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Samstag, 15. Juni 1918.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 274. . 66. Jahrgang.
zeindliche Angriffe im Walde von Villers-Lotterets abgewiesen.
Erfolglose vorstShe des Feindes an der Kncre.
W.T.-B. Großes Hauptquartier, 15. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprraz Rupprccht.
Rege Aetillerietätigkeit. Südwestlich Merris machten wir Gefangene. Stärkere Vorstöße des Feindes an der A n c r e wurden abgewiesen. Der Artillerie- und Minenfeuerkampf lebte am Abend beiderseits der Somme auf.
Heeresgruppe Deutsckicr Kronprinz.
Südwestlich von Noyon blieb die Jnfanterietätigkeit auf örtliche Kamvfkiandlungen beschränkt. Das Artilleriefeuer ließ an Stärke nach.
Südlich der Äisne blieb der Artilleriekampf gesteigert. Mehrfache Teilaugriffe, dir der Feind gegen unsere Linie» im Walde von BillerS-Cottcrets führte, wurden abgewiefen. Die Gefangenenzahl aus den letzten Kämpfctl südlich der Bisne hat sich auf 48 Offiziere und mehr alH 2000 Mann erhöht.
Leutnant Nb et errang seinen 30., Leutnant Kirstein feinen 25. und 20. Luftsieg.
Heeresgruppe Eichhorn.
Eine etwa 10 000 Man» stark- russische Bande, die. von Jcisk kommend, in der MinSbucht cm der Nordküste des Asowschen Meeres landete und zum Angriff auf Taganrog vorging, wurde vernichtet. Teil- des Feindes, die auf Booten und Flößen zu entkommen versuchten, wurden im Wasser zusammengeschoffrn.
Der Erste Grneralanartiermeister: Ludcndorff.
*
Räumung von Meaux?
Er. Genf. 15. Juni. (Eig. Drahtbericht, zbck Französische Blätter berichten, daß die Regierung die Räumung von Meaux, das 30 Kilometer von Paris entfernt an der Marne liegt, angeordnet habe.
2656 Geschütze erbeutet!
\V. T.-B. Berlin, 14. Juni. Seit dem 21. März hat sich die von den Deutschen gemachte Geschützbeute im Westen infolge der letzten Kämpfe zwischen der Aisne und Marne und zwischen Montdidier nnd Noyon auf die gewaltige Zahl von 2650 erhöht.
Der bedeutende Erfolg der letzten 2 Rngriffs- tage Untiers
W.T.-B. Berlin, 14. Juni. Nach zwei Seiten hin ist der Tüloffensive der Armee Hutier ein großer Erfolg beschied.m gewesen. Neben einem großen Gelände- aeYiurtn und der Erreicbuna der Höhen südwestlrm von Noyon, der Überschreitung der Oise südlich von Noyon und neben der gewaltigen Beute an Gejchützen, Maschinengewehren und anderem Kriegsmaterial wurde General Foch gezwungen, die letzten Reserve n einzusetzcn. Außer den acht bei Beginn des Kampfes in der Front befindlichen Stellungsdivisionen hat Foch innerhalb dreier Tage außer vielen anderen mehrere Elitedivisionen in den Kampf werfen müssen, zu deren Unterstützung zahlreiche Tanks die rücksichtslosen Gegenangriffe begleiteten. 70 bis 80 Tanks liegen zerschossen hinter und vor unserer Front. Außer den 15 000 Gefangenen ecltft der Gegner ungeheure blutige Verluste. Haufenweise liegen die Leichen an d^n Hauptkampf- stellen, wie zum Beispiel am Mont Renaud. Mont de Cboisy und in den Stellungen nordwestlich Mareuil. In endlosen Zügen wandern aus unseren rück- wärtigen Wegen die leichtverwundeten Feinde zu den deutschen Verbandsplätzen.
