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greilag. 24 . Mai 1918 . Ul 0 rgeN- KUZgabL.
66. Jahrgang.
Züdafrrta gegen England.
Je länger der Krst-g in Europa dauert, desto deut licher wird die Kluft, die sich zwstckren dem enMch- Mutterlande und seinen ube-seerschen Besatzungen auf getan hat. seitdem der Verlauf der Kampfe die UnW .Weit eines englischen Steges immer klarer erfetmen läßt. Im Anfänge war die Begeisterung groll spater kühlte sie aber merklich ab. besonders als die grollm Verluste der überseeischen Kontingent: vekannt wurd und England immer wieder neue Opfer an Geld und Menschen forderte. Heute ist die Bewegung gegen den Krieg z. B. in Kanada wie in Australien w stark, daß ihre Träger keineswegs in erner hottnungslosen Minderheit sich befinden. Der Einfluß dieser Opposition ist im Gegenteil so grog. dag ne unmittelbar die msherige kanadische Regierung rbzulosen. droht. ,Em ähnlicher Vorgang beginnt sich letzt auch in ffudafnka oemerkbar zu machen-, dort -st d'.e ursprüngliche Leyafttat durch eine stark englandfeindliche Bewegung abgelost worden. Offen wird die Republik Südafrika und die L o e- trennung von England proklamiert. Wie groß der republikanische Einfluß bereits geworden ist.^ zeigt erne Rede des Ministerpräsidenten/Botba. der trotz aller Besorgnis um die englische Sache das Mutterlano üavo» warnt, den Bogen zu uberspannen und mchs etwa auf eine Einführung der Dienstpflicht Südafrika zu dringen. Geschähe dies dennoch so könne er beim besten Willen keine Bürgschaft kür das Wohlverhalt-m des Landes übernehmen. D'.e stidafrlkani'chen Rationalisten, die sich bei Beginn des Krieges eine grofge Reserve aus- erlegt hatten, sind aus ihrer Passivität herausgetreten und entfalten mit bedeutendem Erfolg eine lebhafte Propaganda für die revublikanische g,dee, die nicht nur bei der Bevölkerimq holländischer Abstammung, sondern auch bei den Engländern lebhaftm Aaklang findet. Mr wie bedrohlich die Lage, von e n g l i s ch e r Sene gehalten wird, das ist aus -mein Erlaß des eng ischen Generalgouvernenrs non Südafrika erflch.nch, der die Bevölkerung vor Umtweben gegen die Regierung warnt und im entgegenge'etzie.n Fnle ähnliche Maßnahmen ankündigt wie die. zu denen sich England ge- rade jetzt Irland gegenüber genötigt steht.
Die g e i st i g e n Grundlagen der republikain- fchen Bewegung SüdcnrikaS und übriaens aus der Dis- kussion ersichtlich, die sich in jüngster stut .wer die Frage der Stellung Südafrikas zuin britischen Reichskonzern in der Presse des Landes entwickelt hat. Aus ihr geht hervor, daß es sich dabei um Fragen van großer Tragweite handelt, um Fragen. d,e tief an die Zukunft ' des englischen Weltreichs rühren. Dabei spielt die Furcht Südafrikas vor der g e l b e n G e f a h r eine große Rolle. Die Besorgnis vor einer Ubcrfchwem- mung Südafrikas mit dem farbiaen Element wird ge- steigert durch die offensichtlich-' Schwache Englands, die es zu seinem intimen Freundschaftsverhältnis mit -Fapan nötiat. Ein Anhänger Botbas werft m dem Organ der Regierungspartei ..Dolkstem auf die Rot- wendiakeit hin. daß angesichts des Versagens Englands Südafrika seine Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen und sich von der englifchen Vormundschaft loszufagen habe. .
So entwickeln sich auch in Südaftnka Krreqsprobleme. deren Lösung kaum zu Zen angenehmen Aufgaben der enalifchen Poliüker gehören wird und an deren Auf- tauchen sie kaum gedacht haben werden, als sie mit Pauken rind Trompeten in den Kampf zur Zerschmette- rnng Deutschlands auszogen.
vie ukrainisch-russischen Zriedens- verhanülUngen.
