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Freitag» 21. Iuni 1918.

Kbend-Kusgabe. Nr. 284. . 66. Jahrgang.

Zeindliche Erkundungen auf der ganzen Zront.

i Der Tagesbericht vom 21. Juni.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 21. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprcchi.

Der Feind setzte an der ganzen Front festige Erknndungsvorstoße fort. Sie wurden überall ab gewiesen. Nordöstlich von M e rris und nördlich von Albert brachen englische Teilängriffe blutig zusammen.

Heeresarupp: Dcutickicr Kronprinz, j I | Örtliche Angriffe der Franzosen südwestlich von R o y o n, , : der Amerikaner nordöstlich von Chateau-Thier ry

, scheiterten. Franzosen und Amerikaner erlitten hierbei schwere Verluste. Gefangene blieben in unserer Hand. Südwestlich l von Reims wurden Italiener gefangen.

, Die großen, ehemals von Franzosen benützten,

deutlich kenntlich gemachten Lazarettanlagen im Besle- . i [ Tal zwischen Breuil und Montdigny waren in letzter Zeit zweimal das Ziel feindlicher Angriffe.

Der Erste Generalauartiermeister: Ludtndorfs.

I *

Neue eroberte Städte im westen.

W. T.-B. Berlin, 20. Juni. In dem 6820 Quadrat- , j r kilometer gcctzen Gebiet, das die Entente im 'Westen innerhalb dreier kurzer Monate verloren hat, befinden sich allein im Sowmeaebiet 02, in Flandern 37, an der Aisne 8 Städte mit iiber 1000 Einwohnern.

, I L Tic getäuschten Hoffnungen der Engländer auf Foch.

' W » W. T--B. Berlin, 20. Juni. (Drabtbcricht.) Die j [ Folge der ersten schweren Niederlage der Engländer beidcrfeits der Somme stibrte bekanntlich ;u der 1 t Unterstellung der englischen Truppen unter den fran­zösischen Oberbefehl des zum Entsntegeneralissinius er­nannten französischen Generals F o ch. Seine Er- . I Nennung feierteDailh News" am 13. April, indem sie die englische Lage mit Waterloo und Foch mit Blücher verglich. DieWorld" schrieb Ende März: Fochs Er­nennung zum Oberbefehlshaber ist s o v : e I w e r t wie eine gewonnene Schlacht.

.Ist Inzwischen hat General Foch nicht nur zwei N i e- i derlagen der Engländer nicht verhindern kön- i nen, er wurde vielmehr s e I b st in diele hineingezogen,

: I l verlor die Schlacht zwischen Aisne und Marne, so­dann die Schlacht zwischen Montdidier und 1 ' Noyo n und hat seine stolze Manövrierarmee ; I verbraucht, ohne einen entscheidenden Gegenstoß führen zu können.

Die Zlucht aus Paris.

\V. T.-B. Bern, 21. Juni. (Drahtbsricht.) DasPetit 1 I [ Journal" berichtet, daß die Paris verlassenden Züge stets - 1! überfüllt sind. In den Bahnhöfen herrscht ein > I k ungeheurer Andrang. Das Publikum müsse an den Kartenschaltern stundenlang stehen und verliere wegen der buieaukratischen Formalitäten, die mangels genügender Organisation schlecht funktionierten, eine ungeheure Zeit. In der Prcvinz herrsche eine krasse Wohnungsnot und eine schamlose Preistreiberei mit Mietspreisen. Eine schäbige Dachwohnung kostet ftic die Nacht 10 bis 12 Franken. Auch derTempS" beschäftig: sich gleichfalls mit dem Abtransport der Pariser Bevölkerung, die ihr Hab und Gut vor den Fliegerangriffen in Sicherheit bringen wolle. Das j i . Blatt verlangt, daß die Abbeförderung von 150 000 Personen täglich für den Fall der Gefahr vorbereitet werde, während i | gegenwärtig nur 20 000 Personen die Hauptstadt täglich ver­lassen können. Glücklicherweise sei man noch nicht so weit, dcch müsse man aus die Entiernung aller unnützen Eifer I , und Flaumacher dringen. Der! Autobesihern sollte gestattet werden, Paris mit Autos zu verlassen.

Die tiesc Wirkung des Fernfeuers auf Paris.

