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Sonntag, IS. Mai ISI8. Morgen-klusgabe. Ur. 231.
66. Jahrgang.
w Wegen des Psingstsestrs erscheint die nächste „Tagblatt"-Ausgabe am Dienstagnach mittag. _
pfingstgeist.
Von König!. Ob-chofprediger D. Ernst Drhanver, Vizepräsident des preußischen Lberkirchenrats.
Jahr um Jahr erneut sich der Kreislauf unserer christlichen Feste. Jedes einzelne begrüßen wer mrt neuer Friedenshoffnung. Aber der Krieg geht werter. Auch das vierte Pfingsten mrt den. Jubelchören, zu denen sonst Natur- und Geisteswelt anfwrdern, hallt wider vom Lärm der Schlachten. And doch darf weder se>ne Freude noch feine Mahnung Deijtununen. Wir brauchen beides. ' . - . . .
Vom Brausen eines 'reuen Geistes erbebten wieder die Herzen, als das erste Pfingstfest gefeiert wurde. So gewaltig erschütterte es ihr Dasein, verwandelte alles, was noch afs tot in ihnen lag, in Leben und Kraft, daß man eine neue Ära der Weltentwrrklung von daher datieren darf. Aber Pfingsten ist kerne abgeschlossene Tatsache. Stiller oder lauter, aber ununterbrochen rauscht derselbe Strom. Prinasten ist immer! Wre jedes Jahr seinen Frühling, io hat die Welt neue Pfrngst- erlebnisse. In den Tagen schwerster Kämpfe, furcht, barer Katastrophen, oft gerade in solchen, brach ern neuer Ge-ist sich Bahn. In dem Aufeinanderplatzen der Völker, dem Anprall der Heere, in der Vernichtung unersetzlichen Wert: — im 'cheinbaren Untergang kann man auch heute das Wort lestn' ..Still, der Geist siegt!
Zwar ist sin gewaltiger Unterschied zwischen dem, was wir vor Augen sehen, dem Geist strenger Disziplin, dem Geist zäher Pflichterfüllung, dev Geist opferwilliger Hingabe und Begeisterung für di? edelsten irdischen Güter und — jenem verborgenen Wissen eines gött- lichen Geistes, von dem das christliche Pfingstfest redet. Aber jedes Wort, mit dem wir staunend die Bewegung der Geister von heute be'chreiben. weist ja schon über die Erscheinung hinaus auf eine unsichtbare, unversiegliche Quelle, ein letztes unerschloisenes Geheimnis, ein Der- borgenes und Unbedingtes, das als das innere Lebensmark alle jene Zeichen dnrchdringt. Und diese Kraft ist der Zusammenhang mit der tiefsten Lebensmacht, die die Geister und die Dinge bewegt, mit dem lebendigen Gott. „Ihr sollt merken, daß ein lebendiger Gott unter euch ist" — diesÄ Bibelwort hat im Neujahrstage 1914 der Kaiser als Text der Predigt in der Berliner Schloß- kapelle bestimmt. Wer nicht blind war, hat etwas da- von merken können. Die Götter sind stummer geworden. Es ist nützlich, auch wlche daran zu erinnern, die das nicht übermäßig gern hören.
Mögen nun aber diese Zusaminenhänge und die Hoffnung eines endlichen Sieaes stärken, heute erhebt sich vor allem die Fragen ob und inwieweit dieser mackst- volle Geist sittlicher Kraft auch auf anderen Gebieten sich siegreich bewähren werde.
