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Verlag Langgasse 21

Tagblatihaus".

Echalter-Halle gröffnet von 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends.

wöchentlich

«rznas-Preis für beide Ausgaben: Mt. 1.20 monatlich, Bit. 3.60 vierteljährlich durch den Verlag Lanogasie 21, ohne Bringerlohn. Mt. 4.6b vierteljährlich durch alle deutjchen Poftanstalten, ausschließlich

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in Biebrich: die dortigen Aus- betreffenden Tagblatt - Träger.

12 Ausgaben.

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Tagblatthaus" Nr. 6650 -SS.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abeudS, außer Sonntags.

Ausnahme von Anzeigen an vorgei

Samstag» 13. 3uiti 1918.

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apastrlkirche 7,1« Fernsprecher: Amt Lützow 6202 nnd 6303.

Nr. 273. .

Morgen-ktusgabe.

6b. Jahrgang.

Dem ttaiser.

Aus der Mitte des schweren Ringens unseres Volkes mn Leben und Zukunft erhebt sich heute derjenige Tag, an dem vor 30 Jahren unser Kaiser das Erbe ferner Väter übernahm. Als wir vor fünf Jahren das silberne Regierungsjubiläum des Kaisers feierten, nahm dre ganze Welt an unserem Feste warmen Anteil. Auf dem Balkan ruhte in den Junitagen 1913 für kurze Zeit der Waffenlärm, ehe der blutige Bruderkrieg _ anhoö, der Bulgarien um den Preis seiner Siege bringen sollte. In Ost und West knisterte es zwar schon ebenso hörbar wie auf dem Balkan in dem Hexenkessel der französisch­russischen Verbrüderung, aber alle diese sichtbaren Feuer­zeichen verloschen vorübergehend angesichts des Regie- rungsjubilärnns unseres Kaisers. Der Kaiser, wie er kurzweg im Munde aller hieß, stand zu sehr im Vorder­grund des angespannten Interesses. Man geht nicht zu weit in der Behauvtung, daß sein silbernes Regie­rungsjubiläum bei den meisten Auslandsseiten eine warme Anerkennung seines Wirkens und Wollens brachte, das? sich kaum, selbst in den temperamentvollen französischen Zeitungen, ein Wort des Hasses gegen ihn einschlich. ImFigaro" wünschte Hanotcmx, daß Wilhelm II. auch das goldene Regierungsjubiläum als F r i c d e n s k a t I e r" begehen möge. Dieser ihn am treffendsten bezeichnende Name kehrte in fast allen Wür­digungen der damaligen Tage wieder. Er bildete die gerechte Anerkennung des jahrzehntelang bewiesenen zielbewußten Friedenswillens Deuffchlands und seines Kaisers ungeachtet aller sich bietenden Gelegenheiten, die Streitigkeiten mit dem Schwert zum Austrag zu bringen. Wein gerade in diesem Punkte zeigten un­sere Feinde später ein kurzes Gedächtnis. Hatten sie noch in den Jubilänmstägen 1913 unsenm Kaiser als Friedenserhalter zugesnbelt, ein Jahr später galt er in ihren Augen als ein Schwerverbrecher, als Stören­fried schlimmster Art. Allen ihren Hohn und Spott gossen sie über ihn ans und unerschöpflich schien die Schale ihres Zornes. Mit ihm wurde das ganze Hohen- zollerngeschlecht in der unflätigsten Weise verunglimpft. SeinAnsehen wollten sie derart untergraben daßDeutsch- land seines festen monarchischen Untergrundes beraubt, kraftlos nnd besiegt zusammenbrechen sollte. Die Be­seitigung der Hobenzollern war eins der wesentlichsten .Kriegsziels der Feinde, einer der giftigsten Pfeile in ihrem Köcher. Er prallte aber vor dem Ziels ab, denn die Seele unseres Volkes war zu gesund, als daß sie für dieses Gist ein Nährboden geworden wäre. Je mehr hingegen unsere Feinde gegen den Kaiser zu Felde zogen und sich in diesem Wahn verrannten, um so fester schloß sich das deutsche Volk hinter Kaiser und Herrscher- hau? zusammen. Denn wir wissen es: Der Kaffer ist allen Völkern gegenüber der Gebende gewesen; er hat Frieden gehalten und den Frieden gefor- d e r t wie k e i n anderer Herrscher der Erde, er hat dre Hand geboten za vielfachen gemeinnützigen Werken und er hat immer wieder versucht, das Einigende und Ge­meinsame über das Trennende zu stellen. Wenn fern wahrhaft hochherziges, freies Denken und Handeln den Weltkrieg nicht zu verhindern ver:nochte. ?o ist das nur ein Beweis dafür, daß unsere Feinde den Krieg wollten, um Denffchland von der Höhe ferner durch Tüchtigkeit nnd Pflichtgefühl unter der Führung des Kaisers gewonnenen Stellung iüederzuzwrngen. Das kraftvolle Deutschland war ihnen trotz seiner Friedens- liebe ein Tcrn im Auge. Frankreich aus Rachsrrcht. Eng land aus Neid imd das zarische Rußland aus Erobe rnngslust zielten auk Deutschlands Demütigung und Erniedrigung hin. Es ist anders gekommen, und das danken wir auch mit unserem Kaffer, der das Volk tn Waffen zu einem scharfen Instrument unserer Sicher­heit stark geinacht hat, an dem sich heut der frevelhafte Übermut unserer Feinde rettungslos brrcht. Wrr gehen aus diesem gigantischen Kampfe als Sieger hervor und haben ein Recht darauf zu vertrauen, daß dre Opfer, die dieser Krieg auch von uns fordert, nrchtumsonst sein werden.

