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Nr. 187.

Dienstag» 23. 5lpri! 1918.

In höchster Not!

Die ärgsten Skandalszenen, welche sich am letzten Dienstag im Unterhause bei dem ungeheuren Sturm wegen der irischen Wehrpflicht zutruqen, sind von Reuter wohlweislich verschwiegen worden. Was nachträglich darüber verlautet, läßt es doch zweifelhaft erscheinen, was Lloyd Georg im Augenblick die größere Pein ver­ursachen mag: dieZange von Npern" oder der drohende Aufstand der grünen Jiffel! Man schrie ihm entgegen, die Mannschastsersatzvorlage sei die formelle Kriegs­erklärung Englands an Irland, die Schlachtfront sei nun bis Irland verlängert, nicht einen Mann werde die englische Regierung von dort erhalten: es sei denn, sie sende Armeen nach Irland, um Bataillone zu be­kommen iderSchattenSir Rßo g e r C a s e m e n t s, des von England ermordeten großen, irischen Patrioten, beherrschte die Szene und wird ste weiter beherrschen, komme es, wie es wolle.

Es war am 20. November 1914, als dieNordd. Allg. Ztg." dem offiziell im Auswärtigen Amt erschienenen Sir Roger Casement die bündige Erklärung mit auf den Weg gab:Sollte im Verlauf des Krieges, den 'Deutschland nicht suchte, das Waffenglück jemals deut­sche Truppen an die Küsten Irlands f ü h r e n, so würden sie dort landen nicht als eine Armee von Eindringlingen, die komm-m, um zu räubern und zu zerstören, sondern als Streitkräfte einer Regierung, die vom guten Willen gegen ein Land und ein Volk be­seelt ist, dem Deutschland nur nationale Wohlfahrt und nationale Freiheit wünscht." Naht die Stunde, da Deutschland dieses Versprechens gedenken muß: die

Stunde, da das Freundschafts wort zur Freundschafts- tat erstarken soll? Sir Roger Casement war seinem grünen Erin getreu bis zu seinem schrecklichen Ende. Sein Wirken und sein Märtrrertod war nicht vergebens. England gedachte aus Irland 660 000 Soldaten zum Kriege zu bekommen (Times" vom 20. Juli 1915:es sind noch 660 000 Mann militärischen Alters in Irland zu holen"), sie kamen nicht: die Iren verweig er- ten die Dienstpflicht. In den letzten Tagen mußte General French mit starkem Heer zur Insel fahren die Vergangenheit steht gegen England aut: Sir RogersSaatschießtindie Halme! Und was er in seinenGesammelten Schriften", welche 1916 in Hubers Verlag, Diessen, erschienen sind, an Anklaaen und Mahnungen niedergeleat hat, das geht Deutsch­land mindestens soviel als Irland selbst an: denn wer will entscheiden, ob unser oder das irische Volk das brennendere, lebenswichtigere Interesse an der Nieder- werfung Enalands hat?

Von 1846 bis 1851 hat Irland", io stellt Casement dort u. a. fest,über 2 Millionen Menschen verloren, teils durch Hungersnot und Hungertyphus, teils durch die Flucht nach Amerika. In denselben sechs Jahren erportierte dasselbe Irland für nicht weniger als zwei Milliarden Mark Lebensmittel Korn, Vieh rmd Gemüse nach England. Also, ein Bauernvolk, das. wie die Engländer höhnisch be- haupteten,zu arm ist, um leine Toten zu begraben", füttert aus dem Grabe sozusagen Herzoge, Lords und Barone desselben Landes, von dem es in dieser Weise beschimpft wurde . . . Gegen Ende des 19. Iabr Hunderts schien die irische Politik Englands den ge­wünschten Erfolg erreicht zu haben. Die Bevölkerung hatte sich auf knapp vier Millionen verringert und der fruchtbare Boden, auf dem früher die irischen Farmer gesellen hatten, war zum größten Teil zu Weiden für englisches Vieb umaewmdelt worden . . . Seit es eine moderne Divlomatie aibt. gehört es zum Grund­stock von Englands diplomatischem Arsenal, diese irische Insel als ein verelendetes Land darzustellen, bevölkert von einem aufsässigen und unwissenden Menschenschlag."

