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Mittwoch» 79. Iuni 7978.

fibettfcfttlSCJClbt' Nr. 280. . 66. Iahrgang.

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Das Gesetz unserer Initiative.

Wenn die Ententepresse sich den Kops darüber zer­bricht, ob unsere West offensive abgeschlossen sei, so würden wir uns hüten, diese Neugier zu befriedi­gen, auch wenn wir hierzu in der Lage wären. Aber wir ziehen daraus die Schlußfolgerung, daß den prahle­rischen Versicherungen der Alliierten über das angebliche Fehlschlagen der Offensive schnell die Ernüchte­rung gefolgt ist. Man hatte, um einen solchen Fehl­schlag zu konstruieren, zu dem Mittel gegriffen, unserer Offensive gewisse Ziele unterzuschieben, die man je nach Bedarf mit Amiens oder Npern oder Reims oder gar Paris bezeichnete. Wenn wir demgegenüber wiederholt betonten, daß das Ziel der Offensive nicht geographischer, sondern taktischer und strategischer Natur sei, so können wir feststellen, daß jetzt auch ein englischer Militärkritiker diese Tat­sache anerkennt.

Ein Mister Harri es führt in derReview'' zu­treffend aus, daß es der deutschen Heeresleitung auf die Bindung und Vernichtung der feind­lichen Reserven angekommen sei. Das war in der Tat das Ziel der vier großen Offensivstöße, die nur eine fortgesetzte Handlung der ganzen Offen­sive bedeuten und die gewaltige Keile in die feindliche Front trieben. Mannschaften, Material und sonstige Hilfsmittel aufscpen und die Reserve, zu deren Einsag der Gegner auf diesem Wege gezwungen wurde, banden und verschluckten. Dies geschah besonders durch den letzten Vorstoß der Kronprinzen-Armee, an den sich der der Heeresgruppe H u t i e r anschloß. Durch den hier geschaffenen Winkel wurde Fach derart eingekeilt, daß er jeden Augenblick aus einen neuen Angriff gefaßt sein kann, so daß es nicht verwunderlich wäre, wenn er dieser aufreibenden Situation gegenüber sich seinerseits durch einen Angriff Lust zu verschaffen suchen würde.

Während die deutsche Heeresleitung durch ihre Taktik auf der gesamten Westfront, wie schon früher im Osten, die Initiative an sich zu reißen verstanden hatte, war ein Fronttcil davon noch ausgenommen, nämlich die italienische Front, die bisher eine so große Bewegungs­freiheit aufiries, daß die Entente sogar den Abtrans- portitalienischerDivistonen aut den fran­zösischen Kriegsschauplatz melden konnte. Im Hin­blick hierauf gewinnt nun der Vorstoß der österreichisch­ungarischen Armee besondere Bedeutung, da seine Wir­kung in der Bindung dieser Front besteht. Die Er­reichung dieses Zieles war aber um i'o wichtiger, da die Italiener, wie aus den Fühlirngskämpfen der letzten Zeit zu entnehmen war, anscheinend sogar an eine eigene Offensive dachten. Indem der österreichisch­ungarische Vorstoß den ganz bestimmten Zweck ver­folgte, eine italienische Offensive zu verhindern, konnten wir auch hier das Gesetz des Handelns an uns reißen.

Das Vorgehen erfolgte in Form lokaler Stöße J ans breiter Front unter Entfaltung starker Macht­mittel, und es sind dabei nicht nur örtliche taktische Er- folge erzielt worden, die die Basis für ein weiteres Vor­gehen bilden können, falls ein solches geplant sein sollte, sondern es wurde vor allem der strategische Er­folg der Bindung fast der gesamten italie- nischen Front erzielt. Auf Gegenstöße mußte ge­rechnet werden, da das Moment der Überraschung weg- siel; aber wenn die Italiener die Standhaftigkeit ihrer Truppen rühmen, so ist die für die Abwehr sehr große Gefangenenzahl von 30000 damit schwer in Einklang zu bringen. Ans alle Fälle steht der strategische Erfolg der Bindung der Italiener an ihre Front und der Unmöglichkeit sür sie, noch Truppen an Frankreich abzugebcn, fest und damit die Taffache, daß jetzt die G esamth eit der Alliierten in das Ge­setz unserer Initiative gezwungen und da- durch gefesselt ist.

