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Mittwoch, 22. Mai 1918.

Ein irischer Appell an Amerika.

W.T.-B. Bern, 21. Mai. (Drahtbericht.) Die irischen Nationalisten haben am 16. Mai folgenden Aufruf an Amerika gerichtet' Die Klausel Sc? W e h r Pflichtge­setzes. welche der Regierung das Recht verleiht, die Wehr­pflicht durch eine königliche Verordnung auf Irland auszu­dehnen. ist größtenteils unter dem durch ministerielle Er­klärungen hervorgernfenen Eindruck angenommen worden, daß nran nicht versuchen werde, von der fraglichen Befugms Gebnurch zu machen, dis das irische Parlament und eine verantwortliche Regierung ins Dasein ge­rufen sein würde. Die häufige Vertagung der Einbringung des versprochenen Homerulegesetzes sowie die Nach- richlen über die Tätigkeit der mit dem Gesetzentwurf be­trauten Kommission und die neuerlichen Minifterräte be­stärken uns aber in der Ansicht, daß die Regierung weder jetzt, noch bei der neulichen Wehrpslichtdebatte die wirkliche Absicht hatte, das Homerulegesetz, welches die geringste Hoff­nung aus eine Befriedigung der nationalen Forderung böte, einzubringen und durchzusetzen. Die letzten Ereig­nisse mehren die Überzeugung, daß die Regierung überhaupt keine Absicht hat. mit der GesetzeSvoclage hervorzutveten, und dntz alle Versprechungen lediglich bestimmt sind, um das britische Publikum zu täuschen und besonders um die ameri­kanische Regierung, das amerikanische Volk und die alliierten ernrväischen Nationen zu hintergehen. Während wir bei unserer oft wiederlwlten Erklärung verharren, daß niemand außer einem vom irischen Volk frei erwählten Parlament das Recht bot. der irischen Nation die Wehrpflicht aufzucrlegen. betonen wir. daß jeder Versuch, die Wehrpflicht in Irland zu erzwingen, nicht nur eine schwere Vergewaltigung der nationalen Rechte Irlands, sondern auch ein höchst ehr­loser Treubruch der englischen Regierung sein würde, der. wenn er von der deutschen Regierung verübt würde, in Er.gland als besonders schädlicher Fall von „Preutzianis- mus" verurteilt werden würde. Die gesamte Propaganda- Maschinerie der englischen Regierung wurde in Bewegung gesetzk, um den Namen Irland in Amerika anzuschwärzen. AIS erwählte Vertreter der irischen Nation betrachten wir es als unsere Pflicht. eindringlich an das ameri­kanische Volk und die amerikanische Regierung zu appellieren, sich durch derartige propagandistische Ent­stellungen nicht täuschen zu lassen, sondern über die Sache Irl- nds nur die Irländer zu hören, die mit den nationalen Bestrebungen des irischen Volkes sympathisieren und geeignet sind, für die irische Nation zu sprechen. Eingedenk der Bande per Sympathie, die stets zwischen der amerikanischen und der irischen Nation seit der Gründung der Republik bestanden haben, bitten wir das amerikanische Volk, seinem briti­schen Bundesgenossen zur Pflicht zu machen un­verzüglich im Fall Irland die Grundsätze der demokrati- scheu Freiheit und der nationalen Selbstbestimmung zur Anwenduna zu bringen, die in der Erklärung Wilsons so großartig ausgestellt und deren Genuß Irland vorenthalten wird, während man das irische Volk auffordert. dafür in den sremtzen Ländern zn kämpfen.

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Die,.deutsche Verschwörung".

Sr. Berlin, 21. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die „Post­vertritt den Standpunkt, baß wir Deutsche den Iren, unge­achtet der läppischen englischen Erfindung von einer deutschen Verschwörung in Irland, unsere öffentliche Sympathie in ihrem- schweren und heroischen Kampfe gegen ihre englischen Unterdrücker nicht vorenthalten sollte,i.

