Verlag Langgaffe 21
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Sonntag, S. Mai 1918.
Morgenausgabe. _ «r. 20 s.
66 . Jahrgang.
Schwöre französische Verluste bei erfolglosen Gegenangriffen.
Der Kbendbericht vom 4. Mal.
W. T.-B. Berlin, 4. Mai, abends. (Amtlich. DvahLbericht.) Gegrnangriffe der Franzosen gegen den Semmel und gegen Baille»1 sind unter schweren Ber. Insten gescheitert.
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Die Aufgabe gegenüber England.
Berlin, 4. Mai. Im „Tag" schreibt das Mitgliedes Herrenhauses Reinke: Wie England uns während der ersten drei Kriegsjcchre durchaus zu Boden schlagen wollte, muß es von uns erst niedergerungen werden, bevor jenes Gefühl von Achtung in ihm auf- steigt, durch das a l l e i n es zu einem für uns annehmbaren Friedensschluß zu bewegen sein wird.
Der pariser rtrlegsnat an Vorbereitungen für den Winterfeldzug,
B*- Zürich, 4. Mai. (Gig. Drahtbericht, zb.) Die schweizerische« Blätter melden: Der beendete Pariser Kriegsrat hat die Vorbereitungen für den Winterseldzug erörtert und darüber entschieden.
Der größte Teil der Schwarzmeerflotte in unserer Hand!
Ununterbrochen erbitterte Kämpfe am Jordan.
W. T.-B. Konftantiuchwl, 4. Mai. (Drahkbericht. Türkischer Tagesbericht »am 3. Mai.) Palästina front: Die erbitterte» Kä«pft im Ost jordanland halten ununter, brache« an. Mit besimderer Heftigkeit richtete der Feind seine Angriffe gegen unsere StellnnOen nördlich der Straße Jerichow-es-Salt. Alle Anstrengungen boach. ten ihn dem Ziel nicht niiher. Seine Verluste stoigern sich zusehends. Die Zahl dererbeutetenGeschützr erhöhte sich ans 10. — Mesopotamien: Starke englische Kräfte machten einen Vorstoß gegen unsere südlich vom KerkoS strhenden Truppen. Den von uns zurückgenommenen Abtei- lnngrn folgte der EngMnder nicht. Hauptmann Schütz sch.,ß ein feindliches Flugzeug ab und errang damit feinen 8. Luft- sieg im Irak. An den übrigen Fronten ist die Lage unverändert. Deutsche Truppen besetzten am 1. Mai Sebastopol. Sie fanden dort den größten Teil der russischen Schwarzmeerflotte — Linienschiffe, Zerstörer, U-Boote und Handelsschiffe. „I a v u s - S e l i m" und „Ha madie" sowie einige unserer Torpedoboote sind nach beschwerlicher, aber glücklicher Durchfahrt durch daS Mincngebiet am 2. Mai, abends, in Sebastopol einge. laufe«.
Werreichisch-nngarifcher Tagesbericht.
\V. T.-B. Wien, 4. Mai. (Drehtbcricht.) Amtlich verlautet vom 4. Mai, mittags: Im Südwesten anhaltend rege Gefechtstätigkeit.
Der Chef des Generalstabs.
Lin Stdenttag der Rot«« International«.
Der LrLppenwH der Weltgeschichte läßt den hundertjährigen Geburtstag von Karl Marx (geboren 5. Msi 1818) gerade in die Zeit des Weltkrieges fallen, in eine Zeit, in der sich die f a l i ch e n Prophezeiungen dieses sozialen Apostels und die Grund- irrtümer seiner Lehre tagtäglich offenbaren. Mit gemischten Gefühlen werden also die Marxisten diesen Gedenktag begehen, aber auch für die Gegner seiner Theorie ist es angebracht, sich wiederum einmal kritisch mit diassn Grundsätzen zu beschäftigen, die ganze Menscheaalter hindurch einen so Verhängnis- vollen Einfluß ausgeübt haben und deren Wirk- samkeit — seien wir ehrlich — trotz aller gegenteiligen Erfahrung noch immer fortdauert.
