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Verlag Langgaffe 21

„Tagdl-nhau»".

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Dienstag? 4. Juni 1018.

Berliner Abtellnug des Wiesdadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Ap-ft-lkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lutzaw 6202 und 620 3^

Nr. 233.

Morgen-Ausgabe.

66. Jahrgang.

parlamentarische Entscheidungen.

Leute treten der deutlche Reichst-«! un d dos

«,--ußiscke Abgeordnetenhaus, am 5. ^um preußische Herrenhaus zur Fortsetzung chrer Tagungen zusammen, deren Pensum reich bemessen rst. g £ Tagesordnung der. ersten Rerchstags. sitzung nach den Pfingstfenen stehen kurze An ragen und Schutzgebietsverrechnungen. Bevor die Volk ve ^etung an die Bewältigung der wichtigsten Ausgabe

dieses Tagungsabschnittes die Erledigung des Reich

douSbalts und die Durchberatung des umsang Kriegssteuerbündels, herangeht ist zu-

Et das durch das Ableben Dr. K ae m vfs des Haup- tes beraubte Reichslagspräsidium neu zu Wahlen.

Wenn auch die Stärke de: Parteien nicht immer un- bedinät maßgebend war für die Zusammensetzung des Präsidiums, so verdankte doch das bisherige, aus zwei Fortschrittlern und einem Nationalliberalen bestehende bekanntlich nur einer ganz besonderen Konstellation sein Dasein, da das Zentrum damals demonstrativ aus seine Beteiligung verzichtet hatte. Jetzt, wo die Zen t r u m fraktion mit ihren 90 Mitgliedern infolge der Spaltung der Sozialdemokratie an die erste Stelle aeriicft ist, wird sie dementsprechend Anspruch auf den Posten des Präsidenten erheben, und zwar durfte ste hierfür den Abg. Fahrend ach den .Vertreter des badischen Wahlkreises Kenzingen-Effenbelm-Labr-Wofi fach in Vorschlag bringen. Da die zweltstarkste Fraktion die sozialdemokratische, die drittstärkste dlsFortschritt- liche Volkspartei ist, während die Rationalliberalen an vierter und die Konservativen an fünfter Stelle folgen, würden rein ziffernmäßig em Sozialdemokrat und »m Fortschrittler für den ersten und zweiten Vizepräsident^ in Fraae kommen. Ob die Sozialdemokraten dielen Anspriick überhaupt anmelden werdew stebt noch nickt fest da sie bisher den repräsentativen Pflicht-m

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Stimmung bonir, die beiden Vizepräsidenten Vaasche lnat.-lib.) Und Dove (Forts,tu.) m ihren Ämtern zu be- lassen, während andererseits dre. .onservatrve Partei mit Unterstützung der Deutschen Fraktion An sprüche auf Vertretung im Präsidium anmelden zu wollen scheint. Unter diesen Umstanden fft der schon früher wiederholt erörterte Plan ?ufgetaucht noch den freilich mehr dekorativen Posten emes dritten Vize- Präsidenten zu schaffen.

Die umfassendste und schwierigste Aufgabe deren Lösung dem Reichstage obliegt, ist dm Verabschiedung der S t e u e r v o r l a q e n, die das rechnungsmäßige Defizit für das Etatsfahr 1918/19 im Betrag von 2875 Millionen Mark decken sollen. Da die neuen Steuern aber erst in der zweiten Halste des Etats- jahres in Kraft treten Tonnen und einzelne, wie be>.

spielsweise das Branntweinmonopol, zunächst nur emen

sehr geringen Ertrag abwerfen werden, so wurde aus alle Fälle ein sehr hohes Defizit bleiben. Um dieses zu beseitigen, hat das Zentrum feinen Antrag, betref­fend Erhebung einer, a u ß e r o r de nt l r ch e n Kriegsabgabe von Einkommen von 20.000 M. an, ferner einer erhöhten Abgabe von dem Teil.des E - kommens der das Einkommen vor dem Kriege übersteigt, und endlich einer Abgabe vom. Vermögen. soweit: eS mindestens 20 000 M. betragt, erngebrachtz In den der- traulichen Verhandlungen zwischen dem Ausschuß und den Finanzministern hat ach der Relchsschatzsekretar mit der Besteuerung des Mehcmnkomnw.ns einverstanden erklärt, aber gegen die Abgabe vom «inkommen an sich und vom Vermögen mit der B-arüiidung Einspruch er- hoben daß für den Herbst ohnehin eme Krregsgewrnn- steuer der Einzelpersonen in Aussicht genommen sei und auch eine Verschärfung der Erbschaftssteuer vorbe. reitet werde. Jedenfalls st-llen sich dem aiigebahntev Stenerkomvromiß biSh-w noch erhebliche Schwierig-

