Sein Tier -er außereuropäischen Fauna ist in der ganzen Welt so bekannt wie der Löwe, der allgemein nicht nur als Sinnbild der Kraft und des Mutes, sondern auch des Edelsinnes seit altersber angesehen wird. Er ist deshalb auch in den Tierfabeln als der König der Tiere bezeichnet und gepriesen worden, tapfere Fürsten und Ritter erkoren ihn zum Schildzeichen, so daß er auch als Wappentier außerordentlich häufig zu finden ist. Daher ist es gekommen, daß noch heute das Heranwachsende Kind in seinem ersten Bilderbuche zunächst mit dem Löwen bekannt wird, früher noch, als mit den chauptvertretern unserer einheimischen Tiere, weil in jedem zoologischen Garten, ja selbst in jeder herumziehenden Menagerie als größte Sehenswürdigkeit Löwen gezeigt werden, so sind schon seit Jahrhunderten im Volke Ansichten über den Löwen, sein Leben und Treiben entstanden, die einer gründlichen Kritik in keiner weife standhalten können. Ss zeigt sich hier die eigenartige, häufig wiederkehrende Tatsache, daß gerade allbekannten Tieren viele Eigenschaften angedichtet werden, die sie in Wirklichkeit gar nicht besitzen.
Die fabelhaften Gebilde des Altertums, die Greifen, waren geflügelte Löwen, und ebenso war die ägyptische Sphinx ein Ungeheuer mit geflügeltem Löwenrumpf, aber mit Kopf und Brüst einer Jungfrau, wieviel Sagen und. Geschichten gibt es nicht über die Großmut des Löwen! Linst soll ein römischer Sklave einem Löwen einen schmerzenden Dorn aus dem Fuß gezogen haben, zum Dank dafür brachte ihm der Löwe Nahrung in die Höhle, in der sich der Entflohene aufhielt. Als später der wieder eingefangene Sklave im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen wurde, schmiegte sich der größte der Löwen zu seinen Füßen hin, anstatt ihr« zu zerreißen; es war zufällig derselbe, dem der Sklave einst geholfen hatte. Ebenso bekannt ist die Geschichte von Heinrich dem Löwen, der einen Löwen aus der Umschlingung einer Schlange rettete. Aus Dankbarkeit folgte ihm das Tier wie ein treuer Hund. Selbstverständlich spielte der Löwe auch eine große Rolle im Aberglauben und in der (Quacksalberei früherer Zeiten. Schon das Fett des starken Tieres gewährte dem Jäger, der seinen Körper damit eingerieben hatte, einen sicheren Schutz gegen andere wilde Tiere, und in einem alten Jagdbuch heißt es: „Derowegen so dir ein Wolf oder Bär begegnet, fliehe nicht, auf daß er das Schmalz rieche," worauf sich dann natürlich das betreffende Tier schleunigst zurückzog. weit verbreitet war und ist heute noch die Ansicht, daß der Löwe das Krähen eines Hahnes nicht ertragen kann, sondern ängstlich davor entflieht; es braucht wohl nicht betont zu werden, daß auch dies nur sine Fabel ist.
Die Heimat des Löwen ist in der Hauptsache ganz Afrika, wo er vom Nordrande bis zur Südspitze überall, außer in Ägypten, in geeigneten Gebieten vorkam, ehe der Europäer ihn verdrängte. Hr ist ein Steppentier und fehlt daher im Gebiete des Urwaldes. Außer in Afrika finden wir ihn in Asien bis in das nördliche Indien hinein. Lr lebt hier im Nordwesten, im Gudschrat und im Bundelkhand; außerdem findet sich der Löwe häufiger in Persien (Provinz Schiras) und in Mesopotamien, wahrscheinlich auch in dem so gut wie gar nicht durchforschten Innerarabien. Dagegen ist er in Palästina und Syrien aus- gerottet, ebenso auf der Balkanhalbinsel, wo er in frühhistorischer Zeit noch lebte (vergleiche die Herkulessage, Homer u. a.). Lr ist hier später ausgerottet worden als in Ägypten.
In vorgeschichtlicher Zeit war er auch über ganz Europa verbreitet, wie die zahlreichen Knochenfunde von Höhlenlöwen im Pleistozän beweisen, die wir als die Vorfahren unseres jetzigen Löwen ansehen müssen und die sich nicht sehr wesentlich von ihm unterscheiden. Wahrscheinlich stammen die Löwen von quergestreiften Katzen früherer Epochen ab, da die jungen Löwen mit einem Fell zur Welt kommen, das deutlich in (Huerreihen angeordnete Flecken erkennen läßt. Die Fleckenzeichnung behält der junge Löwe ziemlich lange bei, und erst allmählich verschwindet sie beim männlichen Tier, um dem einfarbigen Kleide Platz zu machen. Ls werden gar nicht selten ausgewachsene weibliche Löwen erlegt, die an den Gliedmaßen und an der Unterseite des Leibes noch deutliche Spuren dieser Fleckenzeichnung aufweisen. Das einfarbige Kleid hat der Löwe höchst wahrscheinlich als Anpassung an sein heutiges Wohngebiet erworben; es stimmt vorzüglich mit dem gelben oder braunen Ton der trockenen Steppe, der eigentlichen Heimat des Löwen, überein.
Heute ist der Löwe durch die immer weiter vordringende Kultur des Europäers in manchen Teilen seiner ursprünglichen Heimat ausgerottet worden, besonders in den nördlichen Ländern Afrikas in Algier, Tunis, Tripolis, aber auch südlich des Granje; er findet sich dagegen noch häufig in Mvamboland, Betschuanaland, Rhodesia u. a. In früheren Jahrhunderten war der Löwe gerade im Kap- lande außerordentlich häufig, so daß der Gouverneur von Kapstadt im Jahre (653 in sein Tagebuch schrieb: „Heute nacht schien es, als wollten die Löwen, die Festung im Sturm nehmen." Im übrigen ist der große Räuber in den unermeßlichen Ländern des Innern des schwarzen Erdteils überall noch, ziemlich oft anzutreffen, und nur dort, wo das Feuergcwehr feine Herrschaft angetreten hat, ist sein Vorkommen bedeutend eingeschränkt. Er versteht er aber auch, sich in gewisser Beziehung d»r Kultur
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