Berlin, 19. Juni. Wie trotz aller Ableugnungen in den Funksprüchen und der Presse Frankreichs die Be­schießung von Paris wirkt, zeigen die Bemerkungen von Leuten, die kürzlich Paris verlassen haben. In den letz­ten Tagen des Mai war darnach die Wirkung so groß, daß jeder, dem es stine Bermöaenslage nur einiger­maßen erlaubte, die Stadt verließ. Die irmere, g e- zwungenermaßen zurückbleibende Bevöl­kerung ist wütend auf ibre eigene Regierung und die Englände!. die fic für alles Unglück verantwortlich Machen. Diese Stimmung hat zu einer außerordent­lich scharfen Überwachung der Nachrichten seitens dev Regierung geführt. Den Neutralen wird die Ausreise erschwert, und das Verbot, .in der Offent- j üchkeit über die Beschießung zu svrechen, bat zur Aus- k i sehung von Prämien für die geführt, welche Leute be- k : nennen können, die trotzdem über die Beschießung ! s sprechen

r Briaud und Barthsn gegen Clemcnceau!

! W. T.-B. Bern, 20. Juni.Populaire du Centre" Meldet, daß Clemenoiwus Bemühungen, Briand und

Barthou zum Eintritt in stin Kabinett zu bewegen, ge­scheitert seien, weil beide abgelehnt hätten. Man spräche wieder von einem Sturze Elemenceaus. Briand und Barthou rivalisierten um die Ministervräsidentschast, ihre Einigung zu einem gemeinsamen Kabinett, um den Dritten aus dem Felde zu schlagen, sei jedoch nicht aus­geschlossen. _

Beiderseits der Bahnlinie Gderco-Treviso weiter vorwärts.

Ni. Wien, 21. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Den ganzen gestrigen Tag wurde trotz Regen und durchweich­tem Boden sowohl an der Gebirgsfront wie in der venetianischen Ebene erbittert gekämpft. An allen Abschnitten tri°b die italienische Führung immer wieder neue Reserven vor, in dem einzigen Bestreben, das verlorene Gelände wieder zu gewinnen. Die fron­talen Angriffe des Gegners wurden von den öster­reichisch-ungarischen Truppen mit unerschütterlicher Ruhe abgewehrt. Unter schwersten Verlusten . brachen die Stürme von den Linien im Artillerie- und Maschinengewehrfener oder im Nahkampf zusammen. Nicht ein Schritt Boden nach vorwärts bildet den Lohn des verzweifelten Anpralls der dicht massier­ten italienischen Brigaden, denen im Gebirge auch die französische und englische Hilfe keinen Erfolg bringen konnte. General Diaz ahmt die Taktik des Generals Foch nach und opfert gleichfalls rücksichtslos seine Heeresmassen: er erreicht aber nur ein aussichtsloses Verbluten seiner besten Truppen. Auf dem S.üdflügel der Heeresgruppe' v. Boroevic ringt die Armee des Generalobersten v. Wurm beiderseits der Bahnlinie Oderco-Trevsto langsam aber sicher den Feind nieder und hat auch gestern ihre Linien beträcht­lich vorgeschoben. Die Zahl der Gefange­nen wächst stündlich.

Oie russisch'Ukrainische Kbgrenzunysfrage.

ZV. T.-B. Kiew, 10. Juni. Dis letzten Sitzungen der ukrainisch-russischen FriedenSverbandlungen galten noch Weiler den Grenzfragen. Die Ukrainer bestanden auf An­erkennung der Krim als Bestandteil des ukrainischen Staates. Die Russen schlugen dagegen als Kompromiß die Entscheidung der Frage dücch ein Referendum der Krimbevölkerung vor. In der W.rrenaustauschkommission wird über die Liefe­rung von Getreide und Kohle an Großrußland gegen Web- waren. Schmier-, Roh- und Leuchtöle von dorther ver­handelt.

Der Führer der Donkosaken überreichte dem ukraini­schen Minister des Äußern eine Protestnote. In dem ukrainisch-russischen Vorvertrag sind als Übergangspunkte für die Einreise der beiderseitigen Staatsangehörigen auch solche Punkte aufoefiihrt, die auf dem Gebiet der selbstän­digen Don-Republik liegen. Gegen diese Rechtsverletzung er­hebt die Don-Regieruna Einspruch, da sie sich noch im Kriegs­zustände mit der von der Sowjetregiernng nach dem Don ent­sandten Roten Garde befindet.

weitzrutzland ebenfalls selbständiger Staat?

