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-Wett- ». Fkeitaa. S. Mai 1918.

Deutscher Reichstag.

Wiesbadener Tagblait.

cstgener Drahtbericht des „Wiesbadener Tagblatts".)

# Berlin, 2. Mai.

Stet BundeSratStifch: Freiherr v. Stein. Dr. Kaspar.

18 Mtnuren!^^ *** Laasche eröffnet die Sitzung um 1 Uhr

Die erste Beratung zum

ktrbeitskammergefetz

wird ftrtgesetzt.

W” 0 ®' Soz.): Mit vollem Recht ist gestern ^ ^ksetzentwurf geübt worden. Nicht Vernunft und Recht kommt in ihm Zum Ausdruck, sondern ein werterer Schutz der unersättlichen Unternehmerschaft.

^efichtLpunkte werden nicht gezeigt, ein schlechtes «eichNi Mr di« künftigen AvbciteryeseHe. Die Regierung zeigt sich wieder als Lachwalterin des Kapitals.

Nachdem Jnterefsenkammern den Unternehmern ac-

ichaffen worden sind, sollte auch den Arbeitern eine solche . - Einrichtung gegeben werden.

Eine berufliche Gliederung ider Kammern toäre nicht zweck­entsprechend. Uber einzeln« Fragen, wie di« der Arbeitvr- sekretare, wird rm Ausschuß zu reden sein. Die Arbeiter wer­den noch woe vor «ms die eigene Kraft angewiesen sein, wenn der gesetzliche Schutz versagt, werden sic andere Wege gehen müssen.

, , a& ®- ('L ottli< * i lPole): Die Vorlage ^bildet eine gute Hand- m be ,'a*L S3 \*r b J r ß e t' lt ! i,ung der Volk,kraft und 11 Wir müssen entschieden fordern, daß

° wr 0 r iT1 i>a8 besetz eingezogen werden.

Wrr hoffen», daß der Entwurf bald Gesetz werden wird zum ««gen aller Beteiligten. 3

Aüg. Giebel (Sog.)- Es ist keine gute Note für die Vor- ~®?_' nut ^ Redner der Rechten unbedingt für sie

, aIfe übrigen hoben mehr oder weniger Kritik geübt. Ein Emigungkwesen muß wesentlich verbessert werden.

Die Angestellten- und Arbeiterausschüssc müssen in dieses mit hineingearbeitei werden.

Der Staatssekretär hat erklärt, hierüber schwebten Erwägon- 5” ^ W° n bedenklich einer Einrichtung gegen­über, die sich bereits gut bewährt -hat. Die An gestellte n- kammern müssen ebenfalls m diesem Gesetz geregelt wer­den- Die Angestellten sind voller Mißtrauen. Die Sonder- ^ngestelltenorganisationen sind vollständig &n Grund besteht zwffchen den Angestellten und Awertern kein Unterschied. Sie entstammen den gleichen Schichten und „e sollten durch dieses Gesetz nicht auSemander- gerrssen, sondern zu sammenq «führt wenden. Gegen dre AnEellten gehen die Unternehmer in scharffter Form vor. Alle technischen Verbände sind gegen besondere Angestellte u- lammern. Auch die Bureauangestellten: nur ein Teil der kauf­männischen Verbände wünscht solche. Von einem Wunsch der Mehrheit rst keine Rede.

Dbg. Kuckhoff fZentr.s: Es ist nichr möglich, die Angestell­ten- m't den Arbeiterkammern zu verquicken. Ihre ganze Stellung rm wirtschaftlichen Leben ist eine ganz andere. Des­wegen braucht man keineswegs von den Arbeitern gering- patzig zu denken. Der Angeftclltenstand ist erst im Entstehen.

Abg. Marquardt (natl.): Die Wählbarkeit der Arbeiter- sekretare ist zu begrüßen. Sie können sich freier äußern als di« Arbeiter.

Die Arbeitsgemeinschaft der kaufmännischen Verbände mit ihren 600 000 Mitgliedern tvönscht besondere Ange- strlltenkammern.

Bei den kaufmännischen Angestellten wich nicht nur nach Leistung, sondern auch nach persönlichen Eigenschaften bewer­tet, Angestellte wie Prinzipale sollten gegen die Schund- lohn« Stellung nehmen. Dröge das Gesetz von dem Geist breser ganzen Zeit getragen sein.

Die Vorlage geht an eine Kommission von 28 Mitgliedern.

