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14. Juni 1918.
Morgen-ktusgabe.
Nr. 271. . 66. Jahrgans.
Die deutsche Zlotte und der 5ieg.
Von Fregattenkapitän v. Waldeyer-Hartz.
Wer das Wesen der Waffenführung und das Wirken der Kampfmittel im Verlaufe des Krieges ergründen will, muß sich vor einseitiger Beurteilung hüten. Jtuv als Ganzes und in der Wechselwirkung verglichen kann die Bedeutung der einzelnen Streitkräfte sachlich abgewogen werden. Es ist nicht die Wucht des groben Geschosses, nicht der Sturmgeist der Infanterie, was den Erfolg anl Lande sicherstellt. Immer wieder betont dre Oberste Heeresleitung. daß das Zusammenarbeiten aller Truppen zum Siege geführt hat.
In diesen Nahmen der Gesamtleistung muß auch eingefügt werden, was die Flotte zum Erfolge beigetragen hat. Der Krieg, der über Erdteile stampft und Weltmeere geißelt, ist eine einzige gewaltige Leistung, ein Aufbäumen der Riesenkräfte von Völkern gegeneinander. Was Heer und Flotte schassen, ist angespannteste Arbeit ein und desselben Körpers, geboren aus einem Willen. Uns, die wir unter den Eindrücken des Tages stehen, mag das volle Verständnis hierfür fehlen. Späterer Forschung wird es Vorbehalten bleiben, den Zusammenhang und die Wechselwirkung aller Geschehnisse mit anatomischer Gründlichkeit klarzulegen. Aber es verlohnt auch heute schon, solchen Untersuchungen nack^ugehen. Es verlohnt sich und ist gleichzeitig Pflicht; denn nur auf diese Weise wird vermieden, daß falsche Eindrücke sich festsetzen. .
Zunächst müssen wir ums das «ne klar vor Augen halten: der Krieg geht nicht uni Verrückung von Lan- desgrenzen, er geht um Werte der Weltherrschaft und um das Recht des freien Verkehrs ans ihren Hochstraßen, den Weltmeeren. Großbritische, weltgeschutte Köpfe haben diesen Standpunkt von vornherein eingenommen, dem deutschen, in kontinentaler Schulung gereiften Be griiffsvermögen begann es erst allmählich faßlich zu wer- den. Der Kamps um die Seeherrschast. der sich notge- drungen hieraus ergibt, kann nie und nimmer zu Lande allein entschieden werden. England ist, sehr wider seinen Willen, in diesem Kriegs zum ersten Male während seiner langen Eroberrmgsgeichichte d>rzu gezwun gen worden, seine Volkskraft in die Form von Massen Heeren zu gießen und auf dem Festlands eine Haupt rolle auf der blutigen Walstatt zu übernehmen. Trotz dem — verlöre England diese Partie, würden seineLand- Heere zerschmcstert. ihm bliebe dank seiner gewaltigen Flotte die Seeberrschaft. Si? stellt ein Zwangsmittel auf kriegswirtschaftlichem Gebiete dar. Was schasst uns- Luft von dieser Bedrohung? Unsere Flotte! Sichtbar wird ihr Wirken selbst dem Laien in der rasttosen Ar- beit der U-Boote. Ihr heldenhaftes Schaffen, dessen Größe selbst gliihende Bewunderung immer noch zu niedrig einschätzt, nagt am Marke brittscher Seeherrschaft. Während die. Ai-mee zu Lande dem britischen Leu die Krallen abbackt, wird seines Tatzenschlages Wucht auf See gebrochen werden.
Andererseits greift auch die Tätigkeit der U-Boote tief in das Ringen am Lande ein. Die stete Verminderung der Verschiffungsmöglichkeiten, die Versenkung von Hunderttausenden von Tonnen an Kriegsmateriol aller Art erschweren unseren Feinden die Landkriegsührung in einer Weise, von der wir uns nicht in, entferntesten eine richtige Vorstellung zu machen vermögen, jue-ü uns Me Kenntnis dessen abgebt, was alles an Plänen und Operationen immer wieder über den Haiften hat geworfen werden müssen, wenn die „U-Boot-Ratten" wichtige Stränge der Gesamtkriegführung durchbissen hatten. Die U-Boot-Gefahr übt puf unsere Gegner eine lähmende Wirkung von höchster Potenz aus und er- schwert es ihnen dauernd, das Gesetz des Handelns auf den weitverzweigten Kriegsschauplätzen an sich zu reißen.
