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Samstag, N. Mai 1918.
Im Zwang zur Desensive.
Über die Kampfpause im Westen wird uns geschrieben:
Die weittragende st rategische Bedeutung unserer Offensive wird von Tag zu Tag immer deutlicher erkennbar. Vor einigen Tagen fragten wrr, wo Fach bleibe, der mit einer großzügigen Gegen- vffensive unseren Vormarsch im Westen zu beantworten versprach. Bis zum heutigen. Tage hat sie noch nicht eingesetzt und dürfte wohl auch in absehbarer Zelt nicht verwirklicht werden rönnen, da die Verluste der Feinde allzu schwer sind und ein gut Teil der oielge- rühmten Fochschen Reservearmee bereits zur Verteidi- gung der bedrohten Stellungen an unserer Offensiv- frent eingesetzt werden mußte. Das „Petit Journal" weist schon darauf hin, daß die Entente in der Defensive verharren werde und gießt somit viel Wasser in die Flammen der Begeisterung, welche die Hoffnung auf eine Gegenoffensive in einem Teile der französischen Bevölkerung entfachr hatte. Die Plane der feindlichen Heeresleitung sind 'omit vollständig durch das Vorgehen unserer Truppen durchkreuzt und vernichtet worden, woraus schon zu erkennen ist, daß das Gesetz des Handelns von unserer Heeresleitung diktiert wird. Die Entente hatte sich, worauf alle Andeutungen in der feindlichen Presse und alle Vorbereitungen schließen lassen, für das Frühjahr 1918 auf eine gewaltige Offen- sive vorbereitet, welche unser Heer endgültig, zerschmettern und uns aus dem besetzten Gebiete jagen sollte. Für dar Frühjahr 1918 wurde der Endsieg und somit der Friede von allen Männern der Entente mit völliger Sicherheit vorausbesümmt. In der Rechnung der feindlichen Heeresleitung waren alle Faktoren richtig eingesetzt mrr einer fehlte: nämlich unser Heer und unsere überlegene Führung. Es zeigte sich bald, daß trotz der Entzückung Clemenceaus unsere Offensive nicht nur in taktischer Beziehung, sondern auch in strategischer ein voller Erfolg wurde. Dem Feind« wurde nicht nur ein großes Gelände und eine erhebliche Zahl von Gefangenen und Kriegsbeute abgenommen, sondern er verlor auch die stärksten sestungsartig ausge- bauten Stellungen, welche das Sprungbrettfür den neuen Anprall gegen unsere Linien bilden sollten. Mit dieser doppelten Schwächung an Kriegsmaterial und befestigten Stellungen waren, auch alle seine ganzen Angriffs- und Siegespläne zu Wasser geworden. Zur Tröstung der niedergeschlagenen Bevölkerung erfand er bald darauf das Märchen von der deutschen Friedensoffensive und spielte in diesem selbsterfundenen Theaterstück den stolzen Mann, der mit dem um Frieden flehenden Deutschland kein« Verträge schließen würde. Er erklärte ungefragt, daß dem Kriege der Armeen ein Rohstoffkrieg folgen wurde, der Deutschland zugrunde richten müsse. Im neutralen Auslands ist diese Anschauung schon seit län- gerer Zeit bekannt, ein Zeichen dafür, daß es sich nicht um einen neuen Gedanken handele. Aber die Gefahr, die in diesem DernichtungSwillen unserer Feinde für Deutschland beruht, wird erheblich gemildert durch unseren N-V o otskrieg, der auch den Feinden gegenüber einen erbitterten Rohstostkrieg führen würde können, falls sie nach dem Ende der militärischen Unternehmun- gen darauf Wert legen sollten. Der Rohftoffkrieg ist somit ein zweischneidiges Schwert, das unsere Feinde auch im Lebensnerv treffen würde, abgesehen davon, daß Deustchland durch seine Estolae im Osten schon jetzt in der Lage ist, einen Teil des Rohstoffbedarfes ohne Rücksicht auf England und seine Flotk zu decken.
Englische und französische Vorstöße abgewiesen.