Kiew, 19. Juni. Der weißxussische außerordentliche Ge­sandte Skirmunt verhandelte mit dem ukrainischen Minister des Äußern, wobei das Fehlen irgendwelcher Streitpunkte festgestellt .vurde. Skirmunt hofft auf die baldige Anerkennung Weißrußlands als Staatswesen durch Denrschland.

Ein weiterer ernster Erfolg der Eschecho- Slowolren.

ZV. T.-B. Moskau. 20. Juni. Die Tschecho-Slowaken haben gemeinsam mit Kosaken und Kirgisen Omsk ge­nommen und deu Sowjettruppeu schwere P c r l u st e zu­gefügt. _____________

Oie 5ldmiralsLabsme!duny.

ZV. T.-B. Berlin, 20. Juni. (Amtlich.) Das unter dem Kommando des Kapitänleutnants Middendorf stehende Unterseeboot versenkte vor dem Westausgang des Kanals und an der englischen Westküste vier Dampfer mit zusammen

10 000 Bruttorcgistertonnen.

Von ihnen wurde ein wertvoller, 8000 Brt. großer Dampfer aus einem einlaufenden, sehr stark gesicherten Geleitzug herausgeschossen. Sämtliche Schiffe waren beladen.

Der Chef des .Admiralstabs der Marine.

Lin grotzer französischer Eransportdampfer versenkt.

ZV. T.-B. Paris, 21. Juni. (Drahtbericht. Agence Havas.) Der DransportdampferSanta A n n a, der unter Bedeckung v»n Bstcrta nach Malta fuhr und Soldaten sowie eingeborene Arbeiter an Bord hatte, wurde in der Nacht vom 11. Juni, ohne daß ein Feind bemerkt worden war, torpediert und versenkt. Von den 2150 a» Bord befindliche» Personen wurden 1513 ge­rettet.

vie militärischen ttraftanstrengungen Amerikas. ,

Br. Lugano, 21. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Pariser Korrespondent desSerolo" hatte eine Unterredung mit dem aus Anierita zurückgekehrten französischen Kom­missar Tardieu, der ihm sagte- Was die militärische Kraftanstrengung der Bereinigten Stauten betrifft, so sei die amerikanische öffentliche Meinung von der Notwendig­keit überzeugi, 7 bis 8 Millionen Soldaten stellen zu müssen. Bis- zum 10. Juni hatten die Vereinigten Staaten zwei Millionen Mann ausgehoben: gegenwärtig wird eine weitere Million rekrutiert.

Greyrvölkersriedensbund" im englischen Zinne.

W. T -B. Amsterdam, 20 Juni. Wie das Reutersche Burea: berichiet, hat Viscount Grey eine Broschüre über den Völkerbund geschrieben, in der er ausführt:Es handelt sich in diesem Kriege uni mehr als die Existenz der einzelnen Staaten und Reiche sowie das Schicksal des Kontinents, eie ganze moderne Zivili­sation sicht aus dem Spiel. Nur wenn dce Nationen, die an diesem Kriege teitnehmen und selbst die Neutralen aus dea Er­fahrungen dieses Krieges lernen, wird die moderne Zivilisation nicht untcrgehen wie die ftüheren. Ein Völkerbund zur Sicherung des Weltfriedens wird nicht deshalb unmög­lich bleiben, weil er bisher unmöglich war. Die erste Bedingung sür seine Verwirklichung ist, daß diese Idee zur ernstlichen übec- zcugnng der verantwortlichen Leiter der Staaten und zu einem wesentlichen Teile ihrer praktischen Politik wird. Diese Bilingung war vor dem Krieg nicht erfüllt. In welchem Umfange ist sie es jetzt'? Mit Sicherheit kann diese Frage von dem Präsidenten Wilson bejaht werden, und das genügt, den Ge­danken eines Völkerbundes mit neuen! Leben zu erfüllen. Wilson und sein Land haben als Neutrale (?) durch mcbr als zwei Jahre beobachten und ihr«. Schlüsse ziehen können. Eine dieser Konsequenzen war, baß sie Deutschland den Krieg erklärten, um die Welt vor einer Katastrophe zu retten, die andere war der Gedanke eines Völkerbundes. Die Regierungen der Alliierten baben für dasselbe Ideal nationaler und incnschlicher Freiheit gekämpft, aber sie kämpfen glcich-citig sür die Erhaltung der narionalen Existenz Europas. In England ist der Plan eines Völkerbundes von vielen Seiten freundlich anfaenommcn worden."

