Verlag Langgaffe 21
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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apostelkirche 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 »nd 6203:
Var gleiche Wahlrecht wiederum abgelehnt!
Var erwartete Ergebnis -er dritte» Lesung.
W. T.-B. Berlin, 14. Mm. (Drahtbericht.) Bei der dritten Lesung des Gesetzentwurfs, betreffend die Wahlen zum Abgeordnetenhaus, wurden die Anträge auf Wieder. Herstellung des 8 3 der Regierungsvorlage, der das gleiche Wahlrecht vorsieht, mit 236 gegen 185 Stimmen abgrlrhut. ____
Die engere Bindung Oesterreich-Ungarns mit Deutschland.
(Bon unserer Berliner Abteilung.)
L. Berlin, 14: Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Man war in politischen Kreisen seit langem darauf vorbereitet, daß eine Ergänzung des den Verhältnissen nicht mehr entsprechenden Bündnisses mit Österreich- Ungarn bevorstand. Nachdem die Verträge von Brest- L i t o w s k abgeschlossen waren, macht es sich dringend nötig, daß die beiden Mächte den g e m e i n s a m erkämpften Gewinn auch gemeinsam sicher st eilten. Es mußte also eine Abmachung in den Vertrag eingesetzt werden, die jeden der beiden Teilnehmer verpflichtete, für die vorn anderen erworbenen Gebiete einzutreten. Im Osten haben wir nun zwar keine „Annexionen" gemacht, aber doch eine Reihe von Staaten unter unseren Schutz genommen, sie als unser besonderes Interessengebiet erklärt. Bisher be> staM keine Verpflichtung in fragen, die das besondere Interessengebiet nur eines Partners angingen, für die- ftn einzutreten. Das wird nun dahin modifiziert werden müssen, daß Österreich-Ungarn sich an den vom Deutschen Reich übernommenen Schutzverpffichtungen beteiligt, denn der Vertrag von Brest-Litowsk sah ja vor, daß beide Mächte für die staatsrechtliche Zukunft der Rußland entrissenen Gebiete sorgen. Oster- reich, so wird erzählt, hätte sich früher üerarfigen Ände- rungen widersetzt, sei aber bei der Lage aus dem Balkan und nach dem Frieden von Bukarest bereit, seine Stellungnahme zu wechseln. Nach der amtlichen Erklärung ist man hier stark geneigt, anzunehmen, daß die neue Bindung weiter gehen wird, als man ursprünglich ahnen konnte, denn es ist im Zusammenhang mii dem ^ttschluß, das Bündnis auszubauen imd zu vertiefen, auch die Rede von politischen und wirtschaftlichen, nicht nrrr von militärischen Fragen. Man wird über die anderen Gebiete indes eine Klärung erst abwarten muffen. In bezug auf die militärischen Vereinbarungen sind zwei Möglichkeiten vorhanden: Entweder wird eine interimistische Regelung, die nur auf die durch den russischenFrieden geschaffenen Ver- HAtnisse zugeschnitten ist, getroffen oder c» wird — imd nt sonst gut unterrichteten Kreisen steht man , das als wahrscheinlich an — eine dauernde Militärkonvention abgeschlossen, die eine vollständige Vereinigung der Machtmittel beider Staaten herbeiführt. Der neue Zustand soll ein Defensivbündnis entstehen lassen, das in- deffen st, e n g ist, daß keine der beiden Staaten allein von dem Völkerbund, wenn ein solcher je zustande- kommen sollte, ausgeschlossen werden kann, sie vielmehr zusammen über deren Eintritt in denselben entscheiden werden. Der Reichstag sowohl wie der österreichischenLandtag werden sich, mit dem reuen Vertrag zu beschäftigen haben. EL wird, wenn er den Parlamenten dorftegt und man sich über ferne Einzelheiten klar werden kann, Näheres darüber zu sagen sein, ob und welche Vorteile er dem deutschen Volk bringt. Vorläufig ist jedenfalls die Tatsache erfreulich, daß für die Donaumonarchie das Bündnis mit Deutschland auch weiterhin entgegen den Wünschen un- serer Feinde die politische Richtung sein soll.
Die austrovolnische LSsung bevorstehend.
Kr. Wien, 14. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie fi.r Abgeordnetenhaus verlautet, hat die deutsche Regierung bei den Besprechungen im deutschen Hauptquartier der austropolnischen Lösung unter der Bedingung zugestimmt. daß Österreich-Ungarn mit Deutschland eine Konzession für IS Jahre abschletzt. Die Errichtung der Personalunio-n zwischen Österreich-Ungarn vrrd Polen ist nunmehr bald zu erwartzeo-
Die Bedeutung der neuen Monarchenbegegnung.
