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Verlag Langgaffe 21

Tagblatthau«".

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Donnerstag» 2. Mai 1918.

Morgen-ktusgabe. n». ros.. m . z-hrg-ng.

Die sinnige kjeerführer-Ehrung des Kaisers.

Die Rhciufahrer oller Zeiten solle» sich erinnern, loas wir den Beschützern des Rheinftroms verdanlen.

Wir teilten bereits in nnserein gestrigen Abendblatt mit, daß der Kaiser, einer Anregung der Eisenbahnver- waltung folgend, bestimmt hat, daß die während des Kriegs erhallten Rh einhrücken bei Engers, R ü d e s h e i m und Remagen die N a m e n des Kronprinzen, Hindenbnrgs und Luden- d o r f f s tragen sollen. Indem nur nachstehend dieKaiser- Telegramme, welche Hindenburg und Ludendorfs von den betreffenden Ehrungen in Kenntnis setzten, und die Antworten der ruhmreichen Heerführer veröffentlichen, bringen wir des Gesamteindrucks halber auch die an den Kronprinzen ergangene Drahtung, deren Wortlaut unseren Lesern nicht mehr neu ist, noch einmal zum Ab­druck.

Der Kronprinz erhielt folgendes Telegramm seines kaiserlichen Vaters:

Seiner .Kaisers, und Königs. Hoheit dorn Kron­prinzen. Es ist mir eine große Freude, Dir mitzuteilen, -laß ich beute befohlen halbe, daß di« R h e t n -Eise n b a b n- hrücke bei Engers, welche, in großer ^)eit erbaut, der Landesverteidigung wichtige Dienste leisten soll, deri Namen Kronprinz-WWbelm-Brücke

führen soll Di« Verwaltung der preußischen Staatseisen- behnen, wÄche mir den Vorschlag gemacht hat, lviÄ dadurch dankbar Deinen Neunen ÄS Heerführer verewigen.

Gez. Wilhelm.

An den Generalfeldmarschall v. H i n d e n b u r g telegraphierte der Kaiser:

Es ist mir eine ganz besondere Freude, Ihnen, meui lieber General feldmarschall, Mitteilen zu können, daß ich der in der Kriegszeit entstandenen RheiN-Eisenbahn­brücke bei Rüdes heim heute den Namen Hindenburg-Brücke

beigeilegt und befohlen Hobe, daß Ihr Wappen an der­selben angebracht wird. Der für die Landesverteidi­gung wichtige Bart soll ein Denkmal für die Beschützer des Rheinstroms sein.

Gez. Wilh elm.

Das Telegramm an den General der Infanterie Ludendorff, Ersten Generalquartiermeister, lautet:

Es ist mir eine große Freude, Ihnen mitzutetlen, daß ich der Rhein-Eisenbahnbrücke bei Remagen, welche als Zuführwng der Aartalbahn demnächst dom Betrieb übergeben werden soll, heute -den Namen Ludendorffbrücke

beigelegt habe. Die Rheinfahrer aller Zeiten sollen sich er­innern, waS wir den Beschützern des Rheinstroms verdanke,».

Gez. Wilhelm.

Die bei dem Kaiser eingegangenen Danktelegramme lauten:

Hocherfreut über Dein gnädiges Telegramm danke ich Dir sehr herzlich, daß die Rhein-Eisenbahnbrücke bei Engers auf Deinen Befehl meinen Namen tragen soll. Nütze das deutsche Bauwerk seinen bohen Zweck erfüllen, die Unantast­barkeit der Westgrrnze unseres geliebten Baterlandes für alle Zeit sicherzustellen.

Gez. Wilhelm.

Eurer Majestät danke ich freudig bewegten Herzens für den erneuten großen Gnadenbeweis. Möge die zu Füßen des Nitionaldenkmals über Deutschlands stolzeste., Strom führende H i n d e n b u r g b r ü ck e in nicht zu ferner Zeit siegreich heimkehrende Truppen begrüßen, und dann unter Eurer Nlajestät starken, Schutz und gesegneter Regierung den, neu aufblühenden Handel und Wandel des Vaterlandes dienstbar fein. Das walte Gott!