Eine R i e s e. n a n s g » b e erwartet uns. größer, als je die Geschichte sie uns gestellt hat. Eine neue Welt muß eingerichtet werden. Wie schwer die kommende Zeit wirtschaftlich aus uns lasten möge — es unterliegt keinem Zweifel, daß Deutschland nach dem endgültigen Siege in einer völlig neuen Weltgeltung dastehen wird. Nicht in chauvinistischem Sinne ist das gemeint. Aber in der Wiedergewinnung seiner Kolonien, in der Rückeroberung seiner wirtschaftlichen Stellung, in der neuen Fesftgung des Wettbewerbs in der großen Arena der Geister wird ihm eine ungeheure Erweiterung seines Einflusses Zuwachsen. Nie trat an unser Volk im Laufe seiner Geschickte w ernst die Frage heran, ob es innerlich die Kraft haben werde, dieser Werte sich geistig zu bemächtigen, und ob mit der äußeren Machtsteigerung die H e b u n g der i n n e r e n K r ä f t e Hand in Hand gehen werde, nin sene Macht zinn eigenen wie zum Segen der Völker zn gestalten. „Deutschland nützt nur ein schwerer Sieg", hat der Feldmarschall v. Woyrsch unter sein Brld geschrieben. Schwer genug ist er uns tatsächlich gemacht. Demnach wird der bevorstehende Kampf noch schwerer, der Sieg noch mühsamer, der Preis noch größer fein. Denn der Erfolg oder Mißerfolg wird iricht nur über eine vorübergehende Machtstellung, sondern über die Zukunft unseres Volkes überhauvt entscheiden. Es ist die große Geisterschlacht des Guten und des Bösen, die zu allen Zeiten sich wiederholt, das Mnaen des Geistes von oben wider den Geist von nnt-m. an den das Pfingstfest uns mahnt. Und zahlreicher als die Schlachtfelder dieses Krieges, so zahlreich wie die verschiedenen Seiten unseres Volkslebens selbst, um deren Besitz jene Mächte streiten, werden die Schauplätze sein, ans denen diese Schlafen geschlagen werden.
Ich kann sie an dieser Stelle nicht des Weiteren aus- sühren und weissage weder Siege noch Niederlagen. Mcm. fr»™ die Ecaeuenun« urfo&ä SßaÜÄ-
lebens in Einfachhftt der Sitten. in der Freuüe am Schlichten und Natürlichen, in der Reinhaltung unserer Ehen, in der ernsten Pflege der Kinder, m redlicher zuverlässiger Arbeit und was dergleichen mehr ist. An die Seele aber des Volkes rührt davon noch kerns. Und doch bleibt in der ungeheuren Umwandlung der Dinge, die uns erwartet und die alles verändert, nur eins dasselbe, des Volkes innerstes Ich, ferne Seele. Sie muß erneuert werden. In jeder großen politr'cbcn Umgestaltung, sagt Ranke, wird auch das religiöse Leben eines Volkes in der Tiefe bewegt. Nicht daS macht den Wert eines Mannes aus, steht unter Rudolf rä>ohms Bild, was er weiß, sondern was er glaubt. Das wird auch von dem Leben eines 'Volkes gelten. ' Was uns not tut, ist die Pfinqsttaut: der Seelen mit dem Feueistrahl des göttlichen Geist-s, der als Kraft. Liebe und Zucht sich entfaltet. Mit ihm werden wir siegen. Ta- zu ruft uns das heutig: Pftngstfest auf.
In einer der großartigsten Visionen des Hesekiel sieht der Prophet ein Feld voll Totengebeinen, das Bild feines vernichteten Volkes. Aber fte werden lebendig, wenn Gottes Geist sie durchrauscht. Das Bild paßt nicht ohne weiteres ans uns. Unser Volk ist nicht verdorrt. Aber im Gedanken an die werten Totenfelder in Ost und West. Süd und Nord, im Blick auf die dahin- gerafste Jugend, die für uns irch geopfert hat, dürfen wir das Bild anders wenden. Auch unsere Toten werden heute lebendig unter dem Odem Gottes und mahnen uns der Opfer zn gedenken, die sie nicht vergeblich wollen gab "acht haben. Möchte d r c Ernte der Aussaat wert sein und der Geist Gottes die Herzen durchwehen, um lebendig zu machen, was tot ist. __
Der Kbendbericht vom 18. Mai.
W. T.-B. Berlin, 18. Mai. abends. (Amtlich. Draht- lericht.) B-n den Kriegsschauplätzen nichts Neues.
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r cet jüngste Fliegerangriff auf pGtts.
Br. Basel, 18. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus Paris melden die „Basier Nachr.": Der Fliegerangriff vom Mittwoch hat die Pariser einigermaßen überrascht, d«b sie seit dem 12. April, nachts, sticht mehr beunruhigt worden waren Eine große Menge flüchtete wieder in die Unter- grundtobn. Der „Petit Parisien" tadelt die Unvorsichtigkeit der Bevölkerung, die stch wieder in großer Menge auf den Boulevards aufhielt und dem 'Schauspiel zuseheu wollte. In gen Theatersäken wurden die neuen Vorschriften der Präfektur fcfcrt ausgeführt, die Vorstellung wurde unterbrochen und das Theaterpersonal fühtte die Zuschauer nach den Zufluchtsstätten.
