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Verlag Langgaffe 21

„Tagdlanh-us".

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Donnerstag» 6. Iuni 1918.

Kbend-klusgabe.

Nr 258. » 66. Jahrgang.

Die Gesamtbeute der dritten Offensive.

Ueber SS 000 Gefangene. 1500 (Offiziere, über 650 Geschütze, weit über 2000 Maschinen­gewehre.

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 6. Juni. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe Kronprinz Rupprccht.

Artillerietätigkeit wechselnder Stärke. Mehrfach brachten ErkundnugSgefechte Gesänge re ein.

Heeresgruppe Deutscher Kronprinz.

An der Schlachtfront ist die Lage unverändert. Örtliche Kampfhandlungen westlich von Pontoise, nörd­lich der A i s n e und am Savieresgrunde brachten uns in den Besitz feindlicher Erdwerke und Gräben. Der Artilleriekampf war mehrfach lebhaft. Chateau- Thier r y lag unter anhaltendem Zerstörungsfeuer der Franzosen.

Die Beute der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz seit 2 7. Mai beträgt nach den bisherigen Feststellungen: Mehr als 55 000 Gefangene, darunter über 1500 Offi­ziere, mehr als 650 Geschütze und weit iiber 2 0 0 0 Maschinengewehre.

In den beiden letzten Tage,» wurden 46 feindliche Flug­zeuge und 4 Fesielballone zum Absturz gebracht. Das Jagdgeschwader Richthofen schoß gestern 15 feindliche Flugzeuge ab.

Hauptmann B ertho ld und Leutnant M enckhoff errangen ihren 31., Leutnant Löwenhardt seinen 27., Leutnant U d e t seinen 26., Leutnant K i r ch st r i n seinen 21. und 22. Luftsieg.

Der Erste Generalquartiermeister: Ludtndorff.

*

Der Vodengewinn der einen Gffensivwoche.

W. T.-B ; . Berlin, 5. Juni. In einer Woche besetzten die Deutschen wähver-d der Schlacht zwischen der Aisne und Marne über 3000 Quadratkilometer feindlichen, teils frucht­barsten Bodens mit zahlreichen Wiesen, Obst- und Wein­gärten. Über 200 Ortschaften, darunter 15 Städte mit mehr als 1000 Einwohnern, fielen in deutsche Hand. In ihnen kst nur ein Teil der Bevölkerung zurückgeblieben, der Rest rund 75 000 Seelen, verließ seine Wohnstätten■ und floh über die Marne. Diese Flüchtlinge fallen der französischen Regierung zur Last, die sie unterbringen und verpflegen muß.

— Berlin, 6. Juni, (zb.) Dis zehn Tage kraftvoller Offensive, so schreibt General v. Liebert in der „Tägl. Rundschau", werden in der Geschichte des deutschen Heeres und der Kriegsgeschichte überhaupt epochemachend bleiben. Wir sind stolz auf den Furor teutonicus unserer Truppen und wir haben im Laufe dieses gewaltigen Krieges wahrlich Großartiges nach dieser Richtung erlebt. Me Leistungen der beiden Armee«, die vonK>er Mllette bis zum Walde von Villers-Cotterets und bis zur Marne den Sturmlauf unter beständigen Kämpfen dnrchgeführt haben, dürfen aber wohl als eine Glanztat erster Ordnung und fast ohnegleichen hin- gsstellt werden.

Die vestffietzung von Thateou-Ekfterry.

W. T.-B. Berlin, 6. Juni. (Drahtbericht.) Chateau. Thiorrh wurde vom Feinde mit besonderer Heftigkeit be­schossen. Infolge des starken Beschießens der Stadt war der Abzug der Zivilbevölkerung unmöglich. Unter der Bevölke­rung traten starke Berlufle ein.

Die eroberten Hanks in der Durchbruchsschlacht an der Kisne.

