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Freitag 24. Mai 1918.

Kbend-Kusgabe. av .228. . 66. Jahrgang.

Der Tagesbericht vom 24. ITTaL

W. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. Mai. (Amtlich.)

SLenlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert. Im Kemmelgebiet, beiderseits der Lys und an der S c a r p e, südlich von der Somme, zwischen Moreuil und Montdidier, lebte die Artillerietätigkeit am Abend aus und war auch während der Nacht lebhaft. Die Jnfanterietätig» k e i t blieb auf Erkundungskämpfe beschränkt. Eigene Unter­nehmungen südwestlich von B u c q u o y und an der Oise brachten Gefangene ein.

Der Erste Generalonartiermeister: Ludendorfs.

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Unser neuer Fliegerangriff auf Paris.

Die amtliche französische Meldung.

W. T.-B. Paris, 23. Mai. (Amtlich.) Gestern abend über­flogen feindliche Flugzeuge unsere Linien und wandten sich gegen Paris. Sie wurden durch unsere Wachtposten ge­meldet und durch heftiges Actilleriesperrfeuer empfangen. Kein einziges Flugzeug überflog Paris. Ein Flugzeug warf einige Bomben auf einen Punkt in der Umgegend von Paris ab. ES werden weder Sachschaden noch Menschenopfer ge­meldet. Um 1,24 Uhr wurde zum zweiten Male alar­miert. Mehrere Geschwader Flugzeuge nahmen nacheinander dre Richtung auf Paris. Unsere Wachtposten eröffneten ein sehr heftiges Artilleriesperrfeuer gegen sie. Unsere Flugzeuge stiegen auf. Eine Anzahl Bomben wurde auf das Häusermeer von Paris abgeworfen. Der Alarm endete um 3,30 Uhr.

Trotze feindliche Munitionslager in di« Luft gesprengt.

W.T.-B. Berlin, 23. Mai. Die rücksichtslose Be- schießung von Laon durch die Franzosen traf am 22. Mai die unschuldige Zivilbevölkerung erneut schwer. Mehrere Einwohner wurden getötet oder verwundet. Auch feindlichem Bombenabwurf auf Laon fielen mehrere Einwohner zum Opfe".

Hazebrouck, Morbecque, Isbergues, Lillers und Schacht 6 von Roeux ' nnd das Stahlwerk Greenay wurden erneut mit schwerem Feuer be­legt. Im Maschinenraum von Greenay verursachten unsere Treffer zahlreiche starke Explosionen. '

In der Nacht zum 22. Mai wurde durch Bomben- abwurf das große feindliche Munitions­lager, 8 Kilometer nordwestlich von A b b e v i I l e, unter ungeheuren Explosionen in die Luft ge­sprengt. In Le Bürget wurden zehn lange Schup­pen in Brand gesetzt. Weit hörbare Explosionen dauer­ten lange Zeit an.

Lillers bei vethune geröumt.

Genf, 22. Mai. Die unweit Bethune gelegene Stadt Lillers wurde gleichfalls geräukrrt, weil sie dem deutschen Bombardement ansgesetzt ist. Anfangs Mai suchten die aus Bethune geflohenen Familien in Lillers Zuflucht, wo setzt zahlreiche, überaus wertvolle Antiqui­täten fortgeschafft werden.

Eine neueFrkevensoffenfive" der Entente.

Br. Zürich» 24. Mai.' (Eig. Drahtbericht, zb.) Schweizer Blätter berichten über eine neue Friedensoffensive der Entente, die aber nicht so sehr bezwecke, die Feinde zu ent­zweien, als ein nun endlich endgültiges Programm mit verbindlichen Grundsätzen aufzufttllen, sozusagen als Matz, stab, an dem man jederzeit den Wert der feindlichen Fris- densvorschläge messen könne.

Die 6dmiralstabsmeldunq.

W. T.-B.Berlin, 24. Mai. (Amtlich.) Von unseren Unter­seebooten wurden im Sperrgebiet um England wiederum 15 000 Bruttoregistertonnen

feindlichen Handelsschiffserums vernichtet. Die Erfolge wurden vorwiegend an der Ostküste Englands bei starker feindlicher Gegenwirkung erzielt. Zwei Dampfer wurden aus Geleitzügen herausgeschossen.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

weitere Folgen unseres U-voottzrieges.