Sc hat der Krieg das Band zwischen Herrscher und Voff noch enger geknüpft; pir wissen es und sind stolz darauf, daß wir den h erv o rr a gen d sten M o na x* chen der Gegenwart an der Spitze haben.

Der Kaiser, der uns bis hierher glücklich und sieg reich führte, wird uns auch in eine segensvolle Zukunft hinein führen. Treue um Treue so ist es im deutschen Volke immer gehalten worden, und am 15. Juni er­neuern wir ans dankerfülltem Herzen das Gelöbms, daß wir in unerschütterlicher Liebe und Hingebung zum Kaiser stehen und ihn: folgen. Des Allmächtigen Gnade aber wolle den Kaiser weiter segnen und schirmen und ifot noch eine recht lange Regierungsrett verleihe».

Der Kbenvbericht vom 14. Juni.

W. T.-B. Berlin, 14. Juni, abm-ds. (Amtlich. Draht­bericht.) Bon den Kampffronten nichts Neues.

Die Verteidigung von Paris.

Br. Schweizer Grenze, 14. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Londoner 'Daily Mail" berichtet laut Baseler Blättern ans Paris, daß die Perteidigungsm-ttcl von Paris weiter vermehrt nnd organisiert worden seien. Amerikanische und italienische Strert- kräfte seien zum Schutz und'zur Verteidigung von Paris eiingettoffen.

Take Jonescus Abreise ins Ausland.

Be. Bukarest, 14. Juni. (Eig. Drahtbricht, zb.) Nach Meldungen der Jassyer Blätter haben Take Jonescu und eine Anzahl seiner Freunde die^Erlaubms zur Abreise in das Ausland erhalten. L>ie werden Dienstag Jassy verlassen.

Französischer Fliegerangriff auf einen deutschen Lazarettzug!

Minen am Nordkap von Neusceländ.

Br. Rotterdam, 14. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nicuwes van den Dag" meldet ans London: Nach

ein-r Depesche der Times" aus Wellington in Neusee­land wurden bei Nordkap. der nördlichsten Insel von Neuseeland, in Entfernung von 10 Seemeilen von der Küste drei Minen aufgefischt.

W.T.-B. Berlin, 13. Juni. In einer der letzten Nächte ist ein deutscher Bereinslazarettzug einem absichtlichen feindlichen Flienerangriff zum Opfer gefallen Ein französi­scher Flieger ließ in der Nach: über dem im besetzten Gebiet auf einem Nebengleis stehenden Lazarettzug eine Leuchtbombe in geringer Höhe schweben, die den Zug taghell beleuchtete, so daß die lange Reihe der Roten-Kreuz-Wagen aus der geringen Höhe, in der der Flieger sich befand, deutlich erkennbar war. Trotzdem suchte der Flieger sich gerade dieses Ziel aus Zuerst nahm er den Zug mit seinem Maschi- nengewebr unter Feuer und ließ dann vier Bomben fallen, die drei der Lazcrrettwaaen zertrümmerten und neun schwer beschädigten. 'Der Transpoctführer ist bereits seinen Wunden erlegen. Der Hilfsarzt liegt schwer verwundet im Kranken­haus. Nur durch mn Wunder sind die übrigen Insassen, ab­gesehen von leichten Verletzungen, nnverwnndet geblieben.