Es folgt die zweite Beratung zum

kraushalt des Reichswirtfchaftsamter.

fchastliche Aoqängigkeit Deutschlands vom Ausland stnd di« besten Beweise der deutschen Friedensliebe. Unser WirtschastS- teben -st^ durch den Krieg hart mitgenommen. Das Reich ist der größte Austraggeber geworden. Es wich ade: trotzdem wenig positive und dauernde Aroeit geleiste,, das meiste ist verpulvert^ worden. Die Begründung des Reichs Wirtschaftsamts begrüßen wir, ebenso den neuen Staatssekrc tär. Der Ausbau des Amtes muß möglichst bald und lücken­los erfolgen. Das Reichswirtschaftsamt sollte besondere Be­amt« mit dem Besuch der entscheidenden S itzungen der w i x i- 1,4 östlichen Verbände betrauen. Damit würde eS sich einen Generalstao sachkundiger Beamten heranziehen. In letzter Zeit sind die unglaublichsten Vorschläge über die Struktur unserer künftigen Volkswirtschaft qemacht worden, so auch von Walter R a t h e n a u. Dieser kommt zu Resul- tatem die an Kommunismus streifen. Die Lchre der Kriegswirtschaft hat dem .deutschen Volk vor solchen Experi menten die Augen geöffnet.

Das Volk ist überzeugt, daß die Staatsgewalt nur dann in das Wirtschaftsleben eingreifen soll, wenn es absolut notwendig ist.

Eine Bevormundung steht der Regierung nicht zu. Mr ft euer, uns, daß der Vizekanzler sich für Abbau und Be­seitigung der öffentlichen Bewirscha ftun g ausgesprochen hat. Ter freie Wettbewerb mutz wiederher- gestellt werden und di« Preisvorschriften, namentlich für Eisen und Kohlen, müssen verschwinden.

Die Forderungen des Mittelstands- sollte« vom Reichs __ wirtschaftsamt besonders berücksichtigt werden.

Seine Erhaltung ist unbedingt notwendig. Der Schutz der Landwirtschaft hat sich im Krieg glänzend bewährt. Sie ist das Rückgrat der heutigen Wirtschaft.

Die Abhängigkeit vom Ausland in landwirffchastlichen Erzeugnissen ist viel gefährlicher als die industrielle Ab­hängigkeit.

Auch die Sozialpolitik hat sich bestens bewährt. Ein Fortschritt ist es, daß die Stillegung von Betrieben nur roch vom Reichswirtschaftsamt verfügt werden kann. Die Konzentration von Reichsbetrieben nach der Reichs- Hauptstadt maß künftig vermieden werden. Bei der kommenden Neuregelung der handelspolitischen Verhältnisse zu Österreich-Ungarn muß darauf gesehen werden, daß die deutsche nationale Arbeit vollen Schuh erfährt. Die Forderungen an das feindliche Ausland müssen noch vor dem Friedensvertrag mit allen Mitteln durchgesetzt werden. Diesen Ausgaben reihen sich die Fragen der Übergangswirtschaft an, tie große Anforderungen stellen wird.

Abg. Südekum (Soz.): Die Teilung des alten Reichs- amtS de? Innern begrüßen wir mit Genugtuung. Leider ist der sozialpolitisch hochbegabte Staatssekretär Dr. Schwan­ker sehr bald von seinem Posten versckwunden. Aber auch den fetzigen Staatssekretär, den wir als tüchtigen und ge­wissenhaften Verwaltungsbeamten schätzen, begrüßen wir. Die Welt ist aus den Fugen gegangen. Wie und wann sich olles wieder gestalten wird, ist noch nicht abzusehen.

Der Krieg zermalmt die Kleinen und stärkt die Großen, die ihre Mittel und ihre Macht sammeln, um den Markt ;ü beeinflussen.

Wir brauchen für unser Rcichswirtschaftsamt ein klar um- schriebes wirtschaftvolitischeS Programm. Der Krieg ist nicht mehr eine rem militärische Angelegenheit, er -st auch eine wirtschaftliche Angelegenheit. Sollen wir ihn bestehen, so muß die staatliche Organisation eintveten. Darin stehe ich Walter Rathen au bei.

Darauf wird di« Weiterberatung auf Freitag 2 Uhr vcr tagt; außerdem Anfragen. — Schluß 6 Uhr.

Morgen-Ausgabe. Erstes Blatt. Nr. 298.

austragt, sich dieserhalb mit dem Reichskanzler in Verbindui zu setzen.