Obne Irland gäbe es heute kein briti- sches Weltreich . . . England nimmt wieder seine natürlichen Proportionen an. die eines starken König- reiches, sobald es Irland verlustig gebt. Solange cs noch im Besitze Irlands bleibt, ist es mm er ein Welt- reich. Denn wie Großbritannien die Torwege des nördlichen und westlichen Mitteleuropa vereinigt^ um den Handel nach Belieben aufzuhalten imd die Seehäfen vom Baltischen Meer bi? zur Bucht von Biscaya blockieren zu können, so siebt Irland zwischen Britan­nien und den Ozeanen des Westen? und schließt t ü r Enaland die Straßen der See. Ein starkes, linabbänaiaes, aus üch selbst angewiesenes Irland, als Mitglied der euroväischen Völkerfamilie und seinen Art- genosien wiedergegeben. würde die sicherste Bürg­schaft für eine gesunde Entwicklung der europäischen Interessen in jenen Gegenden sein, wo sie beute durch die antieuropäische Politik Eng­lands ausgeschlossen sind ... Ein ans dem Kerker, m dem es England bält, heraus gelassenes Irland wurde bald ein dichtbevölkerter Staat von vielleicht zehn bis gfr ftT f Millionen Einwohnern werden, eine Handels-

INorgen-Kusgabe.

politische Geldanlage für ganz Europa von höchstem all gemeinem Werte, in einer einzigartigen Lage zwischen der alten und der neuen Welt, auch wahrscheinlich em intellektuelles und "moralisches Vermögen von nicht ge­ringer Bedeutung. Dies und noch mehr bcdeu- tet ein selbständiges Irland für Europa. Vor allem: Sicherheit des Durchgangsver­kehrs, gleiche Gelegenheiten für alle, Freiheit d e r M e e r e die Zusicherung, daß die großen Wasser­straßen des Ozeans nicht länger der Gnade und Will­kür eines Gliedes der europäischen Familie ausgeliefert bleibe, noch dazu dem, das am allerwenigsten an euro­päischer Wohlfahrt interessiert ist."

Will Deutschland dauernden Nutzen aus emem Siege über England ziehen, so muß es die M e e r a u s- gänge befreien . . . Das deutsche Ausgangstor in den freien Atlantischen Ozean kann nurdur ch ein befreites Irland offen gehalten werden."

Die Aufgabe Irlands ist: für das rammen des Deutschen vorzubereiten. Kein Volk darf ohne Opfer die Freiheit erwarten. Un- sere jungen Männer und Frauen, unsere Knaben und Mädchen müsien lernen, welche Rolle Deutschland m den Weltangelegenheiten zu übern°hmen berufen ist: sie müsien geschult werden, daß sie ihre Pflicht erfüllen, wenn der Tag der Prüfung kommt. Die Geschichte der menschlichen Freiheit ist mit Blut geschrieen. Das ist Gottes Gesetz. Kein Volk, das sich cm Sicherheit klam­mert und den Tod scheut, ist der Freiheit würdig . .,. Die für Irland sterben, sind die einzig Lebendigen m einem freien Irland." .

Der Geist des toten Führers Casement lebt ttt fernem Volke weiter. Die Iren harren mit Zuversicht und wohlvorbereitet des nicht mehr fernen Tages, da ibr brutaler Kerk-rmeister von dem deutschen Schwerte niederbricht, des Tages, der dem rrnalücklichen Land? das Leben und die Frei- heit wiedergibt. a

rfc enalHcbe (BetoaltftcrrfäMJft f« Irland.

W. T.-B London, 29. April. (Drahtbericht. Reuter.) .Daily Chronicle" erfährt aus Cork- Die Militärbe- Hörde übernahm die hauptsächlichsten Eisenbahnen, Post­ämter und Delegraphenburarus in Irland.

W. T.-B. London, 2 . Avril. (Reutermeldung.) Die Polizei entfernte gestern alle Waffen und Munition aus den Büchsenmacherladen in Dublin. Wie gemeldet wird, ist eine ähnliche Maßregel in ganz Irland durchgeführt worden.

Die gescheiterten zriedenrbemühungen Hälfet Karls.