Deutscher Reichstag.

(Eigener Drahtbericht desWiesbadener Tagblatts" ü

Vas Schicksal des russischen Hilfskorps in Frankreich.

W. T.-B. Berlin, 13. Juni. ' Wie sich nunmehr hcrauS- stellt, hat. Frankreich die nach dem russischen Friedensschluß ihre Entlassung fordernden Leute des russischen Hilfskorps in Frankreich unter dem Hinweis, dieser Friedensschluß sei un­gültig, in sogenannte russische Legionen gepreßt. Es wurde ihnen eine sehr mangelhafte Kost gegeben, bis sie sich zum Eintritt schriftlich bereit erklärten, und wurden dann der Division maroccaine zugeteilt. Sie können nach den jetzigen Kämpfen als fast aufgerieben gelten.

Der österreichikch-unaarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, l'4. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich ver­lautet vom 14. Juni, mittags: An der italienischen Gebivgs- front mäßige Artilleriekämpfe. An der unteren Piave miß­langen zwei feindliche E-rkundungsvevsuche. In Albanien nördlich des Devoli wurde einAmgrifsderFranzosen nach ILstündigem Kampf, an dem auch bulgarische Truppen teilnahmen, abgewiesen.

Bei der Abwehr eines auf Cattaro gerichteten Luft­angriffs wurde ein englischer Flieger durch unsere Marine­flugzeuge abgöfchossen. '

Der Chef ibee Generalistabs.

Der ukrainisch-russische Frieöensvertrag.

W.T.-B. Kiew, 14. Juni. (Drahtbericht.) Der vor­läufige ukrainisch-russische Vertrag -.»i l-eute mittag unter­zeichnet werden. Sein wesentlicher Inhalt ist die Ein­stellung der Feindseligkeiten, die Erleichterung de: gegenseitigen Rückwanderung, der Austausch der Kriegs­gefangenen. die Vorbereitung des Austauschs des Eisen­bahnmaterials, die Anbahnung von .Handelsbeziehungen und die Bereitwilligkeit, Hald in endgültige Friedensverhand­lungen einzutreten.

Me Zeitungen veröffentlichen das Protokcll zwischen der Don- nnd Kuban-Kosakenregierung mit der gegenseitigen An­erkennung der inneren Autonomie urü> der Landes­grenzen zum Zweck der Bekämpfung der Anarchie im Gebiet des Don, des Kuban und des nördlichen Kaukasus.

Die Plünderungen russischer Kulturstätten.

Br. Zürich, 14. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Maxim Gorkis ZeitungNowaja Chffn" meldet, daß während des Kriegs und hauptsächlich der Revolutton in Rußland 17 Museen, 36 Gemäldegalerien, 146 öffent- liche und 378 private Bibliotheken, 13 Theater sowie 60 öffentliche Lesehallen verwüstet und geplündert

wurden. £.j e englische Hilfe für Rußland.

W. T.-B. London, 13. Juni. (Drahtbericht. Reuter., Im Unterhaus fragte Lee Smith, ob zwischen den Vereinigten Staaten und den Alliierten ein Abkommen, betreffend E i n- mischung in die russischen Angelegenheiten, zustande aekommen sei, und ob weiter beschlosien wurde, daß Rußland weitgehendste wirtschaftliche Hilfe zu leisten sei. Balfour erwiderte: Der Bericht über den Abschluß eines Abkommens, wodurch auf die ^Intervention in Rußland Ver­zichter wird, trifft nichl zu. selbstverständlich wünschen wir lebhaft, Rußland auf wirtschaftlichem Gebiet Beistand zu

# Berlin, 14. Juni.

Am Bnndesoatstisch: Minister v. Stein. Vizepräsident Dove eröffnet die Sitzung um 12,25 Uhr. Auf der Tages­ordnung stehen zunächst

Anfragen

Abg. Rupv (D. Fr.) fragt: Was gedenkt der Herr Reichs­kanzler zu tun, um die aus dem Mißverhältnis zwischen den Rohtabakpreisen uyd den Tabakfabrikat, preisen entstehend: Unzufriedenheit sowohl unter.den Produzenten wie unter den Konsumenten zu beseitigen?