Feldmarschall v. H i n d e n b u r g.

Eurer Aia-jestät gestatte ich mir, alleruntertänigston Dank für die neue große Ehrung in tiefster Ehrerbietung zu Füßen zu -legen. Daß mein Name mit dem Rheinstrom auf Eurer Majestät Befehl für alle Zeit verbunden sein soll, er­höht meine tiefe Dankbarkeit gegenüber Eurer Majestät Und erfüllt mich zugleich mit Stolz und Freude,

Gez. Ludendorfs, General der Infanterie.

»

Lin Besuch Raifer Henris im Trotzen Hauptquartier.

W. T.-B. Wien, 1. Mai. (Drahtbericht.) Wie dis Wiener Allg. Ztg." erfährt, wird Kaiser Karl in der nächsten Zeit in Begleitung des Ministers des Auswärtigen Baron Burian in das Hauptquartier zum Besuch Kaffer Wilhelms reisen. Dieser Besuch hat zweifellos w e i t g e he nie politis ch e Bed e u- tung und man geht in der Annahme kauni fehl. Laß bei der bevorstehenden Besprechung grundsätzliche lvr-aaen airt Erledigung kommen.

Die Lage im Westen.

Der Rbendbrricht vom I. Mai.

W.T.-B. Berlin, 1. Mai, abends. (Amtlich. Drahtbericht.)

Bon den Kriegsschauplätzen nichts Neues.

*

Hazebrouck unter deutschem Zeue^r.

W. T.-B, Berlin, 1. Mai. (Drahtbericht.) Bahnhof Haze­brouck lag am 29. April unter zusammengefaßtem deutschen Feuer. EinwcmoSfrei wurde scharfe Wirkung festgestellt. Mehrere Brände sind beobachtet.

Frankreichs schlecht verhehlter Schmerz über den Verlust des Kennnclbergs.

W. T.-B. Bern, 1. Mai. Die Känipse -nn Kemmel- berg werden von der französischen Presse mit der größ­ten Aufmerksamkeit verfolgt. Die Presse t r ö st e t ü b e r den V e r l u st hinweg durch den Hinweis, Laß die deutschen V o r st ö ß e gegen Amiens bei Hangard und Villers-Bretonncux ergebnislos verlaufen sind bis auf die bedauerliche Einnah in e Hangard s, das immerhin eine wichtige Stellung sei. Die Einnahme des Kemmelberges, die nur von einem Teil der Presse offen zugegeben wird, betrachtet man ernst.Matin" hofft, den Engländern möge es gelingen, den Berg zu- rückzucrobern, der das ganze Gebiet Pperns beherrsche. Petit Journal" gesteht ein, daß durch die -Wegnahme des Berges die Lage der Bperrtarmee gefährdet sei. Laut Temps" wurde der Gerichtshof erster Instanz in Amiens einstweilen nach Veauvais verlegt.

Zurücknahme der amerikanischen Linien zwischen Maas und Mosel.

Br. Zürich, 1. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Der Tagesanz." meldet, daß infolge der wiederholten deut­schen Angriffe zwischen Maas und Mosel die dort ein­genommenen amerikanischen Linien zurückgenommen und durch französische Truppen ab ge löst werden mußten. Pariser Zeitungen berichten ferner, die britische Heeresleitung beabsichtige, 50 Prozent aller auf außereuropäischen Kriegs­schauplätzen stehenden englischen Mannschaften zur Perstärkung der Armee nach Nordsrankreich zu schaffen. Den Ersatz für die außereuropäischen .Kriegsschauplätze sollen die englischen Kolonien und Dominions stellen.

*

Ein neuer Brrratsprozcß in Paris.

