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Samstag» 4. Mai 1918.
Vernichtende Niederlage der Roten in Züdweftfinnland.
20 000 Gefangene.
W. T.-B. Berlin, 3. Mai, abends (Amtlich. Draht- bericht.) In Südwestfinnland haben wir den Feind in fünf- tägiger Schlacht bei Lahti und Tavastehus vernichtend geschlagen. 20 000 Gefangene.
Ben den anderen Kriegsschanpliitzen nichts Neues.
*
Oie Lage in Zinnland.
W. T.-B. Kopenhagen, 3. Mai. (Drahtbericht.) Dre „Berlingske Tidende" .meldet aus Steckhoilm: „Swendska
Dagbladet" zufolge befinden sich in Helsingfors nun 11000 gefangene Rote Gardisten. Bisher haben nur wenige Hinrichtungen stattgefunden. Viele Gefangene sind bevsits fre-igegeben. Wibor-g wuvde nnch IlsturüN'g^r Beschießung eingenommen: -die Lla>dr ist stark beicha- toxat Di« Rote Garde hatte 2000 Tote. ..Politiken' melden, baß in Hel sing so rs eine ausgeprägte monarchische Stimmung herrschen soll.
war werden HaEg und 8och tun?
Der englische General Haig und der französische Generalissimus Fach stehen vor neuen ichwerloiegenden Entschlüssen. Die Engländer haben an keiner stelle ihre stark befestigten Linien behaupten können. Wo ne Don den deutschen Truppen angegriffen wurden, wurde der Gegner zu rü ckg ew o rfen. Das war o er d er- seits der Somme der Fall, das hat sich in gleicher Weise an der L Y s, im WYtsckae 1 e b o gen und kürzlich am Kemmelmassrv wiederholt. »ucf)
. die zahlreichen Verstärkungen, die Fach zur Unterstützung des schwer bedrängten Bundesgeno,ien nach Norden entsandte, haben nicht vermocht, die Lage zu ändern. Sie sind ebenfalls geschlagen und mu in die allgemeine Niederlage verwickelt worden. Lie Engländer haben sich bereits genötigt gesehen, den größten Teil des A p e r n b o g e n s z u r a u m e n und eine neue rückwärts gelegenen Stellung einzunehmen, die hart östlich der Stadt Wern verläuft.
General Haig sieht sich nun vor der schweren Frage, ob er den hartnäcklaen Widerstand bei Wern und nördlich des Kemmelberges fortsetzen oder sofort den Rückzug weite'- nach Westen durchführen soll, wobei die S t a d t Y v e r n selbst g e r ä u m t wer- den müßte. Der englische Führer wird nickt verkennen, daß seine auf engstem Raum, in und um Wern zu,am- mengedrängten Massen, rief) in einer außerordentlich schwierigen Lage befinden, da sie keine Bewegungsfreiheit mehr besitzen und sowohl vom Kemmelberg wie von der Höhe 60 bei Zillebeeke vollkommen eingesehen und unter vernichtendes Feuer genommen werden können. Die deutschen Trup- pen umgeben ihn bogenförmig im Osten' und Süden und haben sich bereits bis auk 2360 Master, teilweise so- -ar noch näher, an die Stadtmauern herangeschoben. Sein- rückwärtigen Verbindungen sind be- droht, die Straße nach Poveringhe liegt im wirkungsvollsten oentschen ?iouer. ^ebe Bewegung auf ihr kann wfort »rkannt und beschossen werden. Mit den gut ->inaeschoss-,-nen deutschen Bat- terien ist es auch möglich, die Straßen bei Nacht unter Feuer zu halten. Diese Erwägungen würden Haig wohl veranlassen können, die Stadt Wern und dw dortigen Stellungen möglichst bald zu räumen, um sich der Gefahr zu entziehen, ab geschnitten zu wer- den Die Ententevresse bat eine derartige Maßnahme auch bereits mehrfach besprochen und auf ihre Möglichkeit bingewiesen. .. . . ^
Aber die kampflose Aufgabe von Wern wurde das Ans-hen Englands nicht nur im eigenen Lande, sondern in der gan-en Welt emplindliih schädigen rmd einen schweren P r e st i g e v t r I u ft dar stellen denn Wern ist mit der Erinnerung an dve sabrelänaen Kämpfe und die in ihnen erzielten. Ge ländegewinne untrennbar verbunden. Es ist gewisser maßen zum Symbol des englischen Wider st a n d e s geworden, und seinePreisgabe wäre das Ein geständniS der schweren Niederlage, und des völligen Z u s a m m e n b r ii ch e s der englischen Flandernfront. Die nächsten Tage muffen zeigen, ob die rein militärischen oder gndere Rücksichten für die englische Fübrnng maßgebend sein w-erdenr und wozu sie sich entschließen wird. ^ .
