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Samstag, 8. Iuni 1918.

Hlorgen*Bu$gabe. _ nr. 26 i. . ss. Jahrgang.

Die Tschechen.

Die tschechische Frage ist keine blaß österreichische, sie ist auch eine reichsdeutsche Frage. .Sie seht uns genau so nahe an wie irgendeine an unseren sonstigen Grenzen, genau so nahe an wie die polnische, sa noch näher als diese. Denn wenn sich die Polen wirklich, was aber erst erlebt werden müßte, unbedingt feindlich gegen uns stellen wollten, so wäre es uns leichter, die Folgerungen daraus zu ziehen, als es gegenüber den Tscheclpm mög­lich wäre. Diese gehören zum Reichsverbande unseres nächsten Bundesgenossen, und ein tieferer Gegensatz zu ihnen müßte somit eine Bedrohung des Bündnisses selber bedeuten wenn es den Tschechen gelingen könnte, entscheidenden Einfluß aui die Politik des Donaureichs zu gewinnen oder das Reichsgefüge unheilbar aufzu- lösen. Mancherlei Anzeichen lasten die Vermutung zu, daß in den Besprechungen im Großen Hauptquartier, die den Ausbau des Bündnisses vorbereitet haben, auch über das tschechische Problem verhandelt worden ist. Zu welchen Ergebnissen die Besprechungen nach dieser Rich­tung geführt haben mögen, d -.ruber wird ganz gewiß nichts in die Hffentlichkeit dringen, aber es könnte sich eine Lage Herausstellen, in der bestimmte Tatsachen für die Klärung und Aufklärung sorgen. Bis dahin, wo dieser jedenfalls unerwünschte nnö hoffentlich zu ver- meidende Zustand eintreten würde, bedeutet es sck^n diel, daß man sich an der Donau mit dem Gedanken ab­gefunden hat, die innere Polittk Österreichs müsse mit unter den Gesichtspunkt des dauernden Einvernehmens mit uns gestellt werden. Gewiß war das voni Bünd- nisstandpunkt und von dem der wahren Interessen- gemeinschaft aus stets eine Notivendigkeit, aber es ist doch ein Unterschied, ob solche Dinge vereinbart werden, oder ob sie dem freien Erinesien der nerbündeten Regie­rung so anbeimgegeben werden, daß auch die Möglich­keit einer Abweichung von der Linie der Gemeinsamkeit

- in Frage kommen kann. Wenn letzt Deutschland und kt Österreich-Ungarn politisch, witsch-Mich und militärisch I ' in ein, engeres Derhältn'3 als bisher zueinander kom­men wollen und sollen so muß eine de-- Poraussetzuii- ren dafür sein, daß Österreich k.-ivc Richtuna auf. kommen kann die durch B' u'insti ging der Slawen und besonders der Tschechen über die inneren Staatsnot- wendiakeiten hinaus den neu'n Bund vor die Gefahr einer Erschütterung stellen könnte. Damit ist gesagt, daß die ästerreichisch-ungarischcPolitik darauf wird achten wollen, daß die tschechischen Zerstörnngsgelüste schon im Beginn ihrer Wirksimkfit »n^e, drückt werden, nicht bloß um de§ eigenen Bestandes des Reiches willen, sondern wegen des Zwangs, dm sich wohltätigerweise ..durch da? fester zu begründend? Bündnis mit uns gel- tend machen wird. Wir baben liniere guten Gründe, auf den Unterschied zwischen völliger Freiheit der Poli- tik im Nachbarlande und dieser, ans einer näheren Per-