■WTT.-B. Scrßtt, 10. Mai. abends. (Amtkch. DrcchSbevicht.)
Li» englischer T eilaugriff nördlich tarn Albert wurde aBge» wiesen. Wvrs» scheiterte et« frmsüststster «uesw» tat CMk Mi ntttmimt __________
Vefiernny der verhSllnifie in der Ukraine
B.A. Berlin, 10. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Von einer maßgebenden Stelle wird uns die jetzige Lage m der Ukraine unter der Hstmanregierung als recht rosig geschildert. Die deutsche Regierung komme der neuen ukrainischen Regierung vertrauensvoll entgegen. In Kiew wurde di: Umstellung der Ordnung ohne Erregung und wesentliche Ausschreitungen ausgenommen. Auf dem Lande empfindet man die Umwälzung als eine Erleichterung, da man nunmehr mit einer Besserung der ländlichen Verhältnisse rechnet. Die Fortschritte der deutschen Truppen in der Krim haben die Seeräuberei auf dem Schwarzen Meer, die unsere Transport« schwer gefährdete, ziemlich beseitigt. Mit der FetUetznng einer Demarkationslinie ist bereits begonnen wordea. ES ist anzunehmen, daß die Friedensverhandlungen putschen Lrotzrußland und der Winn e, in aÜMwiHW $ät
Morgen-Kusgabe.
Der $rte6e von Bukarest.
Die Aufnahme in Rumänien.
W. T.-B. Paris, 10. Mai. .'Drahtbericht.) , Der Bukarester Friedensvertrag wird von der.rumänischen Presse mit großer Sachlichkeit und Ruhe besprochen. Das halbamtliche konservative Organ der rumänischen Regierung „Steagul" erwartet,, daß sich auf j jer ständigen Gemeinschaft der wirtschaftlichen Interessen dauerhafte politische Beziehungen entwickeln werden. Hierin werde Rumänien durch nichts von den Interessen der Mittelmächte getrennt. Damit werde, sich auch die Grundlage für die Beziehungen der übrigen Mächte ergeben, mit denen es jetzt Friede geschlossen habe.
W. T.-B. Bukarest, 10. Mai. Mit dem Tag des Friedensschlusses wurde die Bukarester rumänische Presse um eine weilere Tageszeitung bereichert. Die von Marghiloman gefiihrte und zurzeit regierende konservative Partei gibt wieder ibr früheres Blatt „S t e a g u l" heraus, dem amtliche rumänische Quellen zur Verfügung stehen werden. Das Blatt errang sich während seines früheren Bestandes eine angesehene Stellung und zeichnete iich insbesondere während der Zeit der rumänischen Neutralität durch ruhige und besonnene Haltung aus.
Zurückhaltung in der französischen Presse.
W. T.-B. Bern. 10. Mai. Die Pariser Zeitungen begnügen fich vorerst mit der Wiedergabe der Berliner Depeschen über den Abschluß des Friedens mit Rumänien und deuten in Überschriften an. daß der Friede nur einen provisorischen Charakter haben könne. — Der „Matin", der allein den Frie- densschlutz bespricht, unterstoeicht ebenfalls diesen Gedanken.
Neuwahl deS Parlaments.
W. T.-B. Bukarest, 9. Mai. Durch königliche Verordnung sind die beiden Kammern des rumänischen Parlaments aufgelöst werden Die Neuwahlen sind für die Zeit vom 1. bis zum 9. Juni ausgeschrieben. Dav Parlament soll «m 17. Juni wieder
Maurices Beschuldigungen im englischen Unterhaus.
Di« Verteidigungsrede Lloyd Georges.
