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Mittwoch. 24. Kpril 1918. ttr» 190. . 66. Iairrgang.

Lin mißglückter englischer Vorstoß in die deutsche Sucht.

W. T.-B. Berlin, 23. April. (Amtlich.) Eine unserer Patrouillen stieß am 20. April, nachmittags, im Grenzgebiet der Deutschen Bricht, nördlich Lcrjchelling» aus leichte feindliche Streitkräfte, die sich nach kurzem Keuergefecht mit höchster Fahrt zurückzogc». Der^Feind » hat mehrere Treffer erhalten. Unsere Streit- Kaste haben keine Beschädigungen und keine Verluste. Der Chef des Admiralstabs der Marine.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

W. Berlin, 24. April. (Eig. Drahtbericht. zb.) Als einen Versuchsballon sieht man hier den engli­schen Vorstoß in die Deutsche Bucht am In letzter Zeit hat sich besonders nach den Schlappen des englischen Heeres in Flandern die Unzufriedenheit in England ge­steigert, daß man nicht auf der See die Scharte auszu­wetzen suchte, die die Landtrnppen erlitten hatten. Offenbar hat jetzt die feindliche Admiralität versucht, ob ein Angriff gegen die Stützpunkte im Hinterland der kämpfenden deutschen Heere Aussicht auf Erfolg bieten körne. Der Plan ist klar. Die Panik in Paris sollte durch eine Panik an der deutschen Küste eine Gegen­wirkung finden. Sie entsandte leichte Streitkräfte, um festzustellen, wie weit man 'ich gegen die ^deutschen Küstenbatterien heranwagen könne. Schon ,bei Terschelling mußten die feindlichen Vorposten^ ihre Absicht a u f g e b e n. Es zeugt sehr von der a u ß e r- ordentlichen Wachsarnkeit der deutschen Marine, daß bis dorthin Streitkräftc das Meer ab­suchten und st a r k genug waren, den feindlichen Aus­fall zurückzuweisen. Die umgekehrte Meldung des eng­lischen Admiralstabs, die Deutschen hätten sich hinter ihre Minenfelder zurückgezogen, beruht natürlich auf der alten Taktik, die englische Flotte als stets erfolgreich im Kampf zu schildern. Andererseits ist cs klar, daß unsere natürlich nur einem schwachen Gegner überlegenen Auf- klärungsschiffe sich eine Rückendeckung verschafft haben werden, da sie nicht wissen konnten, ob größere eng­lische Streitkräfte im Anzug 'eien. Daß die Engländer, als sie diese Taktik erkannten, den besseren Teil der Tapferkeit wählten, läßt erkennen, welchen Respekt sie nach den siegreichen Kämpfen deutscher Schiffe vor unserer Flotte haben. Die Heimat wie das kämpfende Heer werden nach dieser neuen Probe denttcbcr See­tüchtigkeit jedenfalls niit noch größerer Sicherheit und Ruhe als bisher die Aufgaben erfüllen können, die ihnen in dem Kampf um Deutschlands Vergeltung zufallen, da sie sicher sind, daß ihnen kein Feind in den Rücken fallen kann.

vie sldmiralstabsmel-unq.

W. T.-B. Berlin, 23. April. (Amtlich.) Eine» unserer U-Boote, Kommandant Kapitänlentnant Kolbe, hat in der vergangenen Wcche im Sperrgebiet um.die Azoren und bei ixr. Kanarischen Inseln 11 Dampfer, 4 Segler und 2 Ftschdampfer mit insgesamt

20 662 Bruttoregistertoiurcn

versenkt.

Hierunter befanden sich Äer portugiesische Daniprer Aeptunc" (300 Art.), i>er. italienische Dampfer Goetano Coftanzo" (1027 Brt.),Lrrigr" (3548 Brt.), sowie der englische DampferEllaston" (3192 Brt.). Letztere beide waren bewaffnet und mutzten im Artillerie­kampf nieder gekämpft werden. Das 7ch-Jentimeier- Geschütz de» englischen Dampfers wurde erbeutet, der Kapitän gefangen. Unter den Segelschiffen befanden sich die amerikanischen SchonerJulia Frances" (183 Brt.), A. E. Wtyland" (130 Brt.), der englische SchonerMise Birdt" (135 Brt.).

