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Donnerstag» 20. Juni 1918.
abend-Kusgabe.
Nr. 282. . 66. Jahrgang.
Der Tagesbericht vom 20. Juni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 20. Juni. (Arnttlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprcchi.
Fast an der ganzen Front nachm dir Tätigkeit des Feindes abends zu. Das Artilleriefeuer lebte abends auf. Starke Inf ankert e Abteilungen stießen in zahl- Neichen Abschnitten gegen unsere Linien vor. Sie wurden Mb gewiesen.
Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.
Ernenste Versuche des Feindes, nordwestlich von Chateau-Thierry über den C l i 8 n o n-Abschnitt vor- zudüingen, scheiterten in unserem Feuer. An der Übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit in mäßigen Grenzen.
Heeresgruppe GaUwitz.
Südwestlich von Ornes wurden kräftige Vorstöße des Feindes abgewiesen. Zwischen Maas und Mosel drängen eigene Sturmtruppcn tief in dir amerikanischen Stellungen bei S eich epr ey ein und fügten dem Feind schwere Verluste zu. _
Hanptmenn Berthold errang seinen 36. Lustsieg.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludtndorff.
Eine Mut- und Trostrede Bonar Law§.
Bonar Law führte im Unterhaus weiter aus: Die letzte Phase in diesem großen Kampfe ist
die österreichische Offensive in Italien.
Sie ist ein Teil der gewaltigen Offensive, die an der ganzen Schlachtfront durchgeführt morden ist. Unsere Feinde haben recht, wenn sie denken, daß jeder große Erfolg an ^dieser Front weitreichende, sogar e n t sche i d e n de Ergebnisse für die ganze Schlachtfront iy Frankreich haben würde. Deshalb -glaube ich, daß die Initiative für diese Offensive eher von Berlin als von Wien ausging. Diese Offensive wurde am 15. Juni auf einer sehr großen Front begonnen. Eine ''ehr große Anzahl österreichisch-ungarischer Divisionen, erheblich mehr als die Hälfte aller ihrer Truppen an dieser Front, nahmen an denl Angriff teil. Bis jetzt ist der Angriff nach drei Tagen Kanips gescheitert. (Beifall.) Unsere Nachrichten vom italienischen Hauptquartier gehen dahin, daß der Feind nach drei Tagen Kampf nicht die Ziele erreicht hat, die er erreichen wollte. Das Oberkommando hat keine Befürchtungen über den Ausgang. ES wäre verfrüht zu behaupten, daß die Gefahr vorüber ist, aber es ist nicht voreilig, wenn ich iin Ramen des Unterhauses unseren Dank für den Anteil unserer italienischen Verbündeten an diesem Kriege ausspreche. (Beifall.)
Die Lage in Frankreich ist in ihren Grundzügen allen Abgeordneten bekannt. Der deutsche Angriff begann am 21. März. Bevor der Angriff begann, wußte unsere Heeresleitung und die unserer Verbündeten, daß ein deutscher Angriff vorbereitet wurde. „Trotzdem war es sowohl unserem Generalstab wie dem französischen ein wenig zweifelhaft, ob der Angriff bevorständc, weil nach ihrer Ansicht die deutschen Truppen durch Divisionen von der russischen. Front einige Worben später in viel gewaltigerem Maßstab verstärkt werden konnten, als es den Alliierten möglich war.
Der Angriff kam und war so erfolgreich, daß er allgemein die größten Besorgnisse erregie.
Drei Monate vergingen seitdem, und obwohl die Schlacht fortdauert, kann man auf die Ereignisse doch mit einigem Bertr inen zurückblicken. In dem ganzen Feldziig hatten lue Deutschen drei große strategische Zfele vor sich. Das erste war Paris, das andere die Kanalhäfen und das dritte nicht nur die Niederlage der Armeen der Alliierten, sondern die . Durchschneidung der Verbindungen zwischen den englischen, uiid den französischen Truppen. Obwohl die Alliierten sehr viel Gelände verloren haben, bleibt es doch wahr, daß keines dieser strategischen Ziele bis jetzt während dieses großen Kampfes erreicht wurde. Wenn wir bei der Eröffnung der Offensive hätten voraussehen können, wie die Lage nach drei Monaten sein würde, wären wir viel weniger ängstlich gewesen als wir tatsächlich waren. Der erste Angriff am 21. März auf St. Quentin kann als die erste grche Schlacht betrachtet werden.• Er war ein unzwerfel- hasterErtolgfür den Feind. Auch die erste Phase der Schlacht an der Lhs war ein großer deutscher Erfolg. Andererseits war der mächtige Angriff an der Arrasffönt auch ein« große Schlacht, in der die englischen ' Truppen die Sieger waren. Das gleiche gilt von dem späteren Abschnitt der Schl-acht an der Lys. Die Deutschen mußten eS avfaeben, unsere strategischen Stellungen zu nehmen, und auch dies dürfen wir mit Recht als einen Sieg unserer Truppen cmsehen. (Beifall.) Jeder, der dem Kampfe folgte, wird anerkennen, daß die Ergebnisse gerechtfertigt haben, daß der Oberbefehl vereinheitlicht worden ist. (Beifall.)
