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Donnerstag, 13. 3uni 1918.
Morgen-Kusgabe.
Nr. 269. . 66. Jahrgang.
Aiedemanspielungen im Sntenlelager
Es ist für Frankreich kein sehr erquickliches Thema, öffentlich erörtern zu müssen, ob Paris verteidigt oder aufgegeben werden soll. Wenn inan über diese Frage beratet, so weiß natürlich jedermann im ganzen Lande, wieviel die Glocke geschlagen hat und es nutzt wenig, daß die Regierung eine Beschwichtigungswelle über die Bevölkerung ausgietzt, Tatsachen wiegen eben mehr als Worte. Diese Tatsachen scheinen im Ententelager allmählich einen nicht unwesentlichen Stimmung s- umjchwung herbeiführen zu wollen, wenn man irgendwie den Äußerungen der maßgebenden Blätter Vertrauen schenken darf. Während bis vor noch nicht allzu langer Zeit es für Landesverrat galt, den Frieden anders zu erwähnen wie im Sinne einer deutschen Hinterhältigkeit, läßt man jetzt mit einem Male eine völlig neue Weise ertönen. Clemenceaus Organ erklärt n>.it einladender Geste, Deutschland möge zu sprechen beginnen, Frankreich iei bereit zu hören, sollten aber zweifelhafte Anerbietungen gemacht werden, die nur den Zweck hätten, unverb indlsiche Besprechungen herbeizuführen, so würde nian solche Angebote natürlich zurückweisen. Verbräint unter den übrigen Beschimpfungen meint das Blatt schließlich, daß Frankreich gern erfahren möchte, unter welchen Bedingungen Deutschland geneigt sei, seine Angriffe auszugeben. Aber nicht nur um solche Zeitungsstimmen handelt es sich, sondern auch eine politische Körperschaft. und zwar die kürzlich gegründete „Republikanische Vereinigung" wendete sich mit einem Aufruf an die Öffentlichkeit und erklärt, daß Frankreich vor einer Falle keine Angst hätte, wenn seine Gegner vom Frieden sprechen wollten. Bisher ist in Frankreich ausnahmslos alles, was nur auch im entferntesten mit dem Frieden zusammenhing, eine Falle genannt worden.
Es ist sehr großmütig, wenn das französische Volk sich jetzt dazu herbeilassen will, zu hören, was die deutsche .Regierung zu sagen hat und dann über das Vernommene sein Urteil abzugeben gedenkt. Uns ist ganz so, als ob oft genug amtlich und unzweideutig durch den Mund des Reichskanzlers und des Staats- sekretärs des Auswärtigen, ja sogar durch den 'Reichstag selbst der Wunsch Deutschlands nach Frieden zr:m Ausdruck gebracht worden wäre und auch die Bedingungen wurden für jeden, der üe verstehen wollte, in fest umrissener Weise verständlich gemacht. Damals war der Widerhall nur Hohn, Verdächtigungen und die u n f l ä t i g st e n Beschimpfungen, die Antwort bestand in der Enthüllung von Kriegszielen, durch die Deutschland in Stücks geschnitten werden sollte und der Kampf ist Jahr und Tag später noch bis zum heutigen Tage fortgesetzt worden. Neue Opfer wurden einer unglücklichen Menschheit aufgebürdet, Ströme Blutes verschwendet und niemand weiß, wozu dies geschah, warum im Lager der Entente niemand den Mut belaß, um anfzustehen und jene Gesellschaft halb verrückter und halb verbrecherischer Männer hinwegzufegen, auf deren Verantwortung hin alldies 'geschehen ist. Von zuständiger Seite ist es auch mehr als einmal ausgesprochen worden, daß die Friedensbedingungen. die Deutschland seinerzeit aufgestellt hat, nur für eine bestimmte und begrenzte F r i st Gültigkeit besitzen könnten, denn es ginge nicht an, den Gegnern der Mittelmächte geradezu eine Prämie auf Fortsetzung des Krieges auszusetzen. Wenn das deutsche Volk zu weiteren Ovfern gezwungen wird, dann ist es seiner Existenz auch schuldig, a r> d c r e A n s p r ü ch e zu stellen wie früher. Es hat den Anschein, als ob diese Erklärungen im Ententeiager nur für Bluff gehalten worden sind, allmählich wird man aber jetzt, wenn auch zu spät, zur Einsicht kommen, daß man es hier bei uns bitter e r n st gemeint bat. Gewiß, auch heute, so wie immer, ist das deutsche Volk bereit zum Frieden, allein das hieße denn doch die Rolle vertauschen, wenn angesichts der Kriegslage ein deutsches Friedensprogramm der Entente zur gnädigen Kritik vorgelegt werden sollte. Die erste und grundlegendste Vorbedingung für jeden vernünftigen Meinungsaustausch ist die, daß die Entente-Regierungen Kriegsziele verkünden, die für uns überhaupt diskutier- bar sind. Was bisher in disem Sinne geschah, war einer Erörterung nicht einmal würdig. Zweifellos graut es unseren Gegnern vor dem fünften .Kriegs- Winter und grairt ihnen von der Zukunft. Wenn ihnen aber daran liegt, noch ihre Seele zu retten, dann muß sich ihr Hochmut beuaen, ganz anders müssen ihre Stimmen lauten wie bisher.
