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Verlag Langgaffe 21

„Tigblattyaus".

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Sonntag» y. Juni 1918. MovgeN-KUSgLlbe. Nr. 263. . 66. Jahrgang.

Löst sich Rußland auf?

Es scheint so, als sei die Frage falsch gestellt, als gebe es da überhaupt keine Frage mehr, als sei viel­mehr Rußland längst schon in heilloser Auslösung be­griffen. In der Tat. was ist von dem früheren russi­schen Reiche noch übrig? Reden wir gar nicht von Finnland, von den baltischen Gebieten, von Litauen und P o l e n. so baden wir ja die Zerreißung des übrigen Körpers in Großrußland und die U kraine vor uns, und nun folgt noch ein ganzes Ge­wimmel von Loslökungen an allen Grenzen des einft- mclligen Zarenreichs. Großrußland selbst wird immer kleiner. Sollten Estland und Livland dauernd vom Reichskörper abgetrennt werden, so hätte Rußland nach der Ostsee hin wirklich nur noch den kleinen F e n st e r a u s s ch n i t t offen, als den Peter der Große seine Stadtgcündung an der Newa bezeichnete. Aber auch vom Schwarzen Me:c.' wäre Großrußland so gut wie abgeschnitten, wenn sich die Don repnblik halten könnte, die sich Var kurzem erst östlich von der Ukraine aufgetan hat. In einer Note an die ukrainische Regierung hat diese neue Republik, von der man bei uns noch so gut wie nichts weiß, als Konstituierung eines unab­hängigen, nicht zue russischen Sowjetrepublik ge­hörendes Ostbnndes sich gewissermaßen vorqestellt. Nun :nd aber die wichtigen Städte Taganrog und

ostow, die im Dong.'birt liegen, von deutschen - ruppen beseht und sollen wohl der Ukraine zuge­wiesen werden. Also ivird es an dieser' Stelle neue Schwierigkeiten geben. Diese Donrepublik hat sich unter dem General Bogajewski und dem Ataman Krasnow ganz antibolschewistisch organisiert; hier, in dieser ans Kosaken ruhenden loerdenden Staats- orgamsation sehen viel' a.cn Hort monarchischer Ten­denzen. Sie nimmt in Anspruch die Don-, Kuban-, Terek- und Astrachan?-)'ak-m, ^ie Bergvölker des nörd­lichen Kaukasus und der Schwarzmeerküste und die Steppenvölker des südöstlichen Rußlands, dazu das Gön­ne» nement Siawropol. die gochwarzmeer-Gouverne- nients und Teile des Kreises Zacizyn. Dieser Staat de» unteren Wolga, des Don gebiets und der Länder nördlich des K a u k a s u s, zwischen Schwarz- mce: und Kaspischem Meer k.Hauptsiadt Nowo-T'chcr- kask) muß sich über seine Grenzen mit der Ukraine, nut Großrußland und mit der ebenfalls neu entstandenen Reinliik Eiskau kästen mseinanderü'tzen.

Kann das nun alles haltbar 'ein? Kann man glauben, daß die Ukraine und Großrußland für imnier getrennte Wega geben werden, daß beide Staaten. u>o- sern sie getrennt bleiben, die Donrepublik als gleich­berechtigtes Gebilde neben sich dulden .vollen? Kann man sich vorstellen, daß Großrußland etwa auch die Weißrussen aus 'einem Bereiche entlassen wird? Muß man nicht vielmehr an einen Rückschlag glau­ben, der alle diese oftmals arotesken Wirkungen eines beispiellosen U m w a n d l u n g s P r o- zesses wieder ber'eite chiebt ? Eine geschichtliche Ent­wicklung von Iahrlmudert-n kann doch nicht so Plötzlich unterbrochen werd"n! War das bisherige russische Reich ein Zwanasacbildc u-d nur dieses, dann hätte es nicht soviel energische Zusammenaebö'ügkeit auf der Grundlage der Gemeinsamkeit von Rasse und Religion entwickeln können Gewiß die Rand Völker des Reichs an unseren Grenzen sind zum großen Test keine Slawen und sie gehören auch nicht der griechischenReligionan. aber mit den Ukrainern und den Völkerschaften im Donqebiet sieht es anders. Unsere Politik wird jedenfalls immer die Möglich­keit ins Auge fassen müssen, daß die separatistischen Bewegungen im Südwesten und im Südosten des früheren Rußlands nur besondere kräftige Sturz- Wellen im Aufruhr der gesamtrussischen Elemente sind und daß sie sich eines Tages wieder glätten und einebnen könnten. Der dauernde Zerfall Rußlands ist möglich, er ist aber nicht wahrscheinlich. Den B o l s ch e w i k i s wird ein anderes S y st e m fol­gen, und nicht einmal die sozialrevolutionären, geschweige denn die bürgerlichen Elemente, werden sich mit der Zerschlagung des Reichs zufrieden geben. Die Ukraine und die Donrepublik selber aber werden den Zusammen­schluß mit Großrußland wieder erstreben, und zwar um so mehr, je stärker sie sich ans der a n t i bolsche­wistischen Grundlage von geordneten Staats­wesen entwickeln werden. Sie werden dann ihrerseits das übriggebliebene Großrußland aussanqen, statt sich auffaugen zu lassen.

