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Verlag Langgafse 21

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Sonntags 16. Juni 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 275. » 66. Jahrgang.

Zerstörte Hoffnungen.

Me Entente muß es erleben, daß alle ihre Hoffnun­gen, die sie sich auf einen U m schwu n g der Lage und auf einen glücklichen AuSgang des gewaltigen RingenS gemacht hatte, zerstört werden. Das Schliinniste dabei ist, daß nach den letzten eingcgangenen Nachrichten fo- lvohl in dem Heere wie in der Bevölkerung das Vertrauen zu dem Heere wie zu dem Generalissi­mus, dem General Fach, zu schwinden beginnt. Auf seine Ernennung znm obersten Befehlshaber der ganzen Front von der Nordseeküste bis an die Schwarze: Grenze hatte sich die Entente außerordentlich viel ver­sprochen. Er sollte die gesamten vorhandenen Kräfte der verschiedenen Staaten zusammenfassen und durch großzügige neue Maßnahmen die Deutschen aus Nord­belgien und Frankreich vertrerben. Nun hat er eine Niederlage nach der anderen erlitten und weite Gebiete des Landes wurden von den Deut- scheir erobert. Die ersten deutschen Offensiven hatten das Vertrauen in seine Führereigenschaften noch nicht zrr erschüttern vermocht, da man immer noch auf einen Gcgenzug rechnete, bei dem das Feldherrngenie des vielbewimdeicken französischen Führers beu Sieg herbei- sühren sollte. Aber auch dieser Sieg ist ausgebliebcn und allmählich sängt die französische und englische Be- völkerrmg an den Feldherrneigenschasten des Generals zu zweifeln an. Im besonderen hat man es ihm ver­argt, daß die deutsche Offensive zwischen A i s n e und Marne so überraschend gekommen ist und daß der französische Führer in keiner Weise auf sie vorbereitet war. Die Engländer geben ihm ganz offen schuld, daß er die letzte Niederlage durch die falsche Ver­wendung seiner Reserven verursacht habe. Wenn aber in der Bevölkerung und im Heere das Vertrauen m dem obersten Führer zu schwinden beginnt, so ist das in außerordentlich schlechtes Zeichen für die ganze Stimmung und schasst nicht gerade diejenige Grundlage, Ulf der sich künftige Siege anfbauen. Auch die letzten Maßnahmen, die der General Foch getroffen hat, um sich seiner schwierigen Lage zwischen den beiden von Norden und von Osten her vordringenden deutschen Armeen zu entziehen, haben vielfach die Kritik heraus­gefordert. Man vermißt in ihnen jeden neuen opera- tiven Gedanken. Die Franzosen versuchen nur durch immer neue an derselben Stelle ausgeführte Gegen­angriffe das deutsche Vorgehen aufzuhalten, ohne damit den geringsten Erfolg zu erzielen. Es ist das­selbe Kampfverfahren, das sie auch bei ihren vergeblichen Durchbruchsversnchen in dem vergangenen Jahre angewendet hatten, wo sie immer wieder auf dieselbe Stelle der deutschen Front loshäinmer- ten. in der Hoffnung, sie dadurch endlich einmal mürbe zu machen. Demselben Zwecke dienen jetzt di? zahl­reichen Gegenangriffe, die aber sämtlich an den deutschen Stellungen zerschellten.

Die Lage des Generals Foch ist nach wie vor sehr ungünstig geblieben, seit er sich mit seinen Hauptkräften in dem rechten Winkel gefesselt sieht, den die Armeen H u t i e r und B o e h n gebildet haben. Der erfolgreiche Vorstoß der Armee Hutier über die Linien Montdidier- Noyon hatte ihn zunächst gezwungen, seine Hauptkräste gegen sie noch Norden zu verwenden. Kaum hatte er das getan, da regt sich die Armee Boehn an dem Ost­rande des Waldes von Villers-Cotterets und dringt in ihn ein. Es ist dies zwar vorläufig nur ein örtlicher Erfolg und nach nicht etwa der Beginn einer allgemeinen großen Offensive. Aber immerhin hat die Armee Boehn damit wieder ein beachtenswertes Lebenszeichen von sich gcaeben und dem Gegner zuge- rufen: Gib acht, ich bin auch noch da! Hatte General Foch seine Hauptkräste nach Norden verwendet, so wird er jetzt wieder besorgten Auges nach dem Südflügel blicken und muß l.'it der Möglichkeit rechnen, daß auch dort die Offensive in großem Maßstabe wieder auf- aenommen wird. Dadurch werden von neuern französi­sche Kräfte gekesselt, die an anderer Stelle einmal in empfindlicher Weise fehlen können. Von diesem. Ge­sichtspunkte aus verdienen auch die letzten örtlichen Kämpfe eine erhöhte Bedeusting.