Drei Ideen sind es vorwiegend, die Karl Marx der Welt nicht beschert hat, -- er war alles andere als ein Schöpfer, kein Ägener, svndsrn nur der von glühender Leidenschaft erfüllte Aus- und Umdeister überkommener Lehren — also nicht beschert, sondern g e- predigt und allerdings mit ungeheurem Erfolg auf- geredet hat. Voran die Mahnung zum Internationalismus! Proletarier aller Länder, ver- einigt euch, fort mit den alten überlebten Idealen der Nation, der Vaterlandsliebe, der Heimat! Der Sohn des jüdischen Rechtsanwaltes aus Trier, dessen Mutter eine halbe Holländerin war und in dessen Hause Englisch und Französisch fast eben soviel wie Deutsch gesprochen wurde, der Mann, der sein Leben hindurch als Nomade gelebt hat, konnte freilich für deutsches Wesen weder Gefühl noch Verständnis aufbringen, trotzdem er der PWofoMe die wichtigsten Anregungen ver
dankte. Seine internationale Heilsbotschaft aber, wie k l ä g l i ch hat sie S ch i f f b r u ch e r l i t t e n! Heute sehen wir, wie wenig das Proletariat in Amerika, England, Frankreich geneigt ist, sein nationales Empfinden für den Traum einer internationalen Verbrüderung einzutauschen. Und auch in D e u t s ch l a n d hat wohl gottlob die Mehrzahl der Arbeiterschaft selbst den Weg zu der großen Wahrheit gefunden, daß in der heimischen Erde die besten Wurzeln unserer Kraft stecken. Aber täuschen wir uns nicht: noch immer spukt genug Internationalismus gerade auf deutschem Boden umher, und es ist unsere heiligste Pflicht, gegen diese Jrrlichterei erbarmungslosen Kampf zu führen.
Die materiali st ischeWelt- und Geschichts- a u f f a f s n n g ist das zweite Danaergeschenk, das der Mann, der doch in Hegels Schule anderes hätte lernen können, der Welt aufbürden wollte. Die Geschichte nur eine Folge von Klassenkämpfen, die wirtschaftlichen Verhältnisse maßgebend für alle Entwicklung, nicht Männer machen die Geschichte, sondern die Dinge und in ihnen die „immanenten Gesetze" herrschen, die Idee „blamiert sich immer", alles hängt ab von den ökonomischen und technischen Zuständen! Und manchen wird es heute geben, der auch diesen Weltkrieg lediglich unter wirtschaftlichen Gesichtsvunkten betrachten möchte. Niemals ober ist eine schlimmere, gefährlichere Irrlehre verkündet worden, als dieser radikale Materialismus. der in geschickter Weise einige wirkliche Tatsachen zur Grundlage einer ganzen Weltanschauung machen will. Die maßlos übertriebene Bewertung materieller Dinge, wie sie Marx ausgestellt hat, ist, es sei offen ein- gestanden, zum Fluch unseres Jahrhunderts geworden, sie hat ihr Gift durch alle Adern des Volkskörpers fließen lassen, und vielleicht bedeutet dieser Krieg, der eben in Wahrheit doch ein Krieg nicht inn Eifengrnben, Kohlenfelder und Baumwollplantagen ist, sondern bei dem es sich um die höchsten K n 11 u r- güter und um den Sieg derjenigen Raffe handelt, welche die edelsten Menschheitsideale verficht, vielleicht bedeutet er den Anfang der großen Blut- und Eisenkur, die uns von der Krankheit materialistischen Denkens befreien und zu guter deutscher Art zurückführen soll!
Schon erwähnten wir den K l a s s e u k a m p f, und mit der haßerfüllten Propaganda, die'Marx für diese Wahnidee eingeleitet hat, ist sein Schuldkonio vielleicht am schwersten belastet. Reden wir nur von den Dingen in unserem Hause: den Deutschen Uneinigkeit und Zwietracht zu vredigen. das war wahrlich leichte Arbeit, und es ist kein Wunder, daß der Klassenkamvfaedanke gerade bei uns so üppig ins Kraut geschossen ist. Darum aber müssen wir natürlich in dieser -Hinsicht den Antimarxismus mit äußer st er Energie betreiben und iede Regung pflegen, die der natürliichm Solidarität, dem wirtschaftlichen und dem allgemein-sozialen Frieden dienen kann.
