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Verlag Langgaffe 21

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Samstag, 23. Mai 1918.

Berliuer Abteilung drS Wiesbadener Tagblatts: Berlin ff. 57, An der Apostrlkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 nnd 6203.

* Nr. 239.

Morgen-Ausgabe.

66. Jahrgang.

Zapanr Vertragmit" China.

Der Vertrag, den Japan am 16. Mai mit China ab­geschlossen hat und über den man jetzt, wenn auch noch sehr spärlich, Näheres erfährt, ist in Wahrheit ein Ver­trag nicht mit China, sondern gegen China. Freilich auch noch gegen andere, aber nicht nur, wie es die Presse der Entente darzustellen sucht, gegen Deutsch­land, sondern auch gegen die Alliierten. Die für das Abkommen von japanischer Seite gegebene Be­gründung, nämlichdie Begegnung der Gefahr einer deutschen Durchdringung des Ostens", ist uns vertraut. Wir kennen das Schema von der Festsetzung Japans in Wladiwostok her, wo verkündet wurde, daß die Deut­schennur noch eine Monatsreise Bahn­fahrt von dem japanischen Interessengebiet entfernt" seien. Es kann also nicht wundernehmen, daß die schlauen Japs dasdeutsche Gespenst" auch jetzt wieder an die Wand malen, um dabei ihre unlauteren Geschäfte zu machen.

Welcher Art diese sein sollen, gebt aus einer engli­schen Meldung hervor, wonach die Japaner beabsichti­gen, die in China lebenden Deutschen nach Australien zu transportieren. Ob der Deporta­tionsort zutrifft, erscheint uns als zweifelhaft, aber daß es auf die Vertreibung der Deutschen aus China und auf den Raub ihrer dortigen blühen­den Unternehmungen abgesehen ist, das wird man kaum bezweifeln können. Die Japaner selbst haben hierfür ein treffendes Wort, es lautet-Kadstbadolobo" und läßt sich deutsch etwa initBrandstattdiebstahl" wiedergeben, d. h. Diebstahl von Leuten, die bei einem Brande unter dem Vorwände, retten zu wollen, die ge­retteten Sachen stehlen.

Der japanisch-chin'ü'chc Vertrag enthüllt die Schwächen jener Politik, die noch immer meint, Japan als F a k t o r in unsere Rechnung einstellen zu können, er erweist auch aufs neue, wie töricht der Versuch war, auf dem Wege über Mexiko eine Ver­ständigung mit Japan zu suchen. Aber auch unsere Gegner werden keine Frrude an der japanischen Durch- drinoung Chinas haben, denn der jetzige Vertrag stellt die Fortsetzung des Weges dar, den Japan mit der Er­zwingung des Ultimatunis vom 9. Mai 1915 einschlug, unter dessen 21 Forderungen die Bewilligung beson­derer Vorrechte in der Siidmandichurei und in' der Mongolei sowie die Übertragung der deutschen Rechte in Schantung die Hauptrolle spielten.

Seitdem der javanische Sonderbotschafter Jisch in Washington die M on ro e-Do ktri n für Ost- a s i e n verkündete, hat Japan kein Hehl aus seinen Zielen gemacht, und wenn es setzt sogar militäri­sche Operationen ; iir notwendig erklärt und die chine­sische Ostbahnzeitweilig" besetzt, io geht daraus klar hervor, daß es viel weiter reichende Ziele verfolgt als nur die Ausplünderung der Deutschen. Japan übernimmt die Rolle des Polizisten in O st a s i e n und, indem es seine Hände in fremde Taschen versenkt, ruft es den anderen zu: Hände weg! Vor allem den Ame­rikanern und Engländern. Diese werden auch schwer­lich durch den Passus des Abkommens getröstet werden, der besagt, daßchineü'che Truppen außerhalb des nationalen Gebietes verwendet werden können". Denn daß die chinestichen Kulis heute noch das Schicksal des Weltkriegs wenden könnten, dürften sich nicht einmal die leichtaläubioen Franzosen einreden. Lehnen doch die Japaner selbst jede Hilfsleistung für die Alliierten ab. da sie es vorteilhafter finden, sich in Ostasien zu be- reichern.