Eine lang andauernde Quelle der Reserven der Alliierten ist in Amerika.
Es war unzweifelhaft ein Teil des deutschen Plaues, die Reserven der Alliierten zu verbrauchen, bevor sie von - unseren Verbündeten in Amerika verstärkt werden konnten. Aber die Hauptguelle der Reserven der Alliierten bleibt
Amerika. Der Zwang der Not hat das Unmögliche möglich gemacht; amerikanische Truppen kommen nicht erst, sondern sie sin d gekommen. (Lauter Beifall.) Ich kann Ihnen keine Zahlen angeben, aber ich werde Ihnen einen Auszug aus dem Pictokoll des Obersten Kriegsrates geben' Dank dem raschen Eingreifen des Präsidenten der Vereinigten Staaten werden die Anordnungen für die Beförderung der amerikanischen Truppen es dem Feinde unmöglich machen, den Sieg durch Erschöpfung der Reserven der Alliierten zu erringen, bevor seine eigenen erschöpft sind. (Lauter Beifall.)
Brnar Law besprach sodann die Leistungen der englischen Flieger und die llnterseeb ootsgefahr. Bonar Law sagte: Die Unteeseebovtsgefahr besteht noch und wird vermutlich der engl'ichc > Bevölkerung noch Schaden zufügen. AVer nach menschlicher Voraussicht besteht nicht die geringste Ursache, daß England durch Aushungerung zur Unterwerfung gezwungen iverden könnte. Als die Deutschen den unbeschränkten Unte.-seebootskrieg begannen, waren sic überzeugt, daß Amerika unter keinen Umständen seine Hilfsmittel für den Kamvs nutzbar machen könne, um das Ergebnis ernstlich zu deeinfstiffen. Sie hoben sich getäuscht. Die Anzahl der. Truppen, die in diesem Monat herüberge- kommen ist und weiterhin jeden Monat herüöerkommen wird, ist so groß, daß wir sie n>h vor 1 bis 2 Monaten völlig^ unmöglich gehalten hätten. (Beifall.)
Das Maß der amerikanischen Mitwirkung auf den Schlachtfeldern in Frankreich wird nicht durch die Frage der Beförderung, silbern durch die Anzahl der geübten Leute, die für den Kampf verfügbar sein können, be- grenzt. Dies ist die große Tatsache dieses Jahres (Beifall.) und es soll die entscheidende Tatsache des- ganzen Krieges sein. (Beifall.) Mit Bezug auf die gegenwärtige militärische Lage bemerkte Bonar Law: Augenblicklich ist eine Pause eingetreten. Aber 5 a l d imrb ein neuer Schlag erfolgen. Es liegt in der Natur der Sache, daß es unmöglich ist, mit irgendwelcher Sicherheit voraus- zusc-gen, welchen Teil unserer Front den Schlag treffen wird. Die Oberste Heeresleitung der französischen, amerikanischen und englischen Truppen ist ans ihn vorbereitet und sieht ihm nicht nur hoffnungsvoll, sondern mit Vertrauen entgegen. Die Moral unserer Truppen war nie höher als jetzt (Beifall.) Der Ausgang ist noch immer ungewiß.
In den nächsten paar Monaten wird die höchste Entscheidung in diesem Kampfe fallen.
