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Verlag Langgaffe 21

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblalts: Berlin W. 57, An der Apostrlkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.

Mittwoch, 15. Mai 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 223. . 66. Iahrgang.

Erfolgreiche Vorstöße in die englischen Linien.

W.T.-B. Berlin, 14. Mai, abemds. (Amtlich. Dvahtbericht.)

Erfolgreiche örtliche Bors löste in die englischen Linien auf dem Nordufer der Somme an der Straße Braye-Corbie. Heftige Gegenangriffe des Feindes scheiterten. Sonst nichts Neues.

Sic Schächte von Roeuj unter schwerem deutschen Feuer. ,

W. T.-B. Berlin, 14. Mai. Am 12. Mai hielt gegen die Front vom Yser-Kanal bis westlich Dranoeter das lebhafte feindliche Alstilleriefener mit kurzen Unter- brechungen an. Gecken Abend erhob es sich zwischen dem Mer-Kanal und der Gegend Bailleul zu größerer Stärke, um sich am 13. Mai, morgens, mit großer Wucht aufs neue gegen die Kemmel-Höhen zu richten. Nördlich des Kanals von La Baisäe scheiterte ein feindliches Patrouil- len-Unternehmen, bei dem wir Gefangene einbrachten. Die Schächte von Roeux wurden von uns mit schweren Kalibern beschossen.

Die Erfolge der deutschen Lnftstreitkräfte im Monat Kpril 1918.

W. T.-B. Berlin, 14. Mai. Im Monat April' der- loren unsere Gegner durch unsere Kampfmittel im ganzen 271 Flugzeime und 15 Fesselballone. Wir büßten dirrch feindliche Einwirkung 123 Flugzeuge ein, von denen 87 jenseits unserer Linien verblieben, und 14 Fesselballone. Bon den feindlichen Flugzeugen tour- den 223 im üustkamps. 42 durch Abwehrgeschütze und 6 durch Gewehrfeuer abgeschossen. 122 feindliche Flug­zeuge blieben in unserem Besitz. Außerdem wurden 20 feindliche Flugzeuge jemeits unserer Linien schwer be- Wädiat zur Landung gezwungen und zwar 8 durch un­tere Flieger, 12 durch unsere FlugabwehrgeschüBe.

General Maurice muß gehen!

W. T.-B. London, 1 \ Mai. (Amtliche Meldung.) Gener«l- rnajor Maurice ist pensioniert worden.

Englische KnnÄherungsversuchs an Finnland.

8. Stockholm, 13. Mai. (Eig. Dvahtbericht. zb.) Heffing- forfer Nachrichten besagen, daß die Engländer jetzt nach: der Ent^eidirng des Bürgerkriegs Annähemungsversuche an gmnkwtfo machen. Der bvifische Konsul in HMingfors machte dem Senat den Vorschlag die idiptomafischen Beziehungen in vollem Umfang wieder aufzunechmen. England verspricht die. provisorische Anerkennung -der finnischen Seklibständitzikeit, falls die verhafteten brrüschen Untevtanen fteigelassen werden und die ftnnländische NeutmLität garantiert wird. Die endgültige Sntscheidi»r.g soll jedoch dem allgemeinen Friedenskongreß überlassen bleiben.

Die Bezichrmgen Finnlands zu Rußland.

»i. Stockholm, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Das Finnische Natizbureau teilt hakbamtlich mit, «daß diplomatische Beziehungen zwischen Rußland und Finnland noch nicht bestünden. Don solchen könne noch keine Rede sein, so 'lange die Festung Ine noch nicht ausgeliefert sei, russische Kriegs- manr schalsten sich noch in finnischen Gewässern befänden, finnische Aufrührer in Petersburg beherbergt würden, und dort neue Feindseligkeiten planen könnten, und die Behörden in QstSarvlien seindfichc Maßnahmen unterstützten.

Die finnische Kriegsbeute.

Stockholm, 14. Mai. Nach fielsinforser Drahtungen ist die finnische Gesamtkriegsbeute über Erwarten groß. Ihr Wert beläuft sich auf s e ch s M i l l i a r d e n Mark. In Helsingsprs und Wiborg steht eine Hungersnot bevor.

Englische Lügen über dar deutsch-russische Verhältnis.