\V. T.-B. Berlin, 5. Juni. An der gleichen Stelle zwischen dem Winterberg und Berry au Dae, an der in der Frühjahrsschlacht 1917 französische Tankgeschwader angrisfen und zusammengeschossen wurden, sitzten an, 27 Mai auch die deutschen Sturmwagen zum A n g r i f 1 an Die Tanks, die hier in der Morgendämme. ru»g voirasselten, bestanden in englischen Beutetanks, die jetzt mit deutscher Besatzung zeigen konnten, was die Tankwaffe bei geschicktem Einsatz und rücksichtsloser Führung leisten imstande ist. Die jungen Sturmtruppsührer, die so ost au der Somme, vor Arras und bei Cambrai die englischen Tankge­schwader senerspeiend sich herauwälzen sahen, bis Volltreffer der deutschen Artillerie sie vernichteten, konnten jetzt als Tankkomman­danten Schrecken in die Reihen der englischen Infanterie tragen. Mit ihnen y-e>teiserten Malchinengewehrofsiziere, Artilleristen . und Offiziere der Krastfohi truppen in der Führung der Panzersturm­wagen. In dem Augenblick, wo die Infanterie zum Sturm antrat, hatten die Tanks bereits die englischen Gräben erreicht. Stellenweise fuhren die Tanks bis aus 1090 Meter vor der Infanterie her. Ein Bataillon kam unter dem Schutze ihm veraussabrender Tanks eine Strecke von 4 Kilometer bis an den Kugelberg fast ebne einen Monn Verlust vorwärts. Ein Sturm- Wagen fuhr bis Pcntavcrs und machte mehr als 209 Gefangene, die er, aus ihren Gräben herausholend, der nachrückenden Infanterie in die Arme trieb Vergeblich versuchten die englischen Batterien imd Grabenxeschntze, den Sturmniarsch der deutschen Panzerwagen aufzuhalten. Von 20 Tanks wurden nur 2 durch Volltreffer außer Gefech: gesetzt, aber der überlebende Rest der Besatzung griff zu -Karabinern und Handgranaten und kämpfte als Stoßtrupp mit der Infanterie weiter. Die Tanks, die die Engländer auf ihrem Rückzug gegen Amiens zu Dutzenden und H u n - irrten zurückließeru leisteten uns gute Dienste.

Eine Ermutigungs-Kundgebung des obersten Rrieqsrots in London.

W. T.-B. London, 6. Juni. (Drahtbericht. Reuter. Amt­lich.) Der oberste Kriegs rat hat unter Umständen, die für den Bund der freien Völker sehr ernst sind, seine sechste Sitzungsperiode begonnen. Die deutsche Regierung, von allem Druck au der Ostfront durch den Zusammenbruch der russischen Armee und des ruffischen Volkes befreit, hat alle ihre Anstrengungen im Westen konzentriert und sucht jetzt durch eine Reibe verzweifelter und kostspieliger An­griffe auf die verbündeten Armeen eine Entscheidung t m W e st e n zu erzwingen, ehe die Vereinigten Staaten ihre volle Kraft wirksam enffalten können. Den Vorteil, den die feindliche Heeresleitung in ihrer strategischen Lage besitzt, und ihre überlegenen lÄsenbahnverbindungen haben sie in den Stand gesetzt, einige Anfangserfolge zu er­ringen. Sie wird zweifellos den Angriff erneuern und die verbündeten Nationen haben vielleicht noch kritische Tage zu gewärtigen. Unter Berücksichtigung der Gesamtlage hat der oberste Kriegsrat die Überzeugung gewonnen, daß die Verbündeten, die die Prüfungen des gegenwärtigen Feld­zuges mit denkbar größter Tapferkeit" ertragen, di« sie stets in Verteidigung und Angriff bewiesen haben, die Absicht des Feindes vereiteln und ihn feiner Zeit besiegen werden. Alles, was nur möglich ist, geschieht, um die Feldarmee zu unter­stützen. Die Vorbereitungen für die Einheit des Oberbefehls haben die Stellung der vrrbündeten Armeen wesentlich ge­steigert. Die Arbeit vollzieht sich reibungslos und mit Er­folg. Der oberste Kriegsrat setzt alles Vertrauen in Foch; er blickt mit Hochachtung und Bewunderung auf die Tapfer­keit der verbündeten Truppen. Der oberste Krtegsral ve r - traut auf den Endsieg. Die verbündeten Nationen sind entschlossen, keine einzige, der fteien Nationen der Welt dem Berliner Despotismus zu opfern. Ihre Armeen legen denselben hartnäckigen Mut an den Tag, der sie in vielen früheren Fällen in den Stand gesetzt hat, den deutschen Angriff niederzuschlagen. Wir müssen nur mit Geduld und Vertrauen bis zum Ende aushaltcn, um uns den Sieg und die Freiheit zu sichern. Die freien Völker und ihre glänzenden Soldaten werden die Zivilisation retten.

DeutW-englischer Flfezerkampf.

Br. Rotterdam, 6. Juni. (Eig. Drahtbericht, gb.) An der Küste der Insel Terschelling fand gestern wbeind ein Kampf zwischen sieben deutschen und fünf englischen Wasserflugzeugen statt. «Ein deutsches Wasserflut zeug fiel brennend in das Wasser, ein englisches landete in Meland, ein zweites englisches Flugzeug geriet am Strand in Brand. Sechs Offiziere, drei Unteroffiziere und stöben Soldaten wurden interniert.

