^ Blätter für nassauische Geschichte ' und Kultur-Geschichte, mmm
Monatliche Lreibeilage des Wiesbadener Tagblatls.
llk. 6.
rr. Jahrgang.
(Nachdruck sämtlicher Original Beiträge verboten )
Der Salzbedarf für die naSau-usingenschen Lande und die wiederholt geplante Anlage einer Saline in Wiesbaden.
Von Th.
Um 1600 hatte Fürst Georg August Samuel von Nassau- Idstein-Wiesbaden den Salzverkauf dem Klosterverwalter und Schützenhofpächter Sartorius in Wiesbaden übertragen, der seinerseits den Kleinverkauf dem Inden Schmul daselbst überließ. Auf die Beschwerde des Sartorius, daß sowohl die Metzger, Bäcker und Müller der Stadt wie auch die Landleute der Umgegend nur wenig Salz bezogen, wurden jene Gewerbetreibende und die Landschnltheißen am lg. August 1692 zur Verantwortung vor das Oberamt geladen. Tie drei Metzger der Stadt Konrad Jung, Philipp Luft und Adam Stern sowie die fünf Bäcker Philipp Stern. Johann Tobias Hoffman», Johann Nikolaus Maul, Jost Tobias Spielmann und Johann Martin Brenner erklärten übereinstimmend, bei dem Salzfaktor werde man stets zu langeni Warten gezwungen, während der Schmul dein guten Allendorser Salz minderwertiges beimische, die Käufer beim Messen zu übervorteilen suche und mit der Speisewürze „gar säuisch" umginge, „bald säubern sie die Kinder, bald tun. sie lvas anderes, gehen dann init diesen ungewaschenen Händen hin und messen das Salz damit aus, machen also dep Leuten Grauen und verursachen Krankheiten." Tie Landschultheißen betonten, daß man das Salz in Mainz besser und wohlfeiler, das Malter um 4 Gulden, erhalte. Gin. Jahr spater erwirkten die Untertanen die Befreiung von diesem lästigen Salzmonopol dadurch, daß sie dem Fürsten dafür ein weiteres Schatzungssimpel anboten, das seine Einnahme aus dem Monopol aufwog.
Nach dem Tode des Fürsten (1721) und einer kurzen Zwischenregierung der Grafen Karl Ludwig von Saarbrücken und Friedrich Ludwig von Ottweiler fiel das Land der Linie Nassau-Usingen zu. J>n März 1730 meldete der hessische Salzmeister zu 4,'anheim Joseph Todesco der verwitweten Fürstin und Landesregentin Charlotte Amalie, er habe zu Wiesbaden in dem Wiesengelände zwischen dem Fanl- brunnen und dem Stuncpsen Tor einige Salzquellen entdeckt, denen er i» einem Tiedhaus mit einer Pfanne und einem Gradierwerk von 2000 Fuß jährlich -1000, bei günstiger Fassung der Quellen wohl auch 10 000 Achtel Salz abgewinnen hoffe. Die Landessürstin beauftragte ihren Oberjägermeister v. Hahn, mit Zuziehung des Phhsikus Di-. Speth und des Rentmeisters Wegelin zu Wiesbaden, Todescos Angaben an Ort und Stelle zu prüfen, die Quellen auf ihren Salzgehalt zu untersuchen nicd ihr das Ergebnis baldigst mitzuteilen. Am 3. April 1730 berichten die Beauftragten, Todesco habe bei seinen unter ihrer Aufsicht vorgenommenen Proben aus l> 2 Ohm Wasser etwas über 6 Pfund, oder uns einer Maß 1> 2 Lot „ziemlich tüchtig anscheinendes Kochsalz herausgebracht." Obwohl wegen Kürze der Zeit die Quellen nicht gehörig hätten aufgesucht werden können und sich bei dem anhaltenden Regen über Quantität und Qualität des Salzwassers nichts Gewisses sagen lasse, sei dock nicht „ohne Grund zu judicteren", daß ein ergiebiges,
Schüler.
wenn auch nicht allzureiches Salzwerk in Aussicht stehe. Zwar habe der Phhsikus das von Todesco angegebene Quantum Salz in dem Wasser, nicht gefunden und werde deshalb seine Experimente fortsetzen, doch halte auch er dafür, daß sich die Quellen bei guter Fassung in Quantität und Qualität mehr und mehr verbesserten. Am 8. April präzisierte vr. Speth seine Vorbehalte dahin, daß er zwar bei den inmittelst angestellten genaueren Untersuchungen inr einer halben Maß oder zwei Pfund Wasser zu 50 Lot nur etivas über l Quent oder 80 Gran (1 Lot — 4 Quent, l Quent —60 Grans Salz gefunden habe, gleichwohl aber dafürhalte, daß auch dieser Befund die Fassung der Quellen rechtfertige.
Ans diese Berichte hin lvurde Todesco mit einer Besoldung, wie er sie itt Nauheim genossen, freiem Futter für zwei Pferde, einem Albus Meßgeld für jedes verkaufte Malter Salz und 100 Gulden Jahreszulage für je tausend Malter Salz, das er über das Mindesterträgnis von 4000 . Maltern gelvönne, als fürstlicher Salzdirektor in den Dienst genommen. Auch erhielt er die Zusage, daß im Falle seines Ablebens ihm der Sohn im Amte folgen sollte! doch mußte er sich verpflichten, keinerlei Ratschläge zu erteilen, wenn von Nachbarstaaten die Errichtung eines Salzwerks im Umkreise von fünf Meilen geplant würde.
Am 13. April stellte, sich Todesco bei dem Rentmeister in Wiesbaden mit einem Schreiben der Usinger Regierung ein,' das ihm aufgab, für sachverständige Grundarbeiter und die nötigen Arbeitsgeräte zu sorgen und den 'Salzdirektor mit allen erforderlichen Notwendigkeiten „aufs beste und allermodernste" zu unterstützen.
In dem sonst so ruhigen Städtchen machte sich sehr bald ein. außergewöhnliches Hasten und Treiben bemerkbar. Schlosser, Schmiede und Wagner waren vom frühen Morgen bis zum späten Abend in "Tätigkeit, um die Fertigstellung der bestellten Arbeitsgeräte zu beschleunigen. Unter Führung eines erfahrenen Brunnengräbers zogen jeden Morgen^Ar- beiter vor das Stumpfe Tor, mit die Freilegung der Salzquellen, und die Herrichtung von Abzugsgräben und Zugangs- Wege zu bewirken. Unterdessen fällten Holzhauer diesseits und jenseits der Höhe nach Anweisung des Zimmermeisters Georg Jung die für Sprieß- und Bauzwecke nötigen Eichenstämme, deren Zufuhr mit 50 Doppelgespannen durch Frond- fuhrleute dckr Landbereiter Lade zu Wiesbaden und der Landmajor Nicolai zu Idstein überwachten; während Taglöhner krauszackige Schwarz- und Weißdornen für das Gradierwerk abhackten, die von dem Amte Wehen in 107 Frondfuhren zur Stelle gebracht wurden.
Störungen im Fortgang des Werkes bereiteten im Juli und August mehrfache Rachrntschungen der Brunnenausschachtungen, bis dann am 6. September der Rentmeister nach Usingen berichten konnte, daß am 4. September die Grundarbeiten für die Bauwerke begonnen Hütten und am