Der U-Bootskrieg hat seine Ergänzrmg durch die Fahrten der.Hilfskreuzer ..Möwe" und „Wolf" gesun- den. Auch ihrem scharfen Zugriff ist mancher wertvolle Dampfer erlegen. Ebenso wichtig war aber das .Heimbringen seltener Rohstoffe wie Gummi und Kupfer. Manche Berechnung über die Streckung vorhandener Bestände ist hierdurch wesentlich vereinfacht worden.
Nun aber vom Kleinkrieg zum großen, zur Höchste- flotte! * Fügt sich auch ihr Wirken als entscheidender Zähler in die Anspannu.ng der Kräfte ein. die uns den Sieg sichern sollen? Es liegt in der Natur des Seekrieges. daß seine Hauptmassen dem Gegner nicht dauernd an der Klinge bleiben. Nach iedem Zusammen- prall findet eine völlige LoSlösung statt. So ist es noch immer gewesen. Auch Nelson hat in jahrelangen Kämpfen nur wenige Male dem Gegner ins Auge geblickt. Trotzdem wirkt eine Flotts unablässig, sie ist ein ständig erhobenes Schwert, ein Gewicht, das die Wagschale der Entscheidung nie verläßt. Unsere Hochsee flotte hat seit Kriegsbeginn die Masse der englischen Geschwader an ihre Heimathäfen gefesselt. Wäre unsere HlstUeeflotte nicht gewesen, Deutschlands Küste und dre
Dardanellen wären offene Flanken, der verbündeten Mittelmächte geworden, denn Küstenwerke sind rnmner nur eine örtlich begrenzte Deckung. In ihrer Unoeweg- lichkert hätten sie Englands Schlachtaeicliwadee sticht in den Heimathäfen festqehalten und zu ergeblrcher Passivttät verdanant. Die Hochseeflotte hat mit der ausstrahlenden Wirkiing ihrer Flankendeckung dem Heere die Möglichkeit gegeben, seine gesamten ^.ruppen- massen an die kämpfende Front zu werfen. Ohne die stunime Drohung der deutschen Linienschiffe, deren wuchtiger Hamnierschlag vorm Skagerrak von Al.-Eng- land schmerzhaft empfunden worden ist. wäre Dänemarks Neutralität vor brittfchen Augen eine Seifenblase gewesen, hätte sich der kriegswirtschaftlich hock? bedeutende Überseeverkehr mit Schweden me und nimmer aufrecksterhalten lassen, wären die Unternehmungen gegen Oesel und zu Finnlands Befreiung nicht möglich gewesen. Nicht die U-Boote, sondern die stah- lerne Kraft unserer Kampfgeschwader hat uns diese Vorteile gesichert. Die stete Verwisch.ist der Großkampf, schiffe liegt England als ein nicht minder schwerer Alp aus Ser Brust wie der U-Bootskrieq, eine Taffache, dre dem deutschen Verständnis noch fernlieqt, den: brrtr- scheu dagegen handarüffich klar vor Augen steht.
Auf Seemacht verzichten. heißt sein WelttnachtreLt hintanstellen. Es geht um hohen Preis. Englands zäher Widerstand wllte uns die Augen gründlich offnen. Das deutsche Volk muß auch liier von fernem Gegner lernen, der einen Ausstieg erlebt hat. mre er glanzender zu keiner Zett der Weltgeschichte vollführt worden r,t. Über See ist der Aufststg gegangen, und dre Flotten- macht war sein Träger.
Oer klbendberrcht vom 13. Juni.
W. T.-B. Berlin, 18. Juni, nibonids. l Amtlich.. Drccht-
bericht.) An den Kampffronten ist die Latze unverändert. Örtliche Kämpfe südlich von Ppern, südwestlich
von Noyo» und südlich der Ais,re.
*
Frieöenserörteruirgen im französischen Ministerrat.
