Wiesbadener TsgM
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„Tagblatthaus" Nr. 6650-53.
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Zrettag 14. Juni 1918.
Kbend-klusgabe.
Nr. 272. . 66. Jahrgang.
Lindringen der Unsrigen in den Wald von Villerz-Cotteretr!
Geicheiterte französische Angriffe südroestlrch Ifpern und südwestlich Noqon.
3m Mai 413 feindliche Flugzeuge verloren gegen 180 deutsche.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 14. Juni. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.
Südwestlich von Ypern führten die Franzosen h e s - tige Angriffe gegen unsere Linien zwischen Bo^tezeÄe und Bierstraat. Sie wurden blutig abgewresen. Mehrere Osfiziere und mehr als 150 Mann blieben h,erber gefangen in unserer Hand. Erfolgreiche Erkundnngsgefechte am K e m m e l. . .
An der übrigen Front lebte die Gefechtstätigkert nur vorübergehend auf.
Heeresgruppe Deutswer Kronprinz.
Auf dem Kampffeld südwestlich von Roy -n blieb die «rtilleri-tätigkeit gesteigert. Bei C-urcelles und Mer« sowie im Matz gründe, dicht westlich der Orfe, wvederholte der Feind feine vergeblichen Angriffe. Unter schweren Verlusten wurde er zurückgeworfen.
Beiderseits der Straße Soifsons-Billers-Cotterets drangen wir in den Wald von B ill er s - C o tt e ret s ein.
Die Armee des Generalobersten v. B o e h n hat seit dem 27. Mai mehr als 83V Geschütze erbeutet. Damit steigt d»e »Zahl der von der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz serl 27. Mai eiugebrachten Geschütze aus 1Ü5V.
Gestern wurden 28 feindliche Flugzeuge abgeschossen. Hauptmann Berthold errang seinen 34., Leutnant Udet seltnen 29., Oberleirtnant L-erzcr seinen 25. Luftsieg.
Im Monat Mai betrug der Verlust der feindlichen Luftftreitkräfte an den deutschen Fronten 2 3 Fe fiel» ballone und 413 Flugzeuge, von denen 223 hmter unseren Linien, die übrigen jenseits der gegnereschen Stellungen erkennbar abgestürzt sind. W r r haben r,m Kampf 180 Flugzeuge und 2 8 Fesselballone verloren.
Der Erste Generalquartiermeister: Ludindorfs.
aus Schloß Rimberlieu vorzubrechen versuchte, wurd- unter blutigen Verlusten abgewresen. Der Femd unter- nahm noch eine Reihe von Gegenangriffen, zum Teil abermals mit starker Tankunterstutzung, die jedoch alle vergeblich waren. .
Trotz seines großen Luftaufgebotes blreb dre Über.
l e g e n h e i t der Flieger durchaus, auf, u n f e rer Seite. Unsere Schlachtstaffeln griffen die fernolrche Infanterie und die Tanks mit Maichmengcweqren und Bomben an. Die von Truppen und Kolonnen wimmeln- den Straßen bei Compi.dgne wurden mft Machrnen. gewehren abgehämmert, die Stadt selbst mit 19,600 Kilo gramm Bomben in einer Nacht beworfen, wahrend sie gleichzeitig ebenso wie Esträes-St. Denrs dauernd unter unserem schweren Flachfeuer liegt. ■
Der Feind hat im ganzen an 13 Divisionen rn den Kampf geworfen. Die Armee, welche unser neuer Schlag getroffen hat, ist die dritte französisch, die dem General H u m b e r t untersteht und nach rhrem Em- schwenken in die zwischen Engländern "nd Franzosen nach unserem Märzangnsf entstandene Lucke den.voreiligen Ruhmestitel der „Retter von Paris e,
halten hafte. , „, ...
2B. Scheuermann, Kriegsberichterstatter.
•
Der Verzweiflungskampf der Franzosen.
Br Genf, 14. Juni. • (Eiq. Drahtbericht zb.) Schweizerische Blätter melden: Englische Kriegsbericht- erstafter an der Westftont berichten nach London, daß die
Die Schlacht westlich der Gise.
(Von unserem Kriegsberichterstatter.)
Westfront, 12. Juni.
Einen Augenblick mochte es scheinen, als ob der Generalissimus Foch zu mnem großen Gegen- schlage ausholen wollte, indem er stacke Kräfte ver- sammelte, die unsere gegen Amiens vorgedruckte ^mie in der Flanke bedrohen sollte. Erst me patere Kriegsgeschichte wird entscheiden können, ob der sernd- liche Oberfeldherr damit lediglich dem Drangen der un- berufenen öffentlichen Kritik ,n Frankreich und Eng- land nachgegeben oder ob er sich wirklich zugetraut hat, der deutschen Keerführung das Gesetz des Handelns m einem äußersten Augenblick zu entreißen. Die Tatsache, daß er mit letzten Trümpfen spielen mußte, daß er. um hier die nöttge Anzahl von Divisionen an em Mischer- dendereS Unternehmen zu wenden, an der Mmmeftont die Trümmer der am 27. Mai vernichtend geschlagenen Einheiten schon wieder in den Kamps hetzt, könnte je nach dem Erfolge ftir eiserne Nerven oder für eme verzweifelt peinliche Lage des Feindes gedeutet werdem In jedem Falle steht fest, daß hier der deutsche Angriff auf starke, selbst zum offensiven Vorgehen bereite feindliche Massen gestoßen ist, die völlig vor- bereitet waren und alsbald zum Gegenstoße über- gehen konnten.