Nach diesem ausführlichen Lob der Alliierten wendet sich Greh zu denen, die der L äut er u n g .bedürfen:

Dagegen ist und bleibt die deutsche Militärparter Gegr er dieses Plaues Wenn diese Partei am Ruder bleibt, wird Deutschland sich den: Völkerbünde widersetzen. Daran wird nichts ändern, wenn nicht im deutschen Volk die Überzeugung Raum ge­winnt, daß eine au? Recht und Verträge begründete Sicherheit besser ist als die Gefahren des Willens zur Macht."

Diese Überzeugung würde eine solche Änderung Hervorrufen, daß die Militärpartei rbre Pelrtik und ihre Ideale aus ihrer Macht­stellung ve: drängen würden. Diese Bedingung wurde von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten wie von allen kricgfilbr enden Staaten, dir am wenigsten erschöpft sind, an­genommen. Sic findet sich auch bei den Regierungen der Alliierten oder wird von ibnen am Ende des Krieges verirrten werden.. Auch unter den M i t t e! ni ä ch r e u erklärt Österreich-Ungarn sich hoffentlich zur Annahme eines dahingehenden Vorschlags bereit. Bleibt der Widerstand Deutschlands. Deutschland wird finden, daß eine friedliche Entwickelung der Erweiterung des Krieges vorzuziehen ist. Ter Bund, wie Wilson ihn wünscht, muß Deutsch­land e i n s ch l i e ß e n. Die zweite Bedingung beabsichtigt die Be­reitschaft der Regierungen für eine gemeinsame Abgrenzung ihrer nationalen Betätigung. Kleine schwächere Nationen werden das Recht haben, daß sie vom Bunde respektiert und aufrecht erhalten werden müfien Starke Nationen müffen darauf verzichten, ihre Interessen gegen die Schwächeren mit Gewalt geltend zu machen. Alle Staaten müssen auf das Recht verzichten, bei jeder Streitigkeit zur G e w a l i zu greifen, bevor andere Methoden der Regelung durch Konferenz oder wenn erforderlich durch ein Schiedsgoricht versucht worden sind. Eine Verpflichtung besteht darin, daß wenn irgend eine Nation diese Beschränkung ihrer natio­nalen Betätigung nicht cinhalten sollte und die grundlegenden Ver­einbarungen des Bundes bricht, sowie alle friedlichen Methoden zur Regelung zurückwcise und zur Gewalt greife, die ü b i g e n Nationen insgesamt ibre vereinte Macht gegen sie werden gebrauchen müsien. Der wtrtlchaftliche Druck, den ein solcher Bund ausüben könnte »vürde ein sehr mächtiger sein. Aber die mächfigeren Staaten müsien bereit sein, ihre ganze Macht wirt­schaftlich militärisch und maritim zu gebrauchen. Wenn diese Be- dingunxen nicht eingebalten werden, hat das Ganze keinen Wert. Die Individuen der zivilmerten Staaten nehmen seit langem ähn­liche Gedanken und Verpslichlungen bei Austrag ihrer Streitig­keiten an. Die Analogie zwischen Staat und Individuum oder Gruppen von Individuen ist nicht vollständig, aber sie genügt, um die Frage zu rechtfertigen, ob nach dem Kriege die Ansichten der großen Staaten über ibre wünschenswerten Beziehungen zu einander die afrikanischen Häupstlinge oder die von Individuen sein werden, die zu zivilisierten Nationen gehören. Nur die Erfahrung überzeugt die Individuen, daß das Recht besier ist als Anarchie, um die Beziehungen zueinander zu regeln. Was lehrt die Erfahrung dieses Krieges? Wir sind jetzt rm vierten Kriegsjahr. Die An­wendung wisienichastlicher Erfindungen während dieses Krieges wurde von Jabr zu Jahr schreLlicher und vernichtender. Wenn in 20 oder 30 Jahren ein neuer Krieg kommt, wie wird er sich gestalten, wenn weiterhin die konzentriert«« Vorbereitungen an fnene Krieg: berrschen werden Wtnn die wissenschaftlichen llntcrsuchungen künsfig zur Entdeckung weiterer Zerstörungsmittel dienen. Dies,' Entdeckungen können nicht mis eine Nation beschränkt bleiben. Ihre Wirkung wird später sogar noch vollständiger erreicht sein als in diesem Kvicge. Die De-nt schen stehen diejeni Gedanken nicht

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