W. T.-B Berlin, 13. Mai. Reuter meldet angeblich aus Moskau, der deutsche Gesandte Graf Mirbach habe dem Volks- kommiffaniat ein Ultimatum der deutschen Regierung mit einer Reihe den Forderungen überreicht, deren Annahme Rußland zu einem deutschen Schutzgebiet ipachcn würde. Wir sind zu der Feststellung ermächtigt, daß diese Nachricht jeder Be- g r ü n d u n g entbehrt. Die mit dem Volkskommissariat ge- führten Verhandlungen stehen durchaus auf dem Boden des Brestcr Friei-enöttrtragcs und betreffen lediglich die technische Durchführung der darin mstgeführten Vereinbarungen Sie werden in absolut versöhnlichem Tone geführt und sind ihrer ganzen Natur nach nicht dazu angetan, auch nur den Anschein eines Ultimatums zu erwecken Reuter beabsichtigt offenbar, durch derartige Lügen den schlechten Eindruck zu verwischen, den die Drohungen der Entente bezüglich Sibiriens bei der russischen Regierung hervorgerufen hoben und diese sogar zur Forderung der Abberufung des französischen Gesandten und einiger Entente-Konsuln veranlaßt haben.

Die russisch-ukrainischen Friedens- Verhandlungen.

\V. T.-B- Kiew. 13 Mai. Die ukrainische Regierung ist mit der russischen Regieiuiig dahin übereingekommen, daß die Friedens­verhandlungeil zwischen den beiden Regierungen nicht in Kursk, ssnver» in Kiew stattsindcn sollen. Die beiderseitigen Delega- twnea werden schon in allernächster Zeit in Kiew zusanmventreteu.

Landung englischer Soldaten auf der Halbinsel Bola.

Br. Ehristiania,. Mai. (Eig, Drähtdericht. zb.) Dfi Engländer haben, wieTidens Togn" meldet, 800 Soldaten in Petschenga aus der Halbinsel Kola gelanget.

Gesterreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W.T.-B. Wien, 14. Mai. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 14. Mai, mittags:

Die Gefechtstäiisikeit an der italienischen Gebirgs- front gleicht der der letzten Tage.

Der Chef des Generalstabs.

Die italienischen Verluste.

W. l.-B. Wien, 14. Mai. (Meldung des -Wiener k. u. k. Telcgrapben-Korr.-Bur.) Den Blättern zufolge bähen nach einer vorsichtigen Schätzung der maßgebenden Stellen di: italienischen Armeen in elf Jsonzoschlachten 270 000 Tote, 230 000 invalide Gewordene und 131000 Gefangene verloren, dcs sind insgesamt 081000 Mann Dauerverluste. Dazu kommen noch 1 200 000 Verwundete, die wieder in die Front einrücken konnten. Während unserer Herbstoffensivc 1917 batten die Italiener 800 Offiziere und 36 000 Mann Tote, 8200 Offiziere und 120 000 Mann Verwundete. 10 000 Offiziere und 285 000 Mann Gefangene. Die Gesamteinbuße des Feinips seit Beginn des Krieges beträgt rund 2255000 Menschen. An italienischem Kriagsge-rät wurden bis Ende März von uns 2 0 0 0 Geschütze geborgen, davon di« Halste von über 10,2 Zentimeter Kaliber, 3000 Maschinengewehre, 150 000 Jnsanteriegeweihre mit 52 Millionen Patronen, 400 Minenwerser, 1 Million Handgranaten und 1% Millionen -Artilleriegeschosse. Das Gesamtgewicht -der sonstigen Bente betragt 4631 Waggo nladung« n zu je 10 000 Kilo­gramm. Einen großen Teil davon bilden Automobile, Train-, Telegraphie-, Telephon- und sonstiges technisches Material, Monturen. Ausrüstungsstücke sowie FluMSUg«. Durch un­sere Herbstoffensive wurde bei Beginn des Kriegs von uns freiwillig awfgegäbenes Gelände im Ausmaß von 22 4 0 Quadratkilometer, wozu in den 27 Kampjfmoimtsn im ganzen nur noch 335 Q-uadratkilometer kamen, -nicht nur fast vollständig wiedevg-ewonnen, sondern dazu noch rund 12000 Quadratkilometer italienisches Ge­biet eroibert.

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Ein neuer österreichisch-ungarischer Gesternwbcrst.

W.T.-B. Wien, 13. Mai. General der Infanterie Freiherr v. Stoeper-Steiner, iisterreichisch-un- garischer Kriegsminister, wurde zum Generalobersten ernannt.

Abgeordnetenhaus.

(Eigener Drahtberrcht desWietzbodener Tagblatt»'.>

$ Berlin, 14. Mai.

Am Ministerfisch: Dr. Friedberg. Dr. Drews.

HauS und Tcibünen sind stark besetzt.

