Das Beste am Bauer.
Tas Beste am Bauer, — das ist seine Fra»!
Ihr Tag wird ihr sauer, — das Blondhaar früh gra»; Fährt der Bauer am Morgen — zum Acker hinaus. Beginnt auch das Sorgen — der Bäurin im Hans.
In Küche und Keller, — in Scheune und Stall,
Ta schafft keine schneller, — sie ist überall.
In Hof und in Garten — weiß auch sie Bescheid,
Mit Händen so harten — flickt noch sie oas Kleid.
Und selbst auf dem Acker, — da hilft sie den: Mann, Sie arbeitet wacker — den andern voran.
Und schmerzen vom Bücken — ihr Nacken und Knie,
Wird steif ihr der Rücken, — so murrt sie doch nie.
Tas Beste a>n Bauer, — das bleibt seine Frau! —
Nah'» Hagelsturmschauer, strahlt der Himmel in Blau: Sie steht ihin zur Seite, — hält treu bei ihm ans,
Tas Glück grüßt sie beide, — es wohnt Segen im Hans!
Helene Brehin.
Hein Undöqs Baterlandsopfer.
Skizze von Anna Gade, Bardowiek.
Ostern-Sonnabend, rin herbfrischer Vorfrühlingstag . . . Hein Brockmann, im Torf gemeinhin Hein Undög (Taugenichts) genannt wegen seiner verblüffenden Meisterschaft im Tummheitenaushecken und seines Zeichens Kuh- jungel und Universalsaktotum auf Kolkhagens Hof in Holten- büttel, blieb plötzlich wie angewurzelt mitten auf der Ackerbreite stehen, die Forke voll kräftig duftenden Stalldüngers bewegungslos in der Hand, und horchte mit sichtlicher Spannung vor sich hin.
Vom fernen Torfkirchtum trug der Wind über den Kiefernwald, an dessen Rand die Kolkhagenschen Äcker lagen, zwölf leise verhallende Schläge herüber — die Mittagsstunde! Bei jedem Schlage nickte. Hein zählend mit dem Kopfe, genau beim zwölften aber warf er mit einem kunstvoll streuenden Schwung das schwarzbraune Häufchen Dünger ans und spießte die Forke in den Acker.
Wenn man z» seinem Leidwesen ihn auch Hein ilndög nannte, so war er für gewöhnlich doch sehr gewissenhaft. Seitdem er aber gar zum „Mehsmieten" und ähnlichen Ehrenämtern anfgerückt war, wohnte ein starkes Gefühl der Verantwortlichkeit in ihm. Früher hatte so etwas der GroßknWht besorgt, aber Wilm Snhrke weilte, ebenso wie sein Herr, seit Jahr und Tag in Rußland, und da vergangenen Herbst auch der jüngere Knecht zum Heeresdienst einbernfen war, waren Hein Undögs Aktien trotz seines bedenklichen Doppelnamens und obgleich er erst letzte Ostern konfirmiert war, im Handumdrehen zu schwindelnder Höhe emporgeschnellt: er war von seinem bescheidenen Kuhjungen- posten nicht nur zur Stütze der Hausfrau, sondern des ge- sainte» Hvslvesens avanciert. Beförderung aber legte Verpflichtungen ans, wer mit ihr nicht ivnchs, war ihrer nicht wert.
Allerdings wurde es Hein zuweilen nicht gerade leicht, bei günstigen Gelegenheiten darauf zu verzichten, für die Berechtigung seines Beinamens neue glänzende Beweise zu erbringen Aber er sah es ein, an Tummheiten war jetzt wenig Bedarf, der Ernst der Zeit brauchte Männer. Er
legte daher auch heute in strenger Gewissenhaftigkeit erst mit dem Glockenschlage zwölf die Forke aus der Hand, um, wenn auch nicht auf Lorbeeren — die fielen beim Tünger- werfen nicht ab — so doch auf dem weichen Gras oes Grabens, der sich zwischen Acker und Wald hinzog, zur. Mittagsmahlzeit auszurnhen. Wenn man Punkt sechs vom Hof gefahren, eine gute Stunde Wegs neben den beiden schwerbeladeneU Fudern einhergetrottet war und, abgerechnet die kurze Frühstückspause, bis Mittag in den hohen „Kluten- petterstiefeln" und losen: Lande drei Monate altert Stallrnist geworfen hatte, dann wußte man, was inan getan hatte.