keiten entgegen. __ . . .. f .,

Weit größer freilich sind die Sstmuerigkeiten. die sich dem Haupt- und Kernstück der Verhandlungen des Preußischen Abgeordnetenhauses entgegen- stellen, nämlich der W a h l r e ch t s r e f o r m. Dw dritte Lesung der Regierungsoorlage ging bekanntlich aus wie das Hornberger Schießen, datier entscherdeiwe Paragraph 3 totqestimmt wurde, sollte, dre der- fassungsrechtlich erforderliche zweite Abstimmung, für die die Respektsfrist von 21 Tagen anio.^um ab- läuft, wie erwartet wird, cm anderes Ergebnis, nämlich einen positiven Paragraphen^ 3 ergeben, so würde dadurch nach abermals 21 -ragen erne N e u- abstimmung erforderlich werden, bevor ^r Gesetz- entwurs an das Herrenhaus gehen konnte.. Sollw da- gegen die Leerstelle beim Paragrapl^n 3 bleiben, so läge zwar aeschäftsordnunqsmäßrg die Möglichkeit vor, den Wahlrechtstorso alsbald an das Herrenhaus zu bringen, doch wird Lurzeit eifrig an der Herbeiführung eines

Komprokniffes auf Grund der Einführung mner Altersstimme vom 10 Lebens!ihre an oearbelteü Wobei man vor allem auf die St".mnen des ^Zentrums (103), der Nationalliberalen (73) und der.^raikonser­vativen (54) rechnet, während das angeblich zwische den Konservativen (148), Freikonservativen und Nationalliberalen erzielt- Komvroinltz bereits dcmen- tiert worden ist. Da außer den genannten (Fraktionen noch die Fortschrittler mit 10, die Polen Mit 12 die beiden sozialdemokratischen Gruppen mit ie 5 und die Wilden" mit 3 Stimmen in Betracht kommen, ist un­schwer zu erkennen, daß stir das Wahlrechtskompromiß noch etliche „Kombinatiomm und Permutatwnen denk- bar — aber auch müßig und, da zurzeit noch hinter den Kulissen eifrige Verhandlungen gepflogen werden, die bi» jetzt zu keinem positiven Ergebnis geführt haben.

Her voraussichtliche neue Nerchstaasprffsident.

Sr. Berlin, 3. Juni. (Eig. Drahtbericht, zb.s Fast alle Reichstagsfraktionen treten morgen vor der Plenarsitzung des Reichstags zusamwen, um zum Teil uver dre Steuervor- lageu, zum Teil über die Neubesetzung des Reichstagsprast- dinms zu beraten. Vocaussichtli-l, wird der Zentrumsabge­ordnete F ehr enb ach für das Amt des ersten Präsidenten vorgeschlagen und gewäbli werden. Um den berechtigten An­sprüchen der Sozialdemokratie zu genügen, ,oll an Stelle Febrenbabs, der bekannllich bisher den Hauptausschuß ge­leitet hat, ein SezialdenDkrat zum Vorsitzenden dieses Aus schusseS gewählt werden, wofür in erster Linre der Abg Dr. Süd e kn m. der schon bislang stellvertretender Vorsitzender des Hanptansschusses gewesen ist, in Frage kommen würde. Wie verlautet, soll dann an seiner Stelle den Konser­vativen der stellvertretende Vorsitz im Hauptausschuß an- gebiten werden. __

veutsch-russisck e v-rständigung über Zinnlond.

Br. Stockholm, 3. Juni. (Eig. Drahtbcricht. zb.) Tschitscherin stellte dem Grafen Mirbach folgende Note zu: „Die russisch» Regierung vereinigt sich mrt der deutschen Regierung in dem Wunsch eines baldigen vollständigen Übereinkommens mrt der finnischen Regierung und nimmt für dre Ordnung der Beziebungen mit der gegenwärtigen finnischen Regie­rung jene Basis an, die durch den Grafen Mirbach von der deutschen Regierung dem russischen Volkskommrs- sariat fiir auswärtige Angelegenheiten vorgetragen wurde und die seitens Finnlands di; Abtretung der Festung Ino und de? Grenzortes Raivola an die russische Republik enthält. Die russische Republik ver- zichtet dafür auf di? Bekestiaung dieser Ort'chaften und tritt an Finnland den ivestlichen Murnianteil mit dem Zutritt zum Meere ab."

