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vienstag, 18. 3utti 1918.
fibeitö«ftus<)abc. Nr. 278, . 66. Jahrgang.
Keilt neuer Klirr in Bulgarien.
Der Weltkrieg fordert starke Opfer auck> an Ministern; setzt hat auch Bulgarien, das bisher allein von allen europäischen Kriegführenden noch keinen Kabinettswechsel zu verzeichnen hatte, diesen Tribut dargebracht. Im übrigen ist der Rücktritt Radoslawows nicht überraschend gekommen, denn man wußte seit einiger Zeit, daß seine Mehrheit in der Kammer, die schon bei der Übernahme des Ministerpräsidiums im Juli 1913 schwach war, sich durch den Übergang der Stambulowisten in das Opposttionslager in eine Minderheit verwandelt hatte. Wenn Rados- lawow trotz starker Anfeindungen sich fünf Jahre lang gehalten hat, so verdankte er das der allgemeinen Anerkennung seiner Verdienste um die Wiede raufrich- t u n g des Staates, der in dem zweiten Balkankrieg, den er gegen die treulosen Verbündeten Serbien und Griechenland führen tnußte, zusammengebrochen war, und auf den sich dann nocb in der heuchlerischen Rolle des Vermittlers das verfide Rumänien stürzte. Radoslawow arbeitete zähe und klna am Wiederaufbau, und er krönte seine weitsichtig» Politik, als er sich, das Liebeswerben der Entente ablehnend, im September 1915 im Einvernehmen mit König Ferdinand auf die Seite der Mittelmächte schlug, nicht um diesen zu helfen, sondern um das Verlorene w-iederzugrwinnen und ein Groß-Bulgarien als ausschlaggebende Balkan- macht erstehen zu lassen. Der Verlauf des Weltkrieges hat gezeigt, daß der König, der Ministerpräsident und seine Anhänger gute Rechner waren.
Wenn Radoslawow setzt trotzdem geht, so sind hierfür in erster Reihe Gründe der inneren Politik entscheidend, die aber freilich von der äußeren stark beeinflußt werden. Es liegt in der Natur der Sache, daß der leitende Staatsmann, der vielfach diktatorisch auszutreten gezwungen war, sicb zahlreiche Gegner geinacht hat. Dies und die durch die Ernährungsschwierigkeiten geschaffene Lage nutzte die Opposition'.aus, wobei sich ihr in der Unzufriedenheit mit dem B u k a r e si e r sssriedensvertrag eine willkommene Handhabe bot. Zwar ist der bulgarische Kriegs'gewinn groß, aber es bestand einige Verärgerung darüber, daß die Norddobrudscha fürs erste unter ein Kondominium der Verbündeten gestellt worden ivar bis zur Erledigung des bulgarisch-türkischen Grenzstreites. Bekanntlich hat die Türkei das Vorgelände von Adria- n o p e l an Bulgarien abgetreten, aber da türkische Streitkräfte an der Eroberung der Dobrudscha teilgenommen haben verlangt die Türkei einen Nachlaß ihrer „Moraengabe". Andererseits dringt Bitlgarien auf den Erwerb der bisber griechischen Gebiete in Ostmazedonien, Drama, Seres, Kawalla. und gegenüber dem Standpunkt der Mittelmächte, daß dies ganze Ostproblem nur a e m e i n s a m gelöst werden kann, geht ihnen die Entwicklung nicht schnell genug.
Doch all dies waren, wie betont, mehr die Handhaben zum Sturze Radoslawows als die eigentlichen Gründe, die, wie gesagt, vor allem auf innerpolitischent Gebiete liegen. auch aut der Furcht davor beruhen, daß die Radoslawow-Partei nach der Angliedecung der Dobrudscha bei den nächsten Wahlen allmächtig werden könnte. So ist denn keinerlei Grund zu der Be- sorgnis vorhanden daß der Kabinettswechsel einen Wechsel in der äußeren Politik mit sich bringen könnte, auch, wenn wie angenominen ivird, der Temo- kratenst'ihrer M a l i n o w die Mmisterprändentschaft übernehmen sollte. Gewiß ist ein großer Unterschied Zwilchen den beiden Männern. Der 185,4 geborene Radoslawow, der schon 1886 und dann wieder seit Juli 1913 Ministerpräsident gewesen ist, war erfüllt von deutscher Bildung: ist er doch Doktor der Heidelberger Universität. Der am 20. April 1867 in B e ß a r a 5 i e n geborene Alexander Malinow, der schon vom Januar 1903 bis zum März 1911 Ministerpräsident war. bat daaegen seine Bildung und Ausbildung in Rußland genossen. hat dort in militärischen Diensten gestanden, ist mit einer Russin verheiratet und war bis zum Kriegsausbruch entschieden rnssovbil. Aber auch er bat wie viele andere durch den Weltkrieg gelernt. Es ist noch in frischer Erinnerung, daß er vor zwei Jahren in der Sobranse. besonders scharfe Töne geaen Rußland anschlufl, und von dem heutigen bolschewistischen Rußland wollen er und seine Anhänger schon gar nichts wissen.
