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Jllultrierte

Binder «Zeitung

des

Wiesbadener Tagbiatts.

«r. 6.

20. Jahrgang.

1918 .

Vi

(Alle Rechte für sämtliche Artikel und Illustrationen Vorbehalten.)

KrvKodiljagd ans Neu-Mecklenburg.

von Ludolf Kummer.

a inige Eingeborene und ick; saßen in dunkler Tropennacht unweit des nahe vorbeifließenden Flusses am heruntergebrannten Feuer und unter­hielten uns nach des Tages Last und Mühen. Da schallt plötzlich durch die Stille der lauwarmen, fin­steren Nacht ein gellender Hilfeschrei, ein starkes Zusammen- schlagen der Wasser des nahen Dannim Fijfoa, und nichts war mehr zu Höven als das Zirpen der Grillen, das Geschrei der fliegenden bsunde. wir alle wußten, was geschehen uxtr. Aufspringen, verdorrte Palmenzweige her­beiholen und das Feuer wieder anfachen, war eins. Wer int Dorfe noch nicht schlief, kam mit Feuerbränden herbei, um das nahe Flußufer abzu suchen. Auch ich schloß Mich wohlbewaffnet, wie ich war, den Leuten an. Unterwegs wurde mir Aufklärung. Lin altes Krokodil hatte einen jungen Mann des Dorfes beim Wasserschöpfen in die Tiefe gezogen. Das von diesem Schwarzen benutzte, glim­mende bsolz, mit dem er sich den Weg suchte, lag noch am Ufer. Verwünschungen mrd Drohungen wurden laut. Altere Leute baten mich, mit ihnen zusammen Jagd auf die den Fluß bevölkernden, gefräßigen Echsen zu machen. Bereitwilligst sagte ich zu,, waren doch auch mir schon Schweine von meiner Zucht durch diese gewaltigen Tiere geraubt worden. Am anderen Morgen trat ich wohl- versehe.n mit Gewehren und Munition, in Begleitung von zwei Schwarzen im Kanu meine Entdeckungsfahrt auf dem Flusse an. Leise und langsam, ja lautlos trieb mein Steuerer Luwcio den Einbaum vorwärts, während die Augen und Ghren des vorderen Mannes, meines braven Magalack, nach beiden Ufern spähten und horchten. Doch nichts war zu sehen oder ju hören. Wir passieren verschiedene, quer über den Fluß gelegte lange Baumstämme, die von den Eingeborenen als Brücken benutzt werden; da verriet mir das plötzlich schmutzig werdende Wasser am rechten Ufer die unmittelbare Nähe des Krokodils. Jetzt wurde lautlos gerudert. Das Tier war offenbar an Land ge­gangen, um sich an einem freien Platze zu sonnen. Bei dieser Siesta wird zugleich ein kleines Frühstück ein­genommen. Das Tier hängt seine lange gelbe, mit Schleim versehene Zunge seitlich aus dem mit spitzen, scharfen, runden Zähnen besetzten Nachen heraus, und was sich daraus fängt, wird verschluckt. Zch warf nun eigens zu diesem Zwecke mitgenommene Stücke bsolz in das sich am llfer befindliche hohe Riedgras, doch nichts war von dem Tiere zu sehen oder zu hören. Nach längerem Warten fuhren wir weiter und kamen nach einiger Zeit zur Ein­mündung des Laruflas, eines linken Nebenflusses des Dannim-Flusses. ksier bekam ich eine Lagerstätte dieser Tiere zu sehen. Sie lag in einer Felsenhöhlung dicht am Ufer. Nun ging es zur (Quelle des Flusses, einem

großen, runden Becks» von etwa (0 Meter Durchmesser. Die (Quellen sind unterirdisch und von schönen, großen, roten, Fischen bevölkert. Bald hatten wir einige dieser Fische an der Angel. Einige Buscheingeborene brachten auf meine Litte gegen Bezahlung gekochte Taro, Bananen und junge Kokosnüsse zum Essen und Trinken. Nach dieser Stärkung ging es wieder heimwärts. Zn der Nähe der Lagerstätte angekommen, gewahrte uns ein Tier. Mit donnerähnlichem Getöse stürzte sich der alte prächtige Geselle in die Fluten und verschwand unter den die Ufer bewachsenden Sumpf­pflanzen, nichts zurücklassend als die aufgewühlten Wasser­wogen. Wir fuhren nun an das Ufer, und ich besah mir seine Liegestelle. Niedergetretenes und liegendes Gras bezeugten uns, daß es ein älteres Tier von ziemlicher Länge und Umfang sein mußte. Sehnlichst wünschte ich,

! eine dieser Echsen, von denen uns schon so viel Schaden zugefügt worden war, baldigst unschädlich zu machen. Wir fuhren nun heimwärts. Der heutige Tag war ergebnis­los verlaufen, und so nahm ich mir den Sonntag als zweiten Zagdtag in Aussicht. Am späten Nachmittag wurde wieder ein Tier, sich sonnend, auf der anderen Uferseite gesehen.

Am Sonntag, den \ 2 . April lsiOs, fuhr ich mitMaudau und Abakes, zwei Eingeborenen, wiederum den Fluß hinauf. Auf dem Wege zur (!)uelle tauckste eine Echfo in die Fluten, ohne daß ich mich ihr nahen konnte. Kurz entschlossen, fuhr ich weiter, Trufte von den Buschleuten, denen ich gesagt hatte, daß ich heute zu ihnen käme, pflanzkokosnüfse. Nach einer Stunde Aufenthalt ging es wieder lautlos stromabwärts. Kurz hinter der Mündung des Laruflas in den Dannim Fifsoa bekamen wir ein altes, schönes Tier zu Gesicht, das sich bei unserem Anblick schnell in die Fluten warf und sich dann unter den wur­zeln eines alten Baumes versteckte. Da eine Gewehr­kugel im Wasser keine Gewalt hat ich hatte nur die alte Zagdbüchfe Modell 7s, so war ich auf die bsilfe meiner am Ufer aufgestellten Arbeiter angewiesen, wenn ich das Tier haben wollte. Ich feuerte einige Schüsse ab, um meine Leute herbeizurufen. Meine Absicht war, das Krokodil mit einer Schlinge aus dem Wasser zu holen und dann zu töten, wir fuhren nun an Land. Meine Leute waren inzwischen herbeigeeilt. Einige be­obachteten die Echse, die in dem nunmehr klaren Wasser sehr gut zu sehen war. von einem in der Nähe befind­lichen Bambusgebüsch wurden lange Bambusstangen ge­schlagen; andere Leute mußten eine lange, daumenstarke Luftwruzel,Adfahr" genannt, herbeiholen. Diese Luft­wurzel, die unten in eine große Schlinge auslief, wurde an der Bambusstange befestigt, und der andere Teil über einen starken Ast des Baumes geworfen, unter dessen