W. 1.-8. London, 18. Mai. (Reuter.) Die von der irischen Regierung getroffenen Maßnahmen, die deutsche Ver­schwörung zu unterdrücken und die schnelle Verhaftung von Personen, die der Teilnahme an der Verschwörung verdächtig waren, haben bei den Sinnfeinern, in Dublin J8 e - ftürzung hervocgerufen. Wie man hört, sind die Behörden im Besitze umfassenden Nachrichtenmaterials über den Plan, in die irische Bewegung in Irland Einheit, auch im Interesse Deuffchlands, zu bringen. Weitere Enthüllungen sind nicht wahischeinlich. Mgemein herrscht das Geffihl, daß die An­zahl derjenigen, die an der Bewegung teilgenommen haben, cklein ist. und man legr Nachdruck darauf, daß sie das irische Volk als Ganzes nicht vertreten. Die Verhaftungen fanden in den ersten Morgenstunden statt, als es noch ruhig,n der Stadt war. so daß ernstere Ruhestörungen rm Zusammen­hang mit den Verhaftungen wicht vorgekommen sind. „Wie man hört" und „keine weiteren Enthüllungen" charakterisieren tiefe englische Stimmungsmache gegen die irischen Fveiheits bestrebungen. _

Die Opfer des letzten Lust-nrgriffZ rrnf London.

W.T.-B'. London, 20. Mai. Das Reutersche Bureau meld-et amtlich: Die Verluste bei dem Lustangriff am

Sonntag betragen: Tot 17 Männer. 14 Frauen und 6 Kinder, verwandet 88 Männer. 49 Frauen und 23 Kinder. In der Prrwinz wurden 2 Männer. 3 Frauen und ein Kind vec- tmrudet. Mn beträchtlicher Schaden wurde an Häusern und Eigentum aogerichtet.

Die Entente-Duertreibereien in Holland.

Sr. Berlin, 21. Mai. (Eig. Drahibericht. zb.) Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt halbamtlich: Der Londoner Korrespondenr des EntrnteblattLs PLelegraph" sucht wieder einmal Miß-

Morgen-Kusgabe.

träum zwffchen Deutschland und Holland zn säen, ©t be­hauptete, aus guter Quelle erfahren zu haben. Deuffchland habe an Holland die Forderung gestellt, die Ausfahrt aus der Scheldemündung für seine Kriegsfühcung benutzen zu können. Diese Foiderimg sei nur -ruf den heftigsten Wider­stand Hollands zurückgezogen oder wenigstens zurückgestellt worden. Die „Nordd. Allg. Ztg" schreibt dazu: An der

ganzen Geschichte ist, wie wir amtlich erfahren, kein wahres Wort.

Lin Entente-Protest bei ver rumänischen Regierung.

W. 1.-8. Jassy. 21. Mai. (Drahibericht. Agence Hava-s.) Die Gesandten der -Ententemächte protestierten bei der rumä­nischen Regierung gegen -den Artikel des Bukarester Vertrags, der den internationalen Abmachrrngen über die Donau- schiffahrt, deren Signatarmächte sie sind., zuwiderläust. da diese Frage nur im allgem einen Frieden und nach einer Verständigung unter allen beteiligten Mächten geregelt werden könnte. Die Gesandten machen außerdem alle Vorbe­halte hinsichtlich der Folgen der vorläufigen Regelung, die bis -dahin angewendet werden soll.

Bemerksnswertervertrauensberoeis des Heeres

für Marghiloman.

w. 1.-8. Bukarest, 21. Mai. (Drahibericht.) Bei dem Mabl. das der Kommandant der ersten rumänffchen Armee, General Erigorescu, zu Ehren des Ministerpräsidenten Marghiloman in Jassy gab. versicherte Grigorescu. die rumänische Armee sei davon überzeugt, daß Marghilo- man den besten Frieden erhalten habe, der unter den gegebenen Umständen zu bekommen gewesen sei. Er sei einer der größten diplomatischen Erfolge, der die Hoffnung recht- fertioe. daß Marghiloman nunmehr das Land auf dem guten Wege vorwärts führen werde. — In der Antwort wies Marghiloman darauf bin. daß die Armee unvorbereitet auf der unsinnig langen Front von 200 Kilometer in den Kampf getreten sei. Sie habe aber ihre Pflicht getan. Mit dem Hinweis auf die Erwerbung Beßarabiens betonte Marghiloman. daß dieses Land nichr in Kischinew, sondern bei den Friedensverhandlnngen in Bukarest erworben wor­den sei. Äiargbiloman versicherte schließlich seine Zuhörer, daß ohne die Unterstützung Österreichs und Deuffchlands Rumänien nicht um 3 Millionen Menschen und 45 000 Quadratkilometer reicher geworden sei.

Reue ukrainische Minister.

W. 1.-8. Kiew. 21. Mai. (Drahibericht.) Der soziale Föderalist Doroschenko wurde zum Verweser des Ministeriums des Äußern ernannt. Professor Sienkowski wurde Kultus- miimster. Geheimrat Deache. früher Vorsitze nider der Finanz- kommission der dritten Duma, an Stelle von Suprums Direktor der Kreditkcmzlei. Der ukrainische Regierungs- kommissar Kvmorny in Odessa -hat seine Entlassung ge­nommen,

Exzar Nikolaus unter Anklage.

