Verlag Langgaffe 21
„Taglilatrhaus".
e*»Ktr»®ant flfäffnft son 8 llvr morgen» M* 7 Mr oben».
wöchentlich
X.nna.*rei« tut Heide Ausgaben! Ml. t-Sv monnlliq, Mk. »so merttljidrlich durch den «erlag L»ö.'ga»e*?°dn- «ringerlod,Ml *M »i-rleljädrUch durch alle »g ch-rn S °k>«"ft°Nkn. »-«Ichl'eWch Bestellg^d. - Bejn,«-Bestellungen nehmen augerde« enlgezcn tu Wi^b-°en die Lwemsrelle «,»- Larckrsng t». sowie 'ie Ausgabestellen IN allen Teilen der «ladt; in Biednch^ die dorngen «^ gabesteüm und in den oenachbatten Landorten und rm Rhemgau die betreffenden Tagdiatt Träger.
12 Busgaben.
Fernruf:
Tagblatthaus" Nr. 6650-53.
Bon 8 llhr morgen» bi» 7 llhr abend», anster Sonnt»»».
Braliwf afcttibutfl >,« «MW »< 1 » «no. n. 57. r»... 7.N E «-»
Morgen-Kusgabe.
Nr. 265. . 66. Jahrgang.
BurianZ Msfion und der Waffenbund.
Mitte dieser Woche trifft der österreichisch-ungarische Minister des Äußeren Graf Burian in Berlin ein. um dem Reichskanzler Graten Hertlmg iemen Antrittsbesuch abzustatten. Es ist bekannt, daß diese "Anstands Visite" mit sehr wichtigen Besprechungen über hoch- politisckie Fragen verknüpft isst .Es handelt iichdabe um die Festlegung der Grundlmien für den Ausbau deS Bündnisses zwischen Deutschland und Ost«- reich-Ungarn, wobei ein Komplex von d r e i eng miteinander verkniipsten Fragen in Betracht kommt, nam- sich der politische, der militärische und der wirtschaftliche Teil des Bündnisses. Die Mission des Grafen Burian bezieht sich jedoch im wesentlia>eii nur auf den zuerst genannten, den politlsä)en Teil, wahrend die Einzelheiten der militärischen Abmachungen von den Chefs des Generalstabes der beiden Lander er ledigt und die Wirtschaftsverhandlungen demnächst in Salzburg beginnen werden, deutscherseits unter Leitung des früheren Direktors der handelspolitischen Abteilung im Auswärtigen Amt Exzellenz v. Körner wahrend die Donaumonarchie durch den Sektionschef. Dr. Gratz ver
treten ist. ... . ~
Was den politischen Teil der zu erörternden Fragen betrifft, so handelt es sich zunächst um die Erneuerung des nwD e z e m b e r dieses Jahres ablcnifenden Bund nisvertrages zwischen Deiitschland und Österreich Ungarn, doch kommt nicht nur eine Verlängerung des Vertrages, und zwar auf weiterrerchende Zeit, als es bisher üblich war, sondern vor allem auch ein Ausbau des Bündnisses in Frage, für den man dre Formel V e r t i e f u n g des Bundes gewählt hat. Diese Vertiefung beruht nicht nur auf dem Bemühen, eine möglichst weit- gehende Einigung über die großen weltpolitischen Frw gen herbeizuführen, sondern sie soll gestützt werden durch militärische und wirtschaftliche Abmachungen, die er- h°blich über den bisherigen Rahmen hinausgehcn.
Für die militärische Seite der geplanten Verein barung hat man das Wort Waffenbund geprägt, aber diese Bezeichnung kann wohl auf das neue Bunw nis überhaupt engewendet werden: denn cs handelt sich um einen Bund, der unter den Waffen vereinbart wurde und geschlossen wird, besten Notwendigkeit sich dadurch ergab, daß eine Welt in Waffen gegen uns steht, und dessen Bestand auch in Fukunst dadurch, be dinat sein wird, daß wir nach dem Kriege mit emer starkenFeindscligkeit zumindest Wirtschaft sicher Natur, mit der Möglichkeit neuer gegen, uns gerichteter Mächtekonstellationen werden rechnen müssen.
