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Tagblatthaus".

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«Baaa ua.«

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Dienstag» 21. Mai 1918.

6bend-klusgabe.

Nr. 222». 66. Jahrgang.

Emneuer voller Erfolg der Verteidiger des Uemmelbergs.

Französische Anstürme unter schwersten Verlusten gescheitert.

w. T.-8. Großes Hauptquartiers 21. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Ter Kemmel war gestern wiederum das Ziel starker feindlicher Angriffe. Sie sind blutig gescheitert. Die Ver­teidiger des Kemmelberges haben einen vollen Erfolg er­rungen.

An der Front von V o o r m e z e e l e bis westlich von Drvnoutre leitete stärkster Feuerkamvr die Jnfanteriekämpfe ein. Ihr Hauptstoß war gegen den Kemmelberg und seine westlichen Hänge gerichtet. In mehreren Wellen brachen die vorn eingesetzten französischen Truppen vor. Jnkanteristische und artilleristische Feuerkraft brachte ihre» Ansturm zum Scheiter» und zwang sie unter schwersten Bcr- ° lüsten zur Umkehr. Örtliche Einbrüche des Feindes in unsere Trichterzone wurden durch Gegenstöße wiederhergestellt. Öst­lich von Loker ist ein Franzofennest zurückgeblieben. Eng­lische Divisionen standen nach Gesangenenaussagen in dritter Linie bereit. Ta den Franzosen jeder Erfolg versagt blieb, kamen sic nicht mehr zum Einsatz. Am Abend und während der Nacht nahm der Nrtilleriekampf mehrfach größte Heftigkeit an. Erneute feindliche Angriffe am Abend aus Loker heraus und nächtliche Teilvorstößc nordöstlich von Loker wurden abgewiefen.

An den übrigen Kampffronten verlief der Tag ver­hältnismäßig ruhig. Stärkeres Feuer lag auf unseren Batteriestellungen und unseren rückwärtigen Ortschaften beiderseits der Lhs, namentlich in Verbindung mit ört­lichen Infaniericgesechten, nordwestlich von Merville. Am Abend trat auch bei Bucquot, und Hebuterne, südlich von Villers-BretonneuC und der Avre vorübergehend Feuersteigc rung ein.

An der übrigen Front nichts von Bedeutung. -

In den letzten drei Tagen wurden 59 feindliche Flugzeuge und L Fesselballone zum Absturz gebracht. Leutnant Löwen- hartit errang seinen 21., Vizefeldwebel Run eh seinen 2v. und 21. Lnftsieg.

Der Erste GeneralqnGtiermcister: Ludendorff.

Dem Zrieöen naher?

Der R e i ch s k a n z l e r hat einem ungarischen Aus frager gegenüber erklärt, er iei noch immer Optimist genug um zu glauben, daß wir noch in diesem Nähre den Frieden haben werden. Das ist ein Wort, das mit solcher Bestimmtheit bis dahin eigentlich noch niemals ausgesprochen ivorden ist. und es wird denn auch eine starke Wirkung aus die Öffentlichkeit bei uns und in den^ feindlichen Ländern üben. Graf Hertlrng w ä o t seine Worte, er must sehr triftige Gründe haben, um ein solches Bekenntnis abzulegen. er hätte es nicht abzulegen brauchen, wenn es ihm an den erforderlichen Unterlagen fehlte. Nun aber stützt der Reichskanzler seine Erwartung nicht auf eine Friedensneigung bei den Gegnern, die ia immer noch non einer Zertrüm- merung "der Mittelmächte sprechen, auch nicht auf die Friedensrequnqen 'n England, denen gegenüber Lloyd George und se'n Kabinett ungefährdet an ihrem starr­sinnigen Bernichtungswillen festhalten konnten, sondern er stützt sich auf die feste Zuversicht. dast die w e, t e r e n Ereignisse im Westen uns dem baldigen Ende des Krieges näherbringnr merd.m. Die Fortdauer un­serer Offensive wird al'o inrt Erwartungen begleitet, deren ungeheures Gewicht darin beruht,, daß sie von der Obersten Heeresleitung gehegt und von der Reichs- lritung übernommen werden, die somit die Gewißheit erlangt haben mutz, daß die von Hindenbnrq und Luden- dorff in Aussicht gestellten weiteren Aktionen zum Ziele führen werden.