Auch der französische Generalissimus -7 och hat einen schweren Entschluß zu fassen. Er muß sich entscheiden, ob er weiterhin die Engländer in der bisherigen Weise unterstützen und immer weitere Teile seiner Res ernenn achdemNorden zur Behauptung des englischen B"ückenkopfes einsetzen will. Eine derartig hartnäckige VertcidigunL die itaa
Morgen-klusgabe.
allmählichen Verbrauch aller vorhandenen Kräfte fuhrt, entspricht wohl dem englischen I n t e resse, für das die Behauptung des Brückenkopfes eine Lebensfrage ist, sie bindet aber den trau- zösischen Feldherrn. an einen bestimmten Gelände- abschnitt und raubt i h m j e d e B e w e g u n g ■-> * freiheit. Er opfert die französischen Truppen in bisher vergeblichen Kämpfen lediglich ttn Dienste Englands und gerät dadurch immer mehr m die englische Abhängigkeit. Er ist zwar Generalissimus der Gesamtfront, es ist dadurch auch die sogenannte Em- heitsfront geschaffen, aber eigentlich wird immer nur noch der rein englische Krieg geführt und alles dreht sich um die Behauptung der eng- lischen Front. Je mehr Truppen Fach nach Norden enffendet, desto mehr wird sein Schicksal und das des französischen Heeres unlösbar mit dem englischen verbunden und auf dem Boden des englischen Brückenkopfes
festgenagelt. .
Will Foch aber den Feldzug .auf eine neue operative Grundlage stellen, will er die O P e r a t i o n s f r e r - heitzurückgewinnen, was nur durch einen großzügigen Enffchluß möglich ist, dann muß er den e n g- lischen Bundesgenossen nt seiner Brückenkopf- stellung sich selbst überlassen. Ob er dazu fähig sein wird, ob die Politik ibm einen derartigen Entschluß gestattet, muß die Zukunft zeigen. Bedrohte der deutsche Vormarsch in der Richtung auf A m i e n s im ersten Stadium des Krieges nur den Zu- sammenhang der englischen und französischen Front, so wird jetzt auch schon bedeutenden Teilen, des französischen Heeres dadurch die V e r b r n d u n q mit dem heim a t* lscheu Hinterlande abgeschnitten. Je mehr Truppen Foch nach Norden enffendet, desto mehr wächst diese Gefahr. Aus ihrer Erkenntnis sind die heftigen Angriffe zu erklären, die tn den leisten Tagen südlich der Somme erfolgten. Sie dienten nickt nur zur Entlastung der Engländer, sondern in erster Linie der Sicherung der Verbindungen mit den eigenen nach Norden vorgeschobenen Truppen.
«
Die letzte varr'üre.