Die Auswirkung dieser Erscheinung und überhaupt unserer Erfolge macht sich denn auch bereits ebenso in militärischer wie in politischer Hinsicht geltend. Sehen wir doch, wie Franzosen und Engländer, die sich gegen- fertig di-: Schuld an ihren Niederlagen zuschceiben, immer lauter nach der amerikanischen Hilfe jammern, die unter allen Umständen zu spät kommen würde. Ist doch ferner kein Zweifel mehr, daß die Stellung Clemenceaus, als dessen Nachfolger be­reits offen Briand oder Barthou genannt werden, schwer erschüttert ist. Und eine direkte Folgeerscheinung un­serer siegreichen Offensive fft endlrch in derFriedens- offensive" zu sehen, die jetzt von französischer und eng- lischer Seite schüchtern ins Werk gesetzt wird, an­scheinend zu dem Zweck, neue Friedensangebote von unserer Seite hervorzulocken. Dieser Versuch wird ireilich, so gern wir von dem Stimnnrngsumschwung bei Unseren Gegnern Kenntnis nehmen, einer mit uvtaug- mm SMKr M. ,3 B tm lM Leiter

ihre wirksame Sprache reden, so trifft die Verantwor­tung hierfür unsere Gegner, auf deren durchsichtige Friedensoffensivmanövcr wir mit den Worten, die einst Gortschakow im Krimkriege sprach, antworten: Wir

find nicht taub, aber stumm!"

Reue RSmpfe

im Wald von Villers-Lottrretr.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 19. Juni. (Amtlich!)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.

Rege ErkundungStütigkeit der Infanterie. Teilangriffe des Feindes am Nieppewald und nordöstlich von Bethirne wurden abgewiesen. Der Artilleriekampf lebte nur in weni­gen Abschnitten auf.

Heeresgruppe Deutswer Kronprinz.

Südwestlich von Doinmiers scheiterte am frühen Morgen der Angriff französischer Regimenter im N o r d o st - teil des Waldes von Billers-CottoretS. Am tose mehrfach wiederholter Ansturm drückte un­sere von Montgebent vorspringende Linie etwas in daS Innere d/s Waldes zurück. Im Elignonabschnitt nordwestlich von Ehatean-Thjierry stießen mehrere feindliche Kompanien zum Angriff vor. Sie wurden von unseren Borposten abge­wiesen.

Artillerie und Minenwerfer belegten mit starken Feuerüberfüllen die feindlichen Anlagen bei Reims. Rachstoßende Jnfanterieabteilnngen brachten etwa 50 Ge­fangene ein.

Gestern wurden 23 feindliche Flugzeuge und 3 Fessel­ballone abgeschossen. Hauptmann Berthold erhäng seinen 35.» Leutnant Beltjens seinen 22. Luftsieg.

Der Erste Generalquartiermrister: Ludindorss.

Gewaltige Steigerung des Ringens in Italien.

