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Donnerstag, 23. Mai 1918.
Kbend-Kusgabe.
Nr. 236.. 66. Jahrgang.
Oer Tagesbericht vom 23. Mai.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 23. Mai. (Amtlich.)
# Westlicher Kriegsschauplatz.
Im Kemmelgebiet hielt gesteigerte Feuer- tütigkeitan. An den übrigen Kampffronten lebte die Ge- fechtstätigkeit erst am Abend in einzelnen Abschnitten auf. Während der Nacht lebhafte Tätigkeit der Franzosen auf dem Westufer der Avre.
Mehrfach wprden Borstöße des Feindes abge- wiesen und bei eigenen Erkundungen Gefangene einge- bracht.
Auf des Kampffeld an der L y s wurden gestern u. a. drei amerikanische Flugzeuge abgeschofsen.
Die in letzter Zeit sich mehrenden feindlichen Flieger- angriffe gegen belgisches Gebiet haben der Zivilbevölkerung schwere Schäden und Verluste zugcfügt. Militärischer Schaden entstand nicht.
Durch erfolgreichen Bombenabwurf wurden große M « n i t i o n s l a g e r des Feindes nordwestlich von Abbevillc vernichtet.
Paris wurde mit Bomben beworfen.
Der Erste Generalauartiermeister: Ludendorff.
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Fortsetzung des Feuers aus das „Kohlenrevier von Bethunc.
W. T.-B. Berlin, 22. Mai. Am 21. Mai führte die deutsche Artillerie mit großer Wirksamkeit ihren Feuerkampf durch. Sie hielt geplante Angriffe des Feindes im Kemmel- Gebiet durch ihr Abwehrfeuer nieder und rief durch zahlreiche Treffer in den feindlichen Batterien mehrfach M u n i - tionsbrände hervor. Hazebrouck, Moorbecque, der Schacht 2 von Annezin, der Schacht 5 von Roeux, der Schacht 10 von Be t h u n e und das Stahlwerk G r e n a y wurden erfolgreich mit schwerem Kaliber belegt. Unsere Bombengeschwader verursachten gleichfalls schwere Schäden in den Unterkunftsorten des rückwärtigen feindlichen Gebietes. Bei Sprengung des großen Munitionslagers Blargies wurden ungeheure tageshelle Explosionen beobachtet. Die infolge der Explosion entstandenen Brände des zweiten feindlichen Munitionsdepots dauerten noch nach 2 Uhr morgens an. 3000 Meter hohe Rauchwolken waren lange Zeit sichtbar.
Die Opfer -es Fliegerangriffs auf Köln.
Köln, 22. Mai. Bon den beim letztem Fliegerangriff auf Köln Verwundeten sind tnzwifchan weitere zehn ihren Verletzungen erlegen, so daß die Zahl der Toten sich auf 35 e r - höbt. Die Zahl der Verwundeten beträgt nach endgültiger Feststellung 8 7._
ritt grötzte aller bisherigen Luftangriffe auf London!
W. T.-B. Berlin, 22 Mai. Stark- deutsche Bomben- geschwader griffen in der Nacht vom 19. zum 20. Mai wiederum London an. Die Unternehinung gestaltete sich durch die große Unzahl Flugzeuge, die London erreichten und die Meng- der auf dre Mitte der Stadt abgeworfenen Bomb-n zum größten aller bisher durchgführten Angriff- auf London. Einwandfrei wurde die starke Wirkung nuferer Bomben in der City zwischen Admiralität und Westindren-Docks beobachtet. Vier große Brand- brachen rm Innern de: Stadt aus. Mit demselben guten Erfolge griffen an- dere Bombenflugzeuge Dover, Chelnisford. Chatham und Southend an.
W. T.-B. London, 22. Mai. Meute:. Amtlich.) Nach Berichten sind v - er Ion den feindlichen Flugzeugen, die London und das Südostgebiet in der letzten Nacht angegriffen haben, zum Absturz gebracht worden. Es scheint ein Angriff größeren Stils gewesen zu sein. Eine beträchtliche Anzahl Bomben wurde abgeworfen, aber bis jetzt li-gen noch keine Be- richte über Verluste und Beschädigungen vor.
