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Verlag Langgasse 21

Tagblattha»S".

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Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apostelkirchc 7,1. Fernsprecher: Amt Lützow 6202 und 6203.

vienstag, 30. Äpril 1918.

Morgen-Kusgabe.

Nr. 199. . 66. Jahrgang.

heftig« Nahlämpfe nördlich vom Kemmel.

W. T.-B. Berlin, 29. April, abends. (Amtlich. Draht-

bevicht.) Nördlich vom Kemmel haben sich heftige Nahkämpfe

entwickelt.

»

Deutsche Vortruppen unmittelbar vor dem Autzengürtel Yperns.

Br. Genf, 29. April. (Eig. Drahtbericht. zb.) Daily Mail" meldet: Der Halbkreis um Apern schließt sich immer c n q e r. Der feindliche Druck von Süden gegen das englische Heer wird immer mächtiger. Die Schlacht nähert sich dem Höhepunkt. Mit höchßer Spannung sieht man der Entschei­dungsstunde in den nächsten Tagen ent­gegen. Nach Telegrammen britischer Frontbericht- crstatter vom Sonntag und die deutschen Bvrtruppen der Stadt Npern von Süden aus der Richtung des Kemmel auf sieben Kilometer von Norden nnd Osten auf nahezu 1*4 Kilometer nahegedrückt. Deutsche Vor­truppen stehen unmittelbar vor dem Außcngürtcl der schwer beschossenen Stadt.

Ein Erdbeben ist im Gang!"

Br. Rotterdam, 29. April. FmManchester Guardian" knüpft der bekannte Student of War an die Vorgänge an der flandrischen Front (vor Einnahme von Bailleul und des Kemmelberges) interessante Betrachtungen. Er sagt u. a.:

-Min Erdbeben ist im Gange! Wenn seine Verwüstungen in gleichem Maße noch eine Woche andauern, dann dürfte es sich nicht mehr um die Frage handeln. wiemanTruppen nach Frankreich wirft, sondern vielmehr, wie man sie fortbekommen kann. Die britische Armee wird unverwendbar, wenn sie nicht in Flandern genügend Boden besitzt, um ihre Verstärkungen entwickeln zu können. Wenn wir um den Kanal nicht nrinbestens ein Gebiet von 25 bis BO Meilen zu unserer Verfügung haben, stehen wir nicht mehr auf festen Füßen. Wir muffen einen Halbbogen um Calais herum, der Dünkirchen, Bgulogric.unL.,Ha^ebrouck halten. Sonst könnten wir Millionen nt Reserve haben, ohne lic verwenden zu können. Glücklicherweise steht zwischen den deutschen Hoffnungen und ihrer Verwirklichung eine britische Armee, die unvergleichlich mit dem Rücken gegen die Mauer kämpft. Aber wir sollten nicht übersehen, daß die Mauer in l iesem Falle die See nicht weit entfernt ist. Vom briti­schen Standpunkt aus ist Flandern unendlich wich­tiger als Paris. Es geht nichr darum, ob wir besiegt werden. Dem: selbst wenn wir alle? auf dem Festland ver­lieren, wären wir noch nicht geschlagen. Es wird darum ge­kämpft, ob wir auch ferner den Krieg, so wie er auf dem Fest­land geführt wird, fortsetzen können. Dieser Frage in allem ihrem Ernste muß man inZ Auge sehen.

