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Verlag Langgasse 21'

TagblntthmtS".

Kchalter-H»«- grifft«! von 8 llhr morgen« W» 7 Uhr eSfnb«.

wöchentlich

12 Ausgaben.

Fernruf:

Taghlatlhnus" Nr. 6650-SS.

Bon 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abend», anher Sonntag-

Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apvstelki-che 7.1. F-r«sprecher- Amt Lütz-w 6202 «nd 620S

Nr« 216. - 66. Jahrgang.

Ein neuer vergeblicher englischer Zperr-Angrifs aus Oftende.

w. T.-B. Berlin, 10. Mai. (Amtlich.) Englische Seestreitkräfte unternahmen am 10. Mai, 3 Uhr^ mor­gens, nach heftiger Beschießung erneut c,mn sperr- ängriff gegen Ostende. Mehrere sc,übliche «chlfte, die unter dem Schutze k ü n stIichrn Nebels in den Hafen cindringtn wollten, wurden durch das vortrefflich ^ ge­leitete Feuer unserer Küstcnbattericn ab gewiesen. Ein alter Kreuzer liegt gänzlich^ 5«- sammengeschossen a u srcrhalb de s $ ahr- Wassers vor dem Hafen aus dem Grund. Die Ein­fahrt ist v ö l l i g ,t n b c h i n d c r t. An Bord dcs^gc- strandeten Schiffes wurden nur noch Tote gefunden. Zwei Überlebende waren über Bord gesprungen und sind gefangen. Nach den, bisherigen Ermittelungen wurden mindestens 2 feindliche Motorboote a b g e f ch o ff c n. Ein Monitor schwerbeschädigt. Der Sperrversuch ist somit völlig vereitelt. Abermals hat d,r Gegner Menschenleben und Fahrzeuge umsonst geopfert.

Der Chef des Admiralstabs der Marine.

Die Kttti! am Bukarester Vertrag.