Berlin, 14. Mai. (zb.) Wenn etwas geeignet war, sagt der „Berliner Lokal-Anzeiger", die Spekulation unserer Feinde auf eine Lockerung des Bündnisgedankens zu zerstören, so war es die Monarchenbegegnung vom 12. Mai, die zugleich eine würdige Antwort auf lie Machenschaften eines Clemenceau und seines verfälschten oder frei erfiindenen Kaiserbriefes ist. Die Zusammenkunft der beiden Kaiser, denen sich als Haupt des zweitgrößten deutschen Bundesstaates auch König Ludwig von Bayern beigesellt hat, ist ein weltpolitisches Ereignis ersten Ranges, das angesichts der gewaltigen militärischen Spannung im Westen, die wir jetzt durchleben, besonders dazu angetan ist, uns hoffnungs- froh und zuversichtlich den weiteren Erfolgen des deutschen Schwertes entgegensetzen zu lassen..
In ter „Kreuzzeitung" heißt es: Die Geschehnisse der letzten Zeit haben den zwingenden Beweis erbracht, daß ein Bündnis nur dann Wert hat, wenn die Kontrahenten über die nötige militärische Kraft verfügen. Diese Erfahrung dürfte auch für die Zukunft eine Roll« spielen. Inwieweit ein wirtschaftlicher Zusammenschluß möglich ist, darüber sind bisher die Aussichten auseinander- geaangen. Jedenfalls aber wird auf der Grundlage eines festen militärpolitischen Bündnisses ein sclcker eher möglich sein.
Die „Deutsche TageSzeituug" meint: Der durch d« bisherigen Friedensschlüsse geschaffene Zustand wird um. so dauerhafter und klarer sein, je größer das Machtubergewicht des Bierbund-s und die Einheitlichkeit des W i l l e ns sind. DaS gilt auch sür die Zukunft und gilt inSbeiondere für den Westen und daS westliche Kriegsziel Deutschlands. Daß dort durch den Sieg des Deutschen Reiches die ckötigen Sicherungen erreicht werden. istaucheineLebens-
bedingung für Österreich-Ungarn.
Der „Bonoärts" schreibt: Bon der Sozialdemokratie
kann gesagt werden, daß sie für jeden Bund mrt anderen Völkern zu haben ist. der nicht Dritte vom Anschluß als gleichberechtigten Teilnehmer ausschließt. Das Blatt hofft und erwartet, daß die Konsereuz im Hauptquartier nicht zu voreiligen Bedingungen führt, die ja auch kaum möglich seien, da wirtschaftliche und militärische Konventionen nicht ohne Zustimmung der Parlamente abgeschlossen werden könnten. _ _
Die Lage im westen.
Der Tagesbericht vom 14. Mai.
W. T.-B. Großes Hauvtffuartier, 14. Mai. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
An deu Kampffronten ließ die in früher Morgenstunde gesteigerte Feuertätigkeit im Lause des Bormittags nach. Am Abend lebte sie vielfach wieder auf. Nach heftiger (Feuer-) Wirkung nördliüi vom La-Bassee-Kanal versuchten die Engländer am Abend st arkeTeilan griffe gegen unsere Stellungen nördlich und südlich von G i v e « ch y. Sie wurden verlustreich zurückgeschlagen.
Die Erkundungstätigkeit blieb rege.
Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Generalquartiermeistcr: Ludendorff.
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Die vergeblichen feindlichen Vlvtopfer um Wiedergewinnung des llemmeiberges.
IV. T.-B. Berlin, 13. Mai. In der vergangenen Woche versuchte der Feind in der Kemme lg egend durch fortgesetzte Angriffe das verlorene Gelände wieder zu gewinnen und sich an den Kemmel selbst heranzuarbeiten. Trotz seines ungeheuren Einsatzes von Artillerien', n n i ti on vor jedem Angriff und trotz rücksichtslosen Einsatzes immer neuer und starker Kräfte hat er seinen Zweck verfehlt. Am 12. Mai, 6 Uhr morgens, nachdem gegen die Front Voormezeele-Kemmel die heftigste Arfillerievorberertung gespielt hatte, griff der Feind abermals mit starken englischen und ftanzöfischen Kräften an, jedoch ohne seinen Angriff auf die aanze erwähnte Linie auszu- dehnen. Den Angriff führte er gegen das von uns am 8. Mai gewonnene Höhengeländc, insbesondere gegen die Ferme Vrouwedpk. Nach erbitterten Kämpfen, die den ganzen Tag und »inen großen Teil der Nacht über dauerten, blieb die Ferme in deuffcher Hand. Nach heftigen Kämpfen waren die durch unser Feuer dezimierten Sturmtruvven des Feindes gezwun- gen, sich an den Höhen des Höhenzuges unmittelbar östlich des Dyvre-Baches sestzulegen und einige Postierun- gen an die Höhe 44 beranzuschieben. Durch einen flan- üerendev Gegenstoß von der Stratzs VierÜraat-Hallo-