Ni. Wien, 19. Juni. (Eig. Drahtiber ichit. K.) Aus dem Kriegspre sse qu a rtie r wird yemekdet: Die Schlacht «uf dem südwestlichen Kriegsschauplatz dauient an. Beider­seitiger Krästeeinsatz brachte am dritten Tag «ine gewaltige Steigerung ideS Ringens. Die österreichische Führung Hat von allem Miffamg an die Initiative an sich ge­rissen. In ungestümem Drang nach vorwärts diktieren die Angrifssarmeen in dem Westuserlanb dos Piave dem Gegner dos Gesetz des Handelns. Unvufhakt- sam trug auch gestern di« Heeresgruppe -des Feldmavschalls von Boroevic ihre Offensive weiter vor. Die Armee dos Gemeraloberisten b. Wurm -gewann enitlläng der Bahnlinie Oderzo-Treviso und San Dona di Piave-Mestre beträchtlich Raum nach Westen. Die Divisionen ihres SüdflügÄS habön alle Gegenangriffeider Italiener im Ab­schnitt San Doma und Capo Sile niederwersond, den Kanal Fosebba erreicht, der von der gleichnamigen Eisenbahn­station in südwestlicher Richtung zum Siloflnß führt. Der Kanal Fosebba begleitet ein« zur Verteidigung besonders günstige Straße, die 6 Kilometer westlich San Dona di Piave von unseren Truppen bereits überschritten ist. Die Armee Äos Generalobersten Erzherzog Joseph drängt den Feind auf detm Montello in zähem Kampf allmählich gegen den Westrand zurück und bedroht dadurch immer merklicher die Anmarschräume in der Ebene nach Süden und Südwestem. An der Front beiderseits der Brenta verbluten sich die italienischen, englischen und französischen Reserven in vergeblichem Anrennen gegen die österreichisch«»: GöLirgsstellungen, cchne sür di« übermäßi­gen Menschenopfer auch nur den geringsten Vorteil einzu- tauschen. Die Zahl von 89 009 Gefangenen und 120 erbente­ton Geschützen zeugt von der Größe der in drei Schdacht» tagen erru-ngönlen Erfolge der Offmistve. Der Gewinn ist um so bemeickenswerier, als in dem 160 Kilometer breiten Angriffsraum nicht einmal die gesamten StreiÄräste und die Kriegsmittel Österreich-Ungarns zur -Verwendung komnien, da der Dcmanmonv>rchie die Aufgabe obliegt, auch in ont- sernteren Jmiteressengebieten kraftvoll aufzutreten. So bietet sie gleichzeitig an der albanischen Front nicht nur italieni­schen, scmdern auch französischen und serbischen Kontingenten d'e Stirn, hält überdies weite Strecken der benachbarteil Grenzlönder -besetzt arib säubert im Verein mit den deutschen DundesgeuosseA das weite« Gebiet der Ukraine von bolsche­wistischen Banden, um die Ordnung in dem neuen Staat ber- berzuführen. Italien aber wirst in Deneitien seine Ssßrmte Streitmacht, durch französische u«d englische Korps noch ver­stärkt. in den Kampf.

Die Kdmiralstabsmelduna.

IV. T.-B. Berlin, 18. Juni. (Amtlich) Im Sperrgebiet des Miticlmeers versenkten unsere Unterseeboote sechs Dampssruind vier Segler von zusammen

21 500 Bruttorogistertonneu.

- Äs* ßM dK

Oer Sturz der volfchewiki in West-Sibirien.

Berlin, 18. Juni. Rach Meldungen aus Petersburg ist die bclschewistische Regierung in Westsibirien durch Gegenrevo- lutirnäre und Tschechen gestürzt worden. Omsk ist von den Truppen genommen worden. Bei Omsk, Jekaterinenburg und Ufa kam eszuschwerenKämpfen. Oberst Iwanow und ein Mann namens Ljeshowitsch sandten an die Sowjet­regierung ein Telegramm, in dem es heißt: Die Bolschewisten Sibiriens sind gestürzt. Die interimistische Sowjetregierung, von der sibirischen Duma gewählt, hat die Regierung ange- treten. Ihr erste Aufgabe ist die Einberufung der Kon­stituante. Die sibirische Regierung ist bereir, Rußland mit Bior zu versoraen unter der Bedingung, daß der Rat der Vckksregierung keine kriegerischen Schritte gegen Sibirien unternimmt. Hierauf teilte Lenin mit, der Rat lehne es ab, in Unterhandlungen mit der sibirischerl Regierung ein- zvtreten. Lenin hat bereits in den Gebieten der Wolga, des Ural und in den sibirischen Bezirken die Mobilisierung der fünf letzten Jahrgänge angeordnet, ebenso in Moskau die Mobilisierung der Ingenieure und Artillerie der gleichen Jabrgänge, um sie gegen die sibirische Regierung zu ver­wenden.