Französische Kundgebung gegen die monarchistischen Bestrebungen.

W. T.-B. Stockholm, 3. Juni. Die französische Ge sandtschaft in Stockholm verbreitet in der Presse fol gemde Erklärung: Aus Anlaß von Erklär,,ugen. die kürzlich von gewissen Mitgliedern ldes finnischen Senats gemacht wnr- den und im Hinblick darauf. >daß baß monarchische Prinzip im Landtag in Helsrngsors nicht die Mehrheit zu gewinnen scheint, )>ie die Verfassung vevlangt, wurde der französische Gesandte bevollmächtigt, dem finnischen Geschäftsträger :n Stockholm zu erklären, daß die Regierung der französischen Republik keine Ragierungsfvrm anerkennen null, die in die­sem Lande ungesetzlich eingeführt wird. Die ftanzosrsche Re aierunq ist der Ansicht, daß mit dieser Erklärung iene Pfliwt gigeu das finnißbe Volk erfüllt wird, die Frankreich auf sich nahm, als es zuerst unter den Großmächten Finnland« Sellsständigkeit anerkannte.

D?e Oisefront kommt in Bewegung.

Strahlenförmig verbreiten sich die Wirkungen beS do» den deutschen Truppen erkämpften Durchbruchs nach alle» Richtungen hin und ziehen immer weitere Krmse des um- liegenden Gebietes in ibren Bereich. Gerade darin liegt ver Beweis für die große Tragweite des deutschen Er­folges und das Zeichen, daß der Angriff an einer enffcheiden- den Stelle erfolgt ist, die sich in den Rahmen der allge­meinen Kriezshrndlung einfugt. Das charakteristilche Moment in der Entwicklung der beiden letzten Tage liegt in der Ausdehnung oes rechten Flügels der deutschen -muppeu m nördlicher Richtung bis an die Oise, wodurch auch dies, ganze Front in Bewegung geraten ist und sich dem aüge- meinen Angriff angeschlossen hat. Damit sind auf dem deu - scheu Westflügel ganz neue Verbältnisse emgetreten.

Der deutsche Angriff am 27. Mai hatte mit dem. weit Flügel westlich der Straße L a o n - S o i s s o n s bei Amzv am Aisne-Oise-Kanal gestanden, «eine Hauptkraste waren cnif Oer tragen Soifsons Oorgegirngen. um 0^5^

einen Flankenstotz von Westen zu sickern, waren Deckungs- truppen in dieser Richtung vorgegangen, die am 27. », abends die Gegend von Vauraillon und Nreuville, am 2». iie Gegend von Terny, am 29. die Linie Crecy-Juvignh. Cuffie? erreicht hatten. Damit standen sie nt beineiben Höhe wie Soiffons. Am 30. trat ein .entscheidender Fortschritt auf diesem Flügel ein, indem sich nicht nur

diese Deckungsiruppen mit der ausgesprochenen Richtung nach Wessen fortsehtxn, sondern auch der Nachbarabschuitt bis zur Oise die Offensive ergriff. Am nächsten Tage schon hatte sich die ganze Offensivkront nach Noyon in Bewegung ge- . setzt und ist nach Süden vorgessoßen. Es ist dies eme Aus- dchrung. von Rohon bis zur Aillette lwestlich Ebaunv) ge­messen/von l5 Kilometer. Bei Novon bildet dl« Oise emen reckten Winkel, wäbrend sie bis dahin von Osten nach Westen fließt, nimmt sie dort eine südwestliche Richtung an. me von Novon über Eompiägne bis Berberie fuhrt. Bei dem Vorstoß über die Oise kann sich daher der deutsche rechte Flügel an die Oile an lehnen und wird dadurch gegen feindliche Flanken- . angriffe von Westen her geschützt. Die Entfernung von Noyon-Compiegne beträgt 22 Kicometer. So nt B t egn e siegt südlich der Einmündung der Aisue rn die One auf der- selben Höhe wie SoissonS. 38 Kilometer von dieser l-bt in deutschen Händen befindlichen Stadt enffernt. Es hat.sich also gegen die zwischen O i s e u n d A i s n e stehenden feind- lichen Truppen ein neue: konzentrischer entwickelt, der gleichzeitig von Norden nach Süden unt> .von Osten nach Wessen geführt wird. Hierbei kannte die Lime Cvts-Blerar.court-Nonvrou-Fontenoy erreicht werden. Süd­lich der AiSne erfolgte ein starker französischer Gegenangriff, der sich gegen die Westflanke der Armee B.)«hn richtete -kr ist. obwohl er mir mehreren frisch heeangeftihrten Division«, ausg-führt wurde, gänzlich abgeschlagen worden. A,en besten Beweis für sein Scheitern bildet die Taffache, daß er d«, deutschen Truppen lwie der letzte Tagesbericht erkennen läßt) trotzdem möglich war, Gelände zu getmnn-en und dir

nächsten Höbenstellungen za erobern.