W. T.-B. London, 9. Mai. (Unterhaus,.) Lloyd George (vergl. gestrige Abendausgabe) fuhr fort: Ich komme jetzt zu WaurireS Vergleich der feindlichem umfa der verbündeten ©treüfcäfte. Me gesamten Ziffern kamen von Maurice. Di« Angaben über die Divisionen in Mesopotamien und Ägypten wurden im KvieySkcubinett in Gegenwart Maurices gemacht, der dabei nichts berichtigte. Über die Ausdehnung der Front sagte Lloyd George' ES ist zutreffend, daß Maurice in Versailles war. Ader die Folgerung, daß er an der Beratung über die Ausdehnung lder Front teilgenommen habe, ist nicht richtig; er war nicht dort, er war in dem Teil deS Gebäudes, auch nicht im BeratungK- zimmor. Die Ausdehnung von GaughS Front, auf die besonders anyeffpÄelt wird, wurde im KriegSrat von Versailles niemals erörtert. Darüber fand «ne Verständigung zwischen Haig und Pedarn statt; sie war eine vollendete Tatsache» bevor der .Kri,egsrat überhaupt zusammrentrat. Dementsprechend erstattete Haig >dem Krtcgsvat seinen Bericht. Es bestand zwar der Wunsch nach einer weiteren Ausdehnung der Front, ober wicht ein einziger Meter Front wurde als Ergebnis der Versailler Konferenz übernommen. Es ist kein wahres Wort an der Behauptung, daß die Ausdehnung von GaughI Front auf Awordnumg de» KriegSkabinettS im Gegen- fatz zu Haig und Robertson erfolgt sei. Sie wurde infolge deS großen Drucks der französischen Re- g i« r u n g und des französischen Heere» ausgeführt, um die Beurlaubung von Leuten für die Landwirtschaft zu ermöglichen, di« unbedingt notwendig geworden ist. Das Kabinett nahm lim Prinzip an, die Ausdehnung scllte den beiden Okbor- kommandierenden überlassen bleiben. Die Ausdehnung der Front wurde zuerst von den französischen Vertretern auf der Kcnffeoemz in Boulogwe zur Sprache gebracht. Dann kam der Zwischenfalls von Cambrai und da» italienisch« Unglück, da« tat D-gfend nag englischer Truppe» nach Italien notwendig mochte «nd lie Ausdehnung der Front eine Zeitlany erschweute. Schließlich regte Elemenceau an. daß die Frage durch die militärischen Vertreter geprüft werde, und im Fall von Memungsverschiedenhertcn der Versailler Rat entscheiden sollte. Die müstärischen Vertreter schlugen ein Kompromiß zwischen den englischen und französischen Ansichten vor, die Sache sollte auf .der Versailler Beratung am 1. Februar erörtert werden. Noch vorher einigten sich Pebain und Haig darüber, daß die Front bis Barrffie ausgedehnt werden sollte. Eine weitere Ausdehnung hat nicht stattgefundon. Die wirkliche Lehre auS den ganzen Erörterungen über diese Erweiterung der Front ist die Wichtigkeit bei EmhettlichLeit des Oberbefehls, und ich bin froh, daß wir die endlich halbem. Dies ist ,doS TadelSvotum gegen de« Regierung. Und wenn es so durchgeht» so können wir unmöglich unsere militärischen Operationen fortsetzen. Diese Streitigkeiten wirken verwirr«»b und lähmend.
, &f« « Wch hck t fad Rat« tz fa-farcht wfc fafe «MM
Nr. 217. . 66. Jahrgang.
Armee ist bedroht. Wir müßten uns damit obgebeu, di« Men, Notizen, Brieft und Unterredungen anS den letzten 12 Monaten durchzustaffeln, und daS in diesem Augenblick i (Lauter B-stall.) Ich bin gerade von Frankreich znrückgekom- men. Ich habe einige General« besticht und sie sagten wie die Deutschen jetzt schweigend vielleicht den' größten Schlag des Kriegs vcibereiien. Ich bitte im Namen unseres Vaterlandes, dessen Schicksal beute und in den nächsten Wochen m der Schwebe ist, daß man diesen Angriffe» ein Ende mache. (Lauter Beifall.) Nach weiterer Debatte wird, wie bereits gemeldet, der Antrag A s q u tths mit 393 Stimmen gegen 106 Stimmen abgelehnt.
General Maurice soll fich rechtfertigen!