Basel, 1. Mai. Gestern nachmittag bot vor dem Kriegs­gericht in Paris der Prozeß der ZeitungBannet Rang e" dogonrten. Eine Anzahl von Personen wird des Einverständ­nisses oder des Handels mit dem Feind beschuldigt. Etwa 10 Zeugen wurden vernommen. Der Prozeß wird mehrere Tage dauern. _

Österreichisch-ungarischer Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 1. Mai. (Eig. Drahtbericht.)' Amtlich verlautet vom 1. Mai, mittags: Die regere Kampf­tätigkeit an der Südwestfront hielt' auch gestern ^tagsüber an. An viele» Stelle» wurden italienische Er­kundungen vereitelt. Der Chef des Gcneralstabs.

=n

Sturmlauf der veutschböhmen gegen das Nabinett Servier.

Wien, 1. Mai. DemNeuen Wiener Tageblatt" zufolge nahm die gestern in Looositz abgehaltene Voll­versammlung des deutschen Volksrates für Böhmen eine Entschließung an. wonach der sofortige Rücktritt des Ministerpräsidenten Dr. Seidler und die vollständige Abkehr von seinem System verlangt wird. Den deut­schen Abgeordneten wird bis zur Erfüllung dieser For­derung dre rücksichtsloseste Opposition emp­fohlen. In einer weiteren Entschließung werden von Dr. Titta die zur Gründung einer deutschen Gemein­schaft unternommenen Schritte gebilligt, da nur hier­durch eine Gesundung der deutschen Poliffk zu erwar- te n sei. _ _

Deutsches Reich.

Liqe Spaltung der Zreikonservativen?

Sr. Berlin, 1. Mai. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die erste Folge ihrer Stellungnahme zur Wahlrechtsvorlage hat jetzt die freikonsewative Partei zu ipüren bekommen. Der Landtagsabqeordnete V.^Kardorff, dessen Vater jahrelang ihr Führer war, ist aus der Fraktion aus­getreten. In der letzten Fraktionssttzung der Frei­konservativen ist es zu heftigen Erörterungen über die Wahlrechtsfrage gekommen-, wobei es sich er­gab. daß eine kleine Minderheit, zu der die Abgeord­neten v. Kardorff. Freiherr v. Zeblitz, v. Dewitz- Oldenburg und Arendt gehören, sich der Ein­führung des gleichen Wahlrechts geneigt

zeigen. Während der letzten Fraktionssitzung soll Kar­dorff erklärt haben, daß er gegenüber diesem Beschluß, der die Minderheit für die Abstimmung an den Willen der Mehrheit bindet, sich freie Hand Vorbehalte.

Zu Erzberqers Gespräch mit dem Reichskanzler.

Br. Berlin, 1. Nkai. (Eig. Drahtbericht. zb.) Zn dein veil derReichspost" mitgcteiften Gespräch -es Abg. Erzberger mit dem Reichskanzler, in -em erster er äbleugnete, gegen den Reichskonzler intrigiert zu haben, schreibt dieTägl. Rund­schau":Kann er mich leugnen, seinerzeit, als die Kandidatur des Grafen Hertling für den Reichskanzlerposten aus tauchte, in den Reihen anderer Fraktionen mit Denkschriften gegen diele e r st e Kanzlerkandidat,ir eines Zentrums- füh-rerS hausteren gegangen zu sein. Jedenfalls eine Tat­sache, und eine Tatsache, die durch kein noch so ehernesNein" Herrn Erzbergers auS der Welt zu schaffen ist. Wenn das aber schon vor der HertUngschen Kanzlerschaft möglich war. waS soll während dieser schon möglich gewesen fern?"

Die Reform unserer Diplomatie.