Von einem parlamentarischen Mitarbeiter wird uns .. geschrieben: _ _

Die Einzelheiten des Friedensvertrages von Bukarest sind in den politischen Kreisen mit gemischten Gefühlen ausgenommen worden. Die Bedenken, die man ja auch noch in den Verhandlungen des Reichstags zu Horen bekommen wird, beziehen sich teils auf dre Über­raschungen, die der veröffentlichte Wortlaut des Der träges brachte, teils auf das, was man zwar schon wußte, was aber jetzt erst seine volle Bestätigung findet. Uber- rascbt wurde man durch gewisse A b w e i ch u n g e n vom ursprüngliche Plane des Friedenswerkes. Man hatte erwartet, daß die Dobrudschafrage end gültig und unabänderlich gelöst werde. Das ist nicht geschehen. Die Teilrmg in die sofort bulgarisch werdende Sud- dobrudfcha und in das Kondomrnrum Nord- dobrudfcha erscheint jedenfalls auf den ersten Blick nicht glücklich. Wer das Schicksal der Kondominien in der Geschichte verfolgt, wird für die befriedigendcLosung der noch harrenden Schwierigkeiten bangen. Tatsächlich bestehen zwischen den verbündeten Mächten in, der Nord- dobrudfcha ganz beträchtliche Meinungsverschiedenheiten und es wäre sehr übereilt, zu behaupten, es käme nur auf eine geschickte Lösung des deßarabischen Problems an, dann mache die politische Behandlung der Donau- nkstndnng gar keine Sorge mehr. Das beßarabische Problem ist im Bukarester Vertrag wie so manches an- dere leider vollständig ausgeschaltet. Es trnrd nur insofern berührt, als Kapitel 2 den Rumänen daS Recht zuges^ht, ihre Divisionen in Beßarabicn auf Kriegsstärke zu belassen, nebenbei gesagt, eine nicht un. bedenkliche, eine recht anfechtbare Bestimmung. Denn rumänffche Treulosigkeit könnte dieses Vorrecht zum Sprungbrett eines neuen militärisckien Abenteuers machen Aber wie dem allen sei, das Kondominium war eine Überraschung. Es ist ein unausgebrütetes Ei. Man weiß nicht, was daraus wird. Man muß sich m,t den Versicherungen von diplomatischer Seite begnügen, daß es auf andere Weise nicht möglich war, den A u s- gleich bulgarischer und türkischer Interessen sicher- zustellen, insbesondere denKamin" Cenavoda-Con- starrtza für den direkten Verkehr der Türkei mit Deutschland und Ssterreich-Ungarn auszu- mauern. Hätte man im Friedensvertrage sofort die ganze Dobrridscha zu Bulgarien schlagen wollen, so Ware die Regelung noch länger verzögert worden, als es bis­her schon geschah. Man legte also nur daS fest, worüber man allerseits en«g war und überließ das übrige den werteren BemShmigen der Divlomaffe. Eine Be­gründung. die fick HS«» läßt. Ein Ausweg aber, zu dessen beiden Seiten Fragezeichen stehen. Was inan sonst am Bukarester Friedensvertrage auszusetzen fand, ist weniger neu gewesen. Es ist vor allem der Mangel an einer moralischen Züchtigung für die N i e d e rtr ach t. mit der Riimänien den Krieg vom Zaune brach. Es ist der ausdrückliche Verzicht auf Kri e g s e n t s chä d i g u n g und das vornehme Schweigen über die Dvnastiefrage. Hinsicht- sich der Kriegsenffchädigung hat der Friede Mit dem Bolschewismus Rußlands vielleicht allzusehr aus die rumänische Regelung abgffärbt. Aber die Wirtschaft- l i ch e n Verträge der Mittelmächte mit Rumänien sind doch im Grunds eine sehr wesentliche und e m p- sindliche Kriegsenffchädigung. Auch sonst steht im Bukarester Vertrag eine Reibe von Bedingungen, wie sie nur der Sieger einem völlig besiegten Volke auszu- setzen vermag.'so die Wegnahme der Dobrndscha, dre Gre«beriLti«woen. SA»eM>er liußoöi, die SD-eanj*

b i l i s i er un g, die Bestimmung über die R a u in u n g der besetzten Gebiete, über den.Unterhalt des Be- satzungsheeres, über das Recht der Sieger, künf­tig Kriegsschiffe auf der Donau fahren zu lassen. Alles das nach Recht und Gebühr. Warum also die Verzichtsformel? Sie paßt und stimmt Nicht recht zum übrigen. Als iüße Pille auf die Bitternisse ver- fehlt sie doch ihre Wirkung. Gewisse Kreise werden da- durch nicht versöhnt und die Agenten der Entente wer­den hohnlächelnd bemerken, daß die Mittelmachte sogar in Rumänien, dem völlig nicd erg ekampften Lande, es nicht gewagt haben, ein Erempel zu statuieren. Ebenso ist es mit der Absetzung des Königs Ferdr- n a n d. Wäre es wirklicheine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines anderen Landes" gewesen, wenn der Bukarester Vertrag die Entfernung des Herr- schers verlangt hätte, der seinen Namen unter dre ruch- loseste, bis zum letzten Augenblick abgeleugnete Kriegs­erklärung schrieb? Es gibt politische Empfin- düngen der Völker, die nach orplomatischem Ans- druck schreien. Die Diplomaten, die den Vertrag von Bukarest verfaßten, haben sich überängstlich vor dem moralischen Tone gescheut, der eben auch bisweilen zur Polittk gehört. Es bleibt den Parlamenten, tn Deutschland dem Reichstag, Vorbehalten, m dieser Rich­tung einiges nachzuholen.

Eine Kundgebung der rumänischen Negierung.