Japans Vsrgeben trifft außer England ganz hesop- , ders hart die Nordamerika Nische Union. Japans Krieqsrustunaei'. die es eifrig betreibt, leiden unter dem Mangel an Ei' en, und dieses sucht es sich im Van atse-Tal zu stchern. Das ist nicht einer der letzten Gründe ftft die Ausdehnunaspolitik in China. Wenn aus Washington versichert wird, daß das Staats­departement im gegenwärtigen Augenblick nicht geneigt sei.nach den Motiven zrr fragen, die die beiden Ost- mächte (Japan und China) veranlaßt haben, ihre An­strengungen zur Zlbwehr jeder möglichen Gefahr zu vereinigen", so ist das begreiflich, denn die in das^euro- Päilche Abenteuer verwickelte Union hat ihre Hände nicht frei. Wenn der Schwätzer Wilson erst dieser Tage die Forderung, 5 Millionen Soldaten nach Europa zu schicken, durch die Versicherung übertrumpft bat. daß ' die kriegerischen Vorsätze der Vereinigten Staaten über­haupt an keine Grenzen gebunden seien, so wird ibn der Abschluß desLöwenvertrages" zwischen Javan und China sehr unsanft daran gemahnen, w o diese Grenze gezogen ist. nämlich ft Ost asten, wo der japanische Bundesgenosse mit verblüffend skrupelloser Geschäfts­tüchtigkeit den Wellkrieg dazu benutzt, nicht nur den Gegner, sondern auch den Freund zu bestehlen. Kadstbadolobo l

Das chinesisch-japanisch« Abkommen.

W.T.-B. Rotterdam, 21. Mai. Dem ..Nieuwe Rotterd. Courant" zufolge berichtet ein Exchange-Telegramm aus Washington vom 20. Mai: Der Gesandte der Vereinigten Staaten in Peking berichtet, daß es ihm nicht möglich war, den Text des chinesisch-jap mischen Abkommens zu bekommen, doch teilt er mit, daß dasselbe nur im Falle einer Inter­vention in Sibirien oder falls energische militärische Maß­nahmen in der Mandschurei notwendig seien, in Kraft treten werde. Er weist darauf hin. daß Japan nicht beabsichtige, in Sibirien einzirganfen, aber sich zum Handeln vorbereite, um bereit zu sein, wenn die Alliierten ihre Zustimmung geben.

London, 23. Mai. (zb.) Wie'Reuter erfährt, hat die britische Regierung jetzt von den Hauptpunken des Vertrags zwischen China und Japan über das Zusammen­wirken im fernen Osten Kenntnis erhalten. Es tft _ klar, meint Reuter, daß das Abkommen rein militärischer N a r n c ist, mit dem Ziele eines wirksamen Zusammen­wirkens der militärischen Kräfte der Alliierten, falls es not­wendig werden Nürde, die deutsche Bedrohung im fernen Osten zu bekämpfen.

Mutige Niederlagen der Italiener.

W.T.-B. Wien, 21. Mai. lDrahtbericht.) Amtlich ver­kantet vom 24. Mai. mittags: Gestern griffen die Italiener unsere Stellungen auf der Z u g n a T o r t a und im Etsch- t a l e nach starkem, weitreichendem Geschützseuer zu wieder­holten Malen an. Die beiden ersten Angriffe brachen schon in dem trefflich wirkenden Feuer unserer Batterien blutig zusammen. Die Angreifer fluch teten in ihre Gräben zurück. Bei dem dritten Ansturm kamen die Italiener bis knapp an unsere Stellungen. Kaiserschühen vom dritten Regiment sprangen aus ihren Deckungen und warfen sich dem Feinde mit gewohnter Tapferkeit entgegen. Der Nah­kampf endete mit einem vollen Siege der Unsrigcn; der Angreifer wurde überall zurückgeworfen, ein letztes Jtalienernest noch in der Nacht gesänbert.

Zu gleichem Ergebnis führten drei Borstöße, die der Feind gegen unsere Stellung auf dem Monte Asolone versuchte. Auch hier wurde er jedesmal abgeschlagen. Sy hat für die Italiener auch das vierte Jahr ihstes Raubkrieges mit schweren Mißerfolgen be­gonnen. Der Chef des Generalstabes.

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Br. Bern, 24. Mai. (Erg. Drahtbericht, zb.) DerBund" meldet: Nach italienischen Berichten ist der Kampf vom Adamello-Gebiet dis zum Monte Dello heftig ent­brannt. Österreichische Vorstöße werden von italienischer Seite durch Tewlongriffe erwidert. Starke Zusammenstöße fanden am.Monte Passudio statt.