-in der Dfftte der Front wurde dre Offensive m der fprünglicken Stoßrichtung nach Süden über die Marn e vor- läuftg nicht weitergefirhrt. Der Ostflugel steht rm Kampf um Reims, wohin die Gegner b-.trächffiche Verstärkungen heranqezoqen haben. Di- Armee Below, die sich bereit» /rüber von Norden her bis an die Vorstädte der Festung heran- aeschoben hatte, hat sich setzt auch mit anderen Verbanden von Westen her herangearbeitet, so daß die deutschen Tropfen dre Stadt in einem von Norden nach Westen rej ch e n - ben Bogen umspannen. Durch das exzentrische Bor­aehe,i der beiden Flüael und durch das Übergreifen des Kampfe? aus neue Abschnitte im Norden bat sich di« Angriffs- front b"devtevd erweitert. Der nrsprüngliche Durchbruch war am 27 Mai auf einer Front von 80 Kilometer angesetzt. Die ietziae Front breite von Reims b,S Novo» be'aäat daaeaen etwa 130 Kilometer, wobei nur die allgem«ne grcße Linie in Anschlag gebracht ist. Die größte Tiefe t*S trcbetien Geländes ist auf etroa 82 Kilometer gesffegen.

Formelle Knerffennung der k»etmans-«eqierunq kn der Ustrakne.

W T -P. Kiew. 3. Juni. lDrobtkeaicht.i Der deutsche Botschafter Frhr. v. Mumm und der österreichisch-ungarische Botschafter Graf Forgach überreichten heute dem Hetman Skcrepodski im Auftrag ihrer Regierungen ein Schreiben, durch das sie die derzeitig- iikrainische Regierung anerkennen vnd in amtlichen Verkebr mit ihr treten zu wollen erklären. Der Hetman S k o r o p a d I k i dankte m deutscher i&re*e Er schloß daran die Versickerung, daß es nach wie vor sein Bestreben sein werde, die von ihm übernommene Regieriung in engster Anlehnung an die Mittel­mächte zu führen. __

Der o?terre3cf5f < tf'*nngortf<f)e Tagesbericht.

W T -B Wien, 3. Juni. lDrahtbericht.i Amtlich ver­lautet vom 3. Juni, mittags: Bei F o s s a l t a an der unteren Piave vereitelten wir zwei italienische über- nangsversuche durch Geschütz- und Minenwerferseuer. An vielen Stellen der Südwestfront wurden feindliche Er- kundunqsabteilungen zurückgewiesen und eine derselben bei Be^z-cca abzefaugen. Die Artillerictatigkeit war überall sehr lebhaft. Der Chef des Generalstabes.

Neue Fortschritte südwestlich Lo'ssons.

W.T-B. Berlin, 3. Juni, abends. (Amtlich. Dratitbericht) Südwestlich von S-iss-ns neue Fortschritte. Französische Gesenanzriffr beiderseits der O«rcq.

Lin wichtiges Bekenntnis Lord Leeils.

„Die Lage ist eine besorgniserregende!"

W.T.-B. London, 3. Juni. (Drahtbericht. Reuter.) ^er Parlamentsimtersekretär für auswärffge Angelegen­feiten Lord Robert C e r i l führte in einer Rede, die er gestern in ^iclt, cnt§t „SSsnn Oa§ Sliiötnätticje ?l«ni imietet

unfähig gewesen wäre oder in Händen von übereilt und unbedacktsam handelnden Leuten, so würden wie rmch meiner Meinung nicht die Verbündeten haben, die letzt in diesem Kamps auf unserer Seite Men." Auf d,e mili- tärische'Lag« in Frankreich eingehend, sagte Lord Cecil: „Niemand kann die Telegramme lesen, cchne zu sehen, daß die Lage eine besorgniserregende ist. 'st ganz sicher ie größer die Gefahr, um so großer wird die Ent,chlosienheit SfcTsU» fei», »it -»-» »*ln «•

besteht kein Zweifel über unseren schlletzluhen Sieg. Aber

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