' knüpfiing der beiderseitigen Reichsinteressen hervor­gehenden Notwendigkeit aufmerksam zu machen. Wir meinen, es wird kein Kreißt daran gelosten weiden sein, daß dos hychverrät»riiche Treiben der Tschechen unsererseits längst nicht mehr als eine Angelegenheit be­trachtet wird, bei der wir bloße Zuschauer sein könnten, t. Davon kann natürlich keine Rede sein, daß deutscherseits irgendwelche unmittelbare Einflußnahme auf die Formen stattfiuden we^de, in denen die österreichische Reoiernng die Einordnung d-r Tschechen in das wwm-» tastbar zn bleibende Staat?irstüaa v«rnii,ehmen g'denkt aber diese Einordnung selber muß stastunden, u.nd -s l r bleibt, wie gesagt, eine? unserer stärksten Bedürfnisse, daß ste auch gelingt. Die Z»it ist sedensalls vorbei, in der diele Dinae bei uns mit teuer behutsamen Schonung behandelt wurden, die davon ausg-hs. daß die Lösung der tschechischen Fraae völl'g außerhalb unseres Be­reiches au lieaen babe. Wenn es iw Nachbarhause brennt, dann kann es gm sehr zur Pflicht werden, an der Löschung der Fenersleninst teilzunehmen, und bren­nen tut es gewaltig genug. Rhin kann bei den Tschechen auf alle? gefaßt lein, aus schleunige Dämpfung der er­hitzten Leidenschaften ebenso wie aiff ein noch stärkeres Ausbrechen der nationalen Wutansälle. Die HoKnung daß die erste dieser beiden Mo glichkr-iten verwirklicht wird, braucht gerade d-um gibt aufgegeben zu werden, wenn die Tschechen willen, üc batten es nicht blaß mit der österreichischen Reoiecung tzunde-n mi^ dem eisernen und einmütigen Wollen de? deutschen Volkes zu tun,

> das an seinen keilförmig in das Reich hineina-striebenen Grenz-m keine >ae''d' der Zerstörung dulden kann. Nur "in Teil neu den g-efäh-lichm Vorgängen in Böhmen ist bei uns unS bekannt gewarp.-n. aber er genügt schon.

- um im Interest- Österrnch-llnaarns, auch in dem der Tschechen selber und nicht zuletzt im unirigen den drin­gendsten Wunsch zu rechtstrstucn daß Ordnung geschaf­fen werde, bevor andere Mittel als die von Gesetz- gebimg und Verwaltung das traurige Amt, für diese Ordnung zu sorgen, zu übernehmen hätten.

Das Ergebnis der -ritten westoffenstve.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

B. A. Berlin, 7. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Nach der großen Schlacht und len Kämpfen am La Bass^e-Kanal ist auch die Sch lachtanderAisne, der dritte Teil unserer Offensive gegen Frankreich, zu einem gewissen Abschluß gekommen. Es ist der Obersten Heeresleitung gelungen, in überraschender und darum unser Menschenmaterial schonender Werse den Feind zu überlaufen, und nachdem er stch gesammelt, taktisch günstige feste Stellungen zu erreichen, an denen er sich bei etwa erfolgenden Gegenangriffen blutige Abwehr holen wird. Neben dem unmittelbaren Gewinn an Geschützen und Kriegsmaterial ist es vor allen! gelun­gen, unsere „F a u st p f Ü n d e r" für die kommenden Friedensverhandlungen erheblich zu vermehren. Wir hatten,vor unserer Offensrve allein in Frankreich r8 777 Quadratkilometer besetzt. Die dreiteilige Osfen- stve hat 6324 Quadratkilometer dazu gewonnen, so daß wir nunmehr ein Gebiet oon 25101 Quadrat­kilometer halten, in Frankreich und Belgien zusammen 53734 Quadratkilometer. Da­gegen kommt vor allen Dingen in Betracht, daß die gegnerische Angriffs- und Wider st andskraft neue erhebliche Schwächung erlitten hat. Schon nach dem Abschluß der großen Schlacht in den Kämpfen am La Bassöe-Kanal hatte General Fach Schwierigkeiten gehabt, seine Reserven für die meist ge­fährdeten Punkte bereitznstellen und zugleich auch die Möglichkeit offen zu halten, sie iederzeit an andere Frontstellen zu befördern. Nachdem es uns jetzt ge­lungen ist, vier große Bahnlinien, Paris- Meaux-Soistons, Paris Ep?rn-ni-Reims (die viergleisig ist), Paris-Chateau-Tbierry-Soistons und Reims- Soistons. zu durchbrechen und durch Geschützfeuer u n b r a u ch b a r zu machen wird es eine recht schwie­rige Frage sein, wie den Truppen, die die heftigen Gegenangriffe gegen unser nenerworbenes Gebiet aus- kühren sollen, die Beweglichkeit erhalten wird. Bei künftigen Kämpfen wird das um so niebr ins Gewicht fallen, als nach Ansicht maßgebender Kreise die Ruhe, die setzt eintrnt, nur als eine Pmi’e für unsere Heeresleitung anzusehen ist um neue Schläge vorzubereiten, die die Gegner bald genug belehren werden, wie ungebrochen unsere Offensivkraft ist, die uns weitere Erfolge sichert.