IV. T.-B. Moskau, 5. Juni. (Petersburger Telegraphen- Agentur. Verspätet eing-tcoffen.) Der Kampf mit der Gegen- rebuluticn wird infolge des enlschloslenen Widerstand es der slowakischen Truppen und der revolutionsfeindlichen De- wegung kleiner Teile des russischen Bürgertums schwieriger. AtiS Pensa zurückgeworsen, sind die Tschecho-Slvwaken aus Shsran marschiert und haben sich der großen Wolgabrücke lei dieser Stadt bemächtigt und somit der Hauptverkehrsader nach Sibirien. Professor Prokop W a x, Vertreter des lschechisäben Führers Masarhk, forderte die Aufständischen aus. den Widerstand gegen die Sowjrttruppen aufzugeben. Die telegraphische Verbindung mit Omsk, Tomsk und Irkutsk ist unterbrochen.

Ein französischer Führer der Tschecho-Slowaken.

IV. T.-B. Moskau, 18. Juni. (Verspätet «ngetroffen.j Piawda" vom 13. Juni veröffentlicht ein Dekret, wonach alle Arbeiter und Bauern, die 1893 bis }897 geboren find uns in den Wolga-, Ural- and westsibirischen Militärbezirk.' i vorübergehend oder ständig wohnen, der Einberufung unter- liegeii Nach einet Meldung der gleichen Zeitung sollen die Tschecho-Slaiven bei Samara unter Führung des fran­zösischen Obersten Seliticr stehen. Die Presse veröffentlicht ferner eine Note LschiistherrnS an den eng­lischen, amerikanisch-u und foanzösffchra Vertreter, in der gegen das Verweilen von Eiiteiile-Kriegsschiffen in russi­schen Häfen protestiert wird.

Großrußlands Kriegserklärung an das gege«. revolutionäre Sibirien.

IV. T.-B. Moskau, 17. Juni. Die Zeitungen besprechen die Bedeutung der am 12. Juni erfolgten Kriegserklärung der russischen Regierung an die von den Gegenrevolutionären neugebildete Regierung in Sibirien.

Schärfste Maßnahmen zur Unterdrückung!

W. T.-B. Moskau, 16 Juni. Pressemeldungen zufolge hat Tschitschcrin den Vertretern der Entente eine Note über­reicht. in der mityeteilt wird, daß die schärfsten Maß- nabmen zur Unrerdruckung des tschecho-slowabischen Aufstandes getroffen sind. Dies könne als kein feindlicher Akt gegen die Entente betrachtet werden, denn eine andere Hcndlungsweise gegenüber den ffchechischen Truppen sei für den Rat der Dolkskonunissäre nicht zulässig

Der Uammerausschuh unv Tlemenceau.

IV. T.-B. Bern, 18. Juni. LautProgrös de Lyon" hat der Kanmierausschuß für auswärtige Angelegenheiten ein- niütig die Notwendigkeit erkannt, daß die Regierung in kürzester Frist vor der Kammer die allgemeinen poli­tischen Richtlinien, die sie zu befolgen gedenkt, dar­lege. Franklin Bouillon wurde beauftragt, sich darüber mit Pichou ins Benehmen zu setzen.Humanite" erwartet eine eingehende Kammerdebatte.

Vas Ende der Burgfriedens in England?

Br. Genf, 19. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Auf deni vont 26. bis 28. Juni in London stattsindenden Kongreß der englischen Arbeiterpartei wird der Hauptprogrammpunkt die Kündigung deS innerpolitischen Burgfriedens sein. Unter den übrigen Programmpirnkten der Konferenz befinden sich die Aufhebung der Wehrpflicht sür die Zeit nach dem Krieg. Aufhebung oder radikalere Reform des Oberhauses, Homerule für Irland. Verstaatlichung des Grundbesitzes und der Hauptindustrie.

Die Uürzung der vrrtration in Oesterreich.

W. T.-B. Wie«, 18. Juni. Einer 8lbvcd«»»g von 160 Sozialdemokraten, die wegen der Kürzung der Brotroti-.n für die Wiener Bevölkerung vorstellig wurde, er­klärte Ministerpiäsident v. S e i d I e r, daß von den zivilen »nie militäristhen Stellen alles nur Scöenkliche unternommen Ivürde, um die getroffene Verfügung zu vermeiden. Seit den Erschüpftmg der heimisches Bmräte fei Österreich auf dch ZrchH-e« auL dtzr