Das historisch berühmte Dorf Camö rönne wurde bereits in tmr Abenddämmerung des zweiten Angriffs- tages nach der Erobernna des langaestvtzckten Antoval- Rückens von deutschen Bataillonen in überrumpelndem Vorstoß dem verwirrten Gegner abgenommen. Damit war die Beherrschung der östlich Ribeconrt in langgestreckter Schleife ostwärts airsholenden Oise-Niederung erzwungen. Um sich die volle Bedeutung des rm Verlauf von z w e i Angriffstagen von der Armee Hufier erstrittenen Sieges zu verdeutlichen, muß man sich klarmachen, daß unsere Divisionen hier in 40 Kampfstunden ebensoviel Gelände erstritten _ haben, als seinerzeit die vereinigten englischen und französischen Armeen in ihren fünf Monate umfassenden, beispiellos blutigen Anstürmen der großen Somnre- SchlcM zu erringen vermochten. Dabei ^var das Gelände der Matz-Schlacht mit seinen ausgedehnten Waldungen und schroffem .Hügelcharakter einer zielbewußten Verteidigung unaleich günstiger als die waldarmen mkd flachen Bodenwellen der Somme-Landschaft. ll n s c r e Kanonen beherrschen heute Stadt und Bahn- bof Compidgue. Sie löbmen damit an diesem der französischen Heerfiihrung bedeutungsvollen Erien-
bahnknotenpunkt die geguevische Bewegungsfreffhert aufs schwerste. Bei.den großen Tankangriffen, mrt denen der Franzose am Dienstag den um diese Stunde bereits gesicherten Erfolg -an der Matz uns streitig zu machen versuchte, wurden von unserer Artillerie und Infanterie von s 0 angreifcnden Kampfwagen 3 6 außer Gefecht gesetzt. Auch hier schwebte wie vor Soissons über Fachs Gegenangriffen ein tragisches „Zu spät".
Die abgeschlagenen französischen Eankangriffe.
W.T.-B. Berlin. 14. Juni. Nach ruhig verlaufener Nacht setzte in der Gegend von Mery am 13. Juni, 4 Ilhr vormittags, starkes, schlagartiges Artilleriefeuer ein, dem kurz darauf ein feindlicher Angriff mit mehreren Bataillonen, won Tanks unterstützt, folgte. Ter Angriff des Feindes wurde re st los abgeschlagen. Die Tanks- wurden zusammengeschossen oder machten eiligst Kehrt. Dasselbe Schicksal erlitt ein gegen 5 Uhr vormittags erfolgter Tankangriff bei B e l o y. Den ganzen Tag über unternahm der Feind sodann nach mehrmals mit starken Kräften und Banz etwa gen weitere Angriffe, die unter außerordentlich hohen Feind- verli.sten scheiterten. Bei einem-um 8 Uhr abends nord- weitlich Eourcelles abgeschlagenen französischen Angriff blieben zahlreiche Gefangene in unserer Hand. Der Bahnhof von Camvidgne sowie die Barackenlager südlich der Stadt wurden von deutschen Batterien nnier wirksamstes schweres Feiler genommen._ Unsere Stur ui truppen, die in den Wald van Villers- C c r l e 1 <• t s eingcdrunaen waren, schlugen auch vier einen feindlichen Gegenangriff zurück.
Auch in Flandern -ine französische Schlappe. W.T.-B. Berlin, 14. Juni. Am 13. Juni haben sich die Franzosen außer ihren schweren Mißerfolgen der Meru-Eourcelles, im Matz-Krnnd sowie nordwestlrch von Chateau-Thierrv auch in Flandern eine empfindliche bluffge Scllavpc aeholt. Nach frühmorgens entsetzendem starkem Feuer gingen sie zum Angriff gegen den Ab schnitt Vaannezeele bis nördlich Vierstraat vor. Zrun giaßen Teil brach der Angriff bereits vor unseren Ksnien zusammen oder würde in, Gegenstoß unter bähen Feindverlusten abgewiefen. Die große Zahl von Gesang e n e n, unter denen üch mehrere, Offiziere befinden und die der Angreifer dem Verteidiger überlassen mußte, beweist das gänzliche Scheitern des französischen Vorstoßes.
Eigene-- schweres Feuer belegte unter anderen wrch- ftoeit Zielen die feindlichem Schachtanlagen bei Bethune. Jnr Schacht 28 von Neoux entstanden infolge der Beschießung Brände. ________
Die ewmiralstabsmelduny.