w . T.-B. Kiew. 22. Mai. Die ukEnisth-rufsifchen Frre- feensvechanfelungM beginnen erst in einigen Delegation ist eingetroffen. Vorsitzender ist der ruma sch Sosialist Ralows tu bevollmächtigtes MiögllÄ ml Philologe, der in Paris studiert hat ^ «us Wöftyn - stammt. Sekretäre sind Sollzew. ehemals Student de-> KMvn Polytechnckums. Granowski. StaatAbank^mntssar m K,sn während der Bolschewtstenherrschaft. Mtglied^ ^ Kommiflariat für auswärtige Angelegensten Profess Nemirrtwski und zugleich Rechtsbeistand der Delegation, sem Gehilfe Puschkin, vom HeercAkomnnjsEt UfellnMv.W Marinekommissariat GholodowsLi. von der f Schabunctz und Ingenieur Weiß, für d,e Moskau-Klew- Wovonescher Bahn Girkond. von ^ H«mPtartilleEvetw°l- tung Puschkarciw. vom Roten Kreuz Fsubkcw, vom kommissariat für Handel und Industrie B°«rv°nn. vom^tz' amt Beretzki. für Verpflegung Jander. von der Kvschin. vom Semlstwostädtäbumd Tatrmow. Die übrigen stnd techntschet. Personal. Im ganzen sind es 47 Personen. Sine Abordnung der provisortfchen Dor.kosakenregiENg is, ^
die deutschen Vertreter empfangen worden. ^Ealsekretar Kietickon^lki reist mit besonderen Vollmachten nach Odessa zu.
schon Tmrppen in der Ukraine verbundenen Fragen. Staats-
kontrollenr Afanasicw ist mrt der Ausarbeitung “ n a
Wurfs für die ukrainische Staatsbank beauiftragt worden.
Oie Frage des Ausgleichs mit Polen.
w. T.-B. Warschau. 23. Mai. (Drahtbericht.) Der Diucktor des voluischeu Sta>atsde»artements. Prinz Janus Radzr- wlll enpfing -inen Vertreter des Wolff-Bureaus, dem er
n a VfoSSße'dttete: Gegenüber dem Artikel iwer den Ausaleick mit Polen im „Berliner Tageblatt vom 2i. Mai. daß sührenoe polnische Minister, vor.m Mrmste:p-äsident Steckaowski schon in den nächsten Tagen rn Berlin zu Besprechungen cintrefsen 'würden, ist ^^te^n. daß von einer beabsichtigten Reise führender polnischer Staatsmänner ^chB^ün nichts bekannt ist. Fürst Radziunll wies ferner darauf hin. daß er in seiner Unterredung mit dem Vertreter des B T." lediglich daraus hingewiesen habe, daß die Integrität Kongretz-Polens als Bchw- für ,edwÄe Lösung der polnischen Frage angesehen weichen könne. Es fei fe-ner mißverständlich, 'venn ,n dem Artikel die Aiiglrede- Lng ethnogcaphisch-polnischer Gebiete östlich der Mig-Narew- Linie als Kompensation für andere ethnographische pdbttföe Sete dargestellt werden sollte. Was dre weiß-russische a taae betrxfse. so habe er tatsächlich nur darauf hrnge- daß Polen in diesem Gebiet weitgehende wrrtschaft- liche^sowt kulturelle Interessen besäße und daher mit großer Komvatb'e der weiß-russischen Unabhängigkeitsbewegung , LrüLstehk welche einen engeren Anschluß an die west- ! europäischen Kulturländer suche
Monarchie oder Republik in Finnland? ' w T.-B. Stockholm. 22. Mai. Die Frage, ob Monarchie oder Republik, bewegt noch immer die öffentliche Meinung w FimTnd Am letzten Dienstag sprach sich eine Versammlung finnischer Journalisten aus dem ganzen Lande imt arcßer Dkehrheit für die republikanische Staatsform oüs Mit der Ernennung Svinhnftmds zum ^.nter oes Staates ist man im allgemeinen zufrieden. Die Ausübung ^rbochsten Gewalt durch ihn soll iinr zwei biS drei Wochen dauern, l is die Frage der Regierungsform gelost ist. Die oltiinnische Gruppe im Landtag ist nunmehr einstimmig fiu di? Monarchie. MS Kandidat für den zukünftigen Posten b£ Krrcgsm.nisters wird Oberst Thesloff genannt.
NranmStzfge Dpposilkon gegen den »rieg in England.