W. 1.-8. Petersburg, 21. Mai. (Drahibericht.) Das unter dem Namen „Nasche Slowo" wiedererscheinende Blatt .Rutzkoje Slowo" meldet aus Moskau: Mne bolschewistische Kommission unter dem Vorsitz Krylenkos ist als Ge­richt s h o f über den ffüheren Zaren^eingesetzt worden, gegen den AnÜage auf Vecuffachung des Staatsstreichs zur Ände­rung der Dumawahlgesetze sowie ungesetzliche Verwendung öffentlicher Gelder und anderer Vergehen erhoben worden ist Eine Eskorte lettischer Schützen wurde nach Tobolsk entsandt, um den Exzaren nach Moskau zu bringen.

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Vor der endgültigen Regelung der polnischen Frage?

Sr. Warschau, 21. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Im An­schluß au die Verhandlungen, die gegenwärtig zwischen den leitenden Stellen Deutschlands und Österreich- Unoarns über den Ausbau des Bünduisses gepflogen wer- den. sollen Seinnächst auch Besprechungen über die endgültige Regelung der polnischen Frage eingeleitet werden. Die führenden polnischen Minister, voran der Präsident des Staatsministerilums. werden dazu schon in den iiächsten Tagen in Berlin eintceffen. Inzwischen sind bereits die tekonnten polnischen Aktivisten Graf Ronikier, Prinz Mathias Radziwill und Graf Potulicki nach Berlin entsandt'wordeil. um hier' Polen, wenn auch inoffiziell, als st ä n o i g c G c - s an dt schaft zu vertreten, so lange das Königreich noch nicht in der. Lage ist, eine selbständige Außenpolitik zu treiben. Die polnischen Politiker bezeichnen die Anlehnung cm Deutschland als das Wünschenswerteste. Bis auf eine Gruppe bestimmter Aktivisten will van einer austropolnischen Lösrng beute in Polen eigentlich niemand mehr etwas wissen.

Dir päpstliche -Soitncrmiffiit.t in Polen.

Sugano, 21. Mai. (zb.) Dem „Corriere della Sera" zu­folge ist Msgr. Achille Ratti. Präsident der vatikanischen Bitliothek. mit einem Sonderauftrag des Papstes von Rom noch Warschau abgerefft. Obgleich der Prälat nur unter dem offiziellen Titel eines vatikanischen 'Besuchers fahre, sei seine Reise nicht ohne politische Bedeutung.

W. 1,-8. Bern. 21. Mai. (Drahibericht.) Die Mailänder „Jtalia" meldet, daß der päMiche Delegierte Ratti nach Warschau ahaercist sei.

Nr. 232. . 66. Jahrgang.

Neue Phrasen und Schimpfereien Wilsons.

W. 1.-8. Berlin, 21. Mai. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus hielt Präsident Wiffon bei einer Kundgebung zuMnsten des Roten Kreuzes eine Ansprache, in der er u. a. ausführte: Die erste Pflicht ist. den Krieg zu gewinnen. Die zweite Pflicht geht Hand in Hand mit ihr. Es ist die. den Krieg groß Und würdig zu gewinnen. Ich habe jüngst sagen hören, wir müßten