Der Feind richtete seinen Hauptstoß auf die Lrme Courcelles bis südlich Mery Im Gegensätze zu unserer neuen erfolgreichen Angrrffswelfe hafte er den Jnfanteriesturm durch stärkste Artillerievorbereitung eingeleitet. Neben beträchtlichen Kampffliegergeschwadern unterstützten .ganze Herden von Tanks das Vorgehen seiner Sturmtruppen. Bei Courcelles sind etwa 30 Tanks gezählt worden, von den°n 6 abaesckostm wurden, bei Merystraten griffen 60 bis 80 dieser Kampfpanzerwagen, also em erh eb- I i ch e r Teil der dem Feinde überhaupt zur Verfügung stehenden Tanks, in die Schlacht ein, von denen über 80 zur Strecke gebracht wurden. Der Nahkampf wogte erbittert hin und her. Bei Courcelles brach der femo- liche Vorstoß blutig zusammen. Bei Mery-Belloy wurde der Stoß des Gegners durch Gegenangriff ausgefangen. Über den Arondebach drang der Feind bis zur Porteferme vor, die er aber nicht halten konnte: hier wurde er diirch sofortinen Gegenstoß wett nach Süden geworfen. Ern französisches Infanterieregiment, welches
Die Wirkung der Fernbeschietzung von Paris.
Bl. Genf, 14. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Hervä erklärt in der „Victoire": Infolge der Fernbeschießung wer- den die kriegsindustriellen Anlagen von Paris nach der Provinz geschafft, da die deutschen Ferngeschütze sich, nunmehr außerhalb der Tragweite der ftanzosischen Artillerie; befinden.
ver Sturm auf Mareurl südlich Lassignp.
W. T.-B. Berlin, 13. Juni. Gury war genommen. Schrittweise wurde der zäbe Gegner zurückgedruckt.Er gelingt. die besonders lästige 75 -Millimeter-Batter,e 500 Meter siidltch Gury in der Flanke zu fassen. Ein Geschütz war schon durch einen Volltrester erledigt. Unter dein^ Feuer der Schützen verlassen die Kanoniere eiligst dre Geschütze. Nner Protze glückt es, an ein seitwärts stehendes Geschütz beranzu- kommen und aufzuprotzen. Schon ist fast der schützende Hang erreicht. Da wirft unsere Maschinengewehrgarbe dre gesamtr Bespcmrmng zu Boden. Auch rechts und lrnks der Straße werden zahlreiche vollständig intakte ^schütze erbeutet Aus einem Hcblweg feuern noch immer schwere Geschütze. Plötzlich | sind die Unseren in der Batterie. Was sich wehrst wird niedergemacht. Vier Steilfeuergeschütze schwersten Kallers sir d erbeutet worden. Eines davon rsi noch geladen. Ringsum liegt Munition in Menge. In Mareurl bersten unaufhörlich schwere Geschosse unserer Mörser. Dre stündliche Artillerie baut ab Ihre Gegenwirkung hat merklich abgenowmrwr. Vrn rechts und links dringen Truppen durch den Wald- Zahlreiche Gefangene werden nach rückwärts abgeschoben. Um 6 Uhr nachmittags ist Mareuil in unserer Hand. Dre G e g e n- an griffe der Franzosen, in denen ste sich vergeblich be- mühten, uns die errungenen Erfolge wieder zu entreißen, baben erschreckend viel französisches Blut gekostet. Nach der Erstürmung des Ricsuebonrg-Rilckens flrühtete der Fmnzwe durch den Wald. Die wenigen für dre Flucht verbleibenden Schneisen wurden vom Verfolgungsfeuer der deutschen Artillerie so sicher geiaßt, daß den Franzosen der Rackzug abgesthnitten und die fliehenden Trümmer fast gänzlich ver- richtet wurden. Den ganzen Becgkamm entlang "egen Franzosenpferde und niedergebrochene oder rm Ssich gelassene MunitionsNaoen, neben ihnen vom Lustdruck ins Dickiw^ geschwaderte Tote, die den Weg über die Matz nicht mehr erreichten Im Südteil des Riccmrbourg-Waldes entdeckten deutsche Grenadiere den wohleingerichteten Unterstand des den Abschnitt befehligenden französischen Generals. Aus den Deckungen kamen mit ecbobrnen Händen Franzosen und wurden nach rückwärts abgefchoben.