Hierauf nahm der HauptauSsckuß die Erhöhung der mj dcn Post- und Telegraphengebühren zu erhebe» den außerordentlichen Reichsrbgaben nach dem Gesetzentwu, an. Dazu einen im Unterausschuß mit Stimmengleichh« abgelehnten Antrag, unter die Befreiung auch Einzelsendun gen von Zeitungen und Zeitschriften aufzunehmen. |

G§ folgte die Fortsetzung der Aussprache über den gester gemeldeten Antrag auf Aushebung der Portofreiheij der Fürsten. Staatssekretär Rüldlin ersuchte» den Antra., anzu nehmen, oder wenigstens zur Abstimmung zu britt gem Die Portofreiheit stelle ein wohlerworbenes Recht dg Fürsten .dar, das nicht ohne weiteres beseitigt werden könne Der Ausschuß beschloß jedoch mit großer Mehrheit, in dei Entwnrf den fortschrittlichen Antrag einzufügen» wonach di« Portofreiheit der Fürsten, deren Gemahlinnen und Wrtwq aufgehoben wird, so weit sie nicht durch Staatsverträge des Norddeutschen Bundes im Königreich Württemberg m® Bayern für den inneren Verkehr dieser Staaten gesichert ist Damit ist dre erste Lesung des Entwurfs beendet.

Der Kbendbericht vom 2. Mar.

W.T.-B. Berlin, 2. Mai, abends. (Amtlich. Drahtbericht Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

' Die vukarester §riedensverhandlunaen

B. A. Berlin, 2. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie wir

hören» ist Ministerpräsident Radoslawow nach Bukarest zu den dortigen Friedensverhandlungen abgereist. Es ist zi Hoffen, daß die Unterzeichnung des 'Vertrags nunmehr baE erfolgt und auch di« bulgarisch-türkischen Streitigkeiten beige legt werden.

ES wird beraten über allgemeine Fragen» <51:11 kegungen und Übergangswirtschaft, wobei dies drei Fragen getrennt behandelt wevden -ollen.

Abg. Dr Meyer-Kauslbeuren (Zentr.): Die Schuh -

los:gk«ir des deutschen Außenhandels und die stark« wirt-

Kus dem Hauplansschutz des Reichstags.

W. T.-B. Berlin, 2. Mai. (Dcahtbericht.) Im Haupt­ausschuß des Reichstags brachte heute vor Eintritt in die Tagesordnung Abg. Ebort (Soz.) die gemeldeten Vor­gänge in Kiew zur Sprache. Die heutige amtliche Mel­dung über die Verhaftung von Mitgliedern der Regie­rung und Androhung von scharfen Strafen durch General- feldmaricholl v. Eichhorn habe auis äußerste überrascht. Er bittet den Ausschuß, seinen Antrag zu unterstützen, den Reichskanzler zu ersuchen, eine sachgemäße Dar­stellung der Verhältnisse in Kiew und der Ukraine zu geben. Demgemäß wurde beschlossen und der Vorsitzende be­

ll. Fortsetzung.) _

Die Kugel der Franktireurs.

Eine Kriegserinneoung au§ dem Jahre 1870.

Von A. Gräfin Brockdorff.

Zufälligerweise wurde die Kompanie dazu befohlen, in der Paul von Rinkheim stand, und er war froh dac- jiibcr. Konnte er dadurch doch seine Verwandten besser schonen, sie vielleicht im Notfall vor den eigenen Lands­leuten schützen. Seine Vermutung bestätigte sich. Er traf gerade in dem Augenblick ein. als ein Kaufs be­waffneter Bauern mit Gewalt in den Schloßhof drang und zwei Diener, dis ihrem Vordringen Einhalt ge­bieten wollten, einfach über den Saufen rannte. Beim Anblick der feindlichen Übermacht warfen einige die Waffen fort und flohen durch ein Nebentor die anderen stürmten nach dem Schloßeingang und suchten inS Haus zu gelangen. Binnen wenigen Minuten hatten dre Soldaten aber alle Bauern zusammengetrieben und entwaffnet.

Nun wandte sich Herr von Rinkbeim an einen der Diener, dre zitternd zugssehen hatten, und fragte auf Französisch:

„Kennst du mich noch Jean?"

„Der Herr Baron!" stammelte dieser rrnd sah ihn verwirrt an.

„Geh, melde mich dem Herrn Macauis". -ogte Paul, „und teile ihm mit, daß er über das Schicksal von Sceymont unbesorgt sein kann, es stsht fortan unter .unserem Schutz."