Vizepräsident Dr. Pocsch eröffnet die Sitzung um 11 Uhr 20 Minuten.

vie dritte Beratunq der wahlrechtsvorlage

wird bei Arfikel 2 des VerfassungsgeseheS fortgesetzt. Danach ist die Übereinstimmung des Königs und beider Häuser deS LanQtrgs zu jedem Gesetz erforderlich. Ferner sind in dem Artikel Bestimmungen getroffen über die Verhandlungen in einem Verständigungsausschutz, der aus Mitgliedern beider Häuser gebildet wird und zusammeutrete.r soll für den Fall, daß die Erste Kammer einem Beschluß des Abgeordneten­hauses nickt beitritt.

Abg Dr. Bell (Ztr.) begründet den Antrag Porsch, welcher dahin geht: Tritt die Erste Kammer einem Beschluß des Abgeordnetenhauses nicht bei. so findet in einem aus Mit­gliedern beider Häuser gebildeten Verständigungsausschuß die Beschlußfassung hierüber mittels Durchzählung der Mitglieder beider Häuser statt. Bei dieser Durchzählung sind nur so viel Mitglieder der Ersten Kammer stimmberechfigt, als dir Mitgliederzahl des Abgeordnetenhauses beträgt.

Abg. Dr. Ludewig (natl.): Gegen den Antrag haben wir große Bedenken, da dadurch das Budgetrecht der Zweiten Kammer angetastet wird.

Finanzminister Dr. Hergt erklärt sich mit dem Antrag einverstanden, weil dadurch eine Majorisierung des Abge­ordnetenhauses und eine Beeinträchtigung des Budgetrechts des Abgeordnetenhauses verhindert wird.

Nach kurzer Erörterung wird der Antrag Porsch angenommen: ebenso Arfikel 2 und 3.

Hierauf wird 8 1 des Gesetzentwurfs über die Wahl zum Abgeordnetenhaus (Wahlberechtigung) unverändert angenommen. Zum 8 2 (Ausschluß von der Wahl- berechfigung) beantragt Abg. Dr. Bell (Ztr.), die Besfimmung zu streichen, daß der Ausschluß erfolgen soll wegen eknes Verbrechens oder Vergehens, das die Aberkennung der bür­gerlichen Ehrenrechte zur Folge haben kann. Ferner soll nach dein Antrag die Bestimmung gestrichen werden, daß der Aus­schluß wegen rückständiger Steuern geschehen kann.

Abg. Dr. Kries (kons.) beantragt, daß der Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte den Ausschluß von der Wahl zur Folge haben soll,

Minister des Innern Dr. DrewS: Die Regierung ist ü«- mit einverstanden, daß rückständige Stenern keinen Grund für den Ausschluß von der Wahlberechtigung bilden.

Nach werteren Ausführungen der Abgg. Dr. Lewin (Vpch, Boislp (natl.), Leinert (Soz.) und Dr. Bell (Ztr.) wird der Antrag Kries angenomnien, der Zentrumsantrag abgelehnt. Im übrigen wird 8 2 angenommen.

Zu 8 3 (M eh rst i m m e n r e ch t) liegen Anträge d« Nationalüberaten und Fortschrittlichen Bolkspartei vor, welche das gleiche Wahlrecht vorsehcn.

Abg. Dr. Porsch (Ztr.): Der Teil meiner politisch«! Freunde, der seine Stellung von dem Schicksal der Sich»- rungsanträge abhängig machen wollte, wird

heute für das gleiche Wahlrecht stimmen.

Die Beschlüsse der Kommission lehnen wir ab. Unsere end­gültige Stellungnahme zu dem Antrag Lohmann behalten wir uns vor. Er enthält erwägenswerte Momente zur Verständigung.

Abg. v. Kirrdorff (b.'k. Fr.): Auch ich erblicke in dem Antrag Lohmann eine Brücke zur Verständigung. Ich wun­dere mich, daß die Regierung ihn ablehnt. Im Falle «ner Auflösung würde »s zu einer schweren Beunruhigung unser«« politischen Lebens kommen. Das Ausland klammert sich an die Uneinigkeit des deuffchen Volkes. Wir sollten das ein« Ziel im Auge haben: den Sieg an der inneren Front, damit wir unseren Feinden sagen können: Sie sind alle gegen uns ausgestanden, sie haben aber nichts gegen uns vermocht.