Aus dem hier Gesagten geht schon hervor, daß auch das neue Bündnis einen reinen D?fensivb und ' darstellt, sowohl was seine politische wie seine militari- sche und wirtschaftliche Seite betrifft. Wenn man für die militärische das Wort Waffenbund gewählt , hat, so ist bannt zum Ausdruck gebracht, daß es stch nicht um ' eme Militär kvrwentron handelt, sondern um die Schaf fung einer Grundlage für übereinstimmende bezw ge- meinsame Vorbereitungen militärischer Natur errrschlreß- lich der kriegswirtschaftlichen Maßnahmen, Wobei die militärische Selbstandiakeit und die Kommandogewalt auf beiden Seiten völlig unberührt bleiben und die Parität voll acwabrt wird.
Während über d'w vofttlschen und militärischen ,^ra gen -verhältnismäßig leichter eine Einigung zu erzielen sein dürfte wftd die .Verstellung der wirtschaftlichen Em- heitsftout naftrraemäß größere Schwierigkeiten verur- lochen, da hierbei „innerhalb und außerhalb der Mauern" mancherlei entgeaenges-tzte Interessen vorhanden sind, sowohls agrarischer wie rndlsttrieller Natur, deren Versöhnung nicht leicht sein und die langwierige Au?gleich§verhondlungen erford°rn wird, bis man zu dem'erstrebten Ziel einer genau irmgrenzten Zollunion mit möglichst wenigen Zwischemöven und weitgehenden Vereinbarungen arrf dem Gebiet des V e r kcbrs und Schrffabrt?wesen gelangen rann.
Dieser Teil der Fragen ist jedoch, wie schon betont, späteren Verhandlungen Vorbehalten, wahrend bar der Anwesenheit des Grafen Biirian in Berlin m erster Reihe die polittsche Seite des Bündnisses m, Frage kommt, bei der u. a. auch die Ldstmg des polnischen Problems eine Rolle spielt. Bekanntlich halt man m Wien immer noch an der tagen, austr o po l n r i ch e n Lösung, d. h. der Bereinigung Kongrehpolens mrt Galizien, fest, während man in Berlin die -Schaffung eines selbständigen Polens rmter einem eigenen «König mit engem Anschluß an die Mittelmächte für minder' bedenklich und zweckenftprechender galt. Uber diese schon lang umstrittene Frage will man nwht fetzt endlich auch zu einer Einigung zu gelangen suchen.
Im übrigen tei nochmals ausdrücklich betont, daß sowohl die politische wie die militärische als auch die wirtschaftliche Seite deS angestrebten itnb im Grundsatz itäßtt nM<rJrt*n Waüenbundes - dies Wort trn werte
sten Sinne genommen — zwischen Deutschland und de Donaumonarchie keinerlei Offensivzwecke, wndern le g- lich eine Defenstvtakftk verfolgt, d. h- es wird nach dem Weltkriege, der ja doch einmal sem Ende finden muß, von unseren jetzigen Gegnern abhängen. ob ne, wie verkündet, wenigstens den Wirtschaftskrieg verewigen oder
aber den Weg zu den früheren Begrünen von Kultur und Verkehr und menschlicher Gemeinschaft zuruckfrnden wollen.
Fortschritte bei Norton.
W. T.-B. Berlin, 10. Jumi, abemds. (Amtlich. Draht bericht.) Südwestlich von N o Y o n machten wir ,m Kampf mit nenherangeführten französischen Kräften Fortschritte.
Oie politische Wandlung durch unsere drei Gffensiven.
Berlin, 10. Jwm. In der „Tägl. Rurrdsch." heißt es: Un - s-ene 'drei Oftensivstöße im Westen haben die enylisch-f^nzosi- sche Front schwer erschüttert und eine betzeichnenlde PÄnstwe Wandlung bei unseren Gegnern hevvorgckbrvcht, namentlich die Abdankung vor Amerika, Vvn dem allein noch Rettung erwartet wistd. Aus den Reden, die Lloyd George und Clomeneoau in dieser Woche gehalten haben, liest man mit Evstvumen die völlig«, fast demütige H-n- aehnng an Amerika und die Anerkennung, daß Wrvs-on heute das H anp t des Welt-bn nd es z?ir Vernichtung Deutschlands sei.
Ein Befehl des Generals Petaia.
Br. Berlin, 10. Juni. (Gig. Drahllberichit. zb.) General Pctain hat -unter dem 1. Juni follgiemden BefeW erlassen: Soldaten! Der Feind halt zu einem nauen Schlag aus. An Zaor überlegen, gelang eis ihm während der ersten drei Tage, unsere vordersten Linien zurückzudrücken. Unsere Rezerven stnd im Anmarsch, und -wir weiden den Sturm zum Scheitern bringen und zum Gegenstoß ausholen. Soldaten der D^rne. Für eurem Herd, für Frankreich vorwärts! (Notiz: Dieser Gegenstoß war bevoits am 2. Juni erledigt.)