Oie Präsidentenwahl im Reichstag auf morgen verschoben.

B. A. Berlin, 6. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Sitzungssaal ist stark gefüllt, auch die Tribünen sind dicht be­setzt, um das seltene Schauspiel der Präsidentenwaihl zu er­leben, das einige -Abwechslung in die trockene gesetzgeberische Arbeit bringt, die der Reichstag in der Sammertagung zu er­ledigen hat. Der Zentrum-savgeordnet-e Fehrenbach, dessen Kandidatur schon seit einigen Tagen feststcni.d, erscheint im schwarzen Rock. Vizepräsident Paasche eröffnet die Sitzung. Nach vollzogener Wahl wird eine -Erweiterung der Geschäfts- ordiruiig stattsinden, dahingehend, daß hinfort drei Vize­präsidenten vorhanden stich und im Gegensatz zu» früher, ohne Rangfolge. Wie bei der Wahl der Schrist- fübrer wird die Bizepräsidenteinwahl mit Gleichberechtigung erfolgen. Die konservative Fraktion »hat auf einen Vizepräsidentenposten verzichtet, da sie an dem alten StvUdlpunkt festhÄt, in keinem Präsidium vertreten zu sein, dem ein Sozialdemokrat angehört. Zukünftig werden weben dem Zentrum-sabgeo-rdneten Fehrenbach der Sozialdemo­krat Scheidemann oder Südekum — was jedoch noch nicht genau fesLsteht, da die sogiaLd-emokratische Fraktion sich kurz vor der Sitzung vertraulich beriet —, der Fortschrittler Dove und der Rationalliberal« Paasche das Präsidium bilden, das -damit ein ausgesprochenes Mehrheits- Präsidium sein will.

Tb. W. Berlin, 6. Juni. Ms amt Mtündiger Ver­spätung endlich die Sitzung eröffnet wurde, erfuhr man, daß die lai.-ge Beratung der Sozialdemokraten nicht ganz gründ­lich gewesen war. Vizepräsident Do. Paasche brachte eine große Überraschung vor das HauS, das den kommenden Akt in allen -Einzelheiten geregelt glaubte. Er batz die Präsidenten­wahl auf morgen gu vertagen, da interne Ereignisse eine erneute Sitzung des Seniorenkonvents nötig gemacht hätten. Wie man erfuhr, weigerte sich ein erheblicher Teil der sozialdemokratischen Frattiog, di« geplanten Reptä- sentatlonSge-Ider für den -Präsidenten zu bewillige«, und stellte damit die bürgerlichen Parteien, die unbedingt auch unbemittelten MyevrÄieten die Ka^idatur für das Präsidium ermöglichen tarikar, vor die Frage, ob sie ihr Zu­geständnis auftecht erhalten könne!!. Der «Saal leerte sich sehr schnell, und nur einzelne Abgeordnete blieben zurück, um der Fortsetzung der endlosen Zensurdebatte beizuwoh­nen. Um so lebhafter ging es in der Wandelhalle und in den FraktiouSbWatungsNMlneru zu, wo man die sozialdgmokrati- ,

schen Oppositio-nSleute sehr s»chnell zu der Ansicht der Mehrheit bekehrte. Schon nach kaum inständiger gemeinsamer Be­sprechung konnte eine Einigung in dem vorher angekünbigten Sinne stattfinden, so daß der Mehrheits-Präsident doch zustande kommen wird, wenn auch um einen Tag später.

Die gestrige Besprechung beim Reichskanzler.

— Berlin, 6. Juni, (zb.) Die gestern nachmittag beim Reichskanzler Grafen H e r t l i n g stattgefundene Besprechung der Parteiführer der Reichstagsfraktionen hatte, wie dis „Kreuzztg." erfährt, den Frieden von Bukarest zum! Gegenstand.

Die Nachprüfung des Vreft-Litowsker Friedensvertrags.

B'.A. Berlin, 6. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Wie wie hören, wird die vom russischen Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Tfchitfcherin angeregte Konferenz zur Vervollständigung des Brest-Litowsker Friedens, die nach russischem Wunsch in Brest-Litowsk stattfinden sollte, nunmehr auf Vorschlag des Herrn v. Kühlmann in Berlin zusammentr-eteu. Eine entsprechende Einwilligung ist von Moskau beute in Berlin cmgettoffen, so daß die Reichs - hauptstadt schon in allernächster Zeit Sitz einer Friedens­konferenz sein wird. <

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Die sibirische Republik,.