W. T.-B. Amsterdam, 10. Mai. (Drahtoericht.) „Algemeen Handelsblad" meldet aus London, daß der A r m e er a t ein S ch r ei b e n an General Maurice gerichtet hat, in dem, er ihn auffordert, sein V e r h ai- ten zu rechtfertigen, da er die königlichen Vorschriften, die verbieten, daß ein Offiziell oder Soldat in irgendeiner Form irgendwelcha militärische Informationen oder keine Ansichten über irgendeinen militärischen Gegenstand ohne besondere Erlaubnis veröffentlicht oder der Presse mittöiü, übertreten habe.
Frühere Minister gegen die Regiernny.
Br. London, 10. Mai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Unter den zahlreichen liberalen früheren Ministern, die bei der gestrigen Debatte im Unterhauie für den Antrag Asguith stimmten, befinden sich u. a. Runciman» Herbert Samuel, I. M. Robertf-on, McKenna und T e n n a n t. _
Gefterreichilch-imgarikrsier Tagesbericht.
W. T.-B. Wien, 10. Mai. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 10. Mai, mittags- Keine besonderen Ereignisse.
Der Chef des GenerakstabL.
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Deutsch-italiemsche Verhandlungen über ei« Geiangenen-Abkommen.
VV. T.-B. Bern, 10. Mai. (Dcahtbericht. Meldung der Schweizerischen Depeschen-Aqentur.) Am 2. Mai wurde vom BundeSpcäsifaenten im Parlamentsgebäude in Bern di» Konferenz zwischen den Vertretern der deutschen und der iran-mischen Regierung eröffnet, die sich mit Kriegsgefangenen fragen zu befassen haben wird.
Guatemalas Kriegserklär,mg.
V/. T.-B. Berlin, 10. Mai. Die spcrmfche Negierung hat dem Auswärtigen Amt mitgetöilt, daß die Regiernny tw» Guatemala nach Dekret vom 30. April sich dem AriegSzschouid, wie er zwischen den Bereinigten Staaten und der d eu ts chen Regierung bestehe, anschließe.
Deutscher Reichstag.
(Eigener Drahtbericht der Mierbadener Tagblatt«^.)
# Berlin. 10 .
Am DundeSratStisch: Kommissare.
Vizepräsident Dr. Pansche eröffnet die Sitzung um 2,15 Uhr. — Auf der Tagesordnung stehen zunächst
Anfragen.
Akg. Kuns er (Bpt.) fragt nach der bevorzugten Vev- scrgung der Gastwirtschaften mit Lebensmitteln.
UnterftaatSsekretär Dr. Müller: Die BundeSvegierungen find ersucht worden, in bescheidenen Grenzen eine Bevorzugung der Gastwirtschaften für den Reifeuerkrstr zuznlassen.
Abg. Reumann-Hofer (Bpt.) beschwert sich, daß alkoholfreie Getränke, die seit Iahrzchnten anstandslos her- aestellt wurden, unter die Ersatzmittel gezählt werden. Dadurch werde das Geschäftsgeheimnis der Hersteller gefährdet.
Unterstaatssekretär Dr. Müller: Angesichts der knappe R o hst off vor r äte ist die Einbeziehung dieser Stoffe in die Kriegswirtschaft noüoe»d.g. DaS Gesch-ftSgeheimsriS 9 vollauf gesichert, da nur veveidigte Herren die Sache zu de- arbeiten haben.
Abg. Strefemauu (natl.) fragt, ob von England regelmäßige Gefangenenlisten ausgehändigt werten.
Geheimer Legationsrat v. Keller: Eine grundsätzliche
Gleichstellung von Zivil- imb Kriegsgefangenen findet in England nicht statt. ES gibt dort besondere Zivilgefcmgenen- lager. Auch weicht die Behandlung der Zivilgefangenen von der der Kriegsgefangenen ab. Im allgemeinen sind unS Auskünfte über die deutschen Gefangenen zugängig, außer aus Ostafrika und Samoa. Die Gefangeneickisten werden tzpn England gefordert werden, zumal es über die britischen Gefabenen in Deutschland genau unterrichtet ist.
ES folgt die Beratung de» Metten Teilb e r ich te» de» 10. Ausschuss^ über alle daS
Wohnung«wek« ....