Oer ktbendbericht vom 12. Iunk.
W. T.-B. Berlin, 12. Juni, obe.nftKS. (Amtlich. Drvfft- bericht.) Örtliche Kämpfe auf dem Schlachtfeld südwestlich von Ritza« und südlich der Aisne.
Französische Befürchtungen.
Sr. Genf, 12. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die erfolgte Zurücknahme des rechten französischen Flügels hinter Antonval und Ribecourt wird selbst von ministerieller Seite als ernste Störung des Verteidigungs- Planes erkannt. Ribecourt wäre, so heißt es, einer der großen Etappen für Zuzüge von Trapven undMaterial. Der Kriegsberichterstatter des „Daily Telegraph" an der französischen Front telegraphiert seinem Blatte: Falls
General Hutter die nackj ResionS-sur-Matz führende Eisenbahnlinie in seinen Besitz bekommt, können die französischen Truppen ihre keilartige Stellung zwischen Aisne und Oise schwerlich halten. Dadurch würde der ganze Lauf des Aisueflusses dem Feind in die Hände fallen und die deutschen Truppen würden dann eine Front erhalten, von der sie den endgültigen Angriff gegen Paris einleiten könnten.
Englische Unzufriedenheit mit dem französischen Gberbefeh!.
W. T.-B. Berlin, 12. Juni. Di- Gefangenenaussagen mebren iich daß im engliscben Heere die Unzufriedenbeit mit deni französischen Oberbefehl wächst. Man hätte sich den französischen Oberbefehl zur Not gefallen lasten, wenn er hie Eutenteheere zum Siege geführt hätte. Da aber Foch kein besseres Resultat erzielte als Saig, ist der englische Stolz um so empfindlicher verletzt und die Engländer machen für die Niederlage an der Aisne die Franzosen verantwortlich. In den übernommenen Stellungen kannte sich niemand aus, da die Engländer die fcanzöstschen Grabenbezeichnungen r.icht lesen konnten. Laut ausdrücklichem Befehl ihrer französischen Vorgesetzten durften sie jedoch nicht durch englische ersetzt werden. Ebenso wußte niemand mit den französischen Handgranaten Bescheid. Die gleichen Kompanie-Feldwebel berichten auch, daß unter ibren Kompanie-Offizieren starke Erbitterung wegen der Unterstellung unter französisches Kommando herrsche. Mehrfach äußerten englische Gefangene wörtlich: Wir schreiben unsere Niederlage hauptsächlich dem Umstand zu, daß mir unter französisches Konimando gestellr wurden.
Die ktdmiralstabsmeldung.
W. T.-B. Berlin, 12. Juni. (Amtlich. Drahtbericht.) Im Mittelmecr wurden durch unsere Unterseeboote sechs Dampfer von zusaminen
22 000 Brutto registcrtonnen
versenkt. Der Chef deS Admiralstabes der Marine.
Weitere Schiffsverluste.
W. T.-B. Stockholm, 12. Juni. Die schwedischen Segelschiffe „Gripen" (1190 Brt.) und „Anton" (1028 Art.) wurden vor der norwegischen Küste von einem deutschen Unterseeboot
torpediert. ____________
Die neuen deutsch-russischen Verhandlungen.