W. T.-B. Kiew, 6. Juni. lDrahtbericht.) Die Moskauer Zeitungen melden, daß die neue Regierung der cmtonomen sibirischen Republik in § h a r b i n ihre Tätigkeit begonnen hat. In der ersten Sitzung des Kabinetts wurde über Maß­nahmen zur Beseitigung der Sowjetregierung im fernen Osten beraten. Admiral K o l t s ch a k wies darauf hrn, daß die neue Regierung Sibiriens auf die volle Unter­stützung Amerikas rechnen dürfe, da sie auf Anregung Amerikas gebildet worden sei. Strugow, als Minister des In: ern erklärte, daß auch Japan die neue Regierung unterstützen wolle Die neue sibirische Regierung hat be­schlossen. Amerika um Unterstützung zu bitten.

Ein Protest ber russischen Regierung gegen die Fwanasaushebung von Russen in England.

W. T.-B. London, 6. Juni. (Drahtbericht.) Nach Blätter- meldungen aus Moskau richtete Tschitscherin an Lockarth, den diplomaiischen Vertreter Großbritanniens in Petersburg, einen scharfen Protest gegen die neuerlich wieder aufge- nonimene Zwangsaushebung russischer Untertanen für die englische Armee. Die Protestnote betont, daß die britischer Regierung bei dieser widerrechtlichen Maßnahme im Einver­nehmen mit Vertretern der alten russischen Regierung handelt, welche schon lange nicht mehr besteht und heute nur noch die Triebkraft der Gegenrevolution ist. Di« Grundsätze und die politische Lage der russischen Sowjet­republik verlangen absolute Neutralität im Weltkriege.

Erschließung des Privatverkehrs nach dem Osten.

IV. T.-B. Kowno, 6. Juni. (Drahtbericht.) Wie die; „Baltisch-litauischen Meldungen" berichten, sind die Eisen­bahnstrecke« Nvwo - Swenojany - Dünaburg - Wileika - Mole- d-etschen - Podbrodzie - Konstantinow für den öffentlichen. Privat-, Personen-, Gepäck-, Expreßgut-, Güter- und Tier­verkehr ft-eigogeben. Ferner wild ab 6. Juni für den Bezirk der Milttäreisenbahndirektion 11 in Dorpat (Estland-Liv­land) über Riga der öffenlliche Güterverkehr fveigcgeben. Für die Abfertigung gelten die für die besetzten Gebiete des Osten? eingeführten privaten Gütertarife.

Heftige Agitation gegen die Finnländer in Petersburg!

W. T.-B. Stockholm, 6. Juni. (Drahtbericht.) Aus Petersburg geflüchtete Finnländer berichten, daß dort ein« heftige Agitation gegen Finnland getrieben wird, so dich man in finnisches Pogrom befurchtet. Der Senat plant da­her den Austausch finnischer Familien.

Eine Deputation der mandschurischen Rada in Riew.

Br. Wien, 6. Juni. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus Kiew wird gemeldet: Hier ist eine Deputation der mandschurischeu Rada eingetroffen, -die -den Anifchbuß der van Ukrainern be- si-edelden Gebiete im feinen Osten und die T e i k n a h m e an den Friedensverhandlungen mit Groß-Ruß- land fordert. Es handelt sich hier um -eine Angeleyenhelt. die vom großer politischer Bedeutung werden kann. Die Pro­vinz UsurijÄ, das Amurgebiet, das Küstengebiet TranS- baikalien, f»owie das Gebiet der mandschurischen Ba-hn sind zu etwa L0 Prozent von ukrainischen Kolonisten besiedelt. ES ist dies der sögenanr.te „»grüne Teil". Die Zahl der hier ansässi­gen Ukrainer beträgt iy s Millionen. Dos Gebiet enthält große Raturreiästüw-er an Kohl« und Holz. Gleich nach dem AuSbeuch der russischen Revolution erklärte sich da? gesamte Gebiet für unabhängig. ES -organisierte sich die mandschuri­sche -Rad». Ukrainische »Schulen wurden gegründet und an di« Spitze einer Art Milizrat General Chorwat, -ein Ukrainer, der von Anfang an für die Bereinigung mit der Ukraine ein­trat, gestellt. Die Delegation verlangt u. a„ die ukrainische Regierung solle oei den Friedensveöhandlll'ngen von Groß« Rußland die Anerkennung des „grünen Teils" als dfffiS Teils des ukrainischen StaatS-^o-rdcrn.