Ein vertsidiaunchsausschust für Paris.

W. T.-B. Paris, 7. Juni. (Drohtbcrickt. SavaS.) Der Kammeraussckuß für Auswärtiges hörte beute die Er­klärung PichonS über die Lage in Rußland, die Ver­handlungen über eine Intervention Japans in Sibirien und die Entscheidungen des Interalliierten-Ministerrats in Ver­sailles. Ein Erlaß setzt einen VerteidigungSausschmß für das verschanzte Lager von Paris ein unter dem Vorsitz des Kriegsministers mit der Ausgabe, die aus di« Organisation der Bewaffnung und Lebensmittelversorgung des verschanzten Laaers bozüglicken Maßnahmen wahrzuneh­men und zu beaufsichtigen. General Dubai! wurde zum Vorsitzenden des Ausschuffes ernannt.

vi« Ncimvf« an der Myrns.

Br. Rotterdam, 7. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Reutersche Korrespondent im französischen Haupt­quartier meldet: Der Versuch der Deutschen, die Marne zu überschreiten, war ernstlicher. älS man aus den ersten Be­lichten ersehen konnte. Der Feind leate 22 Leiterfußbrücken über den Fluh, von denen 4 durch unser Artilleriefeuer ver­nichtet wurden. Ein preußisches Bataillon zog über den Fluß und rückte sofort nach der Eisenbahn vor. Eine Maschi- nengewebraüteilung besetzte den Bahnhof und die übrigen ver­breiteten sich längs der Dahn. Sie wurden später von abg»- stieqenen Dragonern und Amerikanern über den Fluß zu- rückgeworfen.

Neger unter den weißen K-ilonialregimentern Frankreichs.

W. T.-B. Berlin, 6. Juni Die Erigtzschwierigkeiten Frankreichs gehen ans der Tatsache hervor, daß nun­mehr auch die bisher rein ineißen Kolonialregimenter farbigen Ersatz erhalten. Angehörige des 21. und bcs 23. Kolonialregiments, die bei dem deutschen Vorstoß gegen das Fort Pompelle gefangen genominen wurden, berichten, daß im Mai ■>. I. an Stelle des bisher ausschließlich Weißen Ersatzes erstmalig Farbige in diese Regimenter einaereiht wurden. Die Schwarzen, die zum Teil aus Madagaskar stamnien, wurden nach not­dürftiger Ausbildung nach Frankreich verladen Die Fahrt d>r iünf Transp'rtdampfer g'»ng bis Surs zu- s .wieen Von da ab zwang die Tätigkeit der deutschen U-Boote zu einer Teilting des Transports. Jeder Dampfer mußte einzeln unter englischer Eskorte nach Marseille geleitet werden. Trotzdem wurde ein Dampfer torpediert.

Unsere Flieger wieder gegen p«ri».

W. T.-B. Paris, 7. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) tt« tt Uhr nachts wurde alarmiert. Um 12L0 Uhr warrd« der Alarm wieder aufg-ehoben.

W. T.-B. Paris, 7. Juni. (Amtlich. Reuter. Drahtbericht^ Eine Gruppe von 20 feindlichen Flu-,Margen kreu-!e die französischen Linien und nahm die R'chtung auf Paris. Die Abwehr trat sofort in Tätigkeit. Es wurden einige Bomben abgeworfen Verluste: Ein Toter, einige Verwun­dete. Materialschaden wurde nicht angerichtet.

Das deutsch-englische Fliegergcfecht bei Terschelling.

W. T.-B Berlin 7. Juni, Am 5. Juni hatten mehrere unserer Flugzeuge mit fünf englischen Curtts-Fiugbooien nordwest­lich TeiskljiBtng ein längeres Gefecht, bei dem ein englische« Flugzeug a b g c s ch c f f c it wurde. Dieses Flugzeug verbrannte dicht unter der Küsie, Drei Mann der »Besatzung retteten sich an Land. Z t'i c i weitere englische Flugzeuge wurdm schwer o e - schädigt, Mic aus holländischen Pressenachrichten hervorgehr, sind diese Flugzeuge gezwungen woroen, auf Terschelling zu lande«. Die Jnsaslcn haben die Flugzeuge verbrannt und wurden inte«- niert. Anscheinend ist ein riertes englisches Flugzeug auf BNeland gelendet, Sechs englische Offiziere und drei Unteroffiziere wurde« in Holland interniert Von unseren Flugzeugen geriet während des Gestchns einer in Brand und wurde später von uns vernichtet. Die Besatzung wurde gerettet,

ver Kbendbericht vom 7. Juni.