Die für unsere Feinde bestimmten Ladungen der Schiffe waren zum Teil unmittelbar für den militäri­schen Gebrauch bestimmt. Sie bestanden u. a. aus 3500 Tonnen Erz. 6900 Tonnen Salz, 860 Tonnen Kork, 800 Tonnen Palmöl, WO Donnen Palmkernen, 4000 Tonnen Kob- len, 4000 Tonnen Stückgut, hierunter vor allem Leiben Smittel, Stacheldraht, Leder ufw. Für die deutsche Kriegswirtschasr wurden 12 lederne Treibriemen von je 100 Meter Länge in d:e Heimat zurückgebracht.

Der Chef de» Admiralftab» der Marine.

Der Kalfetbtief und seine folgen.

Poittcare und der Brief Kaiser Karls.

Br. Gens, 24. April. Bei den Verhandlungen der französischen Parlamentsausschüsse über den Brief .Kaiser Karls hatte C l e m e n c e a u die A n g r t f f e Renaud els und Semb ats zu bestehen, Ribot die seines früheren Ministerkollegen Violette. Nach der Donnerstagssitzung des Kammern nsichujseS machte Violette seiner Aufregung in den Wandelgängen öffent­lich Lrqt und schonte dabei auch Clemenceau nicht. Die

Veröffentlichung des Kaiserbrieses sei_itnbe- greiflich, sie habe nur dazu geführt, daß Kaiser Karl jetzt seine Kanonen an der Westfront sprechen lassen will. Habe Clemenceau das gewollt? Für das Verhalten Ribots sei kein Vorwurf zu schwer. Es sei un­glaublich, daß Ribot von einem Dokument, wie es der Kaiferbrief sei, dem französischen M i n i st e r- rat keine Kenntnis gab, dagegen englischen und ranzösischen Ministern. Violette setzte Ribot seinen Standpunkt persönlich in einem entsprechend energischen Schreiben auseinander. Zwilchen den beiden Ex- ministern entspann sich ein h i v i g e r Brief- w e ch s e l. Ribot erwiderte Violette brieflich, er habe ich gegenüber dem Präsidenten Poin:ar<§ ver­pflichten müssen, den Kaiserbrief vor dem Mini st errat zu verschweigen. Violette schrieb zurück, wenn Ribot auf dieses Verlangen Poincarss eingegangen sei, dann habe er eben verfassungs­widrig gehandelt. Der Briefwechsel zwischen Ribot und Violette ist von Renaudel den Parlaments­ausschüssen vorgelegt worden.

Kaiser Wilhelm an den Grafen Tzernin.

W. T.-B. Wien, 23. April. Der deutsche Kaiser richtete au den Grafen Ezerrriu folgendes Telegramm:Eure

Exzellenz haben in der Zeit, in der Ihnen die Leitung de» MimsterÄunS des k. u. k. Hause» und des Äußern anvertraut war, e» sich angelegen fein lassen, im Einklang m l t d e r Tradit ion, welche das bald 4Dezennien bestehende Bünd­nis zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn schuf, freund­schaftliche Beziehungen zu meinen politischen Ratgebern zu begrüröden und dauernd festzühallen. Große Aufgaben sind während dieser Periode in Angriff genommen und durch vertrauensvolle Zusammenarbeit einer glücklichen Lösung zugesichrt worden. Eurer Exzellenz hierfür meinen wärmsten Dank «mszusprecherx. ist mir ein aufrichtigeL Bedürfnis. Mein Botschafter Graf Wedel wird Euer Exzellenz die Insignien des Eisernen Kreuzes 1. K l a s f e aushändigen, die Ihnen bei dieser Gelegenheit zu verleihen mir große Freude ist."

Eine autzerordentlich warme Beteuerung der ungarischen Bundestreue.

Glückwunschdrahtung des Abgeordnetenhauses in Budapest an den deutschen Reichstag aus Anlaß der Siege im Westen.

