Verlag Langgasse 21
,,£«gkUitliaii»".
S-I»>lter--»lle geöstnel »<m » Udr morgen» M 7 Uhr abend«.
wöchentlich
*S»»ug«.*m» rat de,»r ««»gaben: «J. l.SU monaitiq, Mit 3 60 merreljädrlich durch den Verlag duuugalle il. obne Bringerlodn Ml < 85 vierreliädrlich durch alle deuiichen Loslanstalten. ausschließlich vesiellaeld — Bezugs-Äeüelluugen nehmen außerdem enrgeaen. in Wiesbaden die Zweiaftelle Bis- marUrnlg 19. ioivie die AuSgabefiellen in allen Teilen der Stadl; in Biebrichs die dortigen Äus gadeiicllen und in den benachbarten Landanen and im Rdeingau die betressenben Tagblatt-Träger.
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Togdlatihaus" lttr. 6850-83.
Ban 8 Uhr morgen» di» r Uhr abend», außer Sonntag».
«ureigen.Preis füt die Zeile: 25 Psg. für örilich« Anzeigen; 35 Pig. Mr auswar,,ge «zeigen; 1S-, Ml. ,ur örttiche Reklamen: e.5> Ml. iur auswärtige Reklamen. — Bet wiederholter Ausuahme^unver- änderter «nieigen in kurzen Zwi chen äumen entivrechender Nachlaß. - «nzeiarn-Runahme: ttur die Abend-Ausgabe bi» IS Uhr min,»«: !ür die Morgen-«uSgabe bi» 9 Udr "acheviag». - Ausnahme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird »eine Gewähr übernommen.
Berliner Abteilung des Wiesbadener Tagblatts: Berlin W. 57, An der Apostelkirche 7» 1. Fernsprechrr: Amt Liitzow 6202 und 6203.
Samstag» 20. slpril 1918.
Kbend-klusgabe.
Nr. 184. . 66. Jahrgang.
Ueber 14'/- Milliarden!
Die neue Tal des deutschen Volkes.
Das ReKordergebnis aller bisherigen Kriegsanleihen!
W.T.-B. Berlin, 20. April. (Drahtbericht.) Das Ergebnis der 8. Kriegsanleihe beträgt nach den bisher vorliegenden Meldungen ohne die zum A u s t a u s ch gemeldeten älteren Kriegsanlechen 14 Milliarden 550 Millionen Mark.
Kleine Tcilanzeigen sowie ein Teil der Fcld- zeichnnngen, für welche die Zcichnungslrist erst am 1 8. M a i abläuft, stehen noch aus, so das» das Ergebnis sich noch erhöhen wird. Zu den unvergleichlichen Erfolgen unserer Heere gesellt sich damit eine n e u c ü b r r- wältigrnde Leistung der deutschen Geld- wirtschast.
Die gewaltigen Ergebnisse der früheren Anleihe» .»noch weit überholend, legt sie aller Welt Zeugnis ab von dem unerschütterlichen Entschluß des deutschen Volkes, standzuhaltcn, solang es möglich ist, und von seinem felsenfesten V er- trauen auf einen vollen und endgültigen Sieg.
141/2 Milliarden ist das erstaunliche Ergebnis der 8. Kriegsanleihe. Zum achtenmal haben wir damit in diesem Krieg e>nen