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Die goldene Crube.

Skizze aus dem Venn von tlannv CombredJt.

(Nachdruck verboten.

er £?irt zieht übers chohe Venn und tutet in sein Rrummhorn. Tohooot, tohoöö....

Aus den stillen ksütten treiben sie ihm das Vieh zu. Tramps, trampf kommt es heran, die weißfleckige, die Blanke, die Rote — und auch das Rindchen, das magere, zähe Rind- chen, sein Rindchen. .. . Und jetzt kommts aus dem Stall des dicken, protzigen Mohette.

Das beste Vieh handelt er in seinen Stall ein, der Mohette, der dicke vennbauer. Mit' rechten und ge­rechten Mitteln gehts nicht zu, Verrgott, nein, sie fluchen ihm alle in den stillen 6litten ... Und i h m hat er das Rindchen genommen, das einzige .. . Und dafür hat er ihm zeitlebens die Schlafstelle auf dem Heuboden ein­gerichtet. Und gibt ihm die Rost, wofür er dann noch den Stall des dicken Mohette mithüten muß. Zeitlebens — ach, guter Gott, die Zeit seines armseligen Lebens ist nicht mehr lang, er ist in den Siebzig, ist krumm und ver­bogen wie eine alte weide und wächst nach unten wie der Ruhschwanz.

Tohooot . .. Am Weiher hockt er jetzt, dort, wo hin­term schrecklichen Wald Bailoup das schwarze Moor liegt. Und wo nordwestlich in die Morgennebel hinein das Arm­seelenkreuz panhus ragt. Sitzt da in ganz toter Stille. Man hört nur das Rupfen der Ruhmäuler im Gras der Sumpfwiesen.

Die Rnie hochgezogen starrt er in das grundige Wasser. Line silbrige, von Humus durchdrängte Haut spannt darüberhin, eine wasserspinne kraucht darin. Lin Gesicht scheint aus dem dunklen Sumpf herauf zu dräuen. Der Hirt denkt, es ist nicht seines, es ist vielleicht des Moor­mannes bitterböses Gesicht. Das phosphorisierende Leuchten aus der Tiefe schimmert hinein. Da hebt der Hirt seinen Stecken und stößt in den Phosphorschlund. — Das Ge­sicht zerknittert, zerläuft in tausend wellenkreischen, zu tausend bitterbösen Fältchen.

Und ringelt sachte, sachte wieder zusammen, rundet sich, füllt sich. Und Moormanns Gesicht dräut wieder herauf. Und es ist dem Birten, als spreche es also:

„Bodju (Guten Tag) alter Fliegenfresser, suchst du noch die goldene Truhe?"

Da spricht der Hirt über den Weiher: „Guter Gott, ich Habs Venn zu allen Zeiten gesehen, von Neujahr an bis wieder zum Tage Silvester, dem heiligen Papst, aber die goldene Truhe Hab ich ebensowenig, wie das Wasser Durst hat."

Und nun muß der Hirt sehr hinunterhorchen, denn das Gesicht erzählt:

„Ls war ein Herr von Reinhardstein, wenn du zum Bodrange hinaufsteigst, siehst du noch die Mauern imwarche- tal. Lr ist mit Vieren gefahren und sagte, er fahre das

Glück — und kam im Venn um mit vier Pferden und der Rutsche, man sagt, mit noch was." Und dämonisch kicherte es aus dem Sumpf herauf. „Ls gibt Tage, wo man am Weiher steht und die Rutsche sieht. Ulan weiß nicht, welche Tage das sind. Aber die Rosse sind noch lebendig im Grund drunten, wenn auf dem Venn die schrecklichen Nächte sind, trampeln sie den tiefen Schlamm auf und man kann hinuntersehen, Hä du, willst du wissen, wann in den schrecklichen Nächten die Rosse stampfen, du Fliegenfresser, du Rnorpelstecken?"

Der Hirt rutscht in die Rnie. Die Erwartung fiebert in ihm. Lr fällt auf die Hände. Die Gier, zu wissen, brennt in ihm. Lr schleicht die Böschung hinunter und ganz nahe dem Sumpf. Und die Stinrme aus der Tiefe:

„Der Herr von Reinhardstein hat einen Schatz ge­habt aus Türkenkriegen her, eine Truhe voll Gold, Schön­gold, feurigrotes. Das hat er eingegraben am Reinhard­stein. Und keiner wußte, wo und wie und wann. Nur der feine Ritter winguin. wie gesagt, ein seiner und Edler und Schöner. Lr war des Reinhardsteiner Gut-Freund.

Der Reinhardsteiner hat ein Weib gehabt, kostbarer, als der Schatz in der Truhe. Da kam der Herr winguin und sah die wunderschöne Frau und lobte sie über alle Maßen. Und dann hing sein Ropf tief und seine Stimme klang rauh und er verfiel in große Traurigkeit. Sprach da der Reinhardsteiner: „Drückt dich mein Geheimnis, weil du so finster einhergehst?" Und winguin mit ab­gewandtem Gesichte: „)a, sieh, weil ich denken muß, immer denken muß an deinen Schatz." Und wurde noch trauriger. Da grub der Herr von Reinhardstein die Truhe aus und fuhr ins Venn. Lr fuhr mit Vieren und dachte: „Nun fahre ich mein Glück." Als er aber kam zum Areuze Panhus, wurde die Rutsche leicht und nicht mehr be­frachtet, und man sah, daß die Truhe mit dem Golde nicht mehr darin war und unsichtbar davongetragen an dieselbige Stelle, wo sie eingegraben lag. Da wußte der Reinhardsteiner, daß sein Freund nicht traurig war wegen dem Schatz von Gold. Nun nahm er sein Weib Zrmen- sind und fuhr wieder mit Vieren ins Venn und dachte: „Zch fahre mein Glück." Lr kam am Rreuz Panhus vorüber, und die Rosse flogen. Am alten Weiher standen die viere still. Da sah der Reinhardsteiner um sich — und sein Weib war nicht mehr in der Rutsche. Nun gingen ihm die Augen auf, und er rief ergrimmt: „Gold ohne das Weib war nicht mein Glück, das Weib ohne das (Hold auch nicht, nun will ich sehen, ob ich ohne Weib und Gold zu meinem Glück komme." Riefs und spornte die Rosse an, sie bäumten auf, rasten wild in den Weiher. Und sind allda mit Rutsche und Mann in den Grund gegangen. Seitdem ist aber die goldene Truhe vom Rein­hardstein verschwunden. Und wenn die schrecklichen Nächte

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