Dervorwärts" über die Entwickelung in der Ukraine.

Berlin, 23. Mai. (zb.) DerVorwärts" veröffentlicht heute eine Darstellung über die jüngste Entwicklung in der Ukraine, die, wie er sagt, auf genauer Kenntnis aller ein­schlägigen Verhältnisse beruhe. Die Darlegung läuft darauf hinaus, daß nicht der geringste Zweifel darüber bestehen könne, daß die jetzt in der Ukraine mit deutscher Hilfe zur Herrschaft gelangten Elemente in dem Augenblick mit fliegen­den Fahnen zu Großrutzland übergehen würden, in dem die bolschewistische Regierung in Moskau von einer bürgerlichen abgelöst werden wird. Um dies zu belegen, verweist die Dar­legung darauf, d. dem Kabinett des Hetman vorläufig Kadetten, Oktobristen nnd russische Monarchisten angehören. Die Kadetten, die von diesen drei Gruppen am meisten nach links orientiert sind, seien zu jeder Zeit ausgesprochene Gegner der ukrainischen Selbständigkeit gewesen und sie hätten noch auf ihrem letzten Kongreß am 12. Mai in Kiew erklärt, daß sie nur aus taktischen Gründen keinen Beschluß für die Ber­einigung aller russischen Länder fassen wollten. Derselbe Kongreß habe sich für die russisch? Sprache als Staatssprache für die Ukraine ausgesprochen. Einer der wichtigsten Organi­satoren der ukrainischen Großgrundbesitzer, der eine große Rolle auf dem sogenannten Banernkongreß spielte,' Herr L. Reichert, habe offen ausgesprochen, daß in den politischen Beratungen, die die Bildung des neuen Ministeriums be­trafen, die Orientierung nach Rußland deutlich zutage ge­treten sei. Tatsächlich habe die neue Regierung einen scharfen Kampf gegen das Ukrainertnm eröffnet und viele ukrainische Zeitungen verboten, darunter die vier größten in Kiew er­scheinenden. Die ukrainische Sprache werde in den Ämtern mir als eine Nebensprache gebraucht, während die russische Sprache die Hauptrolle spiele. Der ukrainische Bauern- konareß, der sich gegen die Einmischung fremder Mächte in der Ukraine nnd gegen die Hetmangewalt anssprach, sei ver­boten worden, dagegen babe die neue Regierung einen russi­schen monarchistischen Kongreß in Odessa, der die Wieder­herstellung des alten zaristisch«!: Rußland erstreben wolle, stillschweigend erlaubt.

Der erste deutsche warentransport in Kiew.

Br. Wien, 24. Mai. (Eia. Dcahtbericht. zb.) In Kiew ist, wie von dort gemeldet wird, der erste Bahntransport aus Deutschland an gekommen. Zur Förderung der Ausfuhr landwirtschaftlicher Produkte ans der Ukraine wurde in Kiew ein deutsch-ös«rr«chisch°unga risches Export­bureau gebildet.

Vas Ende der russischen Schwarzmeerflotte

Reiche Beute in Sewastopol.

Br. Sewastopol, 24. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nur zwei großen Kampfschiffen, von einigen Torpedobooten be­gleitet, ist es noch gelimgen, am 30. April aus der Bucht von Sewastopol zu entkommen, bevor unsere Truppen die Stadt und die Hafenbutterieu besetzten. Sic wurden noch beim Abzug von unserer Artillerie gefaßt und beschädigt. Wie es heißt, sind sie nach Nowo-Rossik abgedampft, wohin auch die von Jalta kurz vor unserer Besetzung mit 1500 Mann abge­fahrenen Torpedoboote und zwei mit Beute beladene Pack­schiffe geflohen sind. Die übrige Schwarzmeerflotte ist, wie bereits gemeldet, in unserer Hand. Die Matrosen wurden entwaffnet.'