W. T.-B. Berlin, 23. Mai. Schiffsraumnot, Holz- und P a o l e r in a n g c l haben nunmehr dahin geführt, datz di« englischen Zeitungen ihren Umfang kürzen müssen. Zum erstenmal erschien am 4. MaiDaily News" in einem ganz kleinen Format und nur in einem Bogen. Der Ver­leger erklärte die Paplerknappheit im Mangel an Schiffen, die zum Transport von Truppen und Lebensmitteln nötig find. Lebensmittel aber, wenigstens was Fleisch anbetrifft. sind ebenso knapp wie Papier. Dec Stadtverordnete W y l e führte am 16. April auf einer Versammlung der Handels­schlächter r.t Birmingham aus:Die Entziehung der Fleisch- ration kann ernste Folgen haben." Abgeordnete aus Jn- dustriebezirken, besonders die Vertreter der Rüstungsarbeiter, haben erklärt, die pro Kopf und Woche zustehende Fleisch­menge im Werte von 88 Pf. für Schwerarbeiter sei völlig unzureichend. Die bemitleidenswerte Lage der Pferde schil- texte der Generalsekretär Parrholmc vom königlichen

britischen Tierschutzvecein in einer Zuschrift an dieTimes" vom 6. Mai. Darin heitzt es wörtlich:Durch Unterernäh­rung uno Überarbeitung siechen iinsere Land- und Stadtpferde dahin. Viele von ihnen Hangern sich zu Tode, denn das Futter ist schlecht. Auf einigen Gestüten stieg die Sterblich- keitszifrer auf das Doppelte. Sie beträgt jetzt 80 Prozent. Alle diese Erscheinungen sind auf die rohstoffvertilgende Wirkung des Unterseebootskrieges zurückzuführen."

Ein amerikanischer Frachtdampfcr vernichtet.

W. T.-B. Bern, 23. Mai.Matin" meldet aus Washington: Der ameriBanische FrochtdompferMacevlough" wurde in den europäischen Gewässern durch eine Mine older einen Torpedo versenkt.

Unberechtigte norwegische Beschwerden wegen Versenkung von Fischerbooten.

W. T.-B. Christiania, 23. Mai. In der Storthingsitznng fragte der Führer der Partei der Rechten Hazerup-Bull, wie es sich mit den von den deutschen Unterseebooten vorge- nommencn Versenkungen norwegischer Fischerfahrzeuge im nördlichen Eismeer verhalte. Die Kommandanten der Unter­seeboote bätren erklärt, alle Fischerfahrzeuge dort sollten ver­senkt werden Der Redner nahm es als selbstverständlich an, daß die Regierung gleich eingegriffen habe, und fragte, ob sich etwas darüber mitteilen laste, was in dieser Angelegen­heit geschehen sch. Der Minister des Äußern Ihlen ant­wortete. er Hobe sich gleich nach dem Empfang der ersten Mit­teilung on den Gesandten gewandt und gefragt, weshalb diese Versenkungen erfolgten. Der Gesandte habe ihn darauf auf­merksam gemacht, daß dort noch immer Kriegszone sei. Dar­auf aufmerksam gemacht, daß auch die Rettungsboote be­schossen würden, habe der Gesandte geantwortet, davon wisse c: rochts, noch könne er es ableugnen. Er versprach, nach Berlin zu telegraphieren, um möglicherweise die Einstellung dieser Beschießung zu erwirken. Der Gesandte habe um schnellste Übermittlung der Abschriften von Seeverhören er­sucht, weshalb das Departement die Beschleunigung derselben um-rdnete. Castberg fand die Angelegenheit empörend und hob hervor, es sei sicher di: allgemeine Forderung, daß unter­sucht werden sollte, ob diese Reihe von Versenkungen mit Hilfe in Norwegen sich anfhaltender Personen geschehe, die nicht gerade Novveger, sondern Spione seien. Der Sozialist Toedder war nicht ganz davon überzeugt, datz die Regierung ihre Pflicht getan habe hinsichtlich der Warnung der Fischer vor dem dortigen Sperrgebiet. Castberg fragte, wie lange es noch weitergehen solle, daß Norwegen einen Teil seines Fssch- sanges nach Deutschland verkaufe, während Deutschland nor­wegische Fischerfahrzeuge versenke.