Nun aber die K r i m s r a g e und die nach der Zu­kunft des Kaukasus! Mit diesen Problemen be­schäftigt sich in aufschlußreicher Weise Professor Hoetzsch in der „Krsiizun.", und wir möchten, was er zur Sache zu sagen bat !,v>- ohne weitere Hinzufügrmg wiedergeben. D'e mitccic'kteu Dinge werden für viele neu sein. Zwischen der T ü: k e i und der Ukraine

ist die Krim streitig. Das Gouvernement Taurien, dessen Teil die Krim ist zahlt zu drei Siebentel Klein­russen, zu zwei Si-eb-unel Grogruffen und ein Siebentel Tataren und gehört national wie geographisch zur Ukraine, die Sewastopol und die Stellung am Schwarzen Meer dort gleichfalls für sich fordert. Die tatarische Republik dagegen die sich in der Krim gebildet hat, erstrebt den Anschluß an die Tür­kei, der von öie'er auch gewünscht wird; die türkische Presse verlanqt nachdrücklich daß di" Ukraine keine große Schwarzmeermacht werden dü'fe, und fordert daher so­wohl die Häsen wie die rp'siiche Schiuarzineerslotte für sich. Eng zusammen bangen damit die verworrenen kaukasischen Pech'isinisie. Dort existiert eine transkaukasische Republik, in der Armenier, Georgier und Mohammedaner miteinander streiten, und nit Mai eine Republik C i s- oder N o r d k a n k a s i e n, die die Gebiete Daahewin. Terek, Siawropol, Kuban und Schwarzes Mee-, im Westen das Schwarze Meer, im Osten das Kaspische Meer und im Süden die Gren­zen, die im Ei.nvern"hmen mit Transkaukasien bestimmt werden sollen, beansprucht. Ciskaukasien. wesentlich mohammedanisch, greift so in die von der Donregierung beanspruchten Gebiete über. Während die Sowsetregie- rung Nordkankalien bish;r nicht anerkannte, rst sie zu Verhandlungen mit Transkankairen ans Anregung des deutschen Vertreters in Moskau bereit.