W. T.-B. Budapest, 23. April. Der Präsident des Abge­ordnetenhauses richtete an den Präsidenten des deutschen Reichstags folgendes Telegramm:

Exzellenz Dr. Kaempf, Präsident de» Reichstags, Berlin.

Das Abgectt>netenhaus des ungarischen 'Reichstags hat mir in feiner nach länger.er Panse heute gehaltenen Sitzung, durchdrungen von Waffen brüderlichen warmen Gefühlen für iw» verbündete Deutsche Reich, zugleich, im Bewußtsein der großen politischen Tragweite und geschicht­lichen Notwendigkeit dieses Bündnisses, die Er­mächtigung erteilt, anläßlich >des seit unserer jüngeren Sitzung auf dem westlichen Kriegsschauplatz begonnenen, in voller Entfaltung befinÄlichen neuen großen deutschen An- griffsseldzu-gs, Ew. Exzellenz gegenüber dem warmen Empfin­den des ungarischen ^Abgeordnetenhauses und dessen aufrich­tiger Freude über di« Triumph e Aufdruck zu vec- leihen und durch Ew. Exzellenz dem .deutschen Reichstag so­wie überhaupt den Völkern des großen Deutschen Reichs zu versichern, daß das ungarische Abgeordnetenhaus und hinter diesem die ungarische Nation unerschütterlich auf dem Felsenboden des erprobten Bündnisses treu feststsht und davon überzeugt ist, daß diese» starke Bündnis, welchem auch die übrigen verbündeten Staaten mit so inniger Anhänglichkeit zugetan find, mit Hjlfe der unsere siegreichen Wessen führenden sittlichen Kraft und 'der göttlichen Vor­sehung in nicht mehr langer Zeit den Ltbendschimmer der blurigen Sonne der Schlacht und den neuen erstrahlenden Tagesanbruch des chorreichen bechückenden Friedens bringen wird.

ver neue ungarische Ministerpräsident.

(Von unserer Berliner Abteilung.)

W. Berlin, 24. April. (Gig. Drahtbericht. zb.) Der neue Kandidat für den Posten des ungarischen Min-isterpräsi deuten Handelsminifter Joseph Szterenyi wird in Deutschland sehr freundlich ausgenommen werden. Er ist einer der Vorkämpfer der mitteleuropäischen Be­wegung und bekleidet einen maßgebenden Posten in der waffenbrüderlichen Vereinigung. Für die innere ungarische Politik würde seine Ernennung die Durchführung des von Kaiser Karl gewünschten Kompromisses beden- ten. 'Er wird uns hier als ein versöhnlicher, niemals feinem Gegner schroff entgegentretende Wann ^schildert, der durch seine vorzüglichen Verbindungen einer der wenigen wäre, di« cm» .den einigermaßen chaotischen Verhältnissen der ungari­schen Wahlrechtsfrage einen Ausweg zu finden imstande wären. Zwar steht er ans 'dem Boden der Berfassungspartei des Grasen Andrassy. doch knüpften ihn auch an die Tisza- Partei enge Beziehungen, weil er, der einstige Minfiterpräst. dent,' auf dein Boden de» 1867er Ausgleieb» mit Österreich steht und sich uni 'dessen Erneuerung sehr verdient gernwcht hat. Von seiner Ernennung dürfte «ne innigere Gestaltung

des Verhältnisses zwffchen Österreich und Ungarn zu erwarten 'ein und die bessere Versorgung der deutschen Teile der Donaumonarchie mit Lebensmitteln wesent­lich gefördert werdeit. Als feine Mitarbeiter nennt man Graf Bethlen, Ackerbauminister Graf Sereny und Graf Zichy. Tisza dürfte seit er Ernennung keine Hindernisse in den Weg legen, sie vielmehr sympathisch begrüßen, 'da er ihm ja politisch nahesteht. _

Das Zorlschreiten unserer Hilfsaktion in Finnland.

Im Westen nur örtlich' Kampfhundlunge«.

ver Tagesbericht vom 24. Kpril.