In den Abendstunden des 2 Mai traf dieG o e b e n", von derHamidje" begleitet, in Sewastopol ein. Jubelnd be­grüßten sie, die unter den Klängen der deutschen National­hymne einfuhr, unsere Truppen. Ihre Beschädigungen sind völlig ausgebessect. Eine noch nicht übersehbare Beute ist in unsere Hand gefallen. Die Werften sind un­beschädigt und voller Vorräte jeglicher Art, so daß die Zer­störungen, tic an einzelnen Schiffen angerichtet wurden, leicht aus-nbessern sind. Auch die zahlreichen Transporr- schifsc bergen große Vorräte.

vie Murmanküste durch deutsche U-Voote blockiert.

Br. Berlin, 24. Mai. (Erg. DrwhtLericht. zb.) Der L.-A." meldet von der Schweizer Grenze: Laut Basler Blättern melden die französischen Zeitungen, daß die Mnr- manküste von deutschen U-Booten förmlich blockiert werde. Eine gro ße MengeDampfer sind in den letzten Wochen torpediert worden.

Der bulgarische Gesandte in Moskau.

W. T R. Sofia, 2 ". Mai. Der bevollmächtigte Minister und anßerordentlicht Gtsundtü Tschapraschikow ist zum Gesandten B.'ilqarimZ in Moskau ernannt worden. Tschavraichikow war bei K eieg Zausbruch Ge­sandter Bulgariens am ftrstischen Hofe.

Oer Kbendbericht vom 24. Mat.

W.T.-B. Berlin, 24.Mai, abends (Amtlich Dr-crhtbericht.) B»a den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Vas Märchen von der deutschen Verschwörung in Irland.

W.T.-B. Amsterdam, 2.'. Mai. Einem hiesigen Blatte zufolge schreibt die ..Times", daß die Regierung die Set« offentlichung der Beweisstücke über diedeutsche Verschwörung" wahrscheinlich aufgeschoben habe, weil sie seit der Verhaftung der Sinnfeiner neue Tatsachen ent­deckte. In Dublin sei nunmebr gestern ein Mitglied des Vollzugsausschusses der Sinnfeiner, eine Frau Clark, ver­haftet worden, deren Mann und Bender nach dem Aufstand in Dublin 1916 hingerichtet sind.

Die Meinung in Irland.

W.T.-B. Bern, 24. Mai. (Dr-ahtbericht.) Der Dubliner Berichterstatter desManchester Guardian" meldet unter dem 19. Mai: Die öffentliche Meinung betrachtet die amtliche Behauvtung, daß die Regierung Beweise für ein deutsch- irisches Komplott besitze, mit größter Skepsis. Wenn die Regierung derartige Beweise hätte, würde sie die Verhafteten wegen Landesverrats unter Anklage stellen. Diese Anklage sei indes nicht erhoben worden. Wenn über­zeugende Beweise nicht vorgelegt werden würden, werde die Folge lediglich eine bedeutende Stärkung der Sinnfeiner «ruf Kosten der Nationalisten sein. Die von French angekündigte neue Rckrntierungskam- pagne wird einfach verlacht. Schon normalerweise würde es Engelsznngen bedurft haben, um ihr zum Erfolg zu verhelfen; nach den letzten Ereignissen sei sie gänzlich bosfnnngslcs. Allgemein wundere man sich über die außer­ordentlich unaesclnckte, einen Kompromiß zwischen der neueren Militärge nalt nnd der Zivilgewalt verratende Art, in der in der Proklamation Frenchs praktische Maßnahmen gegen das angebliche deutsche Komplott neben dem Verzicht aus die irische Wehrpflicht und den Aufruf zu einer neuen Rekru­tierung gestellt werden.

Große Arbeitentnruhe» in Bristol.

Berlin» 24. Mai. izb). Znr Wiederherstellung der öffent­lichen Ordnung in Bristol mußte Militär aufgeboten werden. Dabei kam es zu heftigen Stratzenkämpfen, denen 14 Arbeiter, darunter der Vorsitzende des Transportarbeiter- Verbandes, zum Opfer sielen. Größere Unruhen fanden auch in Swansea und Cardiff statt.

Das Vorgehen gegen das deutsche Eigentum in der Union.

Amsterdam, 24. Mai. (zb.)Times" meldet aus New Aork: Der Verwalter fremden Eigentums in den Vereinigten Staaten, Mitchell Palmer, sagte in einer Rede in Detroit (Michigan), daß vielleicht bis zu zwei Milliarden deutschen Eigentums in Amerika beschlagnahmt werden würde. Dieses s« in Amerika im Interesse eines Durch-