Hunderte von Büchern sind über den Marxismus geschrieben, mit schlagenden Gründen sind die einzelnen Sätze dieser sein ausgetüsielten und fanatisch verbreiteten Dogmatik ad absurdum geführt worden. Was ist von der Akkumulation, der Konzentration, der V e r e l e n sin n g, der Zusammenbruchstheorie übrig geblieben, von den sonstigen kommu- nistisch-sozialistischen Hirngespinsten, von der Gleich- heitslebre. vom Mebrwert und anderem Unfug ganz zu schweigen! Unmöglich, sich heute, wo wir zudem Wichtigeres zu tun baben, auf dieses Chaos wilder, leider nur allzu verführerischer U-tovieu einzulassen! Nur darauf kam es an, in dem Rahmen, den der Platz einer Taaeszeituna ja nur gewähren kann, einen Streifblick auf die grundlegenden und schwerstwieaenden Irrtürner der marristischen Theorie zu werfen. Die Sozialdemokratie wird natürlich den Gedächtnistag nicht vor- übereeben lasten, obne „di" unsterblichen Verdienste" ihres Meisters von neuem ins bellste Licht zu setzen. Besinne dich. Deutschland, und Wiste, wo die Ursache so vieler Krankheiten steckt, unter denen du im politischen u^d sozialen Leb"n leidest! E.in Übel erkennen r'st halbe Heilung!
Ar Riewer 8a»ernr«»alution.
Von einem österreichischen Staatsangehörigen ukrainischer Abkunft erhalten wir folgende Darstellung der neuen ukrainischen Bauecnrobolution. Denn um eine Staatsum- wÄzung durch die Brnornfchuft handelt eS sich nach dem Urteil der Menn:c des Landes bei den derzeiügen Vorgängen in .Kiew. Unser Gewährsmann schreibt:
Die soeben gestürzte Kiewer Regierung bestand erst einen Monat lang. Sie war am 28. März 1918 gebildet worden. Zum Verständnis des ukrainischen Parteiwcsens muß erwähnt werden, baß die jetzt gestürzte Rada nicht der erste Volks rat der befreiten Ukraine tvar, Die erste Rada war im
Juni 1917 gebildet worden, damals, als auf dem Mewer Sofienplatze zu Füßen des Bugdan-Chmelnitzki-Denkmals Zehntauseude den „Klein russischen Schwur" leisteten. TagS darauf hielt das neugebildete „General- sekretariat der ukrainischen Zentralrada" seine erste Sitzung ab. Der Vorsitzende jenes ersten ukrainischen Ministeriums, der kleinruffische Romanschriftsteller Winnitschenko, war der Führer der demokratischen Partei. Golubowitsch und alle anderen Mitglieder des jetzt gestürzten zweiten Kabinetts, auch der Berliner Gesandte Shevrjuk, gehören der Partei der Sozialrevolutionäre an. Gar nichts mit diesen ukrainischen Parteien hatte die maxim-rlistische VolkSrada zu tun, di« während der Fciedensver Handlungen von mos kowiti scher Seite vorgeschoben wurde. Was fick jetzt zur Regierung meldet, ist die echt ukrainische Bauernschaft. Für sie gibt es nur sine Frage: Wird nun endlich das Land mein, das früher den polnischen und russischen Gutsherrn gehörte? Aufs Land gehört kein -Here, sondern der Bauer, das Land ist unser Erbe, wer die Herren fortbringt und uns das Land zumißt, der mag uns führen. Sehr kluge Leute sprechen weisheitsvoll: die Ukraine kann kein Sta.it werden, denn sie hat nur Bauern und darüber ein paar Agitatoren. Und was waren die Bulgaren, als sie von der tückischen Herrschaft freikan>en? Auch ein Volk von Bauern, wo von tausend noch nicht einer zu lesen und zu schreiben verstand, darüber ein paar Popen, die nicht viel mehr wußten, und ein Dutzend Bandenfiihrer, die auf türkisch mit den Türken zu fechten verstanden. Dann bekam das Volk einen europäische« Fürsten, Schulen, Finanzen, Professoren, Ingenieure, Bankiers, Generale, Minister, alles aus seinem Eigenen, und jetzt kann es sich unter Brüdern sehen lassen. Auch die ukrainische Bauernregierung wird sich sehen lassen können. Für die Mittelmächte gibt es nur eine Politik: die Entwicklung der Dinge in der Ukraine klug zu fördern. Denn da es ihnen vor allem auf die Bodenfrüchte ankommt, können sie sich gar keine g«sigr«terz Vertragspartnerin wünschen als eine Bauernregierung. ..j
Die Lage in Oesterreich.