W. T.-B. Berlin, 7. Juni, abends. (Amtlich. Drahtberichfftz

An der Schßuhtfront ist die Lage u!n v e r 8 n d e r 1.

Lebhafte NampftätiHkeit in Italien.

W. T.-B. Wien, 7. Juni. (Drahtbericht.) Amtlich v«» Ifltttet vom 7. Juni, mittags: Im S-üdwekste« gesellten sich gestern den GeschützkÄrrpten der letzten Tage wieder lebhafte Jnfanteriekämpfe bei. An der Piave bei Onero rmd M«i und auf dem Tonale wurden italienische Abteilungen zu­rückgewiesen. Auf deün, Monte Spinucheo verbefferte« wir durch ein Sturmtruppunternehnlen unsewe Stellung. Auf dem Monte Sisemol wurde der Angriff eine« Bataillons irn Gegenangriff abgsschlagen. Bei Wago scheitert»« zwei feindliche Vorstöße in unserem Feuer.

Der Chef de? Generalstad».

Unser U-vootskrieg gegen Kmeriita.

Now park im Verteidigungszustand.

Br, Berit, 7. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Reue Korrespondenz" meldet aus New Dork, die amerikanische Küste und besonders der Hafen von New Dark habe seit gestern nacht ein kriegerisches Aussehen. Di« elektrischen Scheinwerfer spielten die ganze Nacht; große Mengen Von Wasserflugzeugen überfliegen die Krisle und den Hafen. Die Seebehöcden bestätigen, daß alle BewachungS- und Verteidigungsmaßnahmen g»- troffen find, um die deutschen Unterseeboote gebührend emp­fangen zu können. Die städtischen Behörden von New York haben sich sogar für den Fall einer eventuellen Beschießung von New Dork vom Meere her oder auf dem Lande vorgesehen.

Das Verschwinden eines amerikanischen Riesendampferr.

Br. Zürich, 7. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie der Praichterstaiter der „Expreßkorrespondcnz" erfährt, erregte das spurlose Verschwinden des amerikanischen Riesendampfer» „C y c l o p e" in amerikanischen Schiffabrtskreisen und der New Dcrkcr Börse ungeheures Aufsehen. Der „Eyclope', der sich mit 400 Mann Besatzung und wertvoller Manganer-- lodnng auf der Fahrt von Westindien nach New ?)ork befand, ist 20 000 Tonnen groß und das größte Transportschiff her amerikanischen Handelsflotte. Der Dampfer ist f ett einig« Zeit überfällig, und da auch nickt ein dcahtloses Gefahrfignat von ihm aufgefangen wurde, wird in Schiffahrtskreisen «»• aencmmxn, daß durch das Erscheinen deutscher Unter­seeboote in den amerikanischen Gewässern das RätsÄ gelöst und das Schiff deni Angriff der feindlichen Unterse». boote zum Opfer gefallen ist.

vi« Frage der RandvSlker und der Murmanbalrn.

B. A. Berlin, 7. Juni, (Eig. Drahtbericht. rfn) Auf der Berliner Konferenz, die sich mit der A b ä n d * rüng des d eu ts ch - r u f s i s che n Friedenl- vertrags in einigen Punkten befassen wird, wird i» erster Linie die Frage der Randvölker und in Zusanrmen- hang damit die Frage der Murmanbatzn erörtert wer­den, an der Deutschland w.'g°n der Möglichkeit, daß England sich am nördlichen Eisnieer festsetzt, ebenfallr interessiert ist. Allem Anschein nach ttürd die Frage zugunsten Finnlands entsthieden werden, rrv- mal Rußland der früher-n finnischen Regierung tat Zugang zum nördlichen Eisnieer zugesichert hat. Er­neut ist die Frage zwischen Rußland und Finnland i» Anschluß an die Besetzung der russisch-sinnischen Grenz- sestung Ino durch finnische Truppen erörtert worden. Wie verlautet, ist hier der gegenwärfigen finnischen Ra- gierung die frühere Zusicherung bezüglich der Murmarp- bahn wiederholt worden unter der BorquSsetzrmg, daß