Ob das Miststreuen und Düngersäen eine Kunst war, nicht nur eine schwere, sondern auch eine schwierige, wie sein Herr mal behauptet hatte, konnte Hein nicht beurteilen — mochte ja sein, woher auch sonst der Name Kunstdünger — er wußte nur soviel, daß es eine Kunst war, die appetit- anregend wirkte und bei der inan hungrig wie ein Wolf wurde. Hungrig sein aber war etwas gruselig Angenehmes, allerdings etwas Angenehmes, das nicht zu lange dauern durste, kannte er doch diese sich periodisch wiederholende Erscheinung nur als einen: vorübergehenden Zustand, dem er bislang noch jedesmal im Kürze und aller Gründlichkeit ein Ende bereitet hatte.
lind das gedachte er auch jetzt zu tum) Fürsorglich in seinen Rock gehüllt, stand unter dem Birkengebüsch des Grabens versteckt ein stattlicher brauner ^Henkeltopf mit .Klößen und Pflaumen und ausgebratenem Speck bereit und daneben in einem blaukarierten Knüpftuch ein tüchtiges Stück Brot nebst einem handfesten Ende Wurst und eine Kanne mit Kaffee zur Bespermahlzeit. So war die schwierige Ernährungsfrage, die. alle Welt zur Zeit beherrschte, für Hein wenigstens bis zum Abend durchaus befriedigend gelöst. Er stapfte unternehmungslustig auf den Graben zu, wischte unterwegs sich noch die Finger fein säuberlich am Hosenboden ab — Manieren mußten sein —, hängte den beiden Pferden fürsorglich die Fntterbeutel um und klappte dann tatendurstig sein Taschenmesser auf.
Übrigens, so ging es ihm plötzlich durch den Sinn, derweil. er vorsichtig den irdenen Henkeltopf aus seiner Umhüllung wickelte, ob die. drei lütten Deerns, die seit dem frühen. Morgen so fleißig am Waldrand Reisig gesammelt und auf einen wackligen alten Kinderlvagen geladen hatte», nicht auch bald Mittag machen wollten? Wahrscheinlich hatten sie in ihrem Eifer überhört, daß es zwölf geschlagen hatte.
Er hätte sie. gern darauf aufmerksam gemacht. Aber er kannte sie ja nicht, und für das „Anbinden" war Hein Undög nicht, zumal wenn es sich wie hier um Mädchen handelte. Drei Stück noch dazu! Deerns waren nicht sein Fall, in seinen Augen vielmehr eine höchst überflüssige Einrichtung, die sich der liebe Gott seiner Zeit doch wohl nicht richtig überlegt hatte. Er, Hein, hatte jedenfalls seine Erfahrungen. Lieschen Schröder z. B. in Holtenbüttel und noch einige ihrer Sorte waren ihm ein Greuel. Er hatte sich sogar schon mal ganz jämmerlich mit ihnen „vertobackt". Was brauchten sie auch immer Hein Undög hinter ihm her zu rufen! Tn hatte es denn eines Tages mal ganz gehörig dreizehn geschlagen. Zwar war er, trotzdem sie ihrer vier gegen einen waren, als Sieger aus dem Kampf hervorgegangen, aber gekratzt hatten sie ihn, daß sein Gesicht hernach genau so aussah wie die eine Backe des jungen Militärdoktors, dev ihn in: vergangenen Jahre mal die Hand verbunden hatte. Vermutlich war's dem n:al ähnlich ergangen. Seit der Zeit war das Tischtuch zwischen Hein Undög und der jüngeren Weiblichkeit zerschnitten. An ihn