Die Stellung HaiqS.
— Bafel, 22. Mai. Im Unterhaus stellte der Abgeordnete OütHwaite am die Regierung die Anfrage, ob sich das Gerücht 'beitätugc, daß General Haig wetzen seiner Mißer folge zu- rücktrete betzw. schon zurückgetreten sei. Der -Schatz kanzle: erwiderte, die Regierung habe keine Zeitz auf alle unnötigem Fragen Antwort zu erteilen.
Unterzeichnung des deutsch- schweizerischen Wirtschaftsabkommens,
Amtliche Mitteilung des schweizerischen Bundesrats.
W. T.-B. Bern, 22. Mai. Der schweizerische Bundesrat veröffentlicht eine längere amtliche Mitteilung über die Verhandlungen der nach Paris entsandten Delegierten zur Behebung der Schwiecigkeiten, die. wie wiederholt berichtet, durch das Dazwischentreten Frankreichs in den deutsch- schwgizjeoischsn WictschgstsverhandktngeM eingetreten sind und die bekanntlich in letzter Stunde zur Hinausschiebung der Unterzeichnung des Abkommens geführt haben. Die fchweizerrfchen Abgesandten kannten durch Clemmcmu.be
st i m m t e Erklärungen entgegennehmen, die jeden Grund zur Beunruhigung ausschließen. Die französische Regierung sei, wurde erklärt, geleitet von den Gefühlen unerschütterlicher Freundschaft, welche die beiden Länder verbinden und nur vom dem Wunsche beseelt, der Schweiz in rhrer schwierigen Lage beizustehen. Frankreich hoffe allerdings, daß sich die Schweiz mit Hilfe der bekannten Offerte von 85 000 Tonnen französischer Kohle vollständig von jeder Erweiterung der Kohlenkontrolle, und zwar auch von jeder eventuellen Vorschrift über eine weitere Einschränkung in der Verwendung deutscher Kohle, befreien könne. Die französische Regierung habe aber nie daran gedacht, unserem Lande Schwierigkeiten zu machen oder gar durch wirtschaftliche Maßnahmen die Lage der Schweiz zu erschweren, wenn diese dazu kommen sollte, eine andere Lösung anzunehmen. Frankreich sei in der ganzen Angelegenheit nur von dem Wunsche geleitet, der Schweiz einen Dienst zu erweisen. Zum Schluß heißt es in der amtlichen schweizerischen Mitteilung: In der «itzung tcm 21. Alkai ermächtigte der Bundesrat daher feine Unterhändler, den Entwurf des schweizerisch-deutschen Wirtschaftsabkommens zu unterzeichnen. Dieses Abkommen wird keine Klausel mehr enthalten, die sich auf Kohlenliefe- rungen aus Deutschland und den feindlichen Ländern bezieht. Am 16. Mai ließ die deutsche Regierung den Bundesrat bereits wissen, daß sie trotz der Verschiebung der Unterzeichnung der Schweiz keine Schwierigkeiten mache und in der Zwischenzeit die Kohlenlieferungen fortsehen werde. »Dank diesem freundschaftlichen Berh alten war es möglich, alle in Betracht kommenden Fragen gründlich zu prüfen und zur Unterzeichnung des Abkommens erst dann zu schreiten, wenn olle Mißverständnisse, die sich von der einen oder anderen Seite hätten ergeben können, ausgeschlossen waren.
»
Ern deutsch offiziöser Kommentar.
W. T.-B. Berlin, 23. Mai. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Das Wirtschaftsabkommen zwischen Deutschland rcnd der Schweiz wurde gestern unter dem Vorbehalt der Ratift »erring durch die beteiligten 9!egierurtgen abgeschlossen. Deutscherseits wird mit großer Befriedigung festgestellt, daß es trotz mancher Schwierigkeiten und trotz aller feindlicher Störungsversuche gelang, eine befriedigende Lösung zu finden, die den deutsch-schweizerischen Wirtschaftsverkehr wieder für längere Zeit auf eine solide Grundlage stellt. Das Abkommen ist entstanden aus dem Bestreben, das die beiden befreundeten Völker seit Beginn des Krieges befolgt haben, zwischen den beiderseitigen dringendsten Interessen einen billigen Ausgleich zu schaffen.
vre Kdmiralstabsmeldung.