Br. Genf, 22. April. (Erg. Drahtbericht. zb.) Über die gescheiterten Friedensbemühungen gibt der Sozialist Marcel Cach in in derHumanitS" noch folgende bis­her unbekannte Mitteilungen: Seiner traditionellen

Politik entsprechend, unterhielt sich auch England init Wien. General Smuts wurde zweimal nach der Schweiz geschickt, um mit dem Grafen M e n s d o r f zu konferieren. Einige Tage nach dem Scheitern der Mission Smnts versuchte eine ganz hervorragende eng- lische Persönlichkeit Mister Kerr (es handelt sich um einen Sohn des Lord Kerr), der Lloyd George nahe steht, die unterbrochene Unterhaltung wieder aufzunehmen. Die belgische Regierung ist mit Kaiser Karl und dessen Abgesandten in Verbindung getreten. W i r (Frankreich), wir selbst haben mehrmals konferiert, wir haben die A n n ä h e r u n g g e s u ch t (!!), um uns in Unterhaltungen einznlassen. Wir haben zuerst herangelockt und dann unsere Unterhaltungen fort­geführt. Elementeau, der Wert darauf legte, seinen Lesern eine kräftige Sensation zu verschaffen, hat mit einem Schlag diese g a n z e P o l i t i k seiner Vorgänger und seiner Verbündeten u m g e ft ü r z t Kaiser Karl, der uns ein nützliches Gegengewicht hätte sein können, der frommen Willen an den Tag gelegt hat, sieht jetzt .olötzlich mit seinem enthüllten Geheimnis auch sein Prestige und seinen Einfluß ent-

schwmden.^ ^ April. (Eig. Drahtbericht. zb.) Der ,/Temps teilt mit, daß die Ententekonferenz zu St. Maurienne nicht etwa, wie das bisher die französische Regierung behauptete, beschloffen hätte, der Annäherung Kaiser Karls keine Folge zu geben, sondern im Gegenteil, daß die Ententekabinette sich bereit erklärten, in Unterhandlungen einzutreten. Sie ließen Kaiser Karl um ergänzende Erläuterungen bitten. Darauf überbrachte Prinz Sirius den z w e i t e n . bisher von Clemenceaa immer noch nicht veröffentlichten Brief Kaiser Karls. Erst auf dieses zweite Schreiben hin ließen die alliierten Kabinette wissen, eine Fortsetzung der Be sprechungen käme nicht in Frage. Clemenceau hat sich übrigens durch ferne Enthüllungen einen neuen Feind ge­schaffen : Barthou, der frühere Außenminister, machte im Kammerausschuß für Auswärtiges wegen der Veröffentlichung des Kaiserbriefes die heftigsten Vorwürfe.

66. Jahrgang.

Die unhaltbare $rie5ensrefoluiion der Mehrheitsparteien.

D. Berlin. 22. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Bon einer Berliner Zeitung war die sensationelle Meldung berichtet worden, man geh: bei den Mehrheitsparteien mit der Ab­sicht um, die Friedensresolution vom 19. Juli 1917 durch eine andere Erklärung zu ersetzen. Wie wir hören, ist diese Mitteilung unrichtig. Besprechungen tn diesem Sinne sind nicht im Ganze.

Oie militärische Lage.

(Vcn unserer Berliner Abteilung.)