Berlin, 12. Juni. Wie die „Bost. Ztg." berichtet, ist gestern eine militärische Abordnung 'ber russischem Sowjet re viMik in Berlin eingotr offen. Dies« militärische Alborldnumg stellt einen Teil der Kommission dar, die., wie gemeldet eine Reihe von Frageil politischer, militärischer und wrrtschafUicher Art beraten soll und Erde dieser Woche zum orlstenwal zusammentretgn wird.
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Beisetzung der Opfer der Kivwer Explosion.
W. T.-B. Kiew, 12. Juni. (DrakLbericht.) Heute hat hier die feierliche Beerdigung der Opfer der Expliofionskata- strophe aus der Bevölkerung stattigeifunden., an der der He tan an. EenerakfeldmarschaU v. Eichhorn und der deutsche .sowie der ö,sterreichijch«ungarisch>e Bot sch a f te r teiluahu-en. _
Schweizerische (Befangenenfrogen.
W. T.-B. Bern, 12. Juni. (Drahtbericht. Schweizerische Teleginphen-Agentur.) Im Parlament teilte Bundespräsi- bent Calonder u. a. mit, oaß über die dringend notwendige H e i m s ch a f f u n g oer in der Schweiz internierten russischen Soldaten wegen ihrer Durchschaffirng durch Österreich oder' Deutschland und wegen der Aufnahme in ihrer Heimat Verhandlungen schwebten, die hoffentlich zu einem sowohl im Interesse der Schweiz wie im Interesse der internierten Rüsten liegenden Ergebnis führen würden. Die Lage der in der Schweiz lebenden übrigen Russen, die immer noch von der Heimat vollständig abgeschnitteu seien und nicht die Möglichkeit hätten, Geldsendungen zu erhalten, machten Maßnahmen der kantonalen Regierungen wie des Bundesrats notwendig. Die Hauptsache ßleiüe auch für diese Russen ein möglichst rascher Heimtransport. Weiter teilte der Bundcs- präsident mit. daß 880 in Rußland lebende Schweizer durch bas Entgegenkommen der deutschen Regierung demnächst aus Rnß'and über Teutschlaich in die Schweiz zurückkehren könnten. __________
Lichnowskys Denkschrift in Dänemark.
Kopenhagen, 12. Juni, (zb.) Wie „Ekstrabladet" erfährt, ist gestern die bekannte Denkschrift des Fürsten Lichnowsky, die hier vor kurzem in dänischer Sprache unter dem Titel „Meine zwei Jahre in London" erschien. auf Verlangen des. Türiten jaitüimoacn
worden. Die dänische Veröffentlichung war auf Grund einer englisck)en Ausgabe mit einer Vorrede des Engländers John Murray erfolgt. Der Fürst machte geltend, daß zu dieser Veröffentlichung seine Einwilligung notwendig wäre.
Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 12. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich ver- lautet vom 12. Juni, mittags: An der Gelbirgs- und Piavefront anhaltende Artilleriekämpfe. Im Abschnitt des <51 iIf f e r-J ochs westlich von Asrago und am Monte Asolone wurden feindliche Vorstöße abgewiesen. I» Albanien im Raum bei Sinaprömpe und nordwestlich von Korea dauern die Kämpfe mit angreifenden Franzosen an.
Der Chef des Genera lstobs.
Ein österreichisches «riegsschiff lor> rdiert.
Vit. T.-B. Wien, 12. Juni. (Lrahtbericht.) Von der Marinesektion des Kriegsministeriums wird mitgeteilt, daß S. M. S. „Szent Ist van" bei einer Nachtfahrt in der Adria torpediert wurde und gesunken ist. E? werden ein Linieusch'ffsleutnant, ein Maschinenbetriebsleiter, ein See- kadetl nnd etwa 80 Rkann vermißt. Ein Seeaspiraut ist tot; der Rest der Bemannung ist gerettet.
Deutscher Reichstag»
(Eigener Troblbericht t«s „Wiesbadener Tagblatts".)
# Berlin, 12. Juni.
Am Bundesratstisch: Kriegsminister v. Stein. — Präst. dent Fehrenbach eröffnet die Sitzung um 1,20 Uhr.
Die Beratung des kjeeresstats
wird fortgesetzt.
