Verlag Langgaff« 21
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Berliner Ab.eilnng des Wiesbadener Tagb.atts: Berlin W. 57, An der Ap-st-lkirch- gen.f^ed,«; A mt Lntzd» 6202 »°d 6203.
Freitag, 7. 3uni 1918.
Morgen-klusgabe.
Nr. 259. . 66. Jahrgang.
wir und England.
Noch ist das Ziel, über das bei un- .trotz sonstiger nelfaü)er Zerklüftung jedenfalls Einigkeit besteht, die Vernichtung des englischen und des fra z ; i j ch e n K r i e g S w i t l e n s, nicht erreicht aua uur sind auf au»fichtSvollem Weg; zu ihm. -lnd wenn da^
Ziel dank unserer Heeresleitung und unseres unver ileichl>chen Heeres wirklich erreicht lein wird, dann wird doch endlich einmal der Tag der Friedensverhanülungen gekommen sein. Wie aber soll ^wde au-sehen?
Die Frage mündet in di? andere, ob der deu.ich-engtoche Gegensatz schlechthin unversöhnlich bleiben riiöchten heute einem Betrachter das Wort geben, der es reichlich verdient, aufmerksam gehört zu werden Wir wollen nickt sagen, daß wir uns aus seinen Standpunkt stellen, aber um so mehr dünkt es uns nützlich, lernen Gedankengängen mit aller Objektwltat zu folgen. <r.s ist der Berliner Historiker Professor rfnedrich Meinecke, der sich in einer groß angelegten Abhandlung in der „Neuen Rundschau" mit dem Problem des d-ntsch-englisä>en Gegensatzes beschäftigt. , Memecke fragt ob die Staatskunst zu tadeln lei. die immer wie- der versucht hat, die Hand zur Verständigung zu kneten, und er antwortet- „Sie hat einfach ihre Psticht getan, wenn sie das im Augenblick zwar noch nicht WahrhlMN- liche, aber doch immer vielleicht Mögliche und ledenlalls Vernünftige anqestcebt hat Denn m wdem Staate lebt sozusagen eine gute und eine böse seele, und dato regier^ die eine, bald die andere. Notorisch existiert auch in Engla^L (ich brauche ja nur den Namen Lansdown.e zu nennen), eine Friedens- und Verständigung sparten lind "» »°!t° seinen »ut-»,sinn nnd Zw°°- «°nn d,- vielgefchmähte Reichstagsresolution vom 19. ^uli vorigen Jahres auf die Friedensparteien aller serndlickien Länder zu wirken versucht hat. Sie wird, wie ich mmt zweifle, trotz ihrer nicht erquicklichen Entstehungs- geichichte und trotz ihrer nicht glücklichen Formulierung vor der Geschichte bestehen und darubew ob ste völlig ihre Wirkung auf das Ausland verfehlt hat, kann selbst heute noch nicht das letzte Wort gesprochen werden. Wre soll man denn je anders zum Frieden mit England kommen als dadurch, daß dort einmal früher oder spater die wilden Gesellen vom Schlage Lloyd Georges gestürzt werden und die Verständigungspolitlker obenauf kom- men? Nein, sagt hier die konservative schule, der Staatskunst: Nur dadurch kommen wir zum r^wden mit England, daß wir es aus die Knre zwingen. Ganz gewiß ist, wenn der Krieg einmal entbrannt ist, die völlige Niederwerfung des Gegners das natürliche Ziel des Krieges, und es gibt wohl niemand unter uns, der nicht brennend und heiß wünschte, daß es erreicht wurde,
| und der nicht die äußerste Kraft daran gesetzt wünschte.