Mehr läßt sich in diesem Augenblick über diesen Kern der Kriegslage nicht tagen, mehr braucht auch nicht gesagt zu werden. Dagegen gebührt cs sich, die Ler- teilung der Rollen zwischen militärischer und politischer Leitung zu betrachten, und diese Aufgabe gilr nicht bloß den Verhältnissen bei uns, 'andern durchaus ebenso denen in den feindlichen Staaten. Überall ist die poli­tische Leitung hinter dis militärische zurückgetrcten, überall hat die diplomatische Geschicklichkeit versagt, nir­gends bisher ist sie imstande aewcsen, eine Formel aus- findig zu machen oder einen Weg vorzuschlagen, auf dem die Interessen des eigenen Landes hätten geltend ge­macht werden dürfen. Wurden entsprechende Bermcke unternommen, wie es vor allem von Kaiser Karl ge­schehen ist, so verliefen sie alsbald im Sande, weil es nicht möglich war, die Gegner zu der gewünschten Unter­haltung zu bringen. Die Geheinigeschichte des diplo­matischen Krieges, der sich mir dem sichtbaren .Kriege durchkreuzt, lvird ja sobald nicht geschrieben werden.

Immer nur bekommen wir Bruchstücke einer tastenden Tätigkeit zu sehen, nur gelegentlich blitzt es irgendwo leicht und leise aui, dann senkt sich wieder das Muffel der Verschwiegenheit über diese Dinge oder auch es steigt ein Gewölk von unentwirrbaren Gerüchten auf, jedenfalls jedoch wird mannigfach gearbeitet; auch das Drum und Draa der längst sehlgeschlagenen, längst von der Bildfläche verschwundenen Stockholmer Kon- ferenzfrage gehört hierher, ebenso die Tätigkeit, die zer - weilig der V a t r k a n entfaltet hatte. Nicht? von alle­dem hat, wie gesagt, an d is Ziel herangeführt, stets blieb die Entscheidung die von der Geschicklichkeit der Staats- männer erhofft wurde, auf d's S p i tz e d e s Sch w e r t y bestellt, und das ist somit das besondere Schicksal diese» Krieges im Unterschied zu früheren Kriegen, wo die Heerführer zwar nickt die Werkzeuge der Staatsmänner waren, doch aber nicht die bestiminende Gcwall nt der Hand hielten.

Es handelt sich nick!- darum, nach den Männern zu suchen, denen die Verantwortung für diesen Zustand aufzubürden wäre; vielmehr wäre nichts damit getan, wenn man sie vor den Gerutstshos der Geschichte stellte, zumal die Verhältnilsse in allen kriegführenden Ländern dieselben sind. Es Hände!: 'ich da wir uns in einer Zwangslage befinden, einstweilen lediglich um die Fest­stellung des Tatbestandes, und der eben ist io, daß man sagen mutz: Dieser Krieg iit der militär i, ch st e aller Kriege er wird hauptsächlich durch die Waffen und nicht durch die Staatskunst entschieden werden. Das hat jetzt auch Graf Hertlina gesa-n und anerkannt. Er verspricht uns nicht die Eröffnung ein -s Weges, auf dem die Re­gierungen zueinander kommen könnten, er stellt uns den vollen Sieg unserer Waffen als die Bedingung, zum Frieden zu gelangen, in Aussicht, und wenn es denn gerade so sein soll, wenn die Feinde es in ihrer Ver­blendung nicht anders wollen, dami kann und dann darf uns das durchaus ">'cht sein. Soll es, nach dem eigenen Willen der Feinde ein Machtfriede und kern Verständigungssviede werden gut ^o, wir sind ein­verstanden. ,_

Gesterreichische Angaben über das neue deutsch-österreichische Bündnis.

ver Gegenstand der militärischen Abmachungen.