Abg. Hirsch (Soz.): Die Regierung sollte bei der Ab­lehnung der Vorlage das Haus sofort auflosen, da auf eine spätere Verständigung doch nicht zu rechnen ist

Abg v. Oernen (fceikons.): Das deutsche Volk Ijai wäh­rend des Krieges politische Reife gezeigt. Eine Änderung des WablgesetzeS muß durch das gleiche Wahlrecht erfolgen, das durch gewisse Sicherungen gegen Mißbrauch geschützt ist. Es muß verhindert werden, daß di- ruhigen und gemäßigt«, Elemente durch die großen Massen vergewaltigt io erden. Ich hoffe, daß auf der Grundlage des Antrag? Lohnrann «wie Verständigung zustande kommt.

Abg. Adolf Hoffmann (Unabh. Soz.): Das gleiche Watzl- vecht wird kommen ''roh dies-r Regierang. Men erroartzm eine Verständigung auf der Grundlage des Ant«»>S Latz­mann. Für uns wäre die Vortage unmnt^mbrnc, mich sch»« bei nur einer Mehrsfimme.

Abg. Gröfe (kons.)' Wenn das Auslarid sich über uugE Wahlrechtskämpfe freut, so liegt die Schuld «n der vt«a-i0> regierung, die die Vorlage schon während de» Krwges e«- brachte Wir wollen nicht die Hand dazu bieten, das s«che Gerüge des preußischen Staates durch eine Denookrafischr«,« des Landtags zu erschüttern. Wir wollen nicht, daß dtz- Befugnrffe der Krone durch das parlamentarische Syst«»r eingeschränkt werden.

Die Anträge auf Wiederherstellung des 8 3 der SieiM- rungsvorlage, der das gleiche Wahlrecht vsrsieht, wfrtze« darauf (wie schon kurz in der gestrigen Abend-Ausgabe ge­meldet) mit 236 gegen 185 Stimmen abgelehnt.

Der Antrag Lohmann, wonach zu der Ätrund- sfimme unter gewissen Voraussetzungen zwei Zusatz­stimmen gewährt werdea können, wird in namuckiich«: Abstimmung mit 338 geaen 73 Stimmen ab^elehnt, ebenso der 8 3 der Kommrssronsbeschlüsse auf Er.fführung d«S Mebrstimmenwahlrechts mit 220 gegen 191 bei 4 Stimmenthaltungen.

Hierauf erklärt der Vizepräsident des Staatsministeriu«» Dr. Friedberg:

Die Staatsrcgirrung hält nach wie v»r an tzem gteichen Wuhlrechr unverrückbar fest und ist entschl»ffe», zu seiner Durchführung alle verfassungsmäßigen Mittel in An­wendung zu bringen.

Sie ifi jedoch ebenso der Auffassung, daß das Herreichurs als gleickbercchtrgtec Faktor der Gesetzgebung zu dieser sür unser Staats- ano Verfassungsleben grundlegenden Frage Stellung nehmen muß. zumal auch die Neuordnung des H»«»barrs«S selbst einen wesentlichen Teil ves geplanten Rvfownwerckr» bildet.

Demgemäß wird auch das Herrenhaus mit der Vorlage befaßt werden.

Sollte dieses der Gesetzgebung entsorechende Verfahren «ur- gegen den Erwartungen der Sraatsregierung firnerhatb »e- meffener Frist nicht zur endgülttgen Annahme des gleichen Wahlrechts führen, so wird

die Auflösung des Hauses zu dem ersten Zeittzun« e»- folgcn, für den dies nach pflichtgemäßem Ermessen der StaatSregierung Mit der Kriegslage verträglich ist.

Zu 8 14 (geheime Wahl) wird ein Antrag Porsch iZtr.) ,ruf Sicherung des Wahlgeheimnisses mit ein«n Aa- satzantvag Gräfe (kons.) imf Sicherung der geheimen Wahl angenommen.

Zu 8 24 (Abgrenzung der Wahlbezirks M» ein Antrag der Nationalliberalen auf Einführung der Ver­hältniswahl in Groß-Berlin und anderen große« Wochrtz». zirken c-baelehnt. Ein Antrag A l t h o f f (natl.), bewofchmb Eir fübrnng der Verhältniswahl in »emffchEtzrachlge« Bezirken in den Oftmarken, wird in namentlicher Ab­stimmung mit 293 gegen 113 Stimmen abgelehnt.

Der Antrag Porsch (Ztr.), wonach bei Abänderung eines Wahlbezirks in jeder Kammer eine Stfin-menmehrheit von zwei Drittel erforderlich sein soll, wrrd angenommen. Der - Rest des Gesetzes wird ohne Erörterung «rgenonmeeu,