W. T.-B. Berlin, 22. Mai. (Amtlich.) Im Mittedneec versenkten unsere U-Boote die italienische DretMastbark „Angelina di Paocla" (228 83rt), den französischen bewaffneten Dampfer „Verdun" (2768 Brt.) und vier weitere Dampfer, darunter einen von mindestens 8000 Brt., zusammen über 22 000 Bruttoregistertonnen.
Der Ches des Admirtzlstabs der Marine.
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wie sich Italiens Treubruch auch lm U-voolslrrieg rächte.
W. T.-B. Berlin, 22. Mai. Am dritten Jahrestag des Eintritts Italiens in den Krieg bieten diese U-ÄoatserfiÄge «inen willkommenen Anlaß zur Überlegung, wie weit Italien seine treubrücherische Politik nutzte. Italien rechnete damals auf England und hoffte, wenigstens zur See seinen Vorteil wahrnchmen zu können. Doch auch abgescben von den entscheidenden Niederlagen zu Lande am Ffonzo, wies sich die italienische Politik als unheilbarer Mißgriffs aus. Heute ist das rohstoffarme Königreich auf Gna.de und Ungnade der britischen Schiffsraumnot und den Angriffen -deutscher U-Boote prersycgeben. Noch mehr! Ein englischer Politiker bezeichnete jüngst Italien als „B l ei kl o tz" am Fuß England, der nichts leistet und nur Lebensmittel, Kohlen und Tonnage ve.rzehrt und !den die Entente auf ehrbare Weise nicht ungern fallen lassen würde, wenn nur die Mittelmächte sich feiner erbarmten, wie sie sich Rußlands onnohmenl 55. v. H. der italienischen Handelsflotte wurden laut der Aussage des Fänanzaninifters Nitti im Verlauf des Kriegs versenkt. Diese See-Erfolge im Mittelmeer vermindertem die Kohlenzufuhr nach Italien von monatlich 950 000 Tonnen wuf 524 000 Tonnen. M« Nachrichten stimmen überein, daß die Munitionsindustrie und der Eisenbahnverkehr notgedrungen zeitweise stillgelegt werden mußten. Mit der Lebensmittelversorgung steht es ebenso schlimm! Jede Versenkung, auch Er eines italienischen Dampfers bedeutet für Italien einen Sftch ins Herz, wie „La Preparation" sich ausdrückt. Das Deutsche Reich gönnt den Bleiklotz fernem Feind.
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Notlandung dent sicher Zliegerhelden.
6 Tage ohne Lebensmittel auf dem Wasser.
W. T.-B. Kopenhagen, 21 Mai. „Nanonaltidenbe" meldet aus M a I m ö Mit einem holländischen Dampfer
kamen am SamLtzrg m Göteborg zwei deutsche
Flieger an, die wegen B-nzinmangel ans der Nordes hatten niedsrgeyen müstsn und seitdem vier Tage und drei Nächte auf See zugebracht hatten und von dem Dampfer ausgenommen worden waren. Ern schwedischer Fischdampfer rettete an der Doqgerbank zwei andere deutsche Flieger und brachte sie nach Marstrand ein. Die Flieger, die ebenfalls infolge Benzinmangels zum Niedergehen auf deni Meere gezwungen worden waren, hatten sechs Ta ,] e teilweise ohne Lebensmittel und Wasser auf dem Meere zubringen müssen.
Oie verwaltungsneuordnung in Böhmen.