W.T.-B. Berlin, 14. Juni. (Amtlich.) Durch die Tätigkeit unserer Unterseeboote wurden wiederum 20 000 Bruttoregistertonnen versenkt. Den Sauptcmtül an diesen Erfolgen von 17 000 Bruttorcgistertonnen hat Kapitänleutnant- Georg, dessen Erfolge hauptsächlich im Ärmelkanal erzielt wurden. U. a. wurden zwei tiesveladene Frachtdampser von etwa 6000 und 4000 Brt. Größe sowie ein Tankdampse: vom Aussehen des ,Lucellum" (etwa 5000 Brt.tz der- in Begleitung von zwei großen Unterseebootsjägern fuhr, vernichtet. Ferner wurden von den: im englischen Kriegsdienst eingestellten Fischer- favrzeug „St. Johns" das Geschütz und die Kriegs- flagge erbeutet. Der Kommandant, ein Maschinist und ein Marpn wurden gefangen genommen.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die eigene Verantwortung neutraler Schiffe im Sperrgebiet.
W.T.-B. Berlin, 14. Juni. Nach holländischen Pressemeldungen wurde am Sonntagmorgen der holländische Logger „Helena" anscheinend durch das Artilleriefeuer eines Unterseebootes versenkt, wobei drei Mann durch einen ^>chuß getötet wurden. Über die näheren Umstände ist hier noch nichts Näheres bekannt. Die Versenkung erfolgte aber, sofern deutsche Seestreitträfte in Frage kommen, zweifellos außerhalb der freien Fahrtrinne, da diese peinlich von uns geachtet wird. Daß unsere Gegner nicht die gleiche Rücksicht nehmen, beweist das vor kurzem erfolgte Auslegen von Minen im östlichen Teil der freien Rinne und in den holländischen, dänischen und fchw-dischen Hoheitsgewässern durch, unsere Feinde, wodurch der Verlust mehrerer neutraler Handelsschiffe, sogar holländischer KriegSfahrzeuge herbei-- gefübrt ist. Begeben sich die Fahrzeuge außerhalb der freien Fehrtrinne in das Sperrgebiet, so müsten sich die Besatzungen es selbst zuschreiben, wenn gegen sie mit Waffengewalt vergegangen wird, da alle in dem Sperrgebiet angetroffenen Fahrzeuge als im Dienste unserer Feinde fabvend angesehen werden.
Tie Trockenlegung des Zuidersees.
W.T.-B- Haag, 13. Juni. Di: Gesetzesvorlage zur Abschließung und Trockenlegung des Zuidersees wurde in der Ersten Kammer ohne Abstimmung angenommen.
Eine neue klare russische Absage an bie Entente.
W.T.-B. Moskau, 8. Juni. Die amtliche Zeitung „Jsvestija" schreibt unter der Überschrift „Die Alliierten und Rußland" zu dem Telegramm der Associated Preß über das Anerbieten der Entente, Rußland ökonomische uno militärische Hilfe im Falle eines neuen Krieges tnit Deutschland zu leisten, folgendes- Die Affociated Preß schlägt die Anerke.aming der Sowjeteegierung vor. wenn diese die Hilfe der Entente, die in der 'Sendung japanischer und chinesischer Truppen bestehen soll, ««nimmt. Rußland würde militärischer Hilf- bedürfen, falls es sich mit Deutschland -m Kriege befände. Aber jetzt steht Rußland mit Deutschland im Fcisdrn und hegt' nicht den geringsten Wunsch, sich in ein neues Kriegs- a b - n k c u c r zu stürzen. Die Frage läge anders, wenn Rußland durch eine aggreflivs Politik Deutschlands zum Kiiege getrieben würde Falls Sie ruslische Regierung dann eiklären winde, dah sie bei einer neuen deutschen Offensive gegen Rußland Hilfe annimmt, ist es augenscheinlich nicht das gleiche, als wenn sie Hilfe suchen Erde, um eine deutsche Offensive zu provozieren. Über die japanische Hilfe bat das Preffeorgan des Sowjets zu verschiedenen Malen sein Mißtrauen ausgesprochen. Dieies Mißtrauen rührt nicht, nur von den eigenen Erfahrungen mit der japanischen Politik her, sondern auch von Andeutungen einiger Mitglieder der Entente. Im gegenwärtigen Augenblick führt Rußland keinen Krieg. Wenn eine Macht uns aufrichtig Beistand leisten will, io würde Rußland jeden für die Verbesse
rn!. g seiner Verkehrswege und zu seiner wirtschaftlichen Gesundung zu schätzen wissKr. ^ Die russische Reaieruna hat in einer ftde Zweideutigkeit ausschließenden 2Mfe Deutschland 'erklärt, daß Rußland als neutrale 5 Land mit allen Ländern wirtschaftliche und ökonomische Ver-' krndnngen anknüpfen wird. Bevor die Entente Rußland in den Krieg treibt, möge sie die Notwendigkeit ein-er unmittelbaren ökonomischen Hilfe vor allem anderen diskutieren.