W.T.-B. Wien, 19. Mai. (Wiener k. k. Korresp.-Bur.) Von unterrichteter Sette erfahren die Blätter: Ausbau und Vettiefuyg des politischen und wirtschaftlichen Bündnisses mit Deutschland können selbstverständlich für die mili­tärischen Verhältnisse nicht ohne Niederschlag bleiben. Schon als- der Krieg cmsbcach, boten eine nach ähnlichen Grundsätzen gehandhabte Ausbildung der Truppen und Führer und eine gleich hohe Bewertung der Manneszucht, vor allem aber eine in Bundeskriegen einzig dastehende Jn- terlffengemeinschast die Gewähr fiir rasches und erfolgreiches Zusammenarbeiteri. Dieses Zusammenarbeiten wurde mit der zunehmenden Verwicklung der Kriegslage immer inniger. Alles, was auf militärischem Gebiete im Kriege neu ge- schaffen wurde, kam den beiden Armeen in gleicher Weise zu statten. Alles, was an Ungeahnteni und Unerschöpflichem dazu zu lernen war, lernten beide gemeinsam, einer von dem andern. So konnte auch die stärkste Vermischung österreichisch-ungarischer und deutscher Abteilungen die Ein­heit der Kriegshandlung nie niid nimmer im geringsten stören, Truppen und Führer kennen einander bis in jede Einzelheit. Diese Entwicklung der Dinge bildet eine Haupt- u r s a ch e dafür, daß es uns möglich war, gegen eine Welt von Feinden siegreich durchzuhalten. Österreichische und rraatische Kommandos erhielten deutsche Truppen, und deut­schen Führern wurden österreichische und ungarische Divi­sionen unterstellt, die Einheit der Front war ohne Künstelei geschaffen. Die beiden Heeresleitungen hatten in ihr ein Kriegswerkzeug, dessen Elastizität allen Auf­gaben gerecht wiirde, -

Gerade die gemeinsame Verteidigung, der allein das Bündnis der Mittelmächte gilt, erheischt dringend, daß die im Kriege aus den Verhältnissen geborene Einheitlich­keit des Heeres in allen fiir die Kampfführung nt Betracht kommenden Belangen gewahrt bleibe. Dazu gehört auch

eine gewisse Annäherung in Organisation, Bewaffnung und Ausrüstung,

eine Annäherung, die der Materialnacherzeugung und dem Nachschub wesentlich zugute kommen wird. Nimmt man noch die gemeinsame Vorarbeit für die militärische und wirtschaftliche Mobilisierung hinzu, so gelangt man zu dem Ergebnis, daß die Vereinbarung zwischen Oster- reich-Üngacn und Deutschland durchaus auf dem Grundsatz der Zweckmäßigkeit anfgebaut sein wird, nicht auf weniger und auch nicht was mehr.

Dem Wesen des Bündnisses der beiden Mächte ent­sprechend werden die militärischen Abmachungen auf dem (9 r u n d s a tz vollster Parität beruhen und die beider- feiitoett Souveränitäis rechte nicht beeinträchtigen. Sie wer­den daher selbstverständlich die veiderseitigen cbersten K o m - mandot efugnisse in keiner Weise berühren. Ebenso

selbstverständlich ist die sorgfältige Bewahrung der den beiden Heeren traditionellen Eigentümlichkeiten, die ja doch die Stärke jedes einzelnen ausmachen und keinerlei Veränderung erleiden dürfen. Nach der Natur der Dinge handelt es sich bei den in. Rede stehenden militärischen Ver­einbarungen im Wesen durchweg um jene Gebiete der mili­tärischen Exekutive, die sowohl nach österreichischem als auch nach ungarischem Gesetze verfassungsmäßig den Herrscher-' rechten des Kaisers und Königs als obersten Befehlshabers Vorbehalten sind.

ttaiser ttarl in Sofia.

