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Verlag Langgasse 21

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blatthaus" Nr. «650-KZ.

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Freitag? 21. 3uni 1918.

Morgen-ausgabe.

Nr. 283. . 66. Jahrgang.

verzweifelte italienische Gegenwehr.

Der Zeind in verteilen weiter zurückgeworfen.

W. T.-B. Wien, 20. Juni. (Drahtberichr.) Amtlich verlautet vom 20. Juni, mittags:

Die Schlacht in Beneticri dauert fort. Der Feind er­widerte den Fall des größten Teils der Piave- front durch heftige, mit zäher Ausdauer geführte Gegeuangriffr. Um unsere neue Stellung am Fosettakanal, an der Bahn Oderzo-Treviso und auf dem M v n t e l l v wurde erbittert gerungen. Im Montkllogelöndc sicigertc sich der Kamvf mitunter zur Heftigkeit der großen Karstschlachten. Die Italiener trieben ihre Sturmkolonnen stellenweise sechsmal vor. Große Verluste zwangen den Feind zu regellosem Einsah seiner Reserven, die er divisions- und regimenterweise in den Kampf warf. Alle seine An­strengungen waren vergebens. Die Heeresgruppe des Feldmarschalls v.Borocvic behauptete, nicht nur restlos erkämpfte Linien, sondern warf mit den Divisionen des Generals der Infanterie Baron Scham»,zor vie Italiener südlich der nach Treviso führenden Bahn ivcitcr gegen Westen zurück. Auch südöstlich A s i a g o liefen die Italiener abermals und mrt großem Miß­erfolg wie an den Vortagen Stur m7 Besonders rühmend wird in Truppenmcldunqcn der Mitwirkung der S ch l a ch t f l i e g er am Kampf- und Aufklärungs­dienst gedacht. Von unseren Kampffliegern errang Hanptmann Brunowsky den 33. und 34., Oberleutnant v. Linke-Crawford den 25., Oberleutnant Fiala den 23. Luftsicg. Der Chef des Gencralstabs.

*

Die Brückenkopf Stellungen * an der Piave.

Die Erfolge, die die österreichisch-ungarischen Trup­pen bei ihrem Vorstoß und in den bisherigen Kämpfen erzielt haben, beginnen sich allmählich abzuzeichnen; so daß sich ein Überblick über die Gesamtlage gewinnen läßt. Das Hauptergebnis besteht bisher darin, daß die k. und k. Truppen sich ans dem W e st u f e r des breiten und nur unter größten Schwierigkeiten zu überschreiten­den Piaveabschnittes zwei Brückenkopfstellungen ge­schaffen haben, von denen die eine im Norden arn M o n- t e I l o liegt, die andere sich auf dem Erüdflügel im Deltagebiet der Piave befindet. Diese Stellungen, die schon am ersten Kampftags erkämpf: worden sind, wurden in den folgenden Togen gegen alle feindlichen, mit starken Kräften ausgeführten Gegenangriffe sieg­reich behauptet und konnten sogar örtlich erweitert und befestigt werden. Diese örtliche Erweiterung ist nament­lich deshalb wichtig, weil die Truppen damit größere Bewegungsfreiheit gewannen und ein konzentrischer An­griff des Feindes und zusammengefaßte Artilleriewir- kung erschwert wurde. Im Süden konnten die k. und k. Dmppen bis zum Fosettakanal Vordringen und sich an ihm behaupten. Mit der Schaffung der Brückenköpfe ist eine g ü n st i g e Grundlage für die ganze Entwicklung geschaffen, die früher oder später einmal ansacnutzt und verwertet werden kann.

Der M .1 ntello ist ein hoher, ziemlich nnoermittxlt aus der Ebene aufsteigender Höhenzug, der bastions­artig in die Ebene vorspringt und gewissermaßen das Bindeglied zwischen der Gebirgs- und Piaveiront dar­stellt. Er bildet eine Säule der italieniichsn Verteidi- gung»und war deshalb vom Feinde außerordentlich stark befestigt worden. Für die Artillerie bot er einen vor­züglichen Beobachtungspunkt, weil von ihm aus das ganze Vorgelände weithin zu übersehen war. Bei seiner taktischen Bedeutung hatten die Italiener auch sehr starke Kräfte zu seiner Verteidigung bereitgestellt. Seine Eroberung durch die österreichisch-ungarischen Truppen mnß deshalb schon an und für sich als eine hervorrragende Leistung und als ein schöner taktischer Erfolg bezeichnet werden. Deshalb ist es auch von be­sonderer Bedeutung, daß die Österreicher in den letzten Tagen auch auf dem Montello ihre Linien weit vorschieben konnten. Es war daher auch anzu­nehmen, daß der F e i n d sehr st a r k e Anstren­gungen machen und weiters Gegenangriffe ausführen werde, um sich wieder in den Besitz dieses Verloren- gegangencn wichtigen Stützpunktes zu setzen. Nach den bisherigen Erfahrungen kann man aber hoffen, daß es unseren Bundesgenossen gelingen wird, ihre/ Stellun­gen zu behaupten.