Die militärische Lage.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

6, A. Berlin, 29. April. (Erg. Draihtbericht. zb.) Dis Verhalten der englischen Obersten Heeresleitung läßt immer deuüicher erkennen, daß sie strenge Anweisung hat, alles dararrzusetzen, um das wankende englische Prestige zu erhal­ten. Anders kann man sich in maßgebenden Militärkreisen das Verhalten der Apern-armee nicht erklären. Marschall H a i g mutz sich darüber klar sein, daß nach der Be­setzung des Kemmelbergs die wenige Aussicht, seine schwer bedrohten Truppen im Upernbogen durch einen Rückzug zu retten, sich noch vermindert hat. Nach Angabe best- Uirterrichteter Mtlitärkreife haben wir in fünf Wochen unse­rer Offensive 4100 Quadratkilometer erobert, während es dem Gegner bei der Somme-, Wytschoete- und Flandernoffensive in 44 Kampfwochen mir gelang, uns 50! Quadratkilometer abzunehmen. So spielt man ein B a - banquefpiel mit dem englischen Heer in der Hoffnung aus einen glücklichen Zufall, der alle Gefahr abwen­den soll. Die Verzögerung, die in der Tat unser Vormarsch infolge -des schwierigen Geländes erleiden mutz, wird den Gegner in seiner uns nur angenehmen Hoffnung bestärken, die nm so durchschlagender seine Niederlage zum Ziel -haben wird. Denn nach -Miseren jetzigen Erfolgen kann man bei aller Bescheidenheit sagen, -daß au der Flandernsvorrt sämtliche Rückzngsstratzen recht ernstlich bedroht sind. So -lange noch der K « mmelberg in der Hand der -Englän- der -war, bestand für sie die Möglichkeit, uns durch ständiges ArtAeriefe-uer zu beunruhigen -und unsere nach Südosten ab­biegende Front -ernstlich zu gefährden. Durch unseren über­aus schwierigen Angriff aus die -das ganze Gelände über- r-ag-ende Höhe haben wir sie dieses Stützpunkts beraubt und zur Ergänzung ihnen auch die Höh« 60 entrissen. Dadurch ist uns -die Bestieichu ng-de s H interg«- ländes möglich geworden, und sobald unsere Artillerie genügend weit vorgebracht ist, -werden die Engländer ver­spüren müssen, wie sehr sich ihre Lage verschlechtert hat. Wenn Marschall Harg sich weiterhin infolge Weisung des Kri-cgS- kobinetts. von seiner strategischen Einsicht, die ihn zweifellos andere Woge weist, mcht -belehren läßt, daß cs hier um an­dere Frager als um Prestigefragen geht, wird er «iS -verantwortlicher militärischer Leiter -die Schuld für Heine jetzäge-^ägciildtz Laktbk zu trage» H u b e »

Die Gärung gegen vre ttriegsverlängerer in Frankreich.

In -derHum-amte" vom 23. d. M. schreibt Marcel -Cachin: War vor einem Fahre ein Ehrenvoller Friede möglich? Wenn ja, dann müssen die Politik«r, die durch ihre Um wissender t, ihre Vorurteile oder ihre Forderungen die feierliche Stunde vorü-bergehen liehen, das unerbitt­liche Urteil des Landes erleiden, dem sie Rechenschaft schulden. ES existieren -beunruhigende Tatsachen, die klarge­stellt -werden müssen. Für die Volksvertretung kommt der Augenblick, ihre Verantwortung zu übernehmen. Es ist -daS keine inhaltlose pc-.rlanientarrsckie Formel. Wird bewiesen, daß daS Land durch den Fehler gewisser Männer oder -deren Mangel an Voraussicht an -den -Rand des Abgrunds gebracht wurde, so mutz gegen sie, die das Unglück des Batec- londs -verschlimmerten, die Sühne -erfolgen. Diese Minner müssen van der Macht ausyefchaltet -werden nnd der Geist, der sie beseelte, auf -immer verbannt werden, damit man künftig, wenn im Namen Frankreichs zu sprechen ist, nicht mehr in die gleichen unheilvollen Fehler verfällt.

W. T.-B. Bern, 29. April. Äußerungen einiger Pariser Blätter zufolge -scheint die Stimmung in Paris doch nicht sehr ruhig zu fein. Oberst Rouffet verlangt imPetit Pavisi-cn", daß die -Regierung gegen die Verbreiter von -wider­sinnigen und beunruhigenden Nachrichten, die bis zur Front gelangen und die -Soldaten beunruhigen, in energischer Weise vergehe. Man solle Schwätzer, Angsthasen und Agenten Kühl man n-ö mundtot machen.La Presse" erklärt, -die Auswanderung äuS Paris, die gewisse Lente vorschlügen. -würde nur eine furchtbare Wirtschaftskrise und eine Schwächung der Landesverteidigung herbeiführen. Humanste" andererseits -beklagt die zahllosen Denunziationen und Verhaftungen. So sind beispielsweise unlängst zwei Arbeiterinnen zu je 3 Wochen Gefängnis verurteilt worden, weil sie -bezweifelten, _ daß Paris aus 120 Kilometer Entfernung beschossen werden könne. Arbeiter wurden als Defaitisten. verhaftet, weil sie sich weigerten, den Wein zu bezahlen, um auf den Si-sg anzu- stoßen.

Die nationalliberale Partei und die Wahlrechtsvorlage.

Ein nationalliberalerVermittlungsantrag".