So ist nicht zu bezweifeln, daß das neue Kabinett, ob es nun Malinow oder sonstwie heißt, und das sich fedenfalls auf die Malinow-Gruppe und die Stambulowisten stützen muß. in der auswärtigen Politik den Radoslawow - Kurs fortsetzen wird, nicht nur, toeil bindende Verträge mit den Mittelmächten •öorliegen, rächt nur, weil die Waffenbrüderschaft (Blut ist dicker als Wasser!) einen festen Kitt für diese Ver>- ±*ÖAa. KadLutot irmhüzn niftiJ hnÄ KmvaLi-strckkal tür Ls»
Vierbund entschieden, die Ohnmacht der Alliierten ent- larvt hat, und weil heute jeder denkende Bulgare davon überzeugt ist, daß sein Land nur im Anschluß au die Mittelmächte, die erst seine Wiedergeburt ermöglicht haben, nur im Rahmen des künftigen Mitteleuropas wachsen, blühen und gedeihen, sich als Groß- Bulgarien behaupten kann. Bon dieser Erkenntnis ist vor allem auch der einflußreichste Bulgare durchdrungen, nämlich König Ferdinand, der im Grunde stets — auch während Radoslawows Regime — sein eigener Kanzler gewesen ist.
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\V. T.-B. Soft«, 18. Juni. (Drahtbericht.) König Ferdinand emvfing gestern 6 Uhr nachmittags den Präsidenten der Sobranse N e t s ch e f f und den früheren Ministerpräsidenten Geschoss, unr 7% Ubr den Chef der demokratischen Partei und die Führer der Opposition, um sich mit ihnen über die Loge zur Bildung eines neuen Kabinetts zu besprechen.
Oer Tagesbericht vom 18. Iuni.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.
Tie feindliche Artillerie entwickelte in einzelnen Abschnitten in Flandern, beiderseits der L y s» zwischen A r r a s und Albert rege Tätigkeit. Nach heftigem Feucr- übcrfall griff der Feind gegen Mitternacht fiidweftlich von Albert an. Cr wurde ab gewiesen und ließ Gefangene in unserer Hand.
Heeresgruppe Deutscher Krvnpriuz.
Südwestlich von R o l> o n und südlich der A i s » e lebte die Artillerictätigkcit in de» Abendstunden -auf. Teilvor- sröße des Feindes nördlich der Aisne und nordwestlich von! Chateau Thierry wurden abgewiesen.
Der Erlie Generalqnartiermrister: Ludtiidorsf.
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Neuer Fliegeralarm in Paris.
W. T.-B. Paris, 17. Juni. (Havas.) Mehrere Flieger- gruppen überflogen gestern abend in der Richtung auf Paris unsere Linien. Um 11,40 Uhr wurde alarmiert und unsere Verteidigungsmitteil wurden in Tätigkeit gesetzt. Unsere Batterien beschossen die gemeldeten feindlichen Flugzeuge heftig. Mehrere Boniben forderten einige Opfer und verursachten Sachschaden. Das Ende des Alarms war um 12,45 Uhr.
W. T.-B. Berlin, 18. Juni. Der Berichterstatter des Wolff-Bureaus meldet von der Front: Der Bombenangriff unserer Flieger auf den Fortgürtel-von Paris ries große Brände im Nordteil der Stadt hervor.
Der deutsche Fliegerangriff aus die inneren Pariser Bezirke dauerte, wie der „B. L.-A." berichtet, in der Nacht auf den 17. eine Stunde. Die Zahl der Opfer wird auf etwa 40 beziffert. Den Sachschaden dürfen die Blätter nicht näher bezeichnen.
Amerikanische Flieger über unserem Hinterland.