Durch die örtlichen Erfolge und namentlich durch die Gewinnung der Brnckenkopfstellungen sind starke feindliche Kräfte dauernd gefesselt und die italienische Heeresleitung war gezwungen worden, ihre Hauptkräfte auf den von der österreichischen Führung bestimmten Abschnitten zur Abwehr weiteren Vorgehens einzusetzen. Damit ist die Initiative gänz­lich auf die österreichisch-ungarische Führung übergegan­

gen und das nächste Ziel des ganzen Vordringens er­reicht worden. Auch die deutschen Vorstöße auf dem westlichen Kriegsschauplatz verfolgten zunächst ähnliche Zwecke. Auch bei ihnen handelte es sich zunächst nicht um ausgedehnten Geländegewinn und uin ein möglichst weites Vordringen, sondern um die Gewinnung^ der Vorhand, die Vernichtung der feindlichen Streitkräflc und den Verbrauch der feindlichen Reserven. Alles dies wurde voll und ganz erreicht, wenn auch dis einzelnen Vorstöße immer nach einigen Tagen zu einem gewissen Abschluß kamen. In ganz ähnlicher Weise und mit demselben Erfolg ist auch der österreichisch-ungarisck>e Vorstoß an der italienischen Front bisher verlaufen.

»

Sr. Wien, 20 Juni. lEig. Drnbtbericht. zb.) Von der Front wird gemeldet: Die Pirvestellunp liegt nun überall 0 Kilometer und an vielen Stillen :0 Kilometer vor unserer alten Front. Im Montellogevict kämpft Erzherzog Joseph bereits um den Besitz des westlichen Höhenrückens in der Linie Tiano (Höhe R9)-St, Andrea.

Eine Verletzung des Erzherzogs Max.

W. T.-B. Bozen, 19. Juni. Gelegentlich der Erstürmung des Dosso Alto durch Abteilungen der Gruppe des Erzherzogs Max am 13. Juni krepierte eine Granate in unmittelbarer Nähe des Erzherzogs, der infolge des Luftdrucks einen schmerz­haften Defekt im Oh: erlitt. Der Erzherzog führt sein Kommando weiter. __

Drei Monate deutscher weftoffenfive.

Unsere Gesamtbeute.

W. T.-B. Berlin, 20. Juni. (Drahtbericht.) In­folge der schweren Mißerfolgs und gewaltiger) Nieder­lagen während der drennonatlichen deutschen Offensive rm Westen Vom 21. Mälz bis 20. Juni verlor die En­tente an Gefangenen Geschützen, Maschinengewehren und Gebiet folgende Zahlen: In der großen Schlacht Ende März an Getangenen über 94000 Mann, infolge der Niederlage in Flandern 30 575 Mann, bei den schweren Schlägen an der A i s n e und an der Oise über 86 000 Mann: in Summa mit den in der Zeit zwischen den großen Kampfhandlungen gemachten Gefangenen über 212000 Mann allein an Ge­fangenen.

An Geschützen verlor die -Entente im Westen: An der Somnie über 1300, in Flündern über 300, an der A i s r. e und Oise über 1200, in Summa 2800 Geschütze: an Maschinengewehren

verloren die Engländer und Franzosen towie ihre Hilfs­völker an der Somme und in Flandern 5000, an der Aisne über 2000. an der Oise über 1000 Maschinen- gewehre, in Summa mehr als 8000.

An Gebiet verlor die Entente: An der Somme 3460, in Flandern 660, an der AiZne 2470, an der Oise 250 Quadratkilometer, in Summa 6820 Quadratkilometer. Dies?s Gebiet umfaßt wichtigste strategische Verbindungen und äußerst frucht­bare Landstriche.