I-. Bkilin, 22. April. (Eig. Drahtbericht. zb.) In dem großen Drama des EntscheidungskampfeS im Westen ist nach dem zweiten Akt eine Pause eingetreten, die einen Rückblick auf die bisherigen Ergebnisse gestattet. Man wird die Regisseure und dessen Kräfte noch mehr bewundern, als es bisher schon geschehen, wenn man ihre Leistungsfähigkeit überlegt. Seit dem Beginn des Entscheidungskampfes ist ge­nau ein Monat verflossen. In der Zwischenzeit haben wir an der Somme innerhalb 18 Tagen 3440 Quadratkilometer, am La Bassee-Kanal in 9 Tagen 473 Quadratkrlo- meter, also zusammen 3913 Quadratkilometer dem Feind entrisse'n. An beiden Stellen hatte et uns seinerzeit durch Offensivvorstöße zu vernichten versucht. Wie bescheiden seine Erfolge damals waren, wird aus einer Ver­gleichung mit unseren Ergebnissen klar ersichtlich. An der Scmme nahmen uns die Engländer in der großen Arras- s ch l a ch t 188 Quadratkilometer, in der 5s/> Monate dauern­den Flandernschlacht 65 Quadratkilometer unserer Stellungen ab. Angesichts solcher Zahlen kann man es ver­stehen, daß die feindlichen Staatsleiter mit allen Mitteln, auch selchen vom nur kurzer Wirkung, sich Mühe geben, ibre Völker zu beruhigen. Die gegnerische Presse wendet nun die zwar alten, aber noch immer recht beliebten Methoden an, den augenblicklichen.Stillstand der Operationen als Er­schlaffung des deuffchen Offensivgeistes und der Kampfkraft unserer Truppen auszugeben. Wir können, so weit dies noch angesichts des Vertrauens in unsere Heeresleitung möglich ist. ausdrücklich versichern, daß man sich im feindlichen Lager stark irrt, wenn man glaubt, vor unseren An­griffen Ruhe zu haben. Die ungeheure Ausgabe, welche unsere Oberste Heeresleitung übernommen hat, die völlige Niederringung des hartnäckigen Gegners im Westen, läßt sich natürlich nur absatzweise erledigen, nicht in einem einzigen Sturmlaus. Die große Schlacht, die am 21. März begonnen und von übereiligen Heimstratcgrti als E ad ko mp f angesehen wurde, hat nur als erste Phase unserer Unternehmungen zu gelten. Es wurde dadurch ein zentraler Angriffsraum geichaffen, aus >den der Feind alle verfügbaren Kräfte heranziehen und festhalten mutzte um gegen weitere vielleicht kommende Vorstöße ge­sichert zu sein. Dadurch wurde die flandrische und italienische Front von ihren Reservenentblößr. ,D«S star der Zweck des großen Durchbruchs neben der Absicht, den Gegner zu schwächen und ihm Gelände zu entreißen. Zwischen Armentieres und La B a s s e e - anal spielte sich die zweiteP-hase ab, als deren Schau­platz die rechte Flankenstellung des Gebiets von Arras anzu- sehen ist. Hier konnten, nachdem die He eres re ser den des Gegners an der Somme festgehalt'en und durch staffelcrtiges Argreisen vom Süden nach Norden eine starke Bedrohung der D p e r n - und Flandern- front geschaffen, denr Feind weitere heftige Schläge zugefügt Werden. Der Hauptvorteil >war, daß seine stark befestigten Stellungen vor unserer bisherigen Front beseitigt und der Gegner in ein Geläibde hineingedrückt wurde, !das zwischen den Kemmerhöhen und Easssl liegt, in dem er nicht über Be­festigungen verfügt, sie also durch Menschenopfer ersetzen iuuß. Eine weitere Schwächung seinerseits ist die unmittel bare Folge. Es bandelt sich also in >ber ersten Phase der Ent scheidungskampfschlacht um einen Kampf gegen die feindlichen Reserven. Die Hauptkosten unserer Iluternebmungen hat Frankreich zu tragen, dessen Lage -dadurch immer mehr' verschlechtert wird. Wo .die englischen Truppen bedroht waren, wurden Franzosen eingesetzt, denn die englische Rekrutierung geht viel zu langsam, um den Einsatz englischer Kräfte schon jetzt zu gestatten. So kam es jetzt sogar vor, daß bei Wytschaete und Ypern französische Truppen in den Kampf geworfen werden mußten. In der Tat ist ja die Situation im Westen so. das;, !vo immer ancb d-e deuffchen Offensivstötze erfolgen, Frankreich am stärkswu gefährdet ist, während eS doch freiwillig oder gezwungen seinen Bundesgenoffen zur Hilfe kommen muß, sobald diese es verlangen. Daraus ergibt sich, daß General Foch die Hände völlig gebunden sind. Er kann, wenn er wahc- fcheirrlich auch Offensivpläne hat, sie nickt- durchsetzen, da er sich jeden Augenblick zum Eingreifen bereit halten mutz. Wenn er tvirklich, wie kurz vor unserem Angreifen am La Bafföe- Kanal, bewi großen französischen Gegenangriff bei Mont- drdier selbständig zu handeln versucht«, belehrte ihn ein neuer deutsche - Scklag, wie sehr er von der Entschei­dung der deutschen Heeresleitung abhängig ist. Auch jetzi. wo sich die Hoffnung aus -in Ende des deutschen Sturmlousö nicht bestätigt nachdem di« tzo» ZW»