Sofia, 17. Mai. Kaiser Karl traf mit itieglekAma nach­mittags auf dem Bahnhof ein. Dem Kcnserpaar wurde ein festlicher Empfang bereitet. Bei dem Festmahl im König­lichen Schloß brachte der Z ar der Bulgaren einen Trinkspruch aus, in dem er oen Kaiser als Bundesgenossen und jüngsten Träger der traditionellen Freundschaft, die die beiden Häuser und Völker in so glücklicher Weise eint, begrüßte und der zahlreichen Ereignisse gedachte, die die beiden Staaten mit­einander verknüpfen. Diese Bande so betörte Zar Fer­dinand in seiner weiteren Rede berechtigen unseren Wunsch nach einer gemeinsamen Grenze mrt dem Staate Eurer Majestät, Sen wir heute verwirklicht sehen und der fstr die wirtschaftliche und politisaie Entwicklung der Bulgaren einen neuen Ansporn geben und eine Brücke zwischen meinem Lanie und den Mittelmächten biloen wird. Kaiser Karl dankte berzlich fiir den Empfang und führte u. a. aus: In unerschütterlicher' BundeStceue kämpft das tapfere Vclk der Bulgaren als Waffenge-rosie Österreich-Ungarns, Tcutschlcnds und der Türkei seit Jabren den schweren Ka.npf, den wir gemeinsam und um unsere Existenz, unsere Freiheit und Unabhängigkeit zu sichren genötigt sind. Noch ist das Ziel nicht voll erreicht. Mit festem und unverzagtem Ver- trauen sehe ich jedoch den Tag herannahen, der unsere Völker für alle Leiden mit einem ehrenvollen, segens­reichen Frieden belohnt. Der Kaiser wünschte zum Schluß, daß tie seit langem bestehende Freundschaft zwischen Österreich-Ungarn und Bulgarien sich auch nach glücklicher Beendigung des Krieges immer mehr festigen und durch tie unmittelbare Nachbarschaft an Innigkeit noch gewinnen wird._

(Ein KlieyLranHriff auf Köln.

Köln, 19. Mai. Die feindlichen Flieger, die heute in einer Stärke von sechs Flugzeugen 23 Bomben auf Köln abwarfen, hatten es, wie schon aus der Örtlichkeit der Ein­schlagstellen der Bomben ersichtlich, die fast sämtlich auf die verkehrsreichsten Stellen der inneren Stadt fielen, lediglich auf die Bevölkerung abgesehen. Für diese Annahme spricht auch der für den Angriff gewählte Zeitpunkt am frühen Vormittag mit seinem besonders lebhaften Straßenverkehr. Auch die Art der Bomben läßt darüber keinen Zweifel zu. Es waren durchweg solche von geringer Durchschlagskraft, aber desto größerer Splitterwirkung. Der Gebäudesachschaden ist unerheblich. Dagegen sind 2 5 Tote und 17 Verletzte zu beklagen. Diese große Zahl von Menschenopfern ist derKöln. Ztg." zufolge darauf zurückzu­führen, daß trotz rechtzeitiger Alarmierung der Stcfft durch die verantwortlichen Dienststellen die oft wiederholten Be­stimmungen über das Verhalten bei Fliegerangriffen viel- fach so gilt wie unbeach-tet blieben.

nie Franzosen in Erwartung d«s deutschen Vorstoßes.

Br. Bern, 21. Mai. lEig. Drahtbericht, zb.) Kriegs­berichterstatter an der französischen Front sind einmütig der Ansicht, daß die Vorbereitungen der Deutschen beendet sind. Allgemein erhoffen die französfichen Mili- tärkritckcc die wirksamste Hilfe gegen den deutschen Angriff von den wachsenden amerikanischen Ver­stärkungen und der Überlegenheit der Luftflotte der Alliierten. In derHumaprte" schreibt Sembat, daß die gegenwärtigen amerikanischen Truppensendungen ungefähr bas Sechsfache besten ausmachen, was man erhoffte. Die Überlegenheit in der Luft sei bereits wiederhergestellt. Der deutsche Bo^tctz werde furchtbar sein.

Einzelne Stadtteile van Amiens völlig zerstört.

Haag, 21. Mai. (zb.) Aus Amiens wurden die letzten Kunsffchätze entfernt. Einzelne Stadtteile find völlig zerstört.

Die Ausweisung eines englischen Journalisten aus Frankreich.

Br. Genf, 2t. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Die Ent­hüllungen des Pariser Korrespondenten desManchester Guardian" Robert Dell über die angeblichen französisch- österreichischen Friedensgesp,räche hatten unerwartete Folgen. Der .englische Journalist ist auö Frankreich ausgewiesen wor­den. Als die Prlizeipräfvktur. die Nachricht fett Ausweisung übermittelte, machte Dell einige Bemerkungen, die «den Un­willen der Präfektur erregten. Man Metz ihm daraufhin nicht einrnal .Zeit, seine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen und sch von den Seinen zu verabschieden. Er mußte nach­mittags 4 Uhr Aankreich verlassen. Im Mapulaire" -Pro­testiert Jean Longuet gegen diese Maßregelung, die er als skandalös und zaristisch bezeichnet. Robert Dell war ein intimer Freund von Anatole France. Sein-Schwiegersohn ist französischer LHsizier.

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