bast her wurden sie noch weiter zurückgedrängt, während in der Gegend Dronwedyk-Ferme ein großer Teil der am weitesten vorgeschobenen Schützennester durch unsere zielbewußt vorgehenden Säuüerungstrupps ausgehoben wurden. Die Kämpfe um einige französische Nester sind noch nicht abgeschlossen. Teile einer deutschen Kompanie waren lange Zeit abgeschnitten hinter der feindlichen Front geblieben, hatten sich dort auf das zäheste gewehrt und dem Gegner schwer« Verluste beigebracht. Durch daZ Zurückdrücken des Feindes fanden sie endlich wieder Anschluß an die Ihrigen. Die Verbindung war schon vorher durch einen fies herabstoßenden deutichen Infanterieflieger ausgenommen worden. Die befreiten tapferen Schützen berichten, daß die f e i n d l ich e I u f a n t e r i e dauernd unter dem schweren Feuer der deutschen Artillerie gelegen und geblutet habe. Am 12. Mai gegen Tagesanbruch steigerte sich das feindliche Feuer zu solcher Heftigkeit, daß unsere Truppen.einen neuen Angriff erwarteten. Dieser blieb jedoch unter der Gegenwirkung unseres Artilleriefeuecs aus. Zahlreiche Engländer und Franzosen der oen'chiedensten Truppenteil« wurden im Laufe der Nacht g e f a n g e n zurückgeführt. Sie waren beim Vorgehen zum Gefecht sowie durch da8 Einschieben von Verstärkungen völlig d u r ch e i nfe n b c t geraten und kämpften ohne gegenseitige Unterstützung. Nachttäglich schoben sie einander wie gewöhnlich die Schuld an ihrer Getangenuahme und dem Mißlingen des AugriffeZ zu. Tie Erregung unter den Gefangenen über diesen Punkt ging weit, daß sie in Gegenwar t der deutschen Soldaten einander sichbeschimps- ten und sogar handgreiflich wurden. Sie wurden daher in getrennten Kolonnen ab transportiert. Übereinstimmung herrschte bei allen darüber, daß die blutigen Verluste sowohl der Engländer wie.der Franzosen auch am gestrigen Tage und in der Nacht von gestern auf heute wieder eine furchtbare Höhe erreicht haben. __
22500 Tonnen in 100 Stunden von der flandrischen Küste!
W. T.-B. Berlin, 13. Moi. (AmMch.) Eins unser« in Flandern stationierten U-Boote unter dem Kommando -des Oberleutnants zur See Lohs versenkte neuerdings während einer hundertftündigen Unternehmung im östlichen Teil des ÄrmÄkanals bei schärfster feindlicher Geyen« Wirkung sieben bewaffnete Dampfer n« zusammen 22 500 Bruttoreyistevtonnen, darunter zwei wertvolle mit mchreren Geschützen bcwaffroeie 5006 Brt. große Schiffe. Die Dampfer waren mit einer Aufnahme tief beladen, und zwar, wie aus dem Ort der Versenkungen mit Sicherheit gefthilossea werden kann, verwiegend mit KriegSmatenial sür den Feind. Di« Unternehmung des bswÄhrde-n Kommandanten stellt eine hervorragende Leistung dar.
Der Chef des Admiralstabs der Marine.
Die versenknng einer italienischen Begleitschiffes.
W.T.-B. Bern, 14. Mai. (Dvahtbericht.) Der „Corrie-p della Sera" bestätigt die Versenkung des italienischen Begleitschiffes „Stervpe", das Ende März von einem nordameri- kanischen Hasen nach Gibraltar' ausgelaufen ist. „Stervpe" wurde am Morgen des 7. April durch «in großes Unter, seeboot angegriffen und unterlag nach tapferer dreistündiger Gegenwehr. Es verlor im Kampfe zahl- reiche Mannschaften. 51 Überlebende wurden am 12. April 85 Meilen von Lissabon durch einen dänischen Segler, 7 andere Schiffbrüchige am 15. April durch den Dampft- „Lauts" ausgenommen. ^
Eine nette englische Abscheulichkeit gegen deutsche Seeleute.
W.T.-B. Berlin, 13. Mai. Zu dem am 21. Marz gemeldeten Verlust zweier Dorpostenboote westlich Ostenbe berichtet ein soeben aus Frankreich zurück- gekehrter Au sta u ichgesanqener, daß die Boote torpediert worden waren. Die Engländer haben r u h r g zu gesehen, wie die Mannschaft der versenkten Vorpcstenboote zum großen Teil allmählich er- trank. Nur ein kleiner französischer Kreuzer habe im ganzen acht Mann ausgenommen.
Das Gebaren bet Engländer verdient um so mehr unsere Verabscheuung, als mit den Fahrzeugen, selbst nur ganz wenige Mann untergegangcn sind, die Besatzung vielmehr Kops an Kopf im Wasser geschwommen hat und die äußeren Umstände W« Rettung ohne Mühe gestattet hatten.