, Bei Rinkheims freundlichen Worten halte Jean seine Haltung wiederqefunden.

..Der Herr Marquis ist 'chon vor Wochen nach Paris berufen worden und die Frau Margiiise und da? gnädige Fräulein konnten ihm jetzt nicht fclgsn. weil mc Beilnndnng zu unsicher ist.

Welch ein Glück, daß gerade der Herr- Baron ga- «ommen stnd, nun brauchen wir nichts mehr zu fürchten.

\j Wiesbadener Nachrichten.

Sammlung getragener Oberkleidcr für Männer. Der

Magistrat erläßt in dem Anzeigenteil der vorliegenden Aus­gabe einen Aufruf zu einer allgemeinen Sammlung von getragener Oberkleidung für Männer, woraus hiermit be>! sonders aufmerksam gemacht sei. Die Sammlung ist veran^ laßt von der ReichSbekleidungsstelle im Einvernehmen mit bar.. Landes Zentralbehörden und bezweckt die teilweise Deckung des Bedarfs an Oberkleidung der in den kriegswichtigen Betrieben, insbesondere auch bei der Eisenbahn und in der Landwirtschift beschäftigten Arbeiter. Die Stadt soll bierzu «ine festgesetztes Anzahl von Anzügen beisteuern. Der Magistrat erwartet, daß dl« erforderlichen Anzüge im Wege der freiwilligen Abgabe aufgebracht werden, um so strengere Maßnahmen der Reichs- bekleidungt stelle zu erübrigen Die Sammelstelle beftndet sich Friedrichstraße 17.

— Schuluachilchten. Rektor Joseph Hartmann ist hier und Rektor Dübelin Kurth in Dotzheim endgültig, die Lehrerin Else Sieler hier einst weile,, «igestellt worden.

Jsiarlliischcr Gottesdienst. Israelitische KnltuSge- m ein de. Svnaargc: Mlchelsberg. Gotterdienst in der Haupt- synagvgr Freitag: abend« 7*4 Uhr, Sabbat: morgens 9 Uhr,

nachmittag? 8 Uhr, Aulqang 8.40 Uhr. Wochentage: morgens

7) 4 Uhr, abends 7)4 Ahr. Tie Gemeindebibliothek ist geöffnet: TienstefnachmiltagS von 4 bis 5 Uhr.

Alt-Israelit: icke K u l t u S g e m e i n d e. Synagoge: Friedrichstrafe 33 Freitag- abend- TVi Uhr, Sabbat: morgens

8) 4 Uhr, Vertrag 1( )4 Uhr, nachmittags 4)4 Uhr, abends 940 Uhr. Wochentage, morgens 7 Uhr, nachmittags 6)4 Uhr, abends 9.40 Uhr.

Talmut-Tbora.Verein (E. B.) Wiesbaden,

Kl. Sckwalbocher Strafe 10. Sabbat-Eingang 8.15 Uhr, morgens 8.30 Uhr, Mincha 81? Uhr, Ausgang 8.40 Uhr. Wochentags: morgens 7 Uhr. Mincha und Schiur 8.30 Uhr, Maaris 9.40 Uhr.

D»rf>erid>te über «unkt, vsrtrSge und verwandt«^

* Rrstdenz-Theater. Sylvia Herzig errang am vergangenen Mittwoch niit ihrem zweiten Abend moderner Tänze bei gänzlich ausverkauftem Hause einen so starken Erfolg, daß die Künstlerin am kommenden Dienstag, abends 7)4 Uhr, noch einmal austrete« wird.

Rur dem vereinsleben. vorderichre, Dereinsverfammtungen.

• Der „Verein der Künstler und Kunstfreunde" hat zwei rnhmlichst bekannte Künstler, die großherzoglich hessische Kammerrirtursin Kwast.Hodapp und Walter Daoisson, zum Bortrag der sän llichen Sonaten für Klavier und Violine von Beethoven an drei Avendcn brrpstichtet. Die Veranstaltung findet am 4., 6. und 8. Mai, alcnds 7)4 Uhr, im ZivlÜasmo statt.

Diesc verwünschten Landleute hätten uns womöglich noch das Dach über dem Kovfe angezündet."