Der Staatssekretär des Auswärtigen Amtes hat arnze- vrdnet, daß die vor einiger Zeit von ihm eingesetzte Kom­mission für di? Neugestaltung des auswärtigen Dienstes demnächst mit Sachverständigen aus Berufskreisen in Ver­bindung treten soll, die an der Lösung der der Kommission überwiesenen Aufgaben interessiert ist. Die bisherigen Be­ratungen der Kommission haben sich unter dem Vorsitz des Staatssekretärs nur in, amtlichen Rahmen vollzogen. Sir. traben sich indessen von vornherein nicht nur mit dem um­fassenden Aus- und Uinbn, des Auswärtigen Anttes selbst, sondern auch init einer grundlegenden Reuord- n u ii a des diplomatischen und konsularischen Dienstes be schästigt. D»e geplante Hexanziehung iveiterer Kreise soll diesen Gelegenheit bieten, ihre mannigfaltigen Erfahrungen auf dem großen Gebiet der deutschen Auslandsinteressen nt den Dienst der Sache zu stellen und ihren Vorschläge,- Geltung zu verschaffen. Während der Abwesenheit beS Sta-,tSkekret5rs »an Berlin wird die vorbereitende Arbeit der Kommissicn von dem Unterstaatssekretär v. d. B u s s ch e geleitet.

Die rote Fahne auf der ruffifdjeu Botschaft in Berlin.

Br. Berlin, l. Mai. (Eia. Drahtbcricht. zb.) Auf -em Gebäude der russischen Botschaft weht, seit gestern die. ruffische Fahne -der russisckren revolutionären Regierung. Der Volks­kommissar Herr Joffe wird an, Freitag das Haus beziehen.

Die Zortsetzung der wahlrechkdebatte im preußischen Abgeordnetenhaus.

(Fortsetzung dcS Drohtbc, icbt? in der gestrigen Abend-AuSgabr.)

$ Berlin, 1. Mai.

Zum Schluß seiner Rede (vergl. gestrige Abeiw-Ausgab^i bat Abg. Lohmann (natl.) um Annahme seines Antrags. (Bei fall bei einem Teil der Rationallibeoalen und Rechten.) Minister des Innern vr. vrews:

Wir stehen in einem Kampf politischer Meinungs­verschiedenheiten schlimmster Art. Es ist unser aller Pflicht, dahin zu wirken, daß dieser Kampf in loyalen Formen durchgeführt wird und daß man auch anderer Auffassung gerecht wird. Der Vizepräsident des Staats­ministeriums hat gestern die Frage des Abgeordneten von H c y d e b r a n d hinsichtlich des Kompromisses für ei» neues Wahlrecht klar bejaht. WaS nun die

Stellung der Regierung zu dem Wort des Königs betrifft, so sahen wir uns, als wir das Amt übernahmen, einer Lage gegenüber, in der die Allerhöchste Botschaft er­gangen war. Wir alle waren überzeugt, daß die Lage dm Dinge es unbedingt erfordere, daß wir für die Vorlage des gleichen Wahlrecht? mir aller Energie und mit allen Mitteln, die uns zu Gebote stehen, eintrcten müssen. Die Staats reg-erung scköpste die über zengung aus der politischen Lage, daß das gleiche Wahlrecht durchgebracht werden n, n s s e Das ist die Überzeugung ehr­licher Männer.

Der Antrag Lohma»» ist unannehmbar für die Regie­rung, weil auch darin das vlutokratifche Element zum Ausdruck kommt.

In den Ostinarteu wird unter allen Umständen auch unter dem gleichen Wahlrecht das Deutschtum gefördert werden. Das Gemeindewahlrecht und das Staatswahl­recht sind zwei verschiedene Dinge, die nach ver­schiedenen Gesichtspunkten gelöst werden müssen. Wenn Sie das gleiche Wahlrecht ablehnen, dann geben Sie der Sozialdemokratie den besten Agitations st o t f. Der Präsident hat l>ereits gestern darauf hinge wiesen, daß, wenn das gleiche Wahlrecht jetzt abgelehnt wer­den würde, später ein noch radikaleres folgen würde. (Rust rechts: Feigheit!) Ich verbitte mir ganz ener­gisch. daß mir der Barwücs Feigheit gemacht wird (Bravo! links.)

Wir fühle» uns vcrvflichtet, darauf zu bestehen, daß nur das gleiche Wahlrecht dasjenige fein kann welchess bei einer Änderung des jetzigen Zustandes ein geführt werde« kann.

(Beifall links; Zffchen rechts.)