Kopenhageir, 18. Juni, (zb.) Der „National Tldende" wird aus London gemeldet, daß die amerikanischen Flieger zrm erstenmal an einem Angriff gegen das deutsche Hinterland teilgenommen haben. In der Nacht vom 13. zum 14. Juni hot ein amerikanisches Fliegergeschwader die Eisenbahnlinie n o r d w c st l i ch von Metz mit Bomben beworfen. Alle Maschinen sind nach den englischen Berichten unversehrt in den Flughafen zurückgekehrt.
Sioux-Indianer für die Front!
W. T.-B. Bern. 17. Juni. „Jntransigeant" meldet, daß kürzlich in einem französischen Hafen das eeste Detachement don Sioux-Indianern gelandet wurde. Weitere Abteilungen von anderen Stämmen sollen folgen.
ver Stotztruppangriff gegen die Amerikaner.
W. T.-B. Berlin, 17. Juni. Der Berichterstatter des Wolff-Bureaus meldet von der Front- Die Amerikaner, die in der letzten Zeit bei nutzlosen Gegenangriffen wiederholt außerordentlich schwere Blutopfer gebracht haben, wurden gestern zwischen Mosel unv Maas don deutschen Stoßtrupps angegriffen, die zwischen Bargevcmx- Weiher und Richecourt tief in die feindlichen Stellungen ein- drangen.' Die amerikanischen Gräben wurden glatt überrannt. Reste der Besatzung, die nach rückwärts flüchteten, faßte unser Verfolgungsfeuer. Das Dorf M a r v o i f i n mit seinen Verteidigungsanlagen wurde nachhaltig von unseren «ingedrungenen Stoßtruppen z e r st L r t. Während dieser Zeit hielt die deutsche Artillec-e die amerikanischen Bereitschaften und Reserve, die rückwärtigen Stellungen und Anmarschwege dauernd unter znsammengefaßteni Feuer. Wiederholte Explosionen und Brände sowie ein reger feindlicher Berwundetewtranspori wurden festgestellt. Nach Ein- biwch der Dunkelheit räumten wir planmäßig und unbolästigt vom Feinde die gründlich zerstörten feindlichen Anlagen. — Auch in »ea -Süddogesen, westlich von 0 olma r, hatte ein eigener Vorstoß vollen Erfolg.. Aus den fest dlichen Stellungen wurden hier 20 Franzosen und ein Maschinengewehr als Deute eingebracht. In Flandern wurden am 16. Juni verschiedentlich feindliche Vorstöße an medi«an Stell«« der Ärmst verlustreich abaewiesen. DeS-
gleichen scheiterte ein um 12,30 Uhr vormittags erfolgter Angriff einer feindlichen Großpatrouille südwestlich von Die Bahnanlagen von Amiens lagen unter unserem wirksamen schweren Feuer.
Die Schwächung der französischen Kampfkraft durch die beiden letzten Offensiven.
W. T.-B. Berlin, 17. Juni. WAhvvnid !der Aisne-Offen- sive vom 27. Aöai bis 6. Juni wurden cm unverwundetca französischen GesarigsnM allein von nachstehenden Divisionen eingSbracht: Von der 1. J.-D. 68 Offiziere, 2681 Mann, 13. J.-D. 25 Offiziere, 1186 Mann, 21. J.-D. 166 Offiziere, 5665 Mann, 22. J.-D. 64 Offiziere, 2432 Mann, 38. J.-T. 23 Offiziere, 1221 Mann, 39. J.-D. 41 Offiziere, 2008 Mann, 43. J.-D. 24 Offiziere, 1403 Mann, 61. J.-D. 61 Offiziere, 4040 Mann, 74. J.-T. 54 Offiziere, 2513 Mann, 131. J.-D. 37 Offiziere, 1496 Mann, 157. J.-D. 44 Offiziere, 3752 Mann, 51. J.-D. 66 Offiziere, 2049 Mann; während -der Oise-Qffsn- sibe vom 9. bis 12. Juni: Von der 86. J.-D. 30 Offiziere, 1494 Mann, 58. J.-D. 100 Offiziere, 2846 Mann, 72. J.-D. 47 Offiziere, 1827 Mann, 125. J.-D. 83 Offiziere, 2684 Mann, 1. Kür.-Div. 67 Offiziere, 2396 Mann. Rechnet man zu den oben angeführtem Gefangenenzablen die verwundeten Gefangenen und die hoben blutigen Verluste des Feindes- hinzu, sc kann man einwmmdfrSi beststellen, in welchem Grad die Kampfkraft der französischen Armee allein wäihründ der beiden letzten Offensiven vermiiÄ>ert worden fft.