Br. Genf, 13. Juni. (Gig. Drahtbericht. zb.) Unter dem Dvritz Pcincares fand im Elyise ein M, n i st e r r a t statt, wobei hauptsächlich die militärische und politische L a a e zur Beratung stand. Man glaubt, daß die Besprechungen in diplomatischer Hinsicht auf die Friedensbesprechungen ,r. der deutschen Presse Bezug haben und auf den unverkennbaren Eindruck, den die sogenannte deutsche Friedensoffensive ruf das fcanzösiM Volk gemacht hat. Man bringt ferner die Ministecratssctzung mit dem Artikel im „Homme libre" in Verbindung, der die im Volk umlaufende Frage nach der Ursache der hartnäckigen Weigerung der Alliierten, vom Frieden zu sprecl>en, rusgreift und betont, daß es natürlich an den Deutschen sei. ihre Friedensbedingungen klar zu formulieren. Das Organ Clem-enceaus richtet an die Zentralmächle im Anschluß daran die direkte Aufforderung, die Bedingungen bekannt zu geben, unter denen sie gewillt seien, das Schwert aus der Hand zu legen.
ClemenceauS Standpunkt.
Br. Budapest, 13. Juni. (Gig. Drahtberich-t. alb.) Der Madrider Berichterstatter des „Az Oft" erfährt, daß ©fernen- «au seine Slvneignny. Frieden zu schließen, vor einem Freund in folgender Weise rechtfertigte: Ich keime Pas französische Volk schr gut. Wenn ich Frieden schliche, wird mau mich, auch wenn es noch so vorteilhaft und gut ist, der Schwäche und des Landesverrats an klagen. Wenn ich indessen dem Krieg sortsetz«, so werde ich, auch wenn er noch so schrecklich ist. ein nationaler H eld sein. Denken Sie daran, was das Schicksal Thiers und Gambettas war. Ich sehne'mich nicht nach der schweren und undankbaren Rolle Thiers. ___________
Italienische Sorgen.
W. T.-B. Bern, 13. Juni. Die Kriegslage im Westen beschäftigt die Gemüter in Italien lebhaft. Wie die in Rom e-'cheinende „Italic" berichtet, ist die allgemeine Aufmerksamkeit der parlamentarischen Kreise auf die Ereignisse in Frankreich gerichtet. Man habe in der Kammer dre Überzeugung daß die fetzigen Vorgänge auf den Schlachtfeldern das .Schicksal der Entente entscheiden werden Die neue in Rom erscheinende Zeitung „Tempo" glaubt dagegen. daß die kritische Periode den ganzen Sommer andauern werde. Der Strategie der Entente erwachse aber jetzt die Aufgabe, zu prüfen, ob cs rucht besser sei. die Sicherbeit eines Frontabschnittes zu riskieren, um an einem bestimmten Punkte in zahlenmäßiger überlegenbert anftreten zu können Die darin liegende Gefahr wäre allerdings groß, aber der Erfolg >ei ja immer an ein gewisses Risiko gebunden. Der milr- tacische Mitarbeiter der Mailänder „Jtalia", der noch vvr wcnigen Tagen ebenfalls den Gedanken einer baldigen Gegenoffensive vertrat, ist dagegen heute bereits wieder davon abgekommen, da der Moment ' zu einer Gegenoffensive nock, nickt gekommen sei. Eine Gegenoffensive unternehmen hieße heute, alles aufs Spiel fetzen.
Eine Kundgebung der italienischen Kammer für Belgien.
W. T.-B. Rom, 13. Juni. (Drahtbericht.) Zu Begini d-er gestrigen Sitzung der Kammer nictztete Vizeprastdem Alessio einen Gruß an die der Sitzung auf der Drplo- mätentribüne beiwohnenden Vertreter der belgische» Mission, zu deren Ehren sich die Minister und dce a-epu- tierten von ihren Sitzen erhoben. Alesfios Rede klang aut in einem Lobgesang auf die Größe Belgiens, der von lebhaftem Beifall begleitet wac. Ministerpräsident Orlando widmete Belgien gleichfalls herzliche Worte und begrußfe dann die italienischen Soldaten, die fest und unerschütterlich ihrer Stunde im großen Weltkrieg harren, und ihrer Kameraden von der Marine, dre herrliche Siege davontrugew Orlando betonte zum Schluß, die Kamnier müsse beherrscht werten von dem Geist, der der Vertretung der großen rtalre^ nischen Nation würdig sei.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 13. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 13. Juni, mittags: An der italienischen Front geringe Gefechtstätigkeit. In Albanien wurde dal Vordringen der Franzosen auf der Linie Mania-Srna-Prent» zum Scheitern gebracht.
Der Chef des Generalstabs.
Schwerer Krtilleriekampf an der italienischen Front.