W.T.-B. Bukarest, 8. Mai. Die rumänische Regierung hat anläßlich des FriedenZschlusses an die Bevölkerung cm besetzten und unbesetzten Gebiet folgende Kundgebung er­lassen:Der Friede wurde heute um 12 Uhr mittags ge« schlossen. Er trägt den NamenFriede von Bukarest . Alle Fragen, die zwischen Rumänien und einem der «taaten, mit

M&ftrrmfi Ungarn abgetreten msszis fi/icfitemhicliP ijfjfi . rfe/r i/jefbunü * Oer Friede mit fiunidnietB

denen es sich im Kriege befand, streitig waren, sind er­ledigt. Die normalen Beziehungen mit diesen Staaten werden wieder ausgenommen und das Land tritt wieder in seine Neutralität ein. Die Hindernisse, die der f r i e d- lichen inneren Entwicklung im Wege standen, sind end­gültig beseitigt. Rumänien kann nun im Schutze seiner vom Kriege unanaetastet gebliebenen verfassungsmäßigen Ein­richtungen ans Werk gehen, um die Spuren des Krieges zu beseitigen und den durch den Frieden geschaffenen Zustand zu befestigen."

Die Wirtschaftsverträge mit Rumänien.

B. A Berlin, 10. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die Wirtschaftsverträge und die sonstigen mit dem Frir-denSver»

rton «chrmm-rchängenden Abmachungen mit Rnmärsen «er» den, so weit sie nicht schon veröffentlicht sind, in den nächsten

Tagen bekanntgegeben werden. »

Staatssekretär v.-lmarm aus Bukarest zurück.

W. T.-B'. Berlin, 10. Mai. (Drahtbericht.) Staats- sckretär v. Kühl mann ist heute vormittag auf dem An- halter Bahnhof eingetroffen. Zu seinem Empfang waren der Re-'chskanzler und die Staatssekretäre der übrigen Reichsämter erschienen. __________.

Der Tagesbericht vom 10. Mai.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 10. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

An de« Kampffronten war die Artillerietatiffeit tags- über nur im Gebiet des K r m m e l, beiderseits deÄ L u c e - b a ch e s und auf dem Westufer der A v r e levhaft. Starker in diLs^n Abschnitten sotgten seinbtiche Lo Bei ihr« Atrpa« h r uud.hki xtift EickimdilstB-

tätigkeit machte» wir Gefangene. Am Abend »nd wäh- rend der Nacht lebte der Artillrriekampf zwischen Ypern, und Oise vielfach auf. ... -

An der übrigen Front blieb die Gefechtstätigkeit auf Er» kundungskämpse beschränkt.

Bo.r den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.

Der Erste Generalquartiecmeister: Ludeudorff.

*

Erfolgreicher Vorstotz bei t)pcrn.

In der Ukraine Rostow am Don besetzt.

Ver Tagesbericht vom 9. Mai.

W-T.-B. Großes Hauptquartier, 9. Mai. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Zwischen Ypern und Bailleul hielt tagsüber lebhafte Ar allerlei ätigkeit an. Örtliche eigene Angriffe südlich vom Dikke- busch-Sce hatten vollen Erfolg. Rheinische und badische Truppen erstürmten in zwei Kilometer Breite stark ausgebaute feind, liche Linien auf dem Ostuser des B i v er b a ch e s. Sie stießen hier anscheinend in cmen französisch-englischen Angriff hinein und zersplitterten seine Krast. Rur zu beiden Seiten der Straße R e n i n g h e l st - K e m m e l kam der feindliche Angriff zu voller Entwicklung. Er lvurde ebenso z u r ü ck g e s ch l a g e n wie Gegenangriffe gegen unsere neu gewonnene Stellung. Wir machten 675 Gefangene von s e ch 8 französischen und ,w« eng- lischen Divisionen, die schwere blutige B-rluste erlitten. Bei Ab- wehr englischer Borstöße am Südufer der LH8, bei Bucquor Nnd südlich von Albert machten wir Gefangene. Bei dem gestrigen erfolglosen nächtlichen Angrrss australischer Truppen an der Straße von Corbte-Braye blieben 45 Gefangene, darmkter 4 Offiziere, in unserer Hand. Nördlich vom Luce-Bach und auf dem Oftuser der Avre blieb der Feuerkamps gesteigert.