Line Reife Lenins «ach Berlin oder Wien?
Br. Malmö, 15. Juni. (Eig. Drrhtbericht. zb.t In russischen politischen Kreisen, die Lenin nahestehen, wird, wie- die , Expreß-Korrespondenz" erfährt, mit großer Bestimmtheit von einer Auslandsreise des Vorsitzenden der Volkskommissare gesprochen. Lenin trägt sich danach igit dem Gedanken, sich nach Berlin oder Wien zu begeben, um mit den Leitern der deutschen und östeereichischen Politik persönlich Fühlung zu suchen. Wir aus der Behandlung der Angelegenheit durch ruffische Politik:! hecborgeht, dürste das Projekt in Kürze feste Form annehmen, denn es wird bereits zur Grundlage 'veitgehender politischer Kombinationen gemacht.
Iurückverlegung der rumänischen Regierung nach Bukarest.
W.T.-B. Bukarest, 14. Juni. (Drahtbericht.) Nach- der Ratifizierung des Friodensvertrags wird, wie die „Lumina" weidet, das Finanz- nnd Justizministerium und das Ministerium des Innern endgültig wieder nach Bukarest verlegt. Der rumänische Staatsschatz, bei während des Kriegs nach Moskau gebracht worden war. soll unvershrt lein und sich in vollster Sicherheit befinden. _
Immerhin wollen sie schon etwaige deutsche Zriedensvorschläge prüfen!
W. T.-B. Bern, 14. Juni. „Eorriere della Sera" sagt zu der Rede Modiglauis, ihr fehle zwar die Voraussetzung eines ehrlichen und klaren deutschen Friedensangebotes, denn der Feldzug gewisser deutscher Blätter lasse noch keinen Schluß zu, ob ein solches überhaupt erfolge. Man müsse vielmehr jur. zeit annehmen, daß die deutsche Heeresleitung militärischen Siegen nachjage, bevor die amerikanische Waffenhilfe sich voll geltend m-.rche. Vielleicht wolle Deutschland auch nur in den Ententeländern gefährliche Friedensillusionen wecken, um, wenn möglich, ein Friedensangebot der Verbündeten hervorzurufen, das dann einer Kapitulation gleich käme. „Eorriere delln Sera" wiederholt nochmals, daß heute kein Staatsmann der Entente die Verantwortung auf sich nehmen könnte, nichr auf die ernsthafteste Weise die deutschen F-isdensvorschläge zu prilfen, aber bis jetzt beständen keine solchen. Man dürfe deshalb nicht lüaen und habe heute nicht das Recht, dem Volke, d-as durchhalten, und dem Heere, das kämpfen müsse, zu sagen, der aerechte Frieden ist möglich oder der Friesen ist nahe.
Wa„um ein Friedensangebot der Eatenteländer einer Kapitnla'.irn gleich kommen muß. ist aus dem Artikel nicht ganz ersichtlich. Offenbar geht es der Entente recht schlecht.
Rbermals die Drohung mit Wirtschaftskrieg und Rohstoffvorenthallung.
W.T.-B. London, 14. Juni. „Westminster Gazette" schreibt-: Die Alliierten haben die Kontrolle über einen sehr großen Teil der Rohstoffe der Welt und können bestimureu, ipnter welchen Bedingungen diese Rohstoffe den Mittelmächten zugänglich gemacht werden könnten. Dernburg hat sich neulich in eineni Artikel fiir einen Wictschastsbund der Völker ans- gesprochen, um der Menschheit, deren Rohstoffe erschöpft seien, Erleichterungen zu verschaffen. Er meint damit, daß Deutschland und feine Verbündete erßchüpjt ßnd. dp«
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