Br. Genf, 18. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Das Massenaufgebot der Pariser Jagdflieger zur Verfolgung des deutschen Flugzeuges war erfolglos. Der größte Teil der Bevölkerung blieb auch nach der in der dritten Morgenstunde erfolgten Signalisierung, daß das feindliche Flugzeug außer Sicht sei, in den Kellergewölben.
vre tschechischen Verräter in Paris.
Br. Genf, 18. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) „Excelsior" meldet aus Paris: Das tschecho-slawische Komitee verständigte die Entente dahin, es werde mit allen Kräften den Wider st and gegen die Alliance mit Deutschland wach erhalten Die tschechischen Soldaten warteten auf den Sieg der Entente, um einen energischen Widerstand einzuleiten.
Ein neuer Präsident des sranzösikchen Lustamtes.
W. T.-B. Paris, 18. Mai. (Drahtbericht. Agence Habas.) An Stelle des verstorbenen Millerohe ist P a h l e v e zum Präsidenten des Luftamtes ernannt worden.
Eine Interpellation über die Politik der alliierten Regl-nmgcn.
W. T.-B. Paris, 18. Mai. (Drahtbericht. Agence HavaS.) Die sozialistische Kammergruppe hat beschlossen, die Initiative zu einer Interpellation über die Politik der alliierten Regierungen zu ergreifen.
Eine neue Affäre in Frankreich.
Br. Genf, 18. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Eine neue Affäre wird in Frankreich besprochen. In einem Hospital zu Clermont wurde der Bankier Zucco verhaftet, der als Zuave dient. Es wird ihm vorgeworftn, daß er im Juni 1916 100 000 Franken russische Kupons von einer Wiener Bank erhalten habe. Außerdem soll die Untersuchung fejtgestellt haben, daß er Wertpapiere verkauft habe, die 1914 während der deutschen Okkupation von Clermont abhanden gekommen sind. Schließlich wird er noch beschuldigt, daß er feindliche Wertpapiere für 60 Prozent, besonders österreichische Rente, in Frankreich anfgekanst hat. Zucco ist früher Bankdirektor gewesen und :var längere Zeit in Italien ansässig.
Oie amerikanischen Verluste.
W. T.-B. Washington, 18. Mai. (Drahtbericht. I Die letzte Verlnstlrste, die General Pershing veröffentlicht, enthält die
, «cm 120 SänenZanecu. die agetotzet oberugnuahetifpfc.
oder vermißt werden. Damit stiegen die Gesamtverluste der Amerikaner aus folgende Ziffern: Gefallen 2240, verwundet 3009, gefangen genommen 65, vermißt 202. Die Gesamtzahl der Verluste beträgt 5 5 0 L
21000 Tonnen an der Westküste Englands versenkt!
\V. T.-E. Berlin, 18. Mai. (Drahtbericht. Amtlich.) Das
dou Kapitimloiitnant Grunert befehligte U-Boot har an der Westküste Englands 5 bewaffnete, lies beladene Dampfer von zusammen 21000 Bruttotonnen versenkt, darunter ein mindestens 8000 Bruttotonnen großes Schiss. Namentlich sestgestetlt wurde der bewassnete jrauzöstjche Dampser „St. Chamond" (2866 Bruttotonnen).
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die Juterniertrnlager in England.