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Der Abendbericht vom 15. Juni.

W. T.-B. Berlin, 15. Juni, abends. (Amtlich. Dvaht- lbericht.) Örtliche Angriffe des Feindes nördlich von B r t h u n e und südlich der A i s n e sind verlustreich ge­scheitert.

«eins Schlacht» sondern ein Drkan.

Sr. Lugano, 17. Juni. lEig. Drebtbcricht. zb.) Barzini meldet von der französischen Front: Hier ist keine Schlacht mehr, sondern ein ununterbrochener furchtbar dahiirbrausen- der Orkan. Aus der französischen Linken, von Montdidier vis über die Straße Raye-Estreeß-St. Denis, war dank des nur leicht gewelltes Steenrat» die Verteidigung leicht. Dagegen

bildet das Gelände im Osten zu-ischcn der Straße von Royr und der Aisne einen solchen Wirrwarr bewaldeter Hügel, daß die Deutschen ebne Schv ierigkeit unbemerkt da und dort einbrechen und sogar rückwärtige Verbindungen anareifen konnten. Es waren förmliche Menschen- jagden phantastischer Art, die sich dort tbspielten.^ Die Artillerie war machtlos, denn der Ansturm erfolgte so schnell, daß er nicht rechtzeitig ausgebalten werden konnte, und es standen vier oder fünf Deutsche gegen jeden einzelnen von uns. Von dem Gelände begünstigt, konnten sich also die deutschen Manöver des Einkcilens und Umgebens erfolgreich vollziehen und der feindliche Angriff drang schnell auf 10 Kilometer in das M a tz t a l ein. Die französische Heeresleitung entschloß sich darum, die Verteidigung auk das linke Ufer der Oise zu rückzunehmen und diese freiwillige Zurücknahme bedeutet für den Feind den Haupt- erfrlg des zweiten Kampftages. Ein Ergebnis, dessen Be­deutung leugnen zu wollen, unnütz wäre. Barzini feiert dann den glorreichen dritten Kampftag, der rn seiner Grausamkeit und Gewaltsamkeit an Verdun erinnere. Der Ansturm der französischen Tanks war so unbeschreiblich, daß er bei den Deutschen eine Bewegung der Panik auslösie, die sich sogar der Artillerie mitteilte, denn man sah die Be­spannung der Geschütze hrrangaloppieren, um die Kanonen zu retten. Barzini schließt' D:e Deutschen haben eine solche Überlegenheit an Reseroemassen, das-, man nicht sobald ein Erlahmen ihrer Offensivkraft erwarten darf.

Die Beute der sirmee Mutier.

W. T.-B. Berlin, 15. Juni. (Drahtberrcht.) Das unüber­sichtliche. durch waldreiche Schluchten zerrissene Gebiet der gegenwärtigen Kämpfe bringt es mit sich, daß eine zahle n- rnäßige Feststellung der Beute nicht so rasch erfolgen kann als sonst. Ständig 'laufen neue Meldungen über erbeutete Batterien und Geschütze ein. In einer einzigen -Schlucht süd­lich Lasftgny sttehen 8 Batterien schweren Kalibers von 22 bis 27 Zentimeter. Eine Reihe der Geschütze ist neuester Art aus dem Jahre 1917. Die Geschützlafetten und die Protzen sind mit armdicken Vollgrrnnnibeveffuugen verstehen und werden von großen Zugmotoren bewegt. Die Geschütze einsch. der Verschlüsse der Zieleinrichtung sind völlig unvevsehrt. Munition ist zahlreich in den Unterständen aufgestapelt. In der gleichen Schlucht befindet sich weiter rückwärts ein 15-Zentimeter-Langrehrg.eschütz neuester Art. An den Hängen der nämlichen Schlucht stehen viele 7,5-Ze n time te r-Feldka nonen. Ihre Pratzen liegen zumeist mitsamt der Bespannung und Bemannung zusam- mengeschosseu in dem Hohlweg. Überall in dem Gelände fin­det man Maschinengewehre in Menge zerstreut. Auch die Bergung der großen Bestände erbenteter Munition jeglicher Arr und Pioniergeräts wird noch längere, Zeck beanspruchen.