Demgegenüber beträgt der R a u m q c w i n n der Entente in den großen Kämpfen der »ergangenen Jahre an der Somme, bei Arras und in Flandern nur 561 Quadratkilometer eines völlig zerstörten und wertlosen Gebietes.

Eine Million Mutopfer öev Entente.

. W. T.-E. Berlin, ?0. Juni. tDrahtbericht.) Wie lchwer die blutigen Verluste der Entente während der drei Ofscnsivmonale von Ende März bis Ende Juni sich gestaltet haben, geht allein daraus hervor, das- in immer steigendem Maße amerikanische Regimenter zur Ausfüllung der englisch-sranzösischen Lücken ein- gesetzt werden. Bei ihren nutzlosen Gegenangriffen haban die zum Teil unfertig ausgcbildcien Amerikaner außergewöhnlich« Blntopfer bringen wnsscn. Die ei walteten amerikanischen Truppen werden in erster Linie dazu dienen müssen, die atnerikamschen Berluste zu ersetzen. Ein weiterer Beiveis für die Größe der Niederlage und die Höhe der blutigen Verluste der Entente ist der Einsatz von I t a l i e n c r n an der Westfront, obwohl sich an der italienischen Front selbst neue Kämpfe entwickelt haben. Die gesamten blutigen Verluste an Teten, Verwundeten und Vermißten betragen nach zuverlässiger vcrsichtiger Schätzung auf seiten der Entente rund eine Million cinschließlkch der Gefangenen.

Materialverluste in Milliardenhöhe.

W. T.-B. Berlin, 20. Juni. (Drahtbericht.) Während der drei Monate deutscher Offensive vom 21. März bis 21. Juni hat die Entente außer den in den deutschen Heeresberichten gemeldeten gewaltigen Bcutezahlen das gesamte eingebaute Material an Draht, Holz. Eisen, Beton, Telephongerät, Feldbahnen mit ge- füllten Depots. Feldlager, Barackeir und dergleichen in 270 Kilometer angegriffener Frcntbreite verloren. Dieser Verlust allein Leziffert sich auf Milliarden. Tic neue Beschaffung dieser Materialmassen stellt aufs neue die schwersten Anforderungen an die Kriegsindustrie und den Schtsssraum der Entente, wobei besonders schwer ins Ge- Nicht fällt, daß die gewaltigen Menschcnverluste neue Aushebungen und Wetzlpilichtgcsetze erforderten, die den Stand der zur Beringung stehender: Arbeitskräfte in hohem Maße verringern und den kargen Schiffsraum der Entente mit dem Ersatz und dem Materiältransport immer mehr tu Auiprpch nehmen.

feindliche Teilangriffe gescheitert!

W. T.-B. Berlin, 20. Juni, abends. (Amtlich. Draht­bericht.) Nördlich von Albert, südwestlich von No non und nordwestlich von Fhateau-Thierry sind feindliche Teilangriffe unter schweren Verlusten gescheitert.

*

Verschärfung der Krisis in Paris.