W. T.-B. Bern, 22. Mai. Der Berichterstatter des „Manchester Guardian" meldet cms London, daß sich in feen lebten zwei bis ferei Wochen ein sogcmanntes rofeikaleS Komitee geibildet Hobe, das ans einer Hewen Arigahl von Parlamentariern fees vinfeÄiberalen Flügels und ander«, Männern und Frauen freiliberaler Tendenz besteht. Unter den zugehörigen Parlamentariern sind Chancellor King, Kommander Wedgewoofe. Lees Smich feie bekanntesten. Der dweck der neuen Vereinigung ist eine angeblich Mberale und somit oppositionelle Politik gegen den Krieg, und die Krieg?- Probleme zu fördern. Sie ist nicht ausgesprochen paziftstisch orientiert, zeichnet sich aber, wie feer Berichterstatter bemerkt, durch eine vernnnftgemäh« Haltung gegenüber feer .Idee eines Berhanfelungssriedens ans. Eine ihrer ersten politischen Handlungen war die einstimmige Annahme einer Entschließung. in der die Regierung ersucht wird., feie russische Sowfttregierung. die aus dem Chaos eine feste ALministra- tirm qetchaffen hob«, unverzüglich formell anzuerkennen. Der Berichterstatter nimmt an. drß die unsympathische Anspielung aus Rußland in der -letzten Untechausrede Lord Cecrls mrt der dem Foreign Ofsice übermittelten Entsthlietzwos des rodr- iaiexi Sbou&Ütk mcht « Betzkudm-« jM-
«Srderung der türkksch-bulgarifchen veziehunyen.
Sr stürich. 23. MW. (Eig. Drahtbericht. zb.> Die „Neuen Äi-.-cber Nnckr." erfahren von maßgebender diplomatischer Stelle in Sofia. dZ das weitere Ergebnis des Besuches Ka?fer K arls «ne s e hr b e d e ut ende Ann äh e rung
in den türkisch-biilgarischen Grenzfvaqen darstelle. daß in der nächsten Zeit ein für beide Teile befriedigender Abschluß zu erwarten sei.
Dr Pansche b-i dem bulgarischen Mnristervräs,deuten.
WT .i, Costa. 22. Mai. Meldung der bnlgarisLen Tele.
Der Bizevrässdent des Neichslagä Dr^ P a a i ctz e wurde gestern von dem Ministerpräsidenten Rados- emwianaen mN dem er eine lange Unterredung hatte. Heute feie Gesellschaft für Förderung der wirtschaftlichen und kulturellen Eichungen zwischen Bulgarien und Deutschland em Festesten "zn Liren des Gastes. Morgen wird der Vizepräsident Dr Baaschc int Saale des Nationaltheaters einen Vortrag über dre wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Verbündeten halten.
Wünsche aus der Dvbrudfcha. yj Sofia. 2.* Mai. (Drahtbericht.) Den Blättern
rusniae hoben Abgesandte der Dobcudscha am 18. Mai dem Kaller und König Karl durch Vermittlung des Ministers des Äußern Grafen Burian ein Memorandum des Nationalrats von Babagafe überreicht, worin,sie ihrem Wunsch nach der ^ Vereiniaung der ganzen Dobrudscha mit Bul^rren AuÄrnu gaben. Das Memorandum war vop «mer Ad reise an den begleitet,
Aus der ziandern - Hölle. *
Der Feldpostbrief eines Bntaillonskommandeurs.