Die grotzs Bedeutung des Themin des Oames für die Zranzosen.

IV. T.-B. Berlin, 15. Juni. (Dcahtbericht.) Ausgefun­dene französische Befehle beleuchten die Größe des deut­schen Erfolges an der Aisne am 27. Mai. Ein Armee­befehl vom 27. Mai befiehl: dem 11. französischen Korps, das an der Ailette stand, den Feind um jeden Preis zu hindern, sich auf dem Chemin des Dames fcstzusetzen. Für die englischen Divisionen wurde ungeordnet, daß selbst im Falle von größeren Angriffen, gleichgültig welcher Stärke und Ausdehnung, um jeden Preis zumindest das Plateau der Kalifornien-Linie der Dörfer Cormicy - Couvroy - Billers- Franqueux gehalten werden müßte. Diese Hauptwiderstands- lrnie sei nötigenfalls sofort wieder zucückzuerobern. Jede Einheit bis zur Kampftruppe herunter habe dort auszu­halten, wo sie gerade stehe, ohne sich um die Vorgänge hinter sich zu kümmern. Wie bekannt, überrannte der deutsche An­griff in wenigen Stunden dieses gesamte gewal­tige Veirteidigungssysttem und (Erreichte am 30. Mai die Marne.

Die Stellung Llemenceaus.

Sr. Bern, 16. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Jetzt wer­den -in der französischen Presse schon hiter und >da die Namen der Kandidaten für den Nachfolger Clemenceaus genannt. Zwar kann man anuehmen»'daß, so lange die mili­tärische Gefahr besteht, dps Parlament keinen Regierungs­wechsel prrbczieren wird. Aber sollte die Gefahr beschworen werden ur>d die Front wieder znm Stillstand kommen, so wird -der Ar genblick der Krise da 'sein. Vor einigen Tagen ver­lautete in Pariser Blättern, daß im Parlament sich irgend wtelche Gruppen mit einem Maitre Renavd zu bilden beginnen. Wenn rnam im Palais Bourbon von einem Fuchs spricht, meint man den vielgenannten Aristide Briand, und jetzt wird sein Name -denn auch offen genannt. Briand ist den Sozialisten als Überläufer und Renegat nicht gerade sym­pathisch, den Radikalen als Schrittmacher Poinoares bei der Wahl in Versailles noch immer verdächtig. Aber beiden Par­teien erscheint jetzt seine immer weiche Art erträglicher als die brutalen Gebärden Clemenceaus. Deutlicher tritt Louis Barthou hervor. Vor eiinem Jahre noch hielt er Kriegs- rcden, jetzt nähert er sich den Sozialisten, ja sogar den ent­schiedenen Pazifisten. Dieser Tage hatte die sehr ein­flußreiche Compagnie Generale du Travail die parlamenta- rsscher Gruppen der Linken zu einer Besprechung 'der allge­meinen Lage in das Palais, Bourbon eiMekaden. Der Vor­

gang war sehr ungewöhnlich und -konnte beinahe so aussehen, wie ein «Eingriff der Arbeiterschaft in die parla­mentarischen Befugnisse. Wäs in dieser Verhandlung, die von den Parteien nur inoffiziell beschickt wurde, geschehen ist, weih ich nicht. Doch erfährt man, daß dabet Herr Barthou eine Rolle gespielt hat, und Herve erblickt in diesem Hervor­treten die Aufstellung seiner Kandidatur. Alles das _ sind Zeichen dafür, wie sehr Clemenceau abgewirt­schaftet hat. Schwierig würde, für ihn die Sache rver- deii, wenn einige Schweizer Zeitungen gut unterrichtet srnd, die heute berichten, daß auch die Alliierten Frank­reichs die burschikose unu extravagante Politik des französischen Ministerpräsidenten za m i ß b i l l i g e n be­ginnen. Diese Nachrichten seien allerdings mit ziemlicher Vorficht aufzunchmen. Das sehr scancopbileJournal de Geneve" erfährt, daß Präsident Wrlion Clemenceaus Be­handlung der österreichischen Angelegenheit und die Ber- öffer'tlichung des Kaiserbriefes mißbilligt hat. Das Berner Tagblatt" weiß gar zu berichten, daß es bei der Zu­sammenkunft der drei Minisrerpräsidenten in Versailles zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen sei. Llohd George habe die Verkündigung der Kriegszieks der Entente vorgeschlagen und betont, daß man in England dar­auf dränge, einen Versuch zur Friedensannäherrrng zu unter­nehmen, der die Würde der Ententemächte zwar wahre, aber die Möglichkeit einer Annäherung biete. Clemenceau hab- heftig widersprochen, sogar einmal demonstrativ das Sitzungs­lokal verlassen, sei aber mit seiner Meinung nicht ganz durch- aedrungen.