Anmerkung des W, T.-B.: Bei den Versenkungen nor­wegischer Fischerfahrzeuge im nördlichen Eismeer handelt es sich um Versenkungen innerhalb des Sperrge- vieles Vor dem Befahren dieses Gebietes ist ein« für allemal gewarnt worden. Es kann keine Rede dabcn sein, daß deutsche Unterseeboote die Rettungsboote beschießen-

Lenin über die internationale Stellung Ruhlands.

Br. Kiew» 24. Mai. (Gitz. Drahtbericht. zb.) Aus Mos­kau wird gemeldet: Am 16. Mai fand eine .gemeinsame

Sitzung des ZentralvollziehungsauSschusseZ der Regierung und des Moskauer Scwsets statt. Bei dieser Gelegenheit hielt Lenin eine längere Rode über die inter­nationale Stellung Rußlands. Japan,, sagte Lenin, hält «ine Mlllic-nencvmee bereit, die durch die Amerikaner im lSchach gehalten wnd. Eine Verständigung beider wäre zum Nachteil Rußlands. Möglich wäre auch, daß Amerika seine Politik in diesem Punkt ge gen die Entente orientiert. Ein«! Entwaffnung der englifch>-ftvnzösi'schen Truppen an der Murmanbahn fei unmögliche da die Sowjets obne Waffen dastünden, und hingegen sei Deutschland gegenüber Selbst­hilfe möglich Die Transkaukasische Republik habe sich losgelöst unter Nicht anerLennung dos Brvst- Litowisker Friedens. Daher der türkische Vor­marsch. Rußland habe aufgehört, eine Großmacht zu sein. Der Imperialismus sei endlich abgetan. Schlish- lich evwöhrlte Lenin eine drahtlose Mitteilung ders BerlinerGe- saudten Jos fr«, die besagte, Deutschland wünsche freund­schaftliche Beziehungen -mit Rußland und gleiche Stellung für die russischen Staatsangehörigkeiten mit den übrigen Neutralen. Markow, der Führer der Menschiwiki, be- zeichnete die Erklärung Lenins als ungenügend und besür- wartete Entsendung roter Gardisten geigen -Engländer und Franzosen an der Murmanbohn. Jaffres Mitteilungen seien infolge des deutschen Vormarsches in der Krim gegen­standslos. Swerdlöw, der Präsident des Konsumausschuffes, betonte am seiner Rede Deutschlands FriedenSabsich-

ten. Es wurde .dann eine Entschließung angenommen, in der -man die Sewjctkvcgierung k saust ragte, schleunigst die Ost- a r m e e zv verstärken, und die Diktatur der -Srwjets über die Bourgootsie genehmigte.

W. T.-B. Bern, 23. Mai. , Progres de Lyon" meldet aus Paris: Bei dom voyggstrigen Luftangriff wurde über einem Pariser Vorort eine große Anzahl Bomben ahgeiworsen, d'e einen Br-krnd verursachten. Die Luftabwehr der Hauptstadt wurde neuerÄrngs verschärft. Das Sperrfeuer war so heftig, daß die Häuser -in. einigen Stadtvierteln er­zitterten.

Russische Maßnahmen zur Wiederherstellung des w.rtschaftslebens.

Br. Stockholm, 24. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der Vertreter desCorriere della Sera" in Petersburg erfährt aus guter Quelle, die russischen Volkskommissare bereiteten eine große Anzahl neuer Maßnahmen vor, für die Gewährleistung des Privatbesitzes und für die Wiedereröffnung der Banken zur gewohnten Betäti­gung. Die Lage Rußlands sei derart, daß der B a n- k e r o t t ganz u n vermeidlich erscheine. Den ein­zigen Ausweg findet die Regierung in der Aufnahme einer Anleihe im Ausland. Gleichzeitig sei üe jedoch überzeugt, daß zu ihrer Verwirklichung die Wiederherstellung des früheren Wirt- schaftssystems unumgäuqlich notwendig sei.

Das Schicksal

des Großfürsten Nikolai Nikolajervilsch.