Berlin, 29. Avril, (zb.) Ein nationalliberalec Vermitt- lungsautrag, der für die zweite Lesung eingebracht worden ist, lautet dahin, daß jeder Wähler eine Grundstimme^ bat. Eine Zusatzstimmc erhält entweder, wer in der Land-, -gorst- wirffchaft. 'in der Fischerei, in der Industrie, im Gewerbe, im Handel oder in den freien Berufen selbständig oder leiten­der Beamter oder sonst Geschäftsleiter und seit mindestens einem Jahre, vom 25. Lebensjahre an gerechnet, tätig ist, oder wer mehr als zehn Jahre im Reichs-, Kirchen- oder Schuldienst vonr vollendeten 25. Lebensjahr an mehr als zehn .Fohre als' Mitglied einer Körperschaft des öffentlichen Rechts oder der Reichsverwaltung beruflich oder ehrenamt­lich tätig ist oder gewesen ist, oder wer als Angestellter oder Arbeiter seit mehr als 10 Fahren vom vollendeten 25. Lebens- jchr an gerechnet in demselben Betriebs tätig ist.

Br. Berlin, 29. April. (Eig.Drnhtbsricht. zb,) Die B. Z." teilt aus nationalliberalen Kreisen mit, daß der Antrag Lohmann auf Einführung eines Plnral- wahlrechts mit einer Zusatzstimme der letzte Ver- s u ch bedeute, eine Trennung der Partei zu verhindern. Der Antrag ist eine unmittelbare Folge des gestrigen Beschlusses zugunsten des gleichen Wahlrechts. Die Folge der Tagung war, daß innerhalb der Fraktion schon gestern vier Abgeordnete, die bisher Gegner waren, zu den Wahlrechtsfreunden übergegangen sind. Innerhalb der Fraktion sind also gegenwärtig schon mindestens ebensoviele Mitglieder sür das gleiche Wahlrecht wie dagegen, ja, es wird sogar gerechnet, daß das gleiche Wahlrecht innerhalb der Fraktion jetzt auf die Mehrheit rechnen könne.

B. A. Berlin, 29. April. (Erg. Drahtbericht, zb.) Von dein V e r m i t t l u n g s - V o r s ch l a g, den die nationalliberalen Abgeordneten Lo h m a n n. Sch lath- mann, Fuhrmann und Heuser cingebracht haben, hat die nationalliberale Fraktion erst durch die Presse Kenntnis erhalten. DieBerliner Börsenzt." läßt keinen Zweifel darüber, daß dieser Antrag nur geeignet ist, Uneinigkeit nnd Mißtrauen innerhalb der Fraktion zn säen. Jedenfalls wäre die richtige Stelle zur Einbringung dieses Antrags der gestrige Parteitag gewesen. DieBerliner Börsenztg." schreibt dazu: Was iin übrigen den letzten Punkt des Antrags anbetrifft, so ist es außerordentlich zn be­klagen, daß dieser das Licht der Öffentlichkeit überhaupt erblickte. Die nationalliberalc Partei wird an diesem unglaublichen Machwerk nicht leicht zu tragen haben. - Die Vorstellung, daß ein Arbeiter für ausge­zeichnete? Woblverbalten und zehnjährige treue Dienste von seinem Arbeitgeber als Belohnung eine Zusatz­stimme zur Wahl zum preußischen Abgeordnetenhaus er- SSö. eure so tmriesttcVorstellrrns. daß man

sich diesen Antrag eigentlich nur dadurch erklären kann, vaß er in letzter Stunde als ein V e r l e g e n h e i t s» Produkt schlimmster Art zustandegekommen ist. Wir möchten es für ausgeschlossen halten, daß irggend eine der anderen Parteien, die für das gleiche Wahl­recht eintreten, sich auf den Boden dieses Antrags stellen werden.

Tine Sitzung der Landlagsfraklion vor Toressäffuh.

- B. A. Berlin, 29 April. (Gig. Drahtbericht. zbg Heute vor­mittag 10 Uhr trat die nationalliberale Landtagsfraktion zu einer Sitzung zusammen, die bi? in die späten Rachmitt-igsstunden dauerte und bei Rcdaknoncschluß nock, nicht beendet war. An der Sitzung nahmen n a. Staatsmmister Dr. Friedderg und Unterstaats« sekrctar Schisser teil. Nach nns gewordenen Mitteilungen haben die Erörterungen eine positive Klärung in der Wahl- rechitftagc bis zur Stunde noch nicht gebracht. Bei einer vor- gerwmmcneu Probcalstimmunx ergab sich allerdings eine Mehrheit von 2 Stimmen für bie Reform. Auch der neue Kompromißantrag Tr. Lohmanns wurde aus­giebig diskutiert, ohne jedcch die Wahlrcchtsfteunde in der Fraktion von ihrer» bisherigen Standpunkt abbringen zu können. Besonders gegen 8 2 des Antrags, in dem eine Z u s a tz st i m m c für Per- sooen vrrgelcben ist- die sich l ä n g c r a l s 1 0 I a h r e i n e i n e r Stellung kestniden haben, wurden Einwändc erhoben und es wurde darauf lnnvcwicjen, das; es hier im Belieben des Arbeit­geber? stünde, jeweils einen Angestellten nach 9sh Jahren durch Entlassung seiner Znsavnimmc zu berauben. Siaatsminisier Dr. Friedberg ergriff im Laufe der Sitzung wiederholt das Wort zu längeren Ausführungen, in denen er seine Parteifreunde zu seinem Standpunkt zu bcbkebrcn suchte.