Wenn die Deutschen innerhalb der nächsten -drei Monate keines der dtei strategischen Ziele erreicht haben, iverden sie trotz ihrer Siege den Feldzug verloren haben. Die Zukunft unseres Landes und der Welt hängt von den nächsten paar Wochen ab, sie hängt vor allem von unseren Soldaten und den Soloaten der Alliierten ab. Diese werden uns nicht im Stich lassen. (Beifall.) Aber sie hängt auch von den Leuten in der Heimat ab. Wir müssen >vie unsere Soldaten die uns auferlegten Lasten tragen und wir werden sie mit Vertrauen, Mut'und Hoffnung tragen. (Lauter Beifall.)
Nach Bonar Law sprach Asguith. Er sagte u. a.: Im Hanse und im Leben gewinne allmählich das Gefühl an Boden, daß es im Interesse der Alliierten und der erfolgreichen Fortsetzung des Krieges sei. wenn jetzt ständig im Parlament und so weit es sich mit der militäiischen Notwendigkeit vereinbaren lasse, von Zeit zu Zeit dem Lande autoritative und möglichst vollständige Aufschlüsse über den Verlauf der Kriegshandlungen und über die allgemeine Kriegslage gegeben werden.
Trotz aller ermutigenden Erwägungen, die der Schatzkanzler mit vollem Recht vorgebracht habe, habe er cAsauith) dcch das Gefühl, daß die Lage eine der bedrohlichsten seit dem Beginn des Krieges sei.
Nachdem Asguith von der Überlegenheit der Luftstreitkräste der Alliierten und der Abnahme der UnterseebootSgefahr so- tyie von dem wachsenden Strom der Amerikaner gesprochen und dem Vertrauen in Foch Ausdruck gegeben hatte, sagte er zum Schluß- Jedes Mitglied des Hauses sehe onaesichts dm Erfahrungen der letzten sechs Wochen und der Möglichkeit e r n st e r c t zukünftiger Ereignisse, daß es die Pflicht jedes patriottscheii Mannes sei, alles, was in seiner Macht liege, auch durch Erteilen von Ratschlägen und Kritik zur Kriegsführung beizutragen. Die erste Pflicht des Hauses sei es setzt, der Regierung Ratschläge zn geben und 'hie Standhaftigkeit zn nnterstühen.
Im weiteren Verlauf der Sitzung teilte Bonar Law mit. daß der erste Minister oder er selbst am Montag auf die in der Debatte geäußerte Kritik antwdrten werde. Der Schatzkanzler fügte hinzu, er sei erstaunt zu vernehmen, daß seine Rede im Vergleich zu der Asquiths als optimistisch angesehen werde. In Wirklichkeit teile er vollkommen die Auffassung ASguiths. Cr erklärte- Wir stehen vor der kritischste!» Lage irgend einer Phase , des Krieges.
Aber trotzdem habe ich die feste Überzeugung, daß die Erfolge der Alliierten sich siegreich durchringen werden.
ringe Schätzung des feindlichen Heeres entstand. Me Majorität der Kammer erwartet, falls Clemenceau die Aufklärung verweigert, daß eine Krisis unvermeidlich i st.
Ein neutrales Urteil.
Bern, 19. Juni. Der Militärkritiker des „Bund" chieibt: Jeder Schritt rückwärts bringt Foch dem Saume :es verschanzter»Lagers von Paris näher, das er jetzt chon bet Compiögne und Villers-Eotterrts verteidigt, obwohl die Deutschen Paris weder direkt angrsisen noch als geographisch-strategisches Ziel zu erreichen suchen. Sobald Paris io hart an der Peripherie liegt, daß die Nord- und Ostverbindungen der englisch-französischen Front im Umkreis von Paris von der Schlacht erfaßt werden, hat Hindonburgs An- griffsfeldzug eines seiner wichtigsten Operationsziele erreicht. Fochs Gegenmaßnahmen hemmen diese Entwicktung, o-h ne ihr entrinnen zu können. Dazu bedarf es anderer Mittel und völliger Zurückgewinnung der Initiative.
Line neue Interpellation zur Nriegslag« ^ in der französischen lkammer.
Br. Gens, 20 Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie „La Bataille" berichtet, berieten die sozialistischen Gruppenbilder ihre Haltung zur Regierung betreffs einer- neuen Interpellation zur Kriegslage. Es handelt sich darum, das; Clemenceau die französische Truppe n st ü r k e' unrichtig angab, wodurch eine allzu ge-
Oie Sldmiralstabsmeldung.
W. T.-B'. Berlin, 19. Juni. (Amtlich.) Nene U-Boots- erfcÄge auf tei nördlichen Kriegsschauplatz nach Meldungen 'her aus >S«e zurnckgek ehrten U-Boote:
13 000 Bruttvregistertonnen.