' Großes hüben wir schon erreicht. Größeres werden und ' wollen wir noch erreickjen durch den Heroismus unserer Tauchbootmänner und unserer stürmenden, Regimemer. Aber wir dürfen uns auch nicht der bisherigen Gesamt- 1 erfahrung desKrieges entziehen, die diejenigen auch schon « vorher ahnten, die sich ernstlich um die deutsch-englische Verständigung bemühten. Denken wir zuruck an den Kamps Napoleons gegen England. England war Aur See im Kerne seiner Macht unangreifbar, Napoleon zu Lande im Kerne seiner Macht durch anderthalb ^ahr- . zehnte unangreifbar und konnte erst dura, eure über- mächtige kontinentale Koalition gestürzt werden, liniere Lage ist wohl in zwiefacher Hinlicht günstiger al»
1 die Napoleons. Einmal kann uns nach dem Zusamnien- bruch Rußlands eine übermächtige kontinentale Koalition nichts mehr anhab-n. und ferner können wir durch unsere Tauchboote die "Nglischc Seeherrschaft, wenn nicht zerbrechen, ko dock, empfindlich schwachen. Und * doch bleibt die Gesamtlaae derjenigen der napoleom- scheu Zeit insofern vergleichba-, als m die letzte Zitadelle d-r feindlichen Macht unendlich schwer beranzu- konimen ist. Suchen wir in Lloyd Georges und Wilsons Mienen und Handlungen zu l.-stnio können wir aus der brutalen und konseguentci, Ablehnung ,edes Verständigungsversuches schließen, daß sie sich zutrauen. den Krieg trotz der Verringerung der Handelstouuage noch jahrelang fortführen zu kennen.- Sie hoffen auf unsere allmähliche wirtschaftliche und -moralische Zermurbung. Wir dagegen hoffen nickst nur. sondern sind m der fetzigen Lage fester als je davon überzeugt, daß diese Zermürbunq bei uns nicht eintreten wird. Und nun i treten für uns auch hinzu d'-e Aussichten der so glanzend » begonnenen Offensive im Westen Suchen wir ste mit ' aller seelischen Kraft. m,t allem Siegeswlllen. den der Moment von uns fordere. aber 'iialeich auch mit klarem ' Urt -il zu würdigen. Der Bann de? Stellungskampfes.
- der r,ich unsere bisherigen Eiwä-iunaen über die Moa- st- lichkeiten des Landkrieges lange eingeschränkt hat. ist : s - aebrochen Wir könnten es —/dies Ware wohl der höchste : der erreichbaren militärischen Erfolge — durch eme
Reihe gewaltiger Schlachten und Durchbrechungen im
Laufe des Sommers dahin bringen, daß die englischen und amerikanischen Heere den Kontinent. raumen Frankreich unserer Übermacht überlassen mußten. Zeigen sich dann England und Amerika ent'chloste-i, den Krieg als reinen Sie- und Blockadekrieg ins Umwwhome zu verlängern, so werden wir, falls mc tn bie *
men, die Ha'tnäckigkeit Frankreichs mit Aewart zu brechen, keine politische Veranlassung -mehr haoen, es zu schonen. denn bündnisfähig wird es vornusuastlich für uns nie werden. Verbesserung der-Vogesengrenze und das Erzbecken u..m Briev wären dann Forderungen, ore sich auch mit vernünftiger und maßvoller sraatstunst wohl vereinigen lassen Zeigm sich dagegen England und Amerika m der anaenommenen Lage werelt za einem Gene: alst-siden, so würden wir unsere Bedingungen an Frankreich unter anderen Auspizien zu erwägen haben. Ohne Zweist-l baden wir dann zugleich wgen Enal-md das Lrnck'-iittel nicht nur de? fortgesetzte'! Fauchbootskrieges. sondern euch »er Bedrohung .lays vns und Me'rpotani.eus durck untere sreiwerdmder Heeresinassen. Andererseits verfügen England und Amerika über das Druckmittel des fortgesetzten Blockade- krieges. Hüben und drüben wird man dann.sorgsam rechnen, was man bei einer Fortsetzung des Krieges zu gewinnen oder zu verlieren hat. Wir saßen an einem längeren Hebelarme als zurzeit unseres Friedensangebotes. Aber die Vernunft müßte^Huben und drüben zu einem Kompromißfrieden raten." .