Br. Zürich, 13. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) D«
„Zürcher Tagesanzeiger" berichtet, daß die schweren Artillen« kämpfe an der West-Tiroler Front vom Stilffer Joch bis zu« Tonale ununterbrochen fortd-mern. Auch während der letzte» Tage war auf den Bergen der Zentral- und Ostschwerz de: Kanonendonner an der italienischen Front mit ern-ei
selt-enen Deutlichkeit und Stärke vernehmbar.
Ein österreichischer Ministerrat -dli. Wien, 13. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) De,
Ministerrat war heute bis 10 Uhr versammelt, faßte redoch
lernen Beschluß. Man nimmt an, daß eS fetzt nicht zur Einberufung des Rvichsrats kommen wird. Die Annahme, daß auch die Minister Silva Taconea, Banhans und TwardowSkr zurücktreten werden, wurde bisher nicht bestätigt. Man weiß nur, daß sie gegen die Anwendung deS § 16 in einer Parts- mentslosenZeit find. ES heißt, daß Ministerpräsident Seitler Ende dieser Woche keine Entschlüsse faßt und dann! der Krone unterbreite:, wird. Die deutsch-nationalen Par- teien sind entschlossen, ihm ihr Vertrauen auszusprechen.
Di« ukrainisch-russischen Friedens- Verhandlungen.
W. T.-B. Kiew, 13. Juni. (Drahtbericht.) Die Zeitungen berichten über das Ergebnis der ukrainisch-russischen Ber- handlunaen. Waffenstillstand ist an allen Fronten- Es wurde beschlossen, die Festlegung der Demarkationslinie dem Truvpenkommandeur an der Front zu überlassen. Mit den Verhandlungen über die Grenze der Ukraine soll feiert begonnen werden. Ferner wurde die Frage der allgemeinen Demarkationslinie von der Tagesordnung abge- setzt. Vorläufig wurde, keine Einigung erzielt über dick Wiederaufnahme des Güterverkehrs, über die Post- und Telv- graphenverbindungen sowie über die Öffentlichkeit der. Vollsitzungen. Die ukcoinische Delegation ist laut Ministerratsbeschluß gegen die Zulassung der Presse und des'PublikcrmS^ Manmil-ki erklärte nach einem Ferngespräch mit Moskau, daß von einem russisch-ukrainischen Warenaustausch! nur die Rede sein könne, wenn Getreide und der nicht weniger wichtige Zucker gegen russische Webwaren geliefert werde« würde. Nach Zeitungsberichten hat der Minister fiir auswärtige Angelegenbeiten Doroschenka dem deutschen Bot- schcister Frhrn. v. Mumm eine Note über die Notwendigkerk der A n g l i e d e r u n g d e r K r i m an die Ukraine überreicht,
Balfours Worben nm die ffchechischen Borräter.
W. T.-B. London, 13. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Bvlsonr Hot einem Brief an den Ger.-eralse-kvetär des tschecho- slowakislchen Natirmolrats im Paris Dr. Beme-s gsschriebem, in dem er versichert, die englische Regierung ha-be -die groß t« Sympathie für die tsckecho-slüwakische Belweyung. . Sie ttwd:« feie Bewegung in feernselben Sinne anerkenmen. wie .die französische ur.fe italienische RegiMUng es getan bätte„ nämlich der: tscheche-slewakischem Nationalrat als oberstes Organ lder tistheck-o^fleiwakischen Bewegung im feen alliiertem Länder» und die ftckierho-Gewokische Armee als organisierte Enchest, feie für feie Sache der Alliiertem kämpfe. -Ein englischer Ber- bi-Nduvgsoffizier wevde feer' tsch ech o - slo w a k i sch e« St r m e e sdbalfe wie nötig bsigegeben werfeen. Die englische Regierung sei gleichzeitig bereit, dem Nationalrat fek gleichen politischem Rechte im bürigerlichM Angckfegenlhoiten fe-r Tsckeck,o-Meiwaken Mzugestshen, feie sie bereits dem polnischen NotionalLomitee zugostanfeen.
Ein amerikanischer Dampfer torpediert.
\V. T.-B. Washington, 13. Juni. (Drahtbericht.) Der amerikanische Dampfer „Pinac del Rio" wurde am Samstag auf der Höbe von Maryland durch ein Unterseeboot vcrienkt. Die gesamte Riannschaft wurde gekmdet.