Eine grotze Irenkmndgebung in New yortz.

W. T.-B. Bern, 14. Juni. Den amerikanischen Zeitungen zufolge hat am 18. und 19. Mai im Central Opeva-House in New Aork eine von etwa 2000 Vertretern beschickte Delegier- terversammlung der über die ganzen Vereinigten Staaten verbreiteten Gesellschaft der Freunde der iri- schenFreiheit stattgefunden. Pater Herton, Pfarrer der größten katholischen Kirche Philadelphias, führte den Vorsitz. Unter den Sprechern, die einmütig schärfftens gegen die Verhaftung und Deportation der Sinnfeinerführer protestierten, befanden sich die Jrisch-Amerikaner Cohalan und Devoy ferner die hervorragenden Sinnfeiner Lynch! Mellows und Maecartan. Die Debatten waren besonders darum bemerkenswert, weil zum erstenmal offene drohende Äußerungen gegen die Bundesregierung in dem Sinne fielen, daß die'irischen Wähler, die gewöhnlich geschloffen für den Kandidaten der demokraftschen Partei stimmen, eventuell bei den kommenden Novemberwahlen in die Opposition treten und jedenfalls nur Kongreßleute wählen würden, die für die irischen Bestrebungen einträten. Die von der Versammlung angenommene Petition an den Präsidenten und den Kongreß weist auf die unverbrüchliche, in vier amerikanischen Kriegen erprobte Loyalität der Jrisch-Amerikaner hin und bittet, daß die Erklärung des Präsidenten Wilson von dem Rechte jedes VclkeS auf Selbstregierung und Selbstbestimmung jetzt auf Irland zur Anwendung gebracht werde.

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Ein besonderes innerpolitisches englisches Kabinett.

W. T.-B. L-uidou, 14. Juni. (Reuter.)Daily Tcle- grapb" erfährt, daß beschlossen wurde, zur Entlastung de» mit Arbeit überhäuften K::egskabinetts ein zweites sogen. Domestic-Kabinett zu Hilden, das sich ausschließlich allein mit innervolitischen Angelegenheiten befassen soll.

Versenkt!

W. T.-B. Stockholm, 14. Juni. Der schwedische Dampfer Dora" (1555 Brt.) wurde auf dem Wege von Hüll nach Metihl in Schottland, wo ec Kohlen für Schweden einnehme» sollte, vcr der Tyne-Mündung von einem deutschen Untersee­boot ckapediert. Neun Mann kamen um.

W. T.-B. London, 14. Juni. (Amtlich.) Ein britischer be­waffneter Passagierdamp-er wurde am 5. Juni tebiert und sank. Sieben Personen, darunter vier Mit­glieder der Besatzung, werden vermißt.

Japanisch-amerikanische Konkurrenz in Wladiwostok.'

W. T.-B. Kiew, 15. Juni. Die MoskauerJsvesftsa" schreibt in einem Artikel über oft Handelstonkurrenz der Enientestaaten in Wladiwostok, daß die japanischen Waren, obwohl die Preise in letzter Zeit*um etwa 30 Prozent zurückgegangen sind, nur ungern getauft werden, und daß Amerika durch bessere und billigere Ware den japanische« Erzeugnissen starte Konkurrenz macht. Die englische Ware sei nur schwach vertreten und stände der amerikanische« an Güte nach. Die ausländischen Verkäufer zeigten infolge der gegenseitigen Konkurrenz großes Entgegenkommen.

4000 Serben an der Murmanbahn!

W. T.-B. Kopenlmr,cn, 15. Juni.Berlingske Tidende' erhält von der Murmunknste die Nachricht, daß n:rr woutge: hundert Engländer und Frinprsen an der Wieacrierstrllung der Bahn Kandalakr-Murman beschäftigt seien. bagegen: befänden sich dort nicht weniger als 4 0 0 0 Serben unter der Leitung eines serbischen Generals.

Japanische militärische Organisatiousvcrä'.idcrungcu.

W. T.-B. London, 15. Juni. (Reuter.)Darty Tele-: graph" meldet.auß Tokig.vom §. Jum: .Karte tzmdptzwAM»«