Sie müßte es auch dann, wollen wir hinzufugen, wenn wir nur den geringeren militärischen Erfolg erzielten, die. feindliche Front in Frankreich stark zuruck zudrängen, ihrer Osseusivkraft zu berauben ste aber nicht zu zerbrechen. Dann würde, wenn dw Gegner sich der Verständigung widerietzen, nur ein Erschopfungs- frieden einmal den Krieg beendigen können. Memecke faßt sich dahin zusammen: „England unuberslregbar
für uns aus dem Wege zum Ozean, Deutschland unbesiegbar zu Lande, es kann zwischen beiden Machten, kem anderes Verhältnis geben als entweder emen ewigen, beide Teile nutzlos erschöpfenden Krieg oder- die Verständigung. Wenn die Verständigung auch .schließlich durch den' Gesamtdruck unserer Siege zu erzwingen ist. dem Inhalt nach wird der Friede mit Englandden Charakter eines Verständigungsfriedcns tragen müssen, wenn er von Dauer sein soll. Ter Wortlaut der Reichstagsresolution bindet uns nachdem sie von den Gegnern verschmäht worden ist. jetzt selbstverständlich nicht mehr. Ihr Sinn aber ist uns und unseren Gegnern vorge- sch.i.ben durch de» Zwang der Dinge und durch die Vernunft, die ihn zu erkennen hat. Die Bürgschaft aber
für die Dauerhaftigkeit des Verständigungsfriedens, den wir einmal mit England zu schließen haben wer- den kann nur in der furchtbaren Gesumtersahrung dieses Krieges und in dem Anblick unserer unüberwind- licheu Stärke bestehen. England muß künftig vor der Möglichkeit eines neuen Krieges mit uns zurückscheuen wie vor einem Medusenhaupte. Das kann cs aber nur, wenn es weiß, daß der Inhalt des Friedens, den wir mit ihm schließen werden von den breiten Maßen un- ieres Volkes mit ungebrochener Entschlossenheit behauptet werden wirb, und daß keine inneren Spaltungen unsere Gesamtkraft künftig schwächen können. Die. zentralen Werte der Macht sind unter allen Umständen wichtiger als die peripherischen Werte. Nicht diese und jene lokale Position, sondern nur der Druck unserer Gesamtmacht kann die Ungunst umerer kontinentalen Loge ausgleichen und uns den freien Weg zum Welt- meer im Frieden sichern." Die Bedeutung dieser Aus iührimgen. denen wir im Augenblick nichts binznfügen möchten erblicken wir nickt zuletzt darin, daß sie wohl nicht bloß die Ansichten Meineckcs wiedergeben, sondern der Widerhall von Ansichten und Willensrichtunaen sind, die sich in der praktischen Leitung der Reichsvolitik ent- scheidend geltend zu machen vermögen werden, es sei denn daß sie durch eine nach anderen Zielpunkten hin- strebende Richtung abgelöst werden.
Der deutsche klbendbertcht.
' \y. t.-B. Berlin, 6. Juni, abends. (Amtlich Drahtbericht?,
An der Schlachlsront örtliche Kümpfe nordwestlich von Chwteau-Thierrq und tm der Ardre.
*
Heuer Oberbefehlshaber in (Enalanö.
W. T.-B. London, 6. Juni. (Drahtbericht. Reuter. Amt UL., ' Als vorübergche-nide Maßnahme wurde General Robertson zmn L-derbesehlshaber in Großbritannien er- nannt.
Gesterreick,ifS'«unocirifck er Taaesber?cht.
W. T.-B. Wien, 6. Juni. Amtlich verlautet: An der Tiroler- und Piavefront andauernde ArtillerieLämpfe.
Der Chef des Generalstabs.
DrutHer U- BootschreSen in Amerika.
Bereits 13 amerikanische Schiffe versenkt.
W. T.-B. Amsterdam, 6. Juni. (Drahtbericht.) Noch einer Reuter-Meldunz aus New ?)o rk wird angenommen daß etwa 15 amerikanische L>chlsse, darunter zwei Danipfer, von tl-Vooten an der nordatlantischen Küste seit 25. Mai versenkt wurden. Ter - große Dampfer der Portorico-Linie, das Passuglerschis, „Carolina", wurde 125 Seemeilen südwestlich von Sandyhook angegriffen. Die „Carolina" nieldete am Abend des 2. Juni durch Funksvruch, daß sie von einem U-Boot angegriffen werde. Ein zweiter Funkspruch besagte, daß sie beschossen werde und die Passagiere in die Boote gingen. Die „Carolina" hatte 220 ^ahrgasle und 120 Mann Besatzung an Bord, von denen 58 Pew tonen vermißt werden, einschl. 16 Personen, die durch Kentern eines Bootes ertranken. Die übrigen sind ste- landet. Der Kavitän des Schoners „Edward H. Coke" berichtet, daß ein Schiff am Sonntagabend von einem etwa 200 Fuß langen U-Boot, das zwei große und ein kleines Geschütz führte, angegriffen wurde. Er habe deutlich das Sehrohr eines zweiten U-Bootes wahrgenommen, das einen herankommendeu amerikonischen Dampfer verfolgte. Der Dampfer machte sich mit Volldampf davon. Dre Besatzung der „Cole" wurde von einem amerikanischen Hilfsschiff ausgenommen, das vpn einem U - B o o t v e r f o l gst wurde, dem es aber gelang, einen ^aieu zu -’i reichen. ,:T ereI , mit einer Ladung von Portorico nach New Bork, wurde am Sonntaa. 60 Meilen von der Küste entfernt, versenkt Das U-Boot gab drei Scküsie ab. Der deutsche Kommandant kam an Bord und befahl der Besatzung, das Scbisf zu verlassen. Dann legte er eme Bombe auf das Scksff, wodurch es in die Luft gesprengt wurde Die 36 Mann starke Besatzung wurde ibren eigenen Hilfsmitteln obne Nahnmq und Mafien übe^ lassen. Sie wurde späfer von einem KüstenwachUckifs ausgenommen und in Atlantic City gelandet.