Aus zwei Gelieitzügen wurden an der OsÄüiste Englands di: beiden größten Dampfer trotz starker Gegenwirkung der Be- wachunyssireitkräfte abgeschossön.
Der Chef des A'dmiralstabs.der Marine.
«
W. T.-B. Stockholm. 19. Juni. Nach einer Mitteilung an die Reedereien in Landskrona wurden die schwedischen Dampfer „Agnes" (ungefähr 1400 Brt.) und „PhhlliS" (ungefähr 1000 Brt.) auf der Fahrt zwischen Hüll und Blyth versenkt.
W. T.-B. Bern, 18. Juni. Die Pariser Ausgabe der „Chicago Tribüne" weldck aus New York vom 13. Juni, daß die norwegischen Dampfer „Bind eggen" und „Hendre cklnnd" an der Küste von Virginia von einem Tauchboot versenkt worden sind.
weitere Einzelheiten über die Schlacht in Venelien.
W. T.-B. Bern, 19. Juni. „S t a IN p a" erfährt von einem Frontberichierstotter: Die Schilacht war besonders hes> tig cm beiden Uügeiln der Piave front eUtbranmt. Zn erwarten sei, daß die Heftigkeit sich in kurzem noch steigern werde. Die Kräfte des- Feindes seien im Begriff, noch in erhöhtem Maß in den Kampf zu treten, der die eigentliche entscheidend Phase noch nicht erreicht habe. Boreevic wende alle seine furchtbarem Karten ausspielen. Man dürfe zwar Var- tranen haben, aber sich dön E rnft de r Stn nbe nicht verhehlen.
Rotterdam, 19. Juni. Rach einer Meldung des „Nieuwe Rotterdamsche Courant" ans London berichtet der Korraftwn- dent des „Daily Telegraph" bei der italienischen Armee vom 18. Juni: Das meiste Gelände hat der Feind im Piave- Abschnitt gew'omnen. Dort zogen die Österreicher an drei Stelleil über 'dem Muß und richteten in den ursprünglich italienischen Linien drei Brückenköpfe ein. Ilm den Übergang zu verschleiern, schossen die Österreicher 'große Mengen von Muchgeschossen ab, die den Fluß und die österreichischen Laufgräben mit einem dichten schwarzen Nebel bedeckten. Die wichtigste Fluß Überschreitung ist die im Monte llo-Gebiet, das von besonderer Bedeutung ist. weil es die Verbindung zwischen 'den Gebirgsstraßen und der unt-eren Piave bildet. Der Besitz des Monte Bello würde für den Feind den Wert haben, daß er die in der Piave-Ebene gelegenen italienischen VerteiidigungsstellNngen in der Manke unid rückwärts bchervschen würde. — Die „Daily News" schreibt: Di« Berichte von der italienischen Front siüd zwar gut, aber nicht so gut, daß vorzeitige Schlüsse auf den schließlichen AnS- gang der Offensive gsrechtferttgt wären. — Der „Nieuwe Rotterdamische Courant" schreibt in einer Wersicht über die Lage: Die Dinge verhalten sich vermutlich so, daß man viel eher von einer beiderseitigen Offensive .sprechen könnte, als von einer österreichischen. Diese Annahme erklärt viele sonst unverständliche Einzelheiten in den Berichten vam. Kriegsschauplatz.
Rücktrittsabsichlen Lenins.
Br. Malmö, 20. Juni. (Ein. Drcihtbsricht. zb.) Aus Moskau wird gemeldet, daß sich Lenin mit dem Ge- danken trägt, van seinem Posten als V o r s i tz e n d e r des Volkskommissariats zurückzntreten. Die Rücktrittsabsicht hat in maximalistischen Kreisen große Bewegung hervorgerufen, da man die Demission dos Ministerpräsidenten als empfindliche Schwächung des bolschewistischen Gedankens betrachten würde. Ter allrussische Sowjet in Moskau hat infolgedessen in einer Vollsitzung den Beschluß gefaßt, Lenin das r, o I l st ä n d i g e Vertraue.« der Sowjet auszusprechen, verbunden mit der Bitte, seinen so wichtigen Posten in so kritischer Zeit nicht zu verlassen. '.Iber den Entschluß Lenins liegen noch keine Mitteilungen vor.