Große französische Eisenbahntransporte.
Br. Zürich, 10. Juni. (Eig. Drahkbericht. zb.) Die „N^n Züricher Zeitung" meldet von der französischen Grenze: Die französische Militärbehörde hat olles veufügbarc ^senhahn- mateüial der Paris-Lyoner Mitte-lmOerba-hngchellzchaft für Material-- und Truppentransporte beschlagnahmt. Auf ver- s.chiedenen Nebenlinien dieser Eisenbahnen ist der Verkehr unterhrochen. Der Verkehr Annemasse-Gmf stockt.
Englische Verluste im Mal.
Berlin, 10. Juni. Die englischen Verluste an Gefalle- neu, Verwundeten und Gefangenen im Mar belaufen sich dem „B. L.-A." aus Rotterdam zufolge, nach zi allen englischen Berichten aus 7685 Offiziere und 15 49 3 3 Mann. Die englische Flotte hat während der glichen Zeit 64 Offiziere und 339 Mann eingebüßt.
Ein dänisches Urteil über den Erfolg der letzten Offensive.
W T.-B. Kopenhagen, 8. Juni. Zu den Ereignissen an der Westftont schreibt „Frnuns Trdsnde u. L: Während des Krieges ist wiederholt von der Erftente behauptet worden, daß die Moral der deutschen Trnp- t tn gesunken sei und daß das Menschenmaterral stch nicht mehr mit den Heeren messen könne, dre "14 m» zur Marne vordrangen. Die Ereignisse rn der letzten Woche haben die Behauptung nicht bestätigt. Einen kräftiver-n Vorstoß als denjenigen, den dreDeutjchen auf ihren," Eilmarsch nach Paris unternommen baben, hat die Weltgeschichte rmht aufzuweisen. Dre Offensive am Jsonzo war verblüffend, die Offensive gegen Anriens konnte sich mit ihr messen, aber dre Offennve zwnäfen Soisscns und Reims war rn rem sportlicher Bezichung eine Leistung, die selbst in Enaland und Amerika Be- inimderung hervorgerufen bat. Ganz unverftändtich ist es warum die Truppen Fachs sich dermaßen überrumpeln ließen, so daß die Denftchen nicht allem mit Sreben- meilensfiefeln Vordringen konnten, sondern sogar aua, in den Besitz einer reichen Beute und strategisch wichtiger Punkte gelangen konnten, um deren Besitz dre Franzosen sich ein Jahr verblutet hatten. Die Wirkung der Schlacht wird sich in London und Paris zeigen, wo man auf wichtige Ereignisse rn den politischen Kreisen gefaßt sein mutz. Das deuftche Vorrucken m Frankreich 1870/71 führte in Paris zur Revolution, und es sind Anzeichen vorhanden, daß die Abrechnung nicht allein mit Elemenceail bevorstebt, sondern auch mit den Engländern, die von fr-inzö 1 is ch en Zeitungen be- schuldiat w-'rden die Niederlage verursacht zu haben." Wenn es Fach nicht gelingt, den Femd aufzu- halten und die Niederlage wcttzumachen. ward England gute Karten in der Hand haben, um auf Frankreichs Krieasfoiderungen einzuwirken, um so mehr, als dae Vermischung französischer und englpcher. Truppen auf dem Schlachtfelde, die staftqefunden hat, ein emheftliches ZuiüNttnenLeben fast unnröglich nracht.
Gesterreichisch-ungarischer Tayssbericht.
W. T.-B. Wien, 10. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich ver- lautet vom 10. Juni, mittags- Feindliche Vorstöße bei C a po S i l e und gegen mehrere Stellen der venetianischen Ge-- birgsfront wurden, wie an den Vortagen, glatt a b gewiesen.
'Eines unserer Bombengeschwader erzielte bet einem Angrifi auf die italienisckien Flugplätze vön Treviso und Monte Bellun zahlreiche Treffer.
Das Artilleriefeuer, dos der Feind seit längerer Zeit gegen die liinter unserer Piavefront liegenden Ortschaften richtet, kostet täglich italienischen Stuatbürgern das Leben.