LandesverrSterifche Maifeier in Prag.
Di: Maifeier in Prag gestattete sich zu einer großen Kundu xebung für den von Österreich unabhängigen souveränen tschechisch-slowakischen Staat. Die Maifeier hatte unter diesem Banner ihre internationalen sozialistischen TendÄrze» vollständig verloren. Auch die besitzenden Klaffe» der tschechische» Bevölkenwg. die tschechischen Abgeordneten, auch! streng kapitalistische und agrarische Elemente, die tschechisch-kathvkische G e i st Ist ch k e i t, die tschechischen Großindustriellen und Fabrikanten, die tschechischen Feudaladligen und der Großgrundbesitz, die höheren tschechischen Staats- und Landesbeamten und alle bürgerlichen Kreise beteiligten sich an der diesmaligen Feier. Me tschechische» Geschäftsinhaber batten zum Zeichen der Sympathie ihre ®e* schäfte geschlossen Eine gleiche SynipathiKundgebung ver- m:st»ltctcn die tschechischen Hoteliers und KafseehauSbesttzer. Di« Demorstraticnsumziige und Massenvcrsammluirgen Verliese» ohn« besondere Ruhestörung.
Oie leidenschaftlich erregte Stimmung
»er Deutsch-Gesterreicher. 1 -
Br. Verlin, 4. Mai. (Eig. Drahtbecicht. zb.) In de» „Berl. Börsenztg." nimmt Neichsratsabgeordneter Frau« I e s s e r Stellung zn den in Lstecreich-Ungarn brennenden Fragen und gibt damit eine interessante Schilderung von der leide»schaftlich erregten Stimmung, die jetzt Österveich durchwogt. Das Volk sieht eine .Entente- agentnr amHofe am Werk. Sein gesundes Empfinden sagt ihm, daß eine Desierung nur eintreten kann, wen» mit dem System der Zweideutigkeit der geheimen Versprechungen, kurz mit der Hintertrepprnpolitik aufgeränmt werde. Es lasse sich nicht mehr langes Herrn v. Seidler als eine sakrosankte Person, als ein Sinnbild des Staate-, «ch. schwatzen. Es verlangt nunmehr, daß die deutschen Ab. geordneten sich endlich auf ihre wahren staatliche» Pflichten besinnen. Diese bestehen in brr Beseitigung aller Personen, die an dieser Hintertreppenposifik toitz«. nommen haben, vor allem des Min iste «Präsidenten. Alle Bedenken über schädliche Rückwirkung einer ParknmentS- krisis auf die militärische, finanzielle und divlomatische Lage sind heute gegenstandslos. Die militärische Lage ist günstiger denn je und damit auch die diplomatische. Diese bleibe nnr so lange ungünstig, als die E n t e n t e mit der Hinteetreppen- politik in der Monarchie rechnen kann. Darum muß endlich die Atmosphäre in Wien gereinigt weode«. Die Katastrophe in ber inneren Politik ist nach dem Znsmnmen- bruch der äußeren Politik der Nebenrcgierung unaufhaltsam. Fe rascher sie eintritt und je vollständiger sie wird, desto nütz- sicher wird sie für den Staat sind das deutsche Volk werden^
Amtliche Darlegung der Gründe für die Vertagung des Reichsrats.
W. T.-B. Wien, 4. Mm. Die „Wiener Achtung" de», öffentlicht die Begründung der Vertagung des Rerchsvat», in der es heißt: Wir stehen in der letzten, entscheidenden Phase des Krieges. Im Osten bedroht uns kein Feind mehr. Aber
gilt, in festem, treuem Zusammenschluß mit dem Deutsch«'. Reich und unseren anderen Verbündeten auch die übrigen Gegner zum Verzicht auf ihre feindseligen Schichten zu zwingen. Im kraftvollen Erzielen eines ehk^Haften, gut^n.