Erfolgreiche Erkundung-Vorstöße an mchreren Stellen der übrigen Front. _

In den drei letzten Tagen verlor der Gegner im Lustkampf und durch Abschuß von der Erde aus 37 Flugzeuge. Oberleutnant Schleich schoß gestern 3 feindliche Flugzeuge ab und errang da- mit seinen 26., 27, und 28. Luststeg.

Oste«.

Ukraine.

An der Nordküste des Asowfchen Meeres stieße« wir bi» zur D o n m ü u d u n g vor und haben R o st o w besetzt. Die Ver­handlungen über Feitsttzung einer Demarkationt-kb»»» werden demnächst beginnen.

Der Erst« Generalqnartiermeffter: Lndendorsj.

*

Havas kündigt die Räumung Yperns an!

kt. Genf, 10. Mai. (zb.) Die heutige HavaSnote Wudigl die bevorstehende Räumung Yperns an. DiS Note befürchtet, daß die Linie Clytte-Bermeezele durchbrochen wer. den könnte. Die Note erklärt, daß mm, in diesem Falle Ypern nicht mehr räumen könnte, was jetzt noch o h u e twsouderp Schwierigkeiten geschehen könnte. Der Feind fei bis jetzt iuh an einigen Punkten eingedrungeu.

Lin ne,rer Fliegerangriff anf Zeedrügge.

W.T.-B. Berlin, 9. Mai. (Amtlich.) Am 8. Mai,

1 mittags und abends, griffen stärkere feindliche Flieger- oeschwader die Mole und das Dorf Zeebrügge md Bom­ben an, ohne militärischen Schaden anz». richten. Durch die Fliegerbomben auf die Krrch e von Zeebrügge wurden drei Belgier und zwei K in de r getötet, zwei schwer und urehrer« leickst verletzt. <s« der Landfront des Marinekorps wurden von unseren Aag> flregern zwei feindliche Flugzeuge, über See an drfftes

ahgeschossen. . '>

Der Chef des Admiralstabs der Marrne.

48247 Tonnen um die Azoren!

W. T.-B. Berlin, 8. Mai. (Amtlich.) Ein aus dem Sperrgebiet um die Azoren zurückgekehrter U-Kreu« zer, Kommandant Korveffenkapffan Eckelmann, versenkte 9 wertvolle Dampfer und 7 Segler von 36 747 Bruttoregistertonnen iowre das ttaftenffchtz HilfskriegsschiffSterope" von 9500 Brptt- registertomren, m-Msamt einen Frachtraum tmi 48247 Bruttorrqistertmmen.

Unter den Schiffen befanden sich außer dem genann^n Hilfskrieqsfchiff die bewaffneten italienffchen. Dmnpfet Lea" (5399 Br.-R.-T.),Anttoso Acocno (4439 Br - R.-T.),Promoteo" (4455 Br.-R.-T ), ^ der bewaffnete englische DampferHarewood" (4150 Br.-R.-^T.), _ dw englischen SeglerCecil",Shave, _ '.-^orgrua Watang" undFrances", die portugresische Barl. Lusitania" (529 Br.-R.-T). Zwer 7,o-Zenttmeta- Geschütze wurden erbeutet. Die versenkten Ladungenbe- standen, soweit festgestellt werden konnte aus 9700 Tonnen Getreide. 7500 Tonnen Mchl, 5000 Tonnen Reis, 6000 Tonnen Messing und Draht, 11 OOO^TonM« Naphtha, 700 Tonnen Baumwolle GO Tonnen Satz, 300 Tonnen gesalzenen Häuten und 450 Tonnen Nutzhölzern. 45 Tonnen Messing wurden für tat hannM Kriegs- Wirtschaft mitgebracht. ^ ^

Der. Muäx* ;'j