Kämpfe in Frankreich gegenwärtig eine solche Heftig- feit annehmen, daß man ste als Enrsche i b u n g s- s ch lacht des Feldzugs betrachten müsse. Nach anfänglichem Zurückweichen in der Mitte habe der Wider- stand der Franzosen den Charakter des Verzweiflungs- kampfes angenommen.
Llemenceaus kjoffnung auf die kfeerführer.
»r. Genf, 14. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Inmitten einer Gruppe befveundeter Senatoren gab Clemenceau der Erwartung Ausdruck, daß Foch, Petain Midder Pariser Gouverneur D u b a i l in ibren Anstrenguiigen nicht erlabmen und das V e r t r a u en Frankreichs und der Eiitente rechtfertigen würden. Die jüngsten Frontmeldungen eira-ibcnder zu kommentieren, überließ Clemenceau seinem ersren Sekretär. General Wordag. Dieser halt es nach eine" He vasnote für erforderlich, daß man an gewissen, durch me deutschen Vorstöße bei Bailly-Trocy, Moul,n-sovs-^ou- vent aefährdeten Geländeteilen die französischen Streitkrafte nicht zwecklosen Opfern anssetze. Aus der nach Eftreeß, gegenüber Compiegne. führenden Linre sm ern i Kampfstillstand voranszusehen, der einen Auffchub des konzentrischen deutschen Angriffs zur Folge haben konnte.
Erneute starke Beschietzung von Kmiens.
Sr. Genf, 14. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie Schweizer Blätter berichten, wird Amiens erneut stark be- schcssen. Das „Journal des Debats berichtet, daß Re berühmten Gemälde von Amiens seit einer Woche rn Sicherheit geblocht worden sind. Ei» Teil des Ätuseums wurde durch Granaten zerstört. ' ^
vre Lidmrralstabsmeldunq.
IV. T.-B. Berlin, 13. Juni. (Amtlich.) Eines unserer Unterseeboote, Kommandant Kapitänleutnant Ernst Hasstagen. hat im Sperrgebiet um die Azoren und rn der B i s c a y a rund
25 000 Bruttorrgistertonnen
vernichtet. U. a. wurden folgende englische Schiffe versenft: Ein nnvekannter Dampfer von 3500 Bcst mit Kohlen, dm: Dampker „Lancarvan" (4749 Brt.) mit 3089 Tonnen Gechte, 912 Stück Stahlbarren, der Dcimpfer „Merwnfthcha« (430. Brt.) mit Stückgut, der Dampfer „Carrnreß (4016 Brt.> rmt öOCiO Tonnen Kohlen, der unbesetzte Truppentransportdampfer , Ausonia" (8153 Btt.) und der Segler „Ruth Richman (417 Brt.) mit 500 Tonnen Salz und Kartoffeln. .Sämtliche [ Dampfer waren mit Geschützen und zum Teil rmt Mrnen-
werfern bewaffnet. ^ ^
Der Chef des Admiralstabs her Marine.
«
Die Verschlechterung der englischen
ErnährungsverlfSttniffe.
W T-B Berlin, 13. Juni. Dir auf den Unterseeboots- krieg zurückzufiihrende Verschlechterung der englischen Lebensverhältnisse bestätigen einmütig alle hier eintteffend«. Privatberickte. Die Wendung zum Schlehen trat un »ruh iahr vorigen Jahres, unmittelbar m Anschluß an den Beginn unserer Unterseebootsofsensive, em und ^t m dem verflossenen Herbst eine ziemlich plötzliche erhebliche Ver- itärkuna erfahren. Die Knappheit ist setzt drüben so oroß daß unsere Vettern nicht einmal mehr ihren Verpflrch. tunge,: gegen die G e f a n g e n e n Nachkommen. Emem ge- fanaenendeutschen Offizier glückte es barzlich, ungeschminkt Wastrbeiten über die empörende Behandlung unserer Lands-
Ä»" Ap mm*- E°-U--
finh alle enaliscben Zeitungen verboten, dazu seder Sport, iedc Musik. Ein'warmes Bad in der Woche. Pakete kommen überhaupt nicht mehr vor. Gedroht ist ferner uiit der Einziehung jeglicher Stühle und Bücher. Dazu kommt noch dar ewige Hunger' Es ist wahrhaftig nicht zu viel gesagt, alles Wahrheit. Seit Weihnachten haben wir kern Gramm Fett mehr erhalten. Marmelade. Zucker usw. ganz selten. Fleisch und Brot sind ebenfalls immer sehr knapp. Den Engländern geht -s natürlich .sehr Übel, u"s Gef°ng«^ natürlich auch. Wenn Ihr cs einrichten könnt und dort selbst genug habt, schickt mir doch bäuflgec ctimis Schwarzbrot und Fet' Gr s ist alles berzlich willkommen. Ich ubertreibe nicht, wenn ick Euch sage, daß ich seit langer Zeit nur trocken Brot kenne, zum Teil noch nicht das einmal. Also zeitweise müssen wir direkt hungern, denn es ,st ganz unmöglich, mit dem hier geliejerteu Efieu auszu kommeu ,