Br. Wien, 23. Mai. lEig. Drahtbericht, zb.) Über den nun vollzogenen Beginn der Neuordnung in Böhmen äußert sich ein hervorragender deutsch-böhrni- scher Politiker wie folqr: Herr Dr. Seidler hat auf dem Wege, der in Deutsch-Böhmen zu Ordnung führen kann, einen ersten Schritt getan, aber noch einen sehr kleinen Schritt, fast nur ein Schrittchen. Seine Verordnung über die Einführung.von Kreisreqiernngen, die bei ihrer Ankündigung schon die Gemüter in Aufregung brachte, ist erschienen rrnd wenn sich heute Deutsche ttne Tschechen in Böhmen tragen, roaiunt sie sich dieser Maßnahme wegen in die Hitze bringen ließen, werden beide Teile um eine Antwort »erlegen sein, denn die Pfingst- verordnung Seidlers nimmt und gibt keinem dev beiden Volksstämme etwas. Sie bedeutet lediglich eine verwaltungstcchnische Maßnahme, die einzig und allein im Interesse eines erleichterten Geschäftsganges der politischen Landesregierung gelegen ist. Vom n a t i o n a l p o I i r i i ch e ir Gesichtspunkte bewertet, erscheint der Inhalt der Verordnung ziemlich mager. Sie enthält nicht die nationale Trennung der Landesbehörden, sie weiß nichts oon einer V e r- pflichtung des Staates, flir die deutschen Kreise nur deutsche Beamte zu ernennen. Sie bringt nicht die endliche Regelung der So rachenfrage, sie sieht keine KreiZvertretung vor, üe ist vtelinehr geeignet, den Gedanken, der von den Deutschen aller Par- teilager geforderten nationalenSelbstverwaltung zu verhindern. Sie steht zu den allgemein erhobenen Forderungen nach nationaler Autonomie, nach Schaffung einer Kreisverfassung und nationaler »nd sozialer Selbstverwaltung in schärfstem. Gegensatz. Bezeichnenderweise nennt eine Gruppe der Landespartefleitung der deutschen Sozialdemokraten Böhmens die Verordnung einen Betrug an dem deutschen Volk, da sie als eine bureaukratische Scheinrefornr nur die eine Wirkung haben könne, das Zustandekommen der Kreisverfassung in Böhmen auf demokratischer Grundlage, die allen Deutschen Böhmens das gleiche Recht der Mitvecwaltnn t sichert, zu erschweren und neu zu schädigen. Eine Bedeutung könnte der Verordnung nur dann zukoinmen. wmn Herr v. Seidler auf dem Wege, den er eingffchlaoen zu haben behauptet, auch weiter schreitet. Wie di: Verhältnisse aber heute in Österreich und besonders in Böhmen liegen und bei der Vergangenheit Seidlers ist die iroßte Zurückhaltung in bezug auf jede Hoffnung am Platze.
Der tschechische Einspruch ohne Wirkung?
W. T.-B. Wien, 22. Mai. Auf den von den Abgeordneten Stanek und Tomaschek erhobenen Einspruch erklärte der Ministerpräsident, ec werde sich über die ein- zelnen Beschwerdspunkte unterrichten. Er betonte jedoch, daß eine Zurücknahme der ergriffenen Maßnahmen ausgeschlossen sei.
Gegen die südslawischen Trennungs- bestrebungen.
Wien, 22. Mai. In Klagenfurt Vfdim am Pfingstmontag eine Kundgebung der Abgeordneten und Bürgermeister vor» Kärnten einen erhebenden Verlauf. Rach der Eröffnung der Wevsamncknntz durch den L ande slha upctzmann v. AicheLm-vg sprachen der Mg. Dobernitz und daS Hervenihausmitykied Graf Goeß, worauf eine Entschkießung anyenommen wurde, die das Festhalten am deutschen Bündnis, die Einheit und Unteilbarkeit dcZ Landes und ein frenndkiches Verhältnis zu den Slowenen betontz aber alle Versuche zur Bikduntz eines südslawischen Staats, der den Weg zur Adria verletze, entschieden zurückweist.
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Verhandlungen mit dem österreichischen Polenklub.
Br. Wien, 22. Mai. (Eig. Drahtbericht.' zb.) Vertreter des Polenklubs werden, wie die Expreß-Korrespondenz erfährt, gegen Errdc des nächsten Monats mit dem Mtnrster des Auswärtigen Baron B u r i a n über die zukünftige Haltung der Polen im österreichischen Parlament verhandeln. Die Polen werden bei dieser Verhandlung folgende Bedingungen stellen: 1. Garantie der Unversehrtheit des Königreichs Polen; 2. Regelung der Cholmer F ra g e im, pol» , nischen Sinne und 3. Unteilbarkeit