Der Türkei liegt der Gedanke nahe, das K a u- kasusgeoiet zu einem stark eit Wall zvnschen T ü r k e i und Rußland zu machen ihre Verbindung mit Perlien unbedingt zu sichern und auf dem Schwarzen Meere eine beheriichendc Stellung zu ge­winnen, alles hier unter den vantürkischen Ge­danken stellend. Der ürrki'ch? Vertrercr in Bern hat („Neue Zürcher Zeitung', 27. M üs soaar die Knukasus- frage als h^ie im Mitte l v unkt der türkischen In­teressen stehend be-eicbnrt. ebenso wie die Unabhängig­keit Persiens und die nige Freundschaft mit ihm. Diese Wünsche sind rnker dem Eindruck des russischen Zusammenbruchs und des Bresier Friedens verständlich. Gleichwohl erscheint uns der Anschluß der Krim an die Türkei nicht möglich weil er ein Lebensin'tcre'se der Ukraine verletzt und türk sich-ukrainische Gegensätz­lichkeiten nicht entstehen dürfen. Ferner aber liegt der Mittelpunkt der türkischen Interessen, nachdein Kon­stantinopel gesichert ist, nicht in der Kankasussrage, son­dern in der Wiedereroberung Arabiens, Meso­potamiens S h r i e n s und P a l ä st i n a s. Ginge die Türkei, wie eine starke Richtung in ibr will, in der Richtung nach Osten und Nordosten weiter, so würde das den Schwerpunkt ihrer Kraftentfaltung ebenso verschieben wie unser Interessengebiet und unfehlbar den dauernden russisch-türkischen Gegensatz wieder her­aufbeschwören. Hier liegen für die deutsche Politik schwierige Aufgaben vor. Der Gegensatz zwischen Transkaukasien und der Türkei ist bereits da. der zur Ukraine im Entstehen, das Verhältnis der Türkei zu Persien, wie es die Türken anstreben, ganz und gar nicht ohne weiteres gegeben und von Persien anerkannt. Diese Erweiteruna der türkischen Interessensphäre ist zudem nur mit einer sehr ertensiven Auslegung des Brester F'iedensvertraaes möglich und würde, wenn sich die türkischen Hoffnungen erfüllten, die Türkei mit militärischen imd organisatorischen Aufgaben belasten, d"nen. sie nicht gewachsen ist. De n 1 s ch l a n d ist in denKrieg ein getreten nnterGarantie der bisherigen Grenzen der Türkei. Es kämpft auch weiterhin für diese Grenzen, d. h. fiir die Rückeroberung der an En y l a n d verlorenen Gebiete, an denen die Türkei und Deutschland gemeinsam das größte Interesse baben. Daher bat es ein Recht, türkischen Wünschen nach Nordosten und Osten hin, die weit über die Möalichkeiten bei Kriegsanfang binansgehen, eatgegenzutreten.

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Berlin gewinnt an poTWrtter Anziehungskraft.

Sg. Berlin, 8. Juni. (GFig. Meldung.) Hier hat man in den letzten Tagen den Eindruck gewannen, daß die Beziehun­gen mit der Moskauer Regierung ein freund­licheres Auss eher, bekommen. Es ist dort jedenfalls große Geneigtheit vorhanden, in ein geregeltes Verhältnis zu den Mittelmächten zu ,wb»ngen und die Anerbietungen der Entente, die nicht selbstlos sind, zurückzuweiseit. Es fragt sich aber nur, ob die Aussichten für den Fortbestand t-er Moskauer Regierung gute sind. In Berlin glaubt man, daß diese Aussichten sich verstärken, je besser das Verhältnis zu Deutschland wird. Die neue sibirische Regie­rung hält bekanntlich zur Entente und zu Japan, ein Vor­geben, das in Moskau zu denken gibt. Gegenüber den finnischen Wünschen scheint Moskau nachgugebeu. Mit der U k r a i n e bereitet sich ein Einvernehmen vor, zu dem Deutschland die Brücke schlägt. Und nun hören wie, daß eine kaukasische Abordnung >n Berlin eingetroffen ist, die uns ein Beweis ist, ein wie großes Interesse an der Lösung der transkaukasischen Fragen bei uns wie bei den un­mittelbaren Interessenten genommen wird. Berlin gewinnt

an politischer Anziehungskraft. Und mit ihr auch an Sym­pathien unter denjenigen Völkern, die bisher mit uns im Streit gelebt haben.- .Deutschland sucht eben einen Aus- gleich der vielseitigen Interessen der Ost- Völker herbeizufüüren. Und dieses Bestreben hat mehr und mehr lebhafte Anerkennung im Osten gefunden, der au- fangt, ein freundlicheres Gesicht zu zeigen.

Neuer Anschluß!

Sg. Berlin, 8. Juni. (Eig. Meldung.) Die neue Regierung im Dongebiet, die unter Kressew - die llwlker des Don, von Kuban, Terek und Astrachan sowie dort Rowkaukasus vertritt, hat deutliche Zeichen gegeben, daß sie den Anschluß an die Mitielmächte wünscht. Man emp­finde: auch in jenen Gebieten große Sehnsucht nach einer röschen Neuordnung der Verhältnisse und glaubt, daß di« Wohlfahrt des Landes in Verbindung mit den Mittelmächten eine schnelle Förderung erfahren könnte.

Die Untersuchung gegen den Sx-3aren.