Abg. v. d. Schule-rburq (n-.rtl.): Wir begrüßen die drei vorgelegten Gesetzentwürfe, besonders den aus Milderung des Militärstrasgesetzbuches. Den zurückkehrenden Kriegs, gefangenen muß auf den Bahnhöfen eine angemessene Verpflegung zuteil werden, auch ohne ordnungsmäßigen Schein. Die angemessene
Behandlung und Verpflegung gefangener englischer Offiziere
darf nicht dahin auSarten, daß bei Eisenbcchnkuansporten jenen bequeme Plätze bewilligt werden, während das Publikum sich zusammendrängen muß; dann sollten besondere Wagen für sie eingestellt werden. Der Aufklärungsdienst muß von sorgfältig ausgewähltcn Vorgesetzten erteilt werden, aber nicht in den Abendstunden. Die Klagen über die Ver- pflegung würden vermieden werden, wenn die Intendanturen der eigenen Divisionen unter Umstünden ihre Vorräte gegen- einander austauschen würden. Daß den alten Mannschaften, die im vierten Jahr im Feld stehen, ein Äquivalent, wie viel- leickt in Form einer Zulage geboten wird, ist uns sehr sympathisch. Ein dunkles Kapitel ist die Frage der Besörde- rung von Mannschaften. Die alten Feldwebel sollten zum Fcldwel elleutnant befördert werden. Das gleiche trifft für die Offiziersstellvertreter zu. Die Reserveoffiziere klagen über Zurücksetzung gegenüber den aktiven Offizieren.
Kriegsmimster v. Stein: Der Aba. Wirth hat sich im Laufe seiner Rede ai-.ch ungünstig über die Berliner geäußert. Die Berliner haben natürlich auch ihre Schatten, seiten. Sie mögen etwas schnodderig sein, das muß man ibnen aber lassen, daß sie bei allen Unfällen zu sofortiger Hilfe bereit sind. Die Briefe, die die Klagen an die Abge- ordneten bringen, sind nickt als Dokumente anzusehen. Ich bin derartigen Dingen nachqegangen und viele erwiesen sich als unbegründet, viele sind ans Verstimmung oder auch aus Böswilligkeit entstanden. Andere waren natürlich begründet. Daß das Eiserne Kreuz verächtlich beurteilt wich, trifft nicht zu. Es hat sehr traurige Folgen gehabt, als eine Anzahl Personen das Band ablegten. Gleich hinterher erklärten sie aber, daß sie auf das Eiserne Kreuz nichi verzichteten.
Das Eiserne Kreuz ist und bleibt ein hohe? Ehrenzeichen. Keine Armee» auh keine demokratische Armee, kann aus Ehrenzeichen verzichten. Die größten Heldentaten werden im stillen, ohne Anerkennung geleistet. Ich muß hier der aktiven Offiziere lobend gedenken, ohne die außerordentliche Pflichttreue der Reserveoffiziere zu schmälern. Die aktiven Offiziere haben aber unser Heer hevangebildet. Wenn gegen Rote-Kreuz-Schwestern so schwere Vorwürfe erhoben werden, so mutz ich annehmest, daß die Abgeordneten schwerwiegende» Material in Händen baben. Ich bitte darum, um rücksichtslos gegen derartige Mißstände Vorgehen zu können.
Abg. v. Gräfe (kous.). Wir hasten volles Vertrauen zu dem Kriegsminister, daß er den Klagen nachgehen und Hilfe schaffen wird. Die Gesetzentwürfe begrüßen wir. Auf den strengen Arrest kann aber nicht ganz verzichtet werden. Die Beförderung zu übeczähligen Unteroffizieren ist eine sehr gute Auszeichnung. Einmalig bewilligte Zulagen sollten nicht wieder zurückgezogen werden. Die LebenSmittrlkontrolle auf dem Lande sollte rücksichtsvoller durchgesührt werden, sonst verliert der Landwirt die Freudigkeit, Nahrungsmittel zu liefern/ In Rumänien geht man viel zarter gegen die Bauern vor. Verheiratete aktive Unteroffiziere sollten nach zwölfjähriger Dienstzeit zu Feldwebelleutnants befördert werden Für die Ärzte und Schwestern baben wir fü r ih re cichpfernde Tätigkeit bewundernde Dankbarkeit. (Bravo!) Mitzstände mü§en beseitigt werden. Den Schwestern gkdützrt
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