W. T.-B. Berlin, 18. Mai. Die „Boss. Ztg." veröffentlicht einen Artikel über die deutschen Jnterniertenlager in England von dem Konstanter BerlagÄmchhändler Karl Hirsch- &oni Juli 1916 bis Anfang Februar 1918 in 'England in einem Jnterniertenlager zubrachte ruck» nach seiner Rückkehr das englische Jnterniertenlager in Mnhleben bessthtiigte. Er schreibt u. ft.: Ich weiß jetzt, daß die Lage der Engländer in Ruhleben unvergleichlich besser ist als die Lage unserer Zivilinternierien in England. Da macht auch das sogenannte privilegierte Lager in Wakesield, in dem etwa 1400 Deutsche — fast alle wohlhabenden Kreisen angchürig — sich befinden, keind Ausnahme. Die Verhältnisse in den deutschen Jnterniertenlagern in England sind zurzeit höchst traurig- Seit Ende Februar vorigen Jahres werden die Rationen mchr und mchr verschlechtert und verringerst Niemals bekamen die Deutschen frisches Fleisch. DaS Brot wurde immer schlechter und nngenietzbarer. Seit Monaten wurden überhaupt nur 140 Gramm Brot geliefert, dazu 110 Gramm AbfaWrocken von Schisfszwieback^ schlechtester Qualität. Die Unglücklichen, die keine Pakete vom neutralen Ausland erhielten, hungerten. In 'West-Camp fehlte oft das nötige Wasser zum Waschen. Die Wöhnungsverbältnisse -waren m den Bretterbwden im Tlnfang ganz erbärmlich, bis die Internierten sich selbst halsen und für eigenes Geld Verbesserungen anlegten. Wenn Deutschland, so heißt es am Schluß des Artikels, für seine allmählich zugrunde gehenden internierten Landeskinder etwas erreichen will, dann muß es alle Engländer, ohne jede Ausnahme, vom 17. Lebensjahre an gerechnest internieren. Ferner müssen Brotpakote aus Dänemarik so lange gestoppt werden, bis .die Engländer die gleichen Pakete (also 6 Pfund pro Woche) ebenfalls den internierten Denffchen zukommen lassen. — In einer Nachschrift heißt es: Seit ich diesen Artikel geschrieben habe, sind mir von Freunden in Wakfield Briese zugegangen, die mir beweisen, daß sich die Nahrumgsmiktelverhält- nisse dort .weiter ganz bedeutend verschlechtert haben. Pakete aus .England dürfen überhaupt nicht mehr an die Internierten in Wakfield gesandt werden. Unsere Leute dort leiden bitterste Not; für Geld ist überhaupt nicht? Eßbares zn kaufen.
Verhaftungen von Sinnseinern.
W. T-B. Dublin. 18. Mai. (Drahtbericht. Reuter.) Die
Führer der Smnieincr de Balera. Gräfin Markiedice, Artur Grissith Dr. Drllon und der Abgeordnete Cosgrave sind verhaftet
worden. 8cnl . w| , 18 _ (Drahtbcrichr. Reuter.) Die
Times" meldet aus Dublin, daf eine erhebliche Anzahl von Per-
sonen in Dublin und ganz Irland verhaftet worden seien.
vie ttämpfe in Veutsch-Gstasrika.
Br. Haag, 18. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) t! London wird offiziell vom 17. Mai berichtet: In Portugieüsch-Ost- afrika haben unsere Kolonnen Fühlung mit dc deutschen Hauptmacht, die üch in der Nähe von Nanuga l efindet,
150 Meilen südlich des Zusammenschlusses von Bovuma und Lejenda und 190 Meilen vom Fort Armelia. Die deutsche Streitmacht, die sich dem Vormarsch vom Fort Armelia aus widersetzte, wurde in Nachhutgefechlen auf das schwierige Gebiet von Nanuga zurückgeworfen. Portugiesische Truppen aileiten mit uns zusammen nördlich von Nsenu und südlich , von Lorio.
Der amtliche türkische Bericht.
W T.-B- Konstantinopel, 18. Mai. (Drahtbericht. Tagesbericht vom 17. Mai.) Palästina front: Stellenweise auf.
lebende« Artillcrieseuer. Rege Patrouillentätiglüt aus dem öst. licken Jcrdannser. Mesopotamien: Ruhe auf der ganzen Front. Von unserer Ortsgruppe und am Tigris sind rückwärtige Bewegungen des Gegners erkannt worden. Sonst nichts von Bedeutung. _
Der amtliche bulgarische Bericht.
IV T.-B. Sofia. 18. Mai. (Drahtbericht. Generatst«hsh«ichst) Mazedonische Front - Nördlich von Bit»«« lebhafte Feuer, tätigkeit aus beiden Seiten. In der Gegend der Moklena versuchten scir.ilichc Sturmtruppcn. nach Artillerievorbereitung gegen unser: Posten bei Kukuruz vorzugehen. Sie wurden zurückgeschlagen und erlitten schwere Verluste. Östlich vom Wardar, bei den Dörfern Watschukrvo und Krastali, zersprengten wir- englische Erkrmdungs- truppen. Südkich von Domm nahm daS stksdtrch« artrttafcftR«: «* Starke «u. “ "
