sie deshalb ein Hindernis für einen demokratischen Frieden Bilden." Morell Dhrte aus, das Volk sei durch, die Entwicklung der Dinge be­sorgt und sei Berechtigt, von der Regierung eine erneute Dar­stellung ihrer Kriegsziele und 'hrer Anschauungen über die Aussichten, sie zu verwirklichen. zu verlangen. Irr allen kriegführenden Ländern sei «ine immer stärker wer­dende Bewegung zugunsten von vernünftigen Frie­de n s b e d i n g u n g e u vorhanden, um dom Krieg ein Ende zu machen. Philipp Snowden unterstützte den Antrag.

IV. T.-B. Amsterdam, 21. Juni. (Reuter.) Das Unter­baus lohnte das pazifistische Amendement Morell ohne Ab­stimmung a b.

Eine weitere Rede Salsour-.

IV. T.-B. Amsterdam, 22. Juni. (Drahtiberrcht.) Wie das Reutcrschc Bureau aus London- berichtet. hielt Aalfour

im weiteren Verlaus der gestrigen Sitzung dos Unterhauses eine Rede, in der er ans die Ausführungen Snowdens auf dessen Unterstützung des Morellschen Antrags oinging und sagte: Snowden hat gefragt, tvas mit dom Ausdruck Friedensoffensive gemeint sei. Er meine damit, jeden Versuch durch Reden oder in anderer Weise unter Vor­wand des Wunsches nach einer ehrenvollen Beendigung des Kriegs und des Kampfes -der Alliierten, in die große Sache der Freiheit Zwietracht zu bringen und die einzel­nen Mitglieder der Entente zu entmutigen. Die Rede Snowdens sei eins der klassischsten Beispiele dafür. Jeder­mann wünsche eine ehrenvolle Beendig-urig dos Kriegs und niemand wünsche den Krieg wegen irgend welcher unter­geordneter Motive fortzusetzen. Snowden habe eine Über­sicht über die Friedensoffensive gegeben, die von Zeit zu Zeit von den Mittelmächten ausgeyvngen sei. Sei aber einer davon so gewesen, daß je ihn ein vernünstig donkender Historiker als eine annehmbare Grundlage für den Fvieden hätte betrachten können. Gebe es irgend ein An­zeichen -dafür, durch die Vorschläge, die der Brief dos Kaisers von Österreich gemacht habe, oder irgend wei­chen anderen Vorschlag den Frieden zu erhalten, den selbst ein Mann wie Snowden als annehmbaren Frieden be­trachten würde? England hat niemals irgend welche Voi> schlage zurnckgewiesen, die seiner Meinung nach auch nur die geringste Aussicht auf einen Frieden, wie ihn alle wünschon, gewährt hätte. Es sei gar kein Anzeichen dafür vorthandon. daß die deutsche Regierung es mit einem solchen Friedons- angeBot jemals ernst gemeint hätte. Hat die deutsche Regie­rung jomälS offen und deutlich in einem ihrer Dokumente oder einer ihrer Roden erklärt, daß Belgien anfgegeben, wieder hergestellt oder wieder in die Lage absoluter wirtschaftlicher und politischer Unabhängig­keit toi setzt werden würde? Er kenne keine solche Er­klärung. Dann hätten es die deutschon Staatsmänner so dac- gestellt, als ob sie den englischen Staatsmännern annehmbare Friedensbedingumyen anyeboten hätten, und als cb die e n g- lischeu Staatsmänner darauf bestünden, dem Krieg fort- zusehen. Was immer die Absicht Snowden sein möchte, sein Verhalten im Hause sei darnach anyLan, die Alliierten und ihre Freunde zu -entmutigen und die Mittelmächte und ihre Freunde zu ermutigen. (Beifall.) Dies sei eine jäm­merliche Leistung: Snöwdems scheint zu glauben, daß die Alliierten in diesem Punkten mit Präsident Wilson nicht überei nstimmten. So viel er wisse, bestehe keine Dreinungsverschiodenheit zwischen den Alliierten und Wilson übor die Kriogsziele. Snowden habe auch nicht recht, wenn er annohme, daß Geheimverträge, die er erwähnte, dem Friedo-r hiüderlich seien. Es ist. sagte Balfvur, ein Irrtum, anzuneh- men, daß der Vertrag mit Italien dem Frieden im Woge steht.

DK Alliierten sind bereit, in ihrer Gesnmthert auf alle vernünftigen Bvrfchlüge zu Höven.

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Lord Eurzon über die Sinnfeinerverschwöru»g.

W. T.-B. London, 21. Juni. (Router. Oberhaus.) Im Lauf der Debatte über die L a g e i n I r l a n d sagte Curzon: Zwei Dinge von großer Bedeutung haben sich «eignet. Das erste war die im Mai orsülgte Entdeckung der unseligen furchtbaron Verschwörung d« Sinnfein«führer mit dem Feind. Das andere große Evelgnis, das die Lage änderte, war das Vorgehen .des römisch-katholischen Klerus, der Wld«- stand gegen die Dienstpflicht anriet. Dos war eine direkte Herausforderung der Oberhoheit des Reichs in einer Ange­legenheit, in der os noch nie an Frage gezogen war, daß das Reichsparlarnent die höchste Macht habe. Ämter diesen Um­ständen war die Pflicht der Regierung, mit den Tatsachen zu rerl-nem und ihre Politik darnach oinzurichten. Die Por- sönttcb,leiten, die deportiert sind, kannten nicht vor den Richter gebracht werden, ohne dem Feind die Wege anzugoben, auf denen die Regierung ihrenr Vergehen auf die Spur gekommen war. ?5&er wenn einer von ihnen unschuldig war, so hatte er das Recht, Berufung einzulogon. Diose Deportationen haben die Lage in Irland wesentlich «leichtert, und sogar die natio­nalistischen Abgeordneten teilen dies Gefühl der Erleichterung.

W. T.-B. Amsterdam, 21. Juni. „Algemeen Handels- llad" meldet aus London- Die Erklärung Lord Curzons im Oberhaus, daß die Einflihrung von Homerule und der Dienst­pflicht in Irland vorläufig unmöglich sei, kam zwar nicht unerwartet, hat aber in den Wandelgängen des Parla- nients großes Aufsehen verursacht. Die Abgeordneten sehen mit groß« Spannung der Debatte am Dienstag entgegen, in der der Premierininister im Unterhaus eine ausführliche Regierungserklärung abgeben wird. — Eine au§ sämtlichen Parteien'zusammengesetzte Kommission bat die Absicht, di- Regierung zu ersuchen, eine Sonderkommiffion zu ernennen, die über den F öd e r a t i >., p I a it Bericht erstatten soll.

Nach dem „Nieuwe Rotierd. Courant" meldet der poli­tische Mitarbeiter der „Marning Post", daß die Rückkehr der nationalistischen Mitglieder des Unterhauscs nach Vestminst« ir.kclge der Erklärung EurzonS wohl für unbestimmte Zeit verschoben- sei, obwoül viel von der Wahl in East Taoan gbhänge. Wenn nämlich die lU'aiional.ftcu diesen Sitz ge­winnen. werden sie möglicherweise in das Haus zurückkeh-reu und die Lage der Regwrang so sch-merig wie möglich mach«^ Wcnn sie. che» Sitz ah« vtzrli««l, werden sie weg hitzlbeu.