5g. Bern, 20. Juni. Jetzt gibt auch die Umgebung des aurtlichen Vertreters Frankreichs zu, daß eine Regierungs­krisis in Frankreich bevorstehe, wenn es nicht gelingen sollte, im letzten Augenblick die bürgerlichen Parteien im Angesicht der furchtbaren Gefahren von außen zu einem einigenden Programm zu bringen. Andere Kreise in Bern beurteilen die Lage in Paris allerdings noch ungünstiger. Danach wäre die Regierungskrise bereits ausgebrochen. Nur suche man ängstlich die Einzelheiten vor der Öffentlich­keit mit Hilfe einer unnachsichtigen Zensur zurückzuhalven in der Hoffnung, daß sich die herrschenden Meinungsverschieden­heiten schnell wieder beseitigen lassen würden, wenn Clemen- ceau seinen augenblicklichen Hauptgegner Bricmd zum Ein­tritt in sein Kabinett bewegen könnte. Die Unterhandlungen wegen der Beilegung der Schwierigkeiten im Ministerium finden unter unausgesetzter Mitwirkung des englischen und amerikanischen Botschafters statt, was lebhaftesten Unwillen in weiten Kreisen der Parlamentarier erregen soll, weil gerade jetzt im Volk eine überaus starke Verstim- mung gegen England herrscht, dem man die Haupt­schuld an den militärischen Ereignissen und vor allem auch an den schweren Lebensniittelnöten gibt. England sucht Clensenceau zu halten, wäre aber, um ein Zeichen des Ent­gegenkommens zu geben, nicht ganz abgeneigt, auch ein Kabinett Briand in Gnaden aufzunehmen, wenn in diesem nicht bloß für den Sozialisten Thomas, sondern auch für den Nationalisten und Kriegssancrtiker Barthou Raum vorhanden wäre. Lloyd George sucht ausgleichend zu wirken: er nwchte die äußerste Linke und die äußerste Rechte um Briand ge­schart sehen. Noch zufriedener wäre er, wenn es Clemevceau gelänge, sein Ministerium auf eine Koalition Thomas und Barthou mit Briand als Außenminister zu erweitern, wäh­rend Pichon (der bisherige Außenminister) entweder fallen gelassen oder mit einem anderen Portefeuille bedacht werden soll. Die Dinge scheinen nach Meldungen aus Frankreich auf des Messers Schneide zu stehen, da die Sozialisten unerwartet große Schwierigkeiten bereiten und Forderungen stellen, die für England als vollkommen unannehmbar gelten. Thomas soll glaubwürdigen Verficherungen zufolge was Vorkehrung«! zu einer wirklichen Friedensoffensive Frank­reichs bestehen, ein Verlangen, das auf Widerspruch in der Umgebung von Clemenceau und Lloyd George stößt. Da­ker wäre es kein Wunoer, wenn sich des Volkes eine gefähr­liche Gereiztheit bemächtige.

Ein holländischer Ministerrat.

W. T.-B. Haag, 20. Juni. (Drahtbericht.) DaS Kvrvespondemzbureau .meldet, daß ein auherordemKichcr Ministcrrat vibgehalten wurde. Nach Informationen dts Wurevus ist die neuerliche Berschielburog der Abfahrt des G e - leitzugs nach Indien darauf zurückzuführon, daß die Schiffspapiere noch nicht ganz in Ordnung find.

Die Paßvcrweigerung für Trölstra.

Rotterdam, 20. Juni. DerNieuwe Rotterd. Courant" berichtet: Heute wurde Dr. Troelstra mitgeteilt, daß die eng­lische Regierung es abgelehnt hat, ihm einen Paß für die Reise nach England auszustellen.

W. T.-B. Amsterdam, 20. Juni. (DrahLbericht.) Wie der hiesige Vertreter des >Wolfs-Bureaus von gut unterrich­teter Seite erfährt, bestätigt sich die Nachricht, daß die e ng ­lische Regierung die Absicht hat, Trölstra den Paß für die Reise nach London zu vördoeig-eun, um angesichts der Stmn- mrmg unter den onglischcn Seeleuten unlielbfame Zwifchen- fälle zu vermeiden.

Uönigreich Zinnland?

DieNeue politische Korrespondenz" schreibt: Die Verhältnisse in Finnland gewinnen allmählich an Festigkeit und klären sich da­hin, daß die Schaffung eines unabhängigen Königreichs Finnland zur' Gewißheit wird Für die Übertragung der Königskrone kommt als alleiniger Kandidat der Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg in Frage, ein Fürst von hervorragenden Fähig- keiten, großem Verständnis, weiten, Blick und vornehmer Gewandt­heit Er würde für die in Finnland zu erfüllenden Aufgaben in

jedem Betracht vorzüglich geeignet sein. Herzog Adolf Friedrich ist

durch seine wiederholte» Forschungsreisen in Afrika und

durch seine Tätigkeit als Gouverneur in weiten Kreisen be­

kannt geworden.

In Finnland wünscht nran möglichst bald die Grundlagen für die staatliche Gesta'Rng des Landes herzustellen, um an den inneren Aufbau herantreten zu können.

^Die Richtung der finnischen Politik.

Kopenhagen. 20. Juni. Nach einer Meldung aus Helsrngfors erklärte der zum finnischen Gesandten in C h r i st i a n i a eri'annte Professor Allan Serlachins, daß der zukünftige Mittelpunkt für die politische Ricknnng Finnlands Berlin sein müsse, das auch in handelspolitischer Beziehung für Finnland von größter Be­deutung sein werde. Auch mit Dänemark werde Finnland rege Handelsbeziehungen unterhalten können, dagegen werde iu Schweden vorläufig nur wenig zu kaufen jeitw