5 Millionen Mann aufstellen. Warum die Zahl ans

6 Millionen beschränken? Ich habe den Kongreß der Ver­einigten Staaten ausgesordert. keine Grenze zu nennen, weil der Kongreß, wie sicherlich wir alle, wünscht, -daß jedes Schiss, das Äcannsthaften und Vorräte -befördern kann, aus jeder Reise mit so viel Mann und Vorräten, als es tragen kann, belastet werden soll. Wir können von unserer grimmigen Entschlossenheit. den Krieg zn gewinnen, nicht durch irgend eine unaufrichtige Annäherung abgebracht werden. .Ich kann mit ruhigem Gewissem sagen, daß ich diese vertrag­lichen Mitteilungen geprüft und sie unauftichtig geftimden habe. Ich erkenne sie jetzt als das, was sie sind, als ein Der- such, freie Hand, besonders im Osten, zu erhalten und di« Eroberungs- und Ausber-tungspläne zu verwirklichen. Jeder Vorschlag über eine Verständigung im Westen schließt den Vorbehalt bezüglich des Ostens ein. Was mich angeht, so will ich bei Rußland wie Frankreich stehen. Die Hilflcsen und Freun-Ä-oien sind es, die eine ftvmde Un­terstützung brauchen: Wenn irgend einer in Deutschland glaubt, daß wir irgend jemand um unserer eigenen Same willen opfern würden, sage ich ihm, dich er iw Irrtum ist; denn der Ruhm dieses Krieges ist, so weit wir betroffen sind, daß es vielleicht zum erstenmal in der Geschichte ein selbst­loser (!!) Krieg ist. Ich konnte nicht stolz sein, für selbst­süchtige Zwecke zu kämpfen, kann aber stolz sein, für die Menschheit zu kämpfen. Wenn jene den Frieden wollen, mögen sie'vor treten und durch beglaubigte Vertreter ihre Be­dingungen auf den Tisch legen -lassen. Wir -haben die umerigen niedergelegt. und jene wissen, wie sie sind. Wiffon fuhr fort, er sei überzeugt, .daß kein hunderffähriger Friede das amerikanische Volk in einem solchen Maße hätte einigen können wie -das eine Jahr es geeinigt hat. Das Schauspiel, das sich darböte, sei -ein Kampf der vier Nationen, die s-Äbst- süchtig nach Vergrößerung strebten gegen 23 Regierungen. di« den größeren Teil der Welt repräsentiertes nnd die zu einem neuen Gemeinschaftszweck sowie zu einer neuen Einheit -des Lebens verbunden seien. Ein neuer Tag -der Pflicht s« angebrochen, und diese Pflicht fordere, daß der eine dem an- deren diene und keiner sich an diesem Krteg bereichere. Das amerikanische Rote Kreuz sei nur ein Zweig der großen in- ternatianalem Organisation, die nicht nur von allen zivil-ffi-w- ten Regierungen der Welt angenommen, sondern auch durch internatien-ahe Verträge und Vereinbarungen anerkannt sei. Mit ein-er der größten Makel, der -dem Ruf der deutschen Armee anhäste, sei, daß sie das Rote Kreuz nicht ge­achtet (!?) hatten, obwohl die Deutschen sich an der Be­gründung dieser Organisation beteiligten. Das Rote Kreuz helfe nicht nur den Soldaten sondern auch der Zivilbevölke­rung. und seine Werke der Gerechtigkeit und Barmherzigkeit stünden im Dienst der Freiheit.

Anmerkung: Der Krieg hat oufgohort, für

Amerika ein gutes G->'äßist zu sein, und |o tnufe letzt wieder der Idealismus Herl,alten, um dre nunlose und verbrecherische Kriegsveclanaerung zu rechtfertigen. Wie weit Herr Wilson damit kommen wird, bleibt ab­zuwarten. Da andere Mittfl nicht belfeu. wird es Auf- gäbe unserer Waffen sein, einem ^eind nach dem anoeren die Lust zur Kviegsverlängeruna auszutreiben. Dre Reihe wird auch an Herrn Wilson kommen. Seme neueste Beschimpfung Deutschlands wegen der angeb- lichen Nichtachtung des Rown Kreuzes richtet stch sewst. Gerade in der jüngsten Zeit wurde nachgewiesen, datz Amerika ftine Flieger unter der Flagge des Roten Kreuzes entsendet.

Ein Konflikt Wilsons mit dem Senat.

W- T.-B. Haag, Mir. ..Mocning Post" wird aus Washington gemeldet' Präsident Wilson hat Hughes, seinen früheren Gegenkandidaten bei der Präsidentschaftswahl, mit der Untersuchung beauftragt wegen der gegen den Fliegerdienit des amerikanischen Heeres vorgebracht>m Bc itechungsbeschuldi- gungen. Hughes 'oll die Uniwsuchung als Vertreter des Gencralstaatsan^alts fuhren, der von dem Präsi­denten den Auftrag erhalten hat, über die Wahrheit der Beschuldigung zu entscheiden, ob der von dem Kongreß für den Ban von Ftuqz-;ugen bewilligt: Betrag von 740 Millionen Dollar verschleudert oder gestohlen ist. Inzwischen hat der Senat sausschuß für Heeressochen beschlossen, eine unabhängige Untersuchung cinzuleiten. Hierdurch ist zwischen dem Präsidenten und dem Senar eine merkliche S v a n n u n g entstanden. Eine von dem Senatsausschuß anueuommen: Entschließung, die noch der Bestätigung des Plenmns bedarf, soll den Senatsausschuß ermächtigen, nicht allein die Flugzeug, «maeleaemheit. sondern auch, alle weitecen. mit der Siiietr