Br. Malmö, 8. Juni. (Eig. Drabtbericht. zb.) In der letzten Sitzung des Rates der Volkskommissare ist die Er­richtung eines Kommissariats für die Angelegen­heiten der Zarenfamilie, des tzoftnimsteriums und des Gehcimkabinests des Zaren beschlossen worden. Die Leitung des neugesch,iftenen Ressorts hat einer der Ver­trauten Lenins, Flaksermann, echalten. Das Kom­missariat hat die Aufgabe, die frühere Tätigkeit der Ver­waltung des Zarenhofes einer genauen Prüfung zu unter­ziehen und außerdem die augenblicklichen Lebensverhältnisse des Exzaren zu regeln. ,

Die Kbwehr der Gegenrevolution in Moskau.

W. T.-B. Kiew, 7. Juni. Nach Meldungen der Moskauer Presse ist der Belagerungszustand in Moskau auf die Vororte im Umkreis von 20 Kilometer erweitert worden. Muraleff hat außerordentliche Vollmachten erhalten. Die Stimmung im Rate der Volkskommissare ist ruhig und zuversichtlich- VieleS belasteirde Material gegen die gegenrevolutionären Parteien, darunter besonders gegen deri Verband der Ver­teidigung des Vaterlandes und der Freiheit, ist aufgefunde» worden.

wachsende monarchistische Bewegung in Finnland.

8. Stockholm, 8. Juni. lEig. Drahtbericht, zb.) Aus! Helfingfors wird witgeteilt- Die monarchistische Bewegung ge­winnt fortgesetzt an Boden. Man spricht neuerdings die Absicht aus, einen deutschen Fürsten aus dem Hohenzollern- hauk zum finnischen König zu wählen und nennt besonders Prinz Oskar als Kandidaten.

Der französische Einmischunqbverüich.

W. T.-B. Helfingfors, 5. Juni. „Hufvudstadsbladet" weist die Erklärung der französischen Gesandtschaft in Stock­holm, daß Frankreich die Einführung der Monarchie in Ftnu- land als ungesetzlich betrachten und nicht anerkennen würde, mit der Erklärung zurück, daß die französische Regierung falsch unterrichtet sei. Es handle sich nicht um eine monar­chische Umwälzung, sondern die Verfassung sei be­reits monarchisch und es sei keine Mehrheit vorhanden, sie in eine republikanische umznwandeln. Frankreich selbst! habe in hundert Jahren etwa ein Dutzendmal die Staats- fornt gewechselt. Finnland werde über seine StaatSförni selbst entscheiden und von niemand Vorschriften annehmeu.

Daniels über die „gelbe Gefahr".

Der amerikanische Staatssekretär der Marine Daniels soll, wie die „Voss. Ztg." erfährt, im vertrauten Kreise sich! 'wie folgt über die gelbe Gefahr ausgesprochen haben: Wilson wird den Kampf fortsühren, bis das angelsächsische Ideal fest begründet ist. Wenn dann Europa und Amerika nur nach einem Prinzip regiert werden, dann kann der größte und letzte all.-c Kämpfe, lcr Kampf der weißerr gegen die gelbe Rasse auszcfochten werden. Deutschland muß so geschwächt werveu, Latz es nicht als Helfer des gelben Mannes auftreten kann. Es ist selbstverständlich, laß, wenn Japan zum Schlage auöbclt, um sich zum Herrn des Stillen Ozeans zu inachen, Deutschland Japan bei der Erreichung dieses Zieles unterstützen wird. Ist aber Deutsch­land niedergekämpst, so bestcht keine gelbe Gefahr mehr; für uns.

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Rumänische Bloßstellung der Kriegsziele Englands.

W. T.-B. Bukarest, 8. Juni. Die „Gazeta Bucurestilor" schreibt: Die russischen Geheimdokuments haben deutlich bewiesen, daß England, Frank- reich und Rußland auf Eroberungen ausgegangen sind. Dennoch behauptet die Entente fortwährend, sie kämpfe für hoh" Ziele. Die Bloßstellung der englischen Kriegtzziele ist aber nicht die größte Schande für Eng­land; denn mitten in ihrem Krieg für die Gerechtigkeit und Freiheit mußten diese Verteidiger der kleinen Nationen den irische:! Aufstand gewaltsam unterdrücken. Jetzt wollen sie die Iren sogar zwingen, ffir die Ziele ihrer Henker zu kämpfen. French sieht an der Spitze einer großen britischen Trupp-mmacht bereit. ei;>cn neuen irischen Ausstand in Blut zu ertränken, wahrscheinlich ebenfalls im Namen der hohen Ziele, für die England angeblich kämpft.