IV. T.-B. Großes Hauptquartier, 24. April. (Amtlich.)

Westlicher Kriegsschauplatz.

Auf dem Schlachtfeld an der Ly 8 und an der Somme blieb die Gefechtstätigkeit auf örtliche Kampfhandlungen beschränkt. Nordöstlich von Bailleul erstürmten wir die Höhr von Blcugelhoek und nahmen hier Franzosen gefangen. Östlich von Bailleul wiesen wir englische Angriffe ab. Starke Borstöße des Feindes wurden nordöstlich von Bethnne in unseren Borpostenlinien zum Scheitern gebracht. B o r» feldkämpfe an vielen Stelleir der übrigen Front brachte-, Gefangene ein.

Rittmeister Freiherr v. R i ch t h o f c » ist von der Ver­filzung eines Gegners über dem Schlachtfeld an der Somme nichr zurückgckchrt. Nach englischen Berichten ist er gefalle».

Oste».

Finnland.

Die unter dem Befehl des Generals von der Goltz stehenden Truppen haben die Esenbahnknotenpunktt N y v i n g e und R u s h i m a e k i genommen und nördlich von Lamti die Verbindung mit der finnischen Armee her- gestellt.

Ukraine.

In der Krim haben Truppen des Generals K o f ch Simferopol erreicht.

Der Erste Grneralquartiecmeister: Ludendorff.

Manfred von Richthsfen.

Der Nachruf des Generals der Luftstreitkräste für den Fliegerheldcu v. Rrchthofen.

W. T.-B. Berlin, 23. April. (Amtlich.) Anläßlich des Heldentodes des Rittmeisters Freiherr v. Richthofen erließ der kommandierende General der Luftstreitkräfte folgenden Nachruf imVerordnungsblatt für Luststreit- kräste:

Unserem Ritttneistec Freiherr v. Richthofen! Ritt­meister Manfred Freiherr v. Richthofcn ist von der Ver­folgung eines Gegners nicht zurückaekehrt. Er ist ge­fallen! Die Armee hat einen rastlosen und verehrten Helfer, die Jagdflieger haben ihren s ortreiß en­den und geliebten Führer verloren. Er bleibt ein Held des deutschen Volkes, für das er kämpfte und fiir das er starb. Sein Tod ist eine fiese Wund-* für das Geschwader mrd für die gesamten Luftstreit- kroste. Der Wille, durch den er siegte, init dem er führte und den er vererbte, tvird die Wunde heilen.

Der kommandierende General der Luststreltkraftc: v. Höppner.

Die Ehrung des Toten durch die Engländer.

W- T.-B. Amsterdam, 23. April. Reuters Bericht­erstatter an der Front telegraphiert* Die Beisetzung des Barons v. Richthofen war sehreind rucksvoll. Der gefallene Flieger wurde aus einem hübschen kleinen Kirchhof nicht weit von der Stelle, an der er nieder- gebrochen war, beerdigt.

W. T.-B. Paris, 24. April. (Drahtbericht.) , Der Berichterstatter derAgence Havas" an der englischen Front telegraphiert über die Beisetzung Nichthofens, daß ihm die militärischen Ehren in vollem Umfange er­wiesen wurden. Ein Geistlicher nahm nach dem angli­kanischen Ritus die gottesdienstliche Handlung vor. Sechs englische Flicgeroffiziere trugen den Sarg zur Gruft und legten Kränze mit den deutschen Farben namens des Hauptquartiers, einer Brigade und mehrerer Geschwader, darunter eines australischen, nie­der. Einer dieser , Kränze, trug die Auffchrist:Dem

tapferen und würdigen Feind."

W- T.-B. London, 22* April. Reuters Bericht­erstatter bei der britischen Armee telegraphiert vom 22.: Die Deutschen setzen ihre Versuche, über das weite und wüste Gebiet südlich und westlich Pnsschendaele vorzrr- stoßcn, fort. Der Feind streut weiterhin seine Geschosse. Amiens wurde heftig beschossen. Außer einem Dolltteffer ans die Kathedrale, der vor einigen Tagen . LLMLldLt wurde, entstellen jetzt drei w/nt-M Granat-