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Umbildung des Kabinetts Tlemenceau?
Berlin, 18. Juni. Londoner Blätter melden, daß Briand und Barthou ein Koalitionskabiriett bereit haben. Nach sinem Lyoner Matt wirb auch mit einer teilweise» Umbildung des Kabinetts Clemenceau gerechnet.
Die Admiralstabsmeldung.
W. T.-B. Berlin» 17. Juni. (Amtlich.) Im Sperrgebiet uni England sind durch unsere Unterseeboote neuerdings
16 000 Bcuttoregistertonyen
feindlichen Handelsschiffsraums vernichtet worden. Außerdem wurden an der Ostküfte Englands folgende englische Fischerfahrzeuge und Segler versenkt: „Fortuna", „Eelipse", „Dayspring", „Alert", Beryll", „Dianthus" und „Activ".
Der Chef des Admiealstabes der Marine.
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W. T.-B. Bern, 17. Juni. „Petit Parisien" meldet aus Bilbao, daß der spanische Dampfer „Upomendi" (3ö3S X.) am l2. Juni versenkt worden ist. Die Besatzung mit Ausnahme eines Heizers wurde gerettet.
Ein englischer Hilfskreuzer torpediert.
W. T.-B.. London, 18. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Die Admiralität teilt mit: Der Hilfskreuzer „Patria" ist am 13. Juni durch ein deutsches Unterseeboot torpediert uud' versenkt worden. Ein Offizier und 15 Mann der Handelsmarinemannschaft werden vermißt; sie sind wahrscheinlich ertrunken.
Eine theatralische Verbrüderung in der italienischen Kammer.
Basel, 17. Juni. (K. Z.) Zu den für die unmittelbare Rückwirkung der Offensive auf die politische Loge bezeichnenden Kundgebungen gehört die Verbrüderungsszene der kriegseifrigen Reformsozialisten und Republikaner mit ihren erklärten Todfeinden, den offiziellen Sozialisten, vom Minister Bissolati und dem Hetzer Pirolini bis zu den parlamentarischen Führern der offiziellen Sozialisten. Turati führt- in einer Huldigungsrede für die kämpfenden Truppen ans, wenn das ganze Volk in den ernsten feierlichen Stunden in Waffen starre, könnten auch die Sozialisten nicht abseits bleiben; Wortstceite, Reden, Polemiken seien nicht mehr am Platze. Während man an der Front kämpfe, leide und sterbe, schlichen die Herzen der Sozialisten in einem Ton mit denen aller anderen Parteien tn der großen Angst, Hoffnung und Verheißung. Als Turati mit seinem Glückwunsch auf das Land geendet hatte, empfing ihn den allen Tribünen langanhaltender Beifall, an dem alle Minister, auch Orlando und Sonnino, teilnahmen. Ebenso klatschten die anwesenden sozialistischen Abgeordneten lebhaft. Modigliani schüttelte Turati wiederholt die Hand, der dann von den reformsozialistischen Abgeordneten de Felice, Marche- ianv, Pirolini und andern umarmt und geküßt wurde. Als Bissolati Turati wiederholt umarmte und küßte, wurde von neuem starker Beifall gebrüllt. Auch Minister Berenini folgch dem Beispiel Brssolatis.
Neue italienische Anstrengungen im Gang.
Br. Genf, 18. Juni. (Mg. Draht b sr i ch t . zb.) Pariser Soaaderberichte wuS Diaz' Hauptquartier von dem den Franzosen zugÄviosvnm Piaveabschmitt chffen an imi HaupternbruchSftÄlen der Österreicher bei Nertmsa, Fsgcmo und Ddusile neue italienische SinstreMgunigsn vorauS- seheu, um dem andauevnden heftigen Druck der Armee Bortzwic cntgogonzuwirksn. Die Pariser Militärkritik sucht die ftanzösischc Verteidigung als wertvoll hinzustellsn, ob- fchan sie. dem ersten Anprall st, den SamStagrworgeüMrndsr weichen mußte. Bezüglich der .Haltung' 4*8 cwgüfifcBHr Krm- wahren alle.Berichte ZurÄckhalmriL.