w. T.-B. Bern, 3, Mai. (Trahtberickt.) Die Einnahme des Kemmelberges wird von der''französischen Prelle weiter besprochen. Die Blatter versuchen im allgemeinen, die Be deutung des Ereignisses durch den Hinweis darauf ab zu schwächen, daß es den deutschen Truppen nickt ge- lungen sei. bei dem gleichzeitigen Angriff auf die Linien vor AmienS größere Erfolge zu erzielen. „Petit Parisien" ist gegen diese Papiertaktik. Man dürfe das unglückselige Abenteuer in seiner Tragweite nickt herabsetzen. Die Höhen, die der Feind jetzt angreise und größtenteils schon zu Fall gebracht habe, seien die letzte Barriere, die dre Straße nach Dünkirchen versperre. Das Fallen aller Höhen bis zum C a t s b e r g würde die Stellung der englischen und belgischen Truppen an der Yser schwer gefährden. Der „Temps" meint, man müsse auf neue Angriffe in diesem Abschnitt des Schlachtfeldes sich gefaßt machen. Der „Matin" schreibt: Die Deutschen versuchen, den äußersten linken Flügel der englisck-französiscken Armeen mit aller Gewalt z u s p r e n g e n. Die Deutschen haben es dank ihrer inneren Verbindungslinie bisher immer fertiggebracht, sich ziffernmäßig die Überlegenheit zu sichern. Man muß hoffen, daß der Widerstand der Ententetruppen sich zu- nehmend verstärkt.
vis Amerikaner an der Westfront.
W T.-B. Haag, 3. Mai. (Drahtbericht.) Der „Nieuwe Rotterd. Courant" erfährt von einem nicht deutsch gesinnten Holländer, der bereits vor der Kriegserklärung in den Vereinigten Staaren von Amerika war, es sei ihm aus guter Quelle hekmnt, -daß augenblicklich etwa 250000 bis 300000 Amerikaner in Frankreich seien, die meist im Sommer und Herbst '1917 dorthin gebracht worden seien. Im Winter höbe die Truppen beför-derung infolge von Sckiffsraummangel so gut wie ganz still ge st an den. Vor 1919 werte kaum eure größere amerikanische Armee in Europa fern Knnerr.
Beträchtliche Zunahme der Uampf- tätigkeit an der italienischen Front.
, W. T.-B. Wien, 3. Mai. (Drahtbericht.) Amtlich verlautet vom 3. Mai, mittags:
Gestern wuchs die Kampftätigleit an der ganzen italienischen Front zwischen Jndikariea und der Adria w i e d e r b e t r 8 ch t l i ch an.
Am 1. Mai errang Oberleutnant v. Fiala den 15. 16. und 17. Luftsirg. Der Chef des Generalstabes.
*
Tschechische Truppenformationen nun auch auf italienischer Seite.
W. T.-B, Rom, 2. Mai. (Ageucia Stefaui.) „Giornrle d'Jtalia" vernimmt, -daß tschechische und slowakische Truppen- formationen in Italien gebildet wurden und bereits im italie- «Men Ko. m pMb io t stehen,
Nr. 297. . 66. Jahrgang.
Empfindliche Niederlage der Engländer am Jordan.
IV. T.-B. Konftantinovel, 3. Mai. (DrapGericht. Amt- licher Heeresbericht.) Palastinafront: Auf dem Ostufer des Jordan nehmen tue Kämpfe weiter einen für uns gün» ü i g e n Verlauf. Vor unseren zäh verteidigten Stellung«« verblutetes: chderEngländer gestern in vergeh, l: ch e n bis zum Abend anhaltenden Stürmen. Starke, im Osten des Jordanbcckens nach Norden vorgeschobene Kavallcriemasfen lind von unseren rasch herbrigeeil- ten Kräften unter der tatkräftigen Führung des Obersten Essad-Bei empfindlich geschlagen und zur Auf. lösung gebracht worden. Eine Anzahl Gefangene» sieben Feldgeschütze, ein schweres, langes Geschütz, Pferde, Munitions- wagen, ein Panzcrkraftwvgen und -viel Kriegsmaterial sind bis jetzt eingebracht. Bei Ammon brachte eins unserer Flugzeuge zwei feindliche Flugzeuge zum Absturz. Die Jnsaffen, vier englische Offiziere, wurden gefangen genommen. Sonst nichts von Bedeutung.
Ein neuer türkischer Erfolg bei Votum.
W. T.-B. Konstantinopel, 3. Mai. (Drahtbericht. Aqenra Milli.) Wie ans Batum gemeldet wird, wurde eine aus 1 0000 Bolschewiki befteherrde Streitmacht aus dem Morsch iwch Clifabethpol durch den Widerstund zweier aus Bad he stau herangerückter Regimenter in der Gegend von Elisabethpol aufgehalten. Letztere erhielten Der. stärkungen und schlugen die Bolschewiki, denen sie 8 00 0 Gefangene ab nahmen. Sie machten den in Baku stehenden 'Bolschewiki den Vorschlag, sich zu ergeben.