Angaben der englischen Admiralität über die Verluste beim Vorstotz gegen unsere U-Voots- basis.

W. T.-B. London, 29. April. (Reutermeldung.) Die Admiraliiät teilt mit: Unsere Verluste bei der Unternehmung an der belgischen Küste am 23. April sind folgende: Offiziere gefallen 16, an ihren Verwundungen gestorben 3, vermißt 2, verwundet 29, Mannschaften gefallen 144, an ihren Ver­wundungen gestorben 25, vermißt 14, verwundet 365.

B. A. Berlin, 29. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Im Zu­sammenhang mit der Meldung der englischen Regierung, -daß die Verluste der Engländer bei dem Vorstoß gegen Zse- brügge 5 8 8 Mann betragen haben was dem Verhältnis zu den an dem Unternehmen beteiligten Kräften -eine außer­ordentlich hohe Z ahl bedeutet kann sestgestellt wer­den, daß unsere Verluste aber auch nicht an­nähernd so hoch sind. Man kann sogar von einer ver­schwindend geringen Zahl von Mannschaften reden, die bei der Verteidigung unserer Hafenanlagen zn Schaden gekommen sind.

Zuverlässiges über das Ende des Rittmeister» v. Nicktthofen.

B. A Berlin, 29. April. '(Eig. Drahtbericht. zb.) Bon einem on der Westfront befindlichen Kriegsberichterstatter war gemeldet worden, Freiherr v. Richthcien sei nicht im Luftkampfe gefallen, sondern aus der Erde von australischen Soldaten er­schlagen worden. Im Gegensatz zu dieser Meldung sind wir crmächfigt, zu crNären, daß nach übereinstimmenden englischen Be­richten sowohl wie nach unseren Beobachtungen Freiherr v- Richt- hofen von einer Maschinengewehrkugel tödlich, getroffen worden ist, als er in geringer Höhe über den Erd- boden flog.

Oas deutsch-schweizerische Wirtschafts­abkommen.

Berlin, 29. Aprjl. (Draihtbericht. zb.) Die Verhand­lungen mit der Schweiz über die Erneu-erung des Wirtschafts­abkommens nehmen ihren Fortgang. Inzwischen -ist be­reits am 24. April eine Einigung über die Versorgung der Schweiz mittels -amerikanischer Schisse erzielt und unterzeichnet worden. Diese Einigung hat sedöch nur unter dem V o r b e h -a! t Kraft, daß auch das Wirffchwftsab- kommen zu einer -Verständigung führt.

B. A. Berlin, 29. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Die zurzeit schwebenden Verhandlungen, die eine Er­neuerung des am 30. April ablaufenden Wirffchastsver- trages mit der Schweiz zum Ziele haben, konnten leider noch nicht zum Abschluß gebracht werden. Es haben sich in verschiedenen Punkten M e t nu ng § Ver­schiedenheiten ergeben, da die Schweiz auf einige unserer sehr berechtigten Forderungen nicht eingehen zu können glaubte. Da die Gegenleistun­gen der Schweiz, zu denen sie sich krüher verpflichtet hatte, inimer geringer und fraglicher wer­den, sah Deutschland sich genötigt, keinerseits größere Sicherheiten für die gelieferten Rohstoffe zu ver- langen, aber auch die K o h I e n v r e i s e z u e r ü ö h e u. Es wird von uns gewünscht, daß wir in der Schweiz eine Kontrollkommission ähnlich der von der En­tente ins Leben gerufenen errichten sollen, lveiter, da wir auf die von derSchweiz früher zugestandeuen Kredite zu verzichten geneigt sind, die Erhöhung der Kobleu- prersc von 90 auf 180 Franken. Um der Schweiz bei der Asrforaung mit Lchensmitteln d«ch LM-er-i-kaui-