Br. Sewastopol, 24. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Am 1 Mai, dem Tage der Einnahme von Sewastopol, hat den früherenOberbefehlShaber der russischen Armee, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, an der Südküste der Krim das Schicksal erreicht, dem er einst auf den zerstörten Fluren Ostpreußens nur mit knapper Not entgangen ist. Einst der unumschränkte Herr der Millionenheere, die Deutschland zermalmen sollten, sitzt Nikolai seit dem 22. April 1917 als Gefangener auf SchloßDjulber am Kap Ai Todor, etwa 20 Kilometer von .Jalta, und mit ihm werben die Zarin- mutter, die Großfürsten Peter Nikolajewitsch und Alexander Michaelowiitsch, sein Stiefsohn Fürst Dolgor-.k:, zusammen etwa 20 Mitglieder der früheren ruffi- fdjen Kaiserfc-milie. dort bewacht. Jedes politisch« Gespräch ist den Großfürsten verboten und nur in Gegenwart des Wachoffiziers dürfen Besuche empfangen werden. Der Groß­fürst ist als Gefangener der ruffischen Regierung auf Djulber interniert. Es werden erst Weisungen über sein weiteres Schicksal abgewartet werben. Einstweilen ist ihm die Leib­wache geblieben, deren Einfluß wohl auch die völlig« Er­kaltung der kaiserlichen Schlösser Massandra, Livadia und Rlanda zu verdanken ist.

Knarchistikche Umtriebe in Moskau.

Br. Bafel, 24. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) DieBasler Nochr." melden: Der PariserTemps" berichtet, man meldet aus Moskau, daß Plündererbanden, denen die Polizei völlig machtlos gegenüberstehe, wahr: Schlachten lieferten. Seit tinyn Monat wurden in Moskau über 10 000 Einbrüche und A^ßriffe auSgeführt. Man vernimmt noch, daß das anar­chistische Zentralkomitee eine Rote an die Sowjets richtete, in welcher gesagt wird, daß die Volkskommissare auf einen Kampf bis aufs äußerste gefaßt sein müßten. Die Anarchisten protestieren ferner gegen die Beschuldigung der Bolscbewiki, wonach sie reaktionäre Interessen wahren und geniäß dem Befehl von Agenten handeln würden.

Stockholm-Petersburg wieder im Schiffsverkehr!

W. T.-B. Kopenhagen, 24. Mai. (Drahtberichh)Poli­tiken" meldet ans Stockholm: Di« seit Kriegsbeginn unterbrochene T-ampferbeweg-ung Stcckholm-Petcrshuvg ist wieder aufgemvmme-n worden. Di« beiden ersten Dampfer gingen gestenn abend von Stockholm nach Peter-sburg mit ins- gesamt 90 Reisenden ab. Die Reise wird 3 bis 4 Tage dauern.

Aufenthalt der Kaiserin-Witwe in Dänemark.

Wien, 23. Mai. DieNeue Fr. Pr." mckldet aus Kopen­hagen: Nach einer Information desEkstrabladet" begibt sich die russische Kaiserim-Witwe in allernächster Zeit über Öster­reich-Ungarn nach Dänemark.

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Livlands und Estlands Loslösung von Ruhland.

Br. Berlin, 24. M-ii. (Erg Drahtbericht.) Das Auswärtig« Amt hat, wie der ^Berl. Lok.-Anz." hört, am 19. d. M. dem hiesigen Vertreter der russischen Regierung, Herrn Joffe, eine Er­klärung des Vorsitzenden der Vereinigten Landesräte überreicht, in der die förmliche Loslösung der Provinzen Livland und Estland von Rußland vollzogen wird. Die Note wies darauf hin, daß ber-its am 28. Januar die Bevollmächtigten der livläadischen und estländischen Ritterschaften und Landschaften dem russischen Gesand­ten in Stockholm eine Mitteilung übergeben hätten, in der die S e l b st ä n d i g k ei t dieser ehemaligen Pro­vinzen erklärt wird. Sie hätten dabei nicht nur in doller Übereinstimmung mit den Wünschen der Bevölke­rung. sowie Kundgebungen zahlreicher Körperschaften beider Provinzen gehandelt, sondern stützten sich auf einen Beschluß von auf breiter demokratischer Grund­lage gewählten Vertretern d°? estnischen Volkes. Die ohne Unterschied der Nationalität zusammengesetzten Lan­desversammlungen hätten für Estland und Livland die vollständige staatsrechtliche LosGsung von Rußland be­schlossen gemäß dem Dekret des am 3. November 19i7 von der russischen Regierung proklamierten Selbst- beftimmungsrechts der Völker. Die Note schließt mit den Worten:Die Bevölkerung Livlands und Estlands hat somit durch die Erklärung ihrer Vertreter von den; Recht, ihr Schicksal frei zu bestimmen, Gebrauch gemocht