Als Paul jetzt dem Diener durch dis vertrauten Raume nachschritt, überkam ihn eine gev'isse Scheu vor der Begegnung mit den Verwandten. Wie würden sie rn (U'fuhmen? Er kam als Feind, wenn er auch im Moment ihr Eigentum geschützt hatte, und die Tante war eine feurige Patriotin, wie er von früher her l»ußte. Würde sie ihn überhaupt empfangen? Nach wnem Emladungsbrief an seine Mutter hatten sic keine Nach'icht niehr aus Sceymont erhaltm.

Während er noch so nachdachte, kam die Marquise herein und begrüßte ihn mit gewohnter Herzlichkeit:

.V'-illkcmmen. mein Lieber", sagt; sie „wenn ich dich au» lieber unter anderen Umständen bei uns ge­sehen hotte. Nnn kommst du als unter Beschützer, wah- send wir euch Schutz zu geben hofften." Sie lächelte tiube bei diesen Worten, und ein feucht;r Schimmer trat m ihre Augen. „Ja, ja, unser schönes Frankreich mnß mel leiden."

Bei der freundlichen Begrüßung fiel Paul ein Stein poni^ Herzen. Tante Jsabella )var wie immer warm­herzig und gerecht und wußte den Menschen von der Sache zu trennen. Innig küßte er ihre Hand.

„Dank, Tante Jsa, für dein Willkommen. Ich will versuchen, dir die Tage unserer Einquartisrung so leicht wie möglich zu machen, und hafte für das anständigs Botragen unserer Leute. Wir haben den Befehl, vor­läufig hier zu bleiben. Der Oberst und sechs Offrziere, rch eingerechnet, sollen im Schlosse wohnen."

.Ich werde alle nötigen^ Anordnungen treffen.

Vanl und bin froh, daß ich dich dabei habe. Aber jetzt koiiim lmd sieh dir an. was aus deiner Cousine, der kleinen Dvonne geworden ist."

Dkim Anblick der Cousine stutzte der ftmge Mann unwillkürlich. In seiner Erinnerung ^ah er noch den dicken, übermütigen Backfisch, mit dem er ^ gut Freund gewesen und sich so viel geneckt hatte. Nun stand ein

fthlaukks, ernst aussehendes Mädchen vor ihm, in deren wlzem schwermütigem Gesicht kauni ein Zug mehr von viln^wilden Mädel von ehenmls zu entdecken war.

taie begrüßte ihn steif und kühl, und er fühlte so­fort. daß bei ibr^ die Patriotin über der Verwandten stand. Da dsr Dienst jetzt rief, verabschiedete sich Paul naw ein paar gleichgültigen Worten und sah die Cou­sine erst beim Abendessen wieder, wo sie still und ab- ineisend neben ihm saß. Seins, wie auch der Käme- laden Anreden beantwortete Avonne einsilbig und zu- lückhaltsnd.^ augenscheinlich keinen Monient vergessend, daß die Gäste am Tisch ihrer Mutter die Feinde drS Landcs waren. Dagegen fühlt; sich die Mi'ttcr bet der Tafel nur als Hausfrau, nicht als Französin. Vielleicht ‘nar sie auch ein wenig zurückhaltender als konst, aber liebenswürdig und angeregt, und als der Oberst auf ihr Wohl anstieß, ließ sie ihr Glas an si-ines klingen und begrüßte die Herren als Gäste ihres Hanfes, das „Gaste" etwas hervorhebend.

Bei ihien verbindlichen Worten war die Tochter noch hlkichcr als zuvor geworden, und als j«-tzt ei« all­gemeines Anfstehen und Gläserstoßen, folgte, stand sic nnt auf und verließ lautlos das Zimmer. Paul, der während der ganzen Tischzeit sich lsbhait init d-r Cou- sine bwchaftigt hatte, sah ihr teilnnhmSnoll nach. Sie tat •»r>m leid, denn sie litt au§cl?iprochen unter dem im- puls'i'cn Wesen der Mutter bei der di; große Dam- und Wirtin w ganz die Patriotin verdrängte, während das junge Mädchen nicht einen Augenblick ihr bedräng­tes Buterland vergaß und es veinvoll empfand, n-it dem Feinde an einem Tische sitzen zu müssen.

Als Yvonne jetzt so still aus d 'm Zimmer ging, ß^ien es ihm auf einmal öde und kahl, und mit ein-m Sä'lage wußte er. daß dieses herbe, verschlossene Mäd­chen das Schicksal seines Lebens 'ei. Liebe auf dm ersten Blrck! Wie oft hatts er darüber gslächelt, wenn seine Freunde davon sprachen, und nun war er ihr ver­fallen. (Schluß folgt.)

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