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Der »Jägerhaft in Biebrich.

Durch den Verkauf des sogenannten „Jägerhofes" sei­tens der 'Großherzoglich Luxemburgischen Hofverwaltung an die Stadt Biebrich dürfte es von Interesse sein, einiges aus der vielhundertjährigen Geschichte dieses alten Besitz­tums zu erfahren. Hierbei inuß auf eine längst verflossene Zeit zurückgegriffen werden.

Als die ums Jahr. 500 vordringenden Franken die in unseren heimischen Gebieten ansässigen Völkerstämme be­siegt hatten, erklärten sie das ganze eroberte Land für fränkisches Eigentum. Die Biebricher Gemarkung kam dabei, wie alles umliegende Gelände, zum „Königssondergau", den die Frankenkönige als Domänengut für sich behielten. Wie an verschiedenen anderen Orten legten die Franken­könige auch in „Bieburc" und „Moscebach" Höfe an, die von Hofmeiern bewirtschaftet wurden. Der beiden genannten Höse wird,, zum ersten Male urkundlich Erwähnung getan in einer am 2g. Dezember 99l im Kloster Pouhlde vollzogenen Urkunde. Aus dieser ist ersichtlich, daß der Sachsenkaisev- Otto III. „auf Bitten seiner Ahnmutter", der Kaiserin Adelheid, dem Kloster Selz im Elf. sein Gut „Bieburc und Moscebach" sowie das dazu gehörige Gelände zum Ge­schenk machte. Die Großmutter des Stifters, die „fromme Adelheid", die das Kloster Selz einrichtete, zog sich später in dasselbe zurück, wo sie auch verstarb. Die Selzer Mönche benannten zu Ehren der Kaiserin Adelheid, der sie ja die große Stiftung der beiden genannten Höfe zu verdanken hatten, den Hof zu Biebrich' fortan den „Adelhaidishof", wie sie auch die Kapelle, die zu Biebrich stand und die anno 1005 Dudo I. mit seiner Gemahlin Rotrude dem Kloster Bleidenstadt schenkte, die „Adelhaidis-Kapelle" nannten.

Am 19. Februar 1229 verkaufte das Kloster Selz den Adelhaidishof samt Gütern und den .Hof zu Mosbach an die Kirche zu St. Stephan in Mainz, von der es jedoch den Hof etwa 45 Jahre später wieder zurückkaufte, um ihn darauf dem Kloster Eberbach im Rheingau in Erb­pacht zu geben. Etwa 20 Jahre später (1296) gründete der damalige Träger der deutschen Königskrone, Adolph von Nassau, mit seiner Gemahlin Jmagina „für sein und seiner Familienglieder Seelenheil" auf dem zum Adelhaidishofe gehörigen Gelände „Bruderode" bei Wiesbaden das „Neue Kloster" (Klarenthal). Unlerm 6. Januar 1298 schenkte König Adolph diesem Kloster sowohl den Grund und Boden, auf dem es erbaut, als auch den Adelhaidishof selbst, den Hof zu Mosbach und den Hof Armenruhe. Durch diese Schenkung wurde Klarenthal der größte Grundbesitzer der Mosbach- Biebricher Gemarkung, über die es auch das Grundherrn­recht besaß. Bei dem Kloster Klarenthal verblieb der Adel­haidishof bis zur Aufhebung des ersteren durch Graf Philipp II. von Nassau, genannt der Jungherr, im Jahre 1560 Nun kam der Adelhaidishof in den Besitz der Gra­fen von Nassau. Graf Johann von Nassau hatte den Hof als Witwensitz für seine Gemahlin Anna ausersehen, doch starb diese vor dem Grafen Johann. Defsen Nachfolger, Graf, resp. Fürst Georg August Samuel von Nassau über­wies den Hof seiner 'Gemahlin Henriette Dorothea, die ihn zum Sommeraufenthalt benützte. Nach Erbauung deS Biebricber Schlosse? wurde der Hof als fiirstlicher Wohnsitz

aufgegeben. Die einzelnen Gebäude fanden als Wohnungen für Hofbedienstete und dergl. Verwendung.

Im Jahre 1767 wurde in dem Adelhaidishofe das heute noch in Hochheim stehende Heiligen-Steinbild aufge- fundcn. Mit Reisig zugedeckt, hatte es lange Jahre un­beachtet in einem Raume zwischen zwei Gebäuden gelegen, wohin es wohl im „großen Kriege" geschafft worden war. Aus welche Veranlassung hin es in Hochheim ausgestellt wurde, ist unbekannt.

Zu Anfang des 19. Jahrhunderts wurden iin Adel­haidishofe große bauliche Veränderungen vorgenommen. Fürst Friedrich August von Nassau hatte im Jahre 1803 die in Biebrich bestehende „militärische Reiterabteilung" zu einer Kompagnie „reitender Jäger" verstärkt. Es wurden nun im Adehaldishofe Unterkunftsräume für die Mann­schaften und Stallungen für die Pferde hergerichtet, auch eine „Reitbahn" erbaut. Von nun an erhielt dieses alte Besitztum die Bezeichnung „Jägerhof", welche er auch bis aus den heutigen Tag behielt. Aber nicht lange sollte die genannte Truppe den Jägerhof bewohnen. Als Napoleon im Jahre 1806 von Nassau, als zum Rheinbund gehörend, verlangte, daß ihm dieser zum Krieg 'gegen Preußen vier Bataillone Infanterie und zwei Schwadronen Kavallerie stelle, wurde die Anzahl der reitenden Jäger verdoppelt. Die im Jägerhof für das Militär hergerichteten Räume er­wiesen sich nun als zu klein, weshalb eine neue Kaserne mit Slallung'n erbaut wurv. Die nunmehr leer gewordenen Räume des Jägerhofes fanden als Wohnungen, als Maga­zine und Wagenremisen Verwendung.

Durch den Ankauf des Jägerhofes seitens der Stadt Biebrich werden ohne Zweifel in nicht allzuferner Zeit größere Umbauten in dessen Gelände erfolgen, wobei sicher­lich wertvolle Funde aus älterer Zeit gehoben werden dürften. Zu dieser Vermutung berechtigen die vielen in der Um­gebung des Jägerhofes gesichteten Funde aus der Römer- lind der Frankenzeit. Georg Kraus.

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Königstein während der Kriegajahre

Die „Perle des Taunus", das Städtchen Königstein, hat während den Kriegszeiten von 1792—1815 schreckliche und schlimme Tage erlebt. Nach Aktenstücken aus dem städtischen Archiv in Königstein begann die Drangsal für Kön gstein und nächster Umgebung Ende Oktober 1792, als sich die mainzische Besatzung der Burg den auf dem Zuge nach Frankfurt befindlichen Franzosen ergab. Das Gegen­teil erfuhr die besitzende Bevölkerung von Königstein, Cron- berg und sogar von Schönberg von den angeblich für Frei­heit. Gleichheit und Brüderlichkeit kämpfenden Franzosen. Zu>- Bestreitung der Kriegausgaben mußte die Stadt für 1796/97 bei ihren und Cronberger und Schönberger Ein­wohnern zusammen 9948 Gulden aufnehmen. Königstein hatte zu dieser Zeit etwa nur etwa 1200 Einwohner, war durch die vorhergcgangenen Kricgsjahre leistungsunfähig und di« aufzubringenden Gulden betrugen nach unserem Heu-