Oie wahlrechlsdebalte.
(Fortsetzung des DrohtberichtS in der gestrigen Abend-Ausgabe.)'
B. A, Berlin, 3. Mai.
Abg. Seiner! (Soz.l fährt fort: Es ist ganz unerhört, daß Strafen, di« gesühnt sind, den Ausschluß des Wahlrecht« zur Folge haben sollen. Ebenso ungerechtfertigt ist der Aus« schlnß wegen Nichtbezahlung der St euer m Wir haben für den Krieg gearbeitet uitd sind für die Versöhnung der Völker eingetreten. Sie (nach rechts) haben H a ß g e s ä t gegen das deutsche Volk und gegen fremde Völker. Durch dro Bestimmungen des 8 2 wird das Volk gehetzt in einer Weise, die kriegsverlängernd wirken muß. Ich richte meine Mahnung an das Volk:
Hütet euch, daß Preußen znm Mörder der deutsche» Einigkeit wird.
(Beifall bei den Sozialdemokraten.)
Abg. Casiel (Vpt.): Der Abgeordnete Heins hat s« maßlose Anschuldigungen gegen die Juden gerichtet, daß ich keine Veranlassung habe, näher darauf ernzugehen. Die preußischen Juden haben keinen Grund, sich vor Hein« und seinen Gesinnungsgenosieir zu fürchten. Die Juden haben voll ihre Pflicht getan und solche Reden wer- den uns nicht voran lasten, unsere Liebe zum Vaterland auS unserem Herzen zu reißen. (Beifall links.)
Abg. Strobel (Unabh. Soz.): Auch wir weisen die Aus- fübrunnen des Abgeordneten HeinS mit Entschiedenheit zu. rück. Ein großes Unrecht rst der Ausschluß von der Wahl- berecktigung wegen rückständiger Steuern. Über» haupi sind die Bestimmungen des § 2 durckaus reaktionär rnd volksfeindlich und deshalb geeignet, das ganze Gesetz unannehmbar zu machen. Wir stimmen dem Antrag Braun zu, nach welchem die von uns angefochtenen Bestück- mungen gestrichen werden.
Abg Boislp (natl.): Wir lehnen den Antrag Heins einstimmig ab und schlagen vor. Nr. 3 des 8 2 (Ausschluß von der Wahl wegen Vecluit der bürgerlichen Ehrenrechte) zu streichen und die übrigen Bestimmungen deS Paragraphen aufrecht zu erbalten.
Nach kurzen AuSfiihrungen des Abg. Bonrn-Stormamr (freikons.) wird die Besprechung geschlossen. .
Persönlich bemerkt Abg. Heins: Die heftigen Angriffe der Abgeordneten Kanzow und Cassel gegen mich waren unbegriindet und erreichen das Gegenteil von dem, was sich bezwecken.
Aba. Roscnow (Bpt.)r Die An,griffe des Abgeordnete» Heins gegen mich lösen da§ Gestühl der Verachtung bei mir aus. (Vizepräsident Dr. Lohmann rügt diesen Ausdruck.)
Abg. Castcl (Vpt.): DaS Urteil des Abgeordneten Hern» gegen mich hat für mich gar keine Bedeutung.
Zum 8 '2 wird der Antrag D e l ü r ü ck auf Streichung der Nr. 3 (Ausschluß von der Wahl wegen Verlust der bürge», lichen Ehrenrecktel angenommen. Im übrigen wird 8 2 unt-r Ablehnung der anderen Anträge unverändert angenommen. Der Antrag HeinS ist zurückgenommrn. t
ES folgt die
Beratung über § 3. der die wahipfiicht vorsteht
Wer ohne hinreichenden Entschuldigungsgrund sein Stimmrecht nicht ausübt, soll nach dem Kommistionsbeschlutz ein Viertel des Jahresbetrages seiner Staatscinkommen- ftp-p mindestens üJ&äS 5 W« als ^«ungSjtrntz