Der Chef des Generalstabs.
vis Unabhängigkeit Georgiens-
W. T.-B. Tiflis, 1. Juni. (Verspätet eingetroffen.) Am 26. Mai hat sich hier das transkaukasische Parlament, das der Träger der Staatshoheit in der transkaukasischen Republik war, und dre transkaukasische Regierung aufgelöst. Am gleichen Tage trat unter dem Vorsitz de? Führers der Mehrheit Dschordania der georgische Land- l a g zusammen und rief die Unabhängigkeit Georgiens aus. Eine georgische Regierung wurde gewählt, in der Herr Ramt- schcili den Vorsitz, der ehemalige transkaukasische Mimster- präsident Tschetuli das Ministerium des Äußern und Geor- gadsi den Krieg übernahm.
Eine Abordnung der russischen Republik Georgien in Berlin.
Br. Berlin, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die hier eingetroffene Abordnung der Republik Georgien hat den Sßutrfdj zu erkennen gegeben, mit Deutschland uns feinen Verbündeten alle die neue Republik berührenden Fragen in einer Konferenz zu behandeln. Die ReickM- leitung hat diesen Gsd>rnken gebilligt und zugesagt, sich mit den Verbündeten darüber inS Einvernehmen zu setzen. Als Ort der Konferenz wurde Konstantinopel vorgeschlagen.
Die Zarin-Mutter ihrem Teutschenhasse treu.
Kiew. 10. Juni. Die Haltung der Zarin-Mutter und cnderer Familienmitglredec ist noch immer deutschfernd- lich. Ein deutscher General wurde zu ihnen gesandt, um ihre etw-ttgen Wünsche entgegenzunchmeni. Der General wurde vcn den Häuptern der Familie nichts mp f a n g en. Nur die jüngeren Großfürsten drückten dem General den Wunsch aus, sobald als möglich ins neutrale Ausland reisen zu dürfen. __
Die Beschäftigung der deutschen Kriegsgefaugeaen in England.
Sn. Haag, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Rach> fcec Times" hat die brittsche Regierung im Unterhaus letzthm auf eine Frage mitgeteilt, daß sich zurzeit 65 000 deutsch« Kriegsgefangene in England befinden, non denen 42 000 rn lantwirtschaftlichen Betrieben. Steingruben und bea Weg», bauten, andere mit Arbeiten :m Interesse der Lande Sven- teidigung beschäftigt sind. Der l^atluhe Kontrolleur für Bergwerkswesen erwägt zurzeit die Einstellung ^deutsch«: Kriegsgefangenen m den englischen Kohlen o e r g wer: e n» doch stehen dem vorläufig noch große Schwierigkeiten entgegen.
Der englische Ilmzingelirngsversuch in Ostafrika gescheitert
Dr. Berlin, 10. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach einer Mitteilung des Generals Deventer kann «unm-chr at, sicher gelten, daß General v. L e tt o w - V o rbe ck sich -nfr» chittig südlich über den Luriu-Fluß zurückgezogen hat und damit dem englischen Nmzinglungsversuch ausgewichon ist.
m
Botha als Kriegshetzer.
W.T.-B. Escourt (Natal), 9. Juni. (Meldung de» Reuterfchen Bureau?.) General Botha ^sagte in e rn t e Rede, Südafrika wäre seiner freien Verfassung mAt wert, ir-trn es dem Rufe nach Hilfe für die ->ack>e der Alliierten nicht Folge leisten würde. Heute, Mrte er aus, kämpfen die AMerten ;«?en eine Übermacht. Jck glaube an Ewtt .r wir-d niemals zugeben, daß die gerechte Sache verliert. Selbst wenn Paris fiele, würden wir nickt aufhoren. wml wir ir nf^e Treu« und unsere Freibeit nicht pr-iSgcben. (Beifall.) Bach« eibcb dann die dringende Forderung, daß Zeder geeignet« Mann sich sofort einreiben lasse, und betonte daS gunfttg« Ergebnis, das die letzten Anstrengungen zur Erhalsirng de» Mannsckaftsersatzes erzielt haben.
Deutscher Reichstag.
(Eigener Troblbericht tcS „Wiesbadener Tagblatts".)
# Berlin, 10. Juni. '
Am Bundesratstisch: Staatssekretär des Innern Dry
Walraft. — Präsident F-Hrenbach eröffnet die Sitzung um 2,20 Uhr. Die Beratung des
kjaushalts des Krrchsamts ves Innern wird beim Staatssekretär in der zweiten Lesung fortgesetzt« Präsident Fchrenback ersucht die Redner, (ich möglichst! knapv zu fassen, damit es möglich sein werde, den Etat de« Innern heute noch zu erledigen und bis zum Elntwtt dsq Pause am Ende der Woche den Heeresetat zu vevabschichtzch