Zwei Monate dauert das beiße Ringen an der West- front, das uns schon jetzt gewaltige Erfolge gebracht, uns ermöglicht hat, die stählerne Wand noch^nefer in Feindesland vorznschieben und so den /Schutz oer Heimat zu verstärken. Die Heeresberichte können in ihrem ehernen Lapidarstil selbstverständlich nur le- weils die nüchternen Schlußergebniffe dieses erbitterten Ringens verzeichnen, in dorren der Emzet- kämpfer und seine Taten ver'chwinden. Was da orcui- tzen an zäher Standhaftigkeit, an heroischer Tapferkeit, m opferwilliger Treue und Selbstverleugnung geleistet wird, dcw irrtl uns in der bei aller Schlichtheit lebendigen Schilderting entgegen, die sin Bataillonskommandeur, der sich in den Kämpfen der Flandeenfchlacht ailsgezeichnet hat. >n einem Feldpostbrief von ,enen Kämpfen gibt Das uns zur Veröffentlichung übergebene Schreiben (zb.) lautst
^^„Grauenhafte Tags und Wochen liegen hinter uns; drei Großkampftage hat unsere junge Dwiston mitge- macht und sich in allen dreien vorzüglich geschlagen. Io daß uns viel Lob zuqekommen ist. DaS kann aber kein Entgelt bieten für das Erlebte, das muß geder m sich selbst finden. Gut für den. der nach solchen Zeiten das Gefühl, in vollem Umfange feine Pflicht getan zu haben, mit zurückbringt. Wir waren bis getzt dreimal in vorderster Linie eingesetzt. Di? Ablösung ist schwierig. da zuviel Truppen offenbar anderwärts gebunden sind. Bei der eigentlichen Kamp H andlung ist am schlimmsten das Artilleriefeuer: die ganze Welt fast
bat ja England geholfen, Geschütze und Munition zu fertigen, und die wahnsinnigsten Mengen werden t»iec in fast täglich stundenlangem Trommelfeuer eingesetzt, Geschosse mit und ohne Gas. Ist das Trommelfeuer vorüber und setzt, unmittelbar an die letzte Feuerwelle anschließend, der Infanrerieangriff ein. so kommt es nur darauf an. daß unsere braven , Leute nicht die Rerv^n verloren haben und rechtzeitig mit -vllifanterie- und Maschinengewehrfeuer einsetzen. Jeder Angriff ist dann leicht abzufchlagen. Der englische Infanterist laßt sich sofort die Courage abkanfen. sobald er auf erneu Gegner stößt, der ihm Widerstand bietet. Raffen sich gar unsere Leute zu einem Gegenangriff mit Hurra auf und brüllen ordentlich, io hält Tommy me stand, und wenn er in dem aufgeweichten Boden nicht schnell genug rückwärts ,kann, dann fliegen die Waffen weg und die
Hände hoch. . . ,
Vor drei Tagen machten meine zweite und vierte Kompanie einen Nachtangriff auf ein stark besetztes und mit drei Maschinengewehren verteidigtes Haus. Das war Tommy, der gerade etzst abgelöst hatte imd m der Stellnna noch nicht ^echtB-stbeid wußte, zu unangenehm. Sie rissen airs. so schnell es im Schlamme gehen konnte, 18 tapfere Helden mit einem Maschinengewehr blieben aber stecken imd konnten nicht schnell,, genug zurück. Wenn sie einen Funken Miit gehabt hätten, hätten sie unser Unternehmen empfindlich stören können, sie lag-n nur 50 Meter vor der neugewonnenen Stellung. Mit Tagesanbruch bemerkten unsere Leute, wie ab, uns zu einer vorsichtig den Kopf aus feinem Granattrlchter herauKstreckt-'. Sowrt ging es mit Hurra drauf, und alle 18 Helden (mit einem M.-G.1 streckten die Hän!>i hoch und ließen sich abtühren. Eine Abteilung, d'.e weiter feindwärts lag. versuchte zu fliehen. Sie wart ihre drei M.-G. bin, wo sie inzwischen, wohl langst aus Nimmerwiedersehen im Schlamme veriimken fein werden und riß aus. Der größte Teil fiel in unserem Feuer D'-> Gefangenen bähe ich mir angesehen. Fast alle schmächtige, klein- Kerle aller Altersklch^m wenig militär'-icher Eindruck, einer, mit einem Buckel, nur alle gut gekleidet und mit Pelzjacken versehen.
Was unsere Leute hier durch das Klima und. die sumpfige Genend zu leiden haben, kann memand schildern Es wird es auch niemand begreifen können, der nicht selbst vorn war und die armen Burschen ge- sehen hat. Ständiger Reaesi hat das aanze dntzendmal von Granaten aller Kaliber nmaepffügte Gelände rn einen metertiefen Sumpf verwandelt, ^der, der durch muß nach vorn, watet meiertiei. off bis zur Brust ver- iinkv-d. durch Wasser und Schlamm. ;,n, diesem -zu- stand heißt es dann zwei. ja. manchmal drei Taste bncy- itäblich im Wasser stebend ansbalten. „,ch habe vi->le zurückkcmmen sehen, di? vor Frost und Nasse am aanzen Körver zitterten und keinen Ton mehr sprechen konnten. Sie schimvtten ja, wre der echte deutsche Soldat immer schimpft. Aber immer von neuem orngen sie vor und tun unerschrocken ihre Pflicht. Man könnte den landlai-staen Ausdruck ..Helden" gebrauchen i der ist aber zu klein für diese braven Musketiere Unter- Offiziere und Offiziere. Als ich das letzte Mw al» K.-T.-K. (Kamps-Truppen-Kommandeur) ru Locoerste