Geheimer Rat Dr. Matthias: Die Erzeugerpreise für in- ländischen Rohiabak sind durch Höchstpreise festgesetzt. Bei der Preisregelung für dje Tabakfabrikate muß in Betracht ge­zogen werden, daß der inländische Tabak in der Hauptsache zusammen mit ausländischem Tabak verarbeitet wird. Außer acht darf nicht gelaffen werden, daß 75 Prozent aller Tabakerzeugnissc für das Heer beschlag­nahmt sind und die Preise für die Heereslieferungen in mäßigen Grenzen gehalten werden müffen, und daß dies natürlich auf die im freien Verkehr befindlich«! Tabakfabrikation zurückwirkt.

Abg. Astor lZtr.): fragt, ob der Reichskanzler gewillt ist, die durch die Verordnung gegen die Preistreiberei int Textilhandel geschaffene Rechtsunsicherbeit durch eine schleunigst zu erlassene gesetzliche Regelung zu beendigen?

Geheimer Rat Dc. MatthiaS: Die Frage, ob und inwie­weit mit Rücksicht auf die Verordnung gegen Preistreibe­reien vom 8. Mai 1918 dir Bundescatsverordnung über di« Preisbeschränkung beim Verkauf von Web-, Wirk- und Stück­waren vcm 13. März 1918 de- Änderung bedarf, unterliegt zurzeit der Prüfuag.

Abg. Dr. Heckscher (Bpt.): Nach zuverläffigen Nachrichten sind auf Anstiftung

unter dem Druck Englands die in Siam ansässigen deut­schen Familien nach Konzentrationslagern in Indien ver­bracht worden.

Ist der Herr Reichskanzler bereit, Auskunft zu geben, welch« Vergeltungsmaßnahmen die deutsche Regierung gegen dieses brrtrle völkerrechtswidrige Verfahren getroffen hat?

Direktor im Auswärtigen Amt Dr. Kriege: Als Ver- geltung für die Internierung der in Siam lebenden Deut­schen erfolgte die Internierung der in Deutßchtand leibenden Siamesen. Als hier bekannt wurde, daß die internierten Deuffchen ans Siam nach Britifch-Jndien verbracht wurden,, ist hiergegen deutscherseits sofort bei der englischen Regie- rung und der siamesischen Regierung nachdrücklich protestiert und beiden Regierungen erklärt worden, daß sie für jeden Schaden an Leben, Gesundheit und Eigentum, der den Inter- nierten aus dieser Aufenthaltsmahnahme entstehen sollte, verantwortlich gemacht werden würden. Bei den zurzeit ge­führten Verhandlungen über Gesangenenfragen im Haag wird auch die Freilassung der in Indien internierte« Deuffchen aus Siam verlangt werden. Der Ausgaug dieser Verhandlungen bleibt abzuwarten.

Auf die Anfrage des Abg. Dr. Heckscher (Bpt.) nach Ver- geltniigtMaßnahmen loegen der unter dem Druck Englands sowie unter Beihilfe Frankreichs geplanten

Überführung unserer Landsleute in China iu Konzen­trationslager in Australien

erklärt der Mrektor im Auswärtigen Amt Dr. Kriege: Di« deutsche Regierung hat angesichts des Ernstes der Nachricht gegen diesen Plan unverzüglich die nachdrücklichsten Schritt« unternommen und bc-onderS den beteiligten Regierungen schn erste Vergelt,lngsnraßnahmen angedroht. Nach den gestern einc-egangenen Maßnahmen des deutschen Gesandten im Haag hat der mit dein Scbutz der deutschen Jnteceffen iu Chir.ä betraute niederländische Gesandte in Peking tele- grophiert, daß die Gefahr der Deportation für die Deuffchen beseitigt sei.

Abg. Stresemann (natl.) fragt- Die in England und Frankreich und in den von den Feirrden besetzten deuffchen Kolonie,, gefangenen Dcutscb-u befinden sich in einer besan- der- drückenden Lage, da sie nach einem meist jahrelangen Aufenthalt in dem tropischen Klima jetzt eine Gefangenschaft von drei bis vier Jahren erdulden müffen. Ist der Herr Reichskanzler bereit, die geeigneten Maßnahmen zu er- greisen, um den sofortigen Austausch und die Abführung