Br. Hamburg, 6. Juni. (Eitz. Dvahtberichl. zb.l SfiT „Hamburger Frembeublatt" meldet der Reuierscke Sander, berickterfiatter vam 8. Juni^: Über das Schicks <rl von 34? Perlenen, die fick an Bovd der a r o l i n a" befanden, ist rrrem in grober Sorge. Ein stzlieyer, der gestern abent 38 Meilen von Beeckbaven über See flog, meldet, doh er dre> Rettungsboote an die Küste rudern sah.
An der Küste von New England nnd New Jersey.
W. T.-B. Washington, 6. Juni. (Drahtbericht. Ne„wr.) Berichte aus New Bork besagen, daß bei den. Dersenki'ngen zwei Unterseeboote beteiligt gewesen sind Die Schisst sind wahrscheinlich an der Küste von New England und New Jersey verlorenqegangen.
TMe ersten bösen folflcn.
Br. Nrm York, 6. Juni. (Erg. Drahtbericht. A>.) Der Marineminister hat anyeordnet. daß der New Yorker Hafen geschlossen werden soll. Es werden nur be- stimmte Ausnahmen zugelossen. Die Versickernncrsgesellsckar. tett fKTb-cn graniten bcr^iH t>on 1 ouf 2 ct^fyouj'h
Br. Haag, 6. Juni. (Erg. Drahtbericht. zb.) Der „Daily Te'enraph" meidet aus New York: Die Versenkung verschiedener owerckwniscker Schiffe durck deutsche U-Boote hat vorübergeberld di« Börse unD den Geldmarkt, namewt- lick Marinswerte, stark beeinflußt, wenn es auch ym allgemeinen noch zu keiner Panik gekommen ist.
Amerikanische Seibstlröstuna.
W T-B New York, 6. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) Zeitunasb'richterstatter in Washington berichten, daß nach allgmeitier Ansicht in amtlichen Kreisen dm U-Bootssahrten nach der amerikanischen Kulte den Zweck haben, die Znrückberufung emes Teils der amerikanis hen Flotte von anderswo zu ver- anlassen W°nn dem so sei. werde Deutschland sich irren. Wie verlautet, teilte Marinesekcetär Daniels der Flottenkommission des Repräsentantenhaches >mt daß die V e r t e i d i g u ü g s a n l a g e n an der atlantischen
Küste oollständig ausreichend seien und man keine Schiffe aus der Kriegszone zuruckzuberusen brauche Die Blätter sind darüber ermg, das oie Angriffe die geregelte Truppenbeförderung und die Schiffahrt in dem Atlantisä>en Ozean nicht bebinderil werde. „New York Tiu'es" schremt. Die Deutschen hätten keinen sicheren Weg wahwn koanm, die Kr i e 5 *- ft immun g der Am-rik>m;r inznfichen. Man ist sich darüber einig, daß d'e .im-'rik-unicheu Beaorden ibren Aufgaben gewachsen sind. Man weiß, daß U-Boote die smreit von ihrem Stützpunkt overi-ren. nicht oesonders gefährlich werden können und daß ledes U-Boot an der amerikanischen Küste die Sicherheit im Atlant,,ck>en Ozean und im euroväi'chen Lperrgebiet. wo setzt offenbar die Flott°n der Verbündeten die Oberhand gewon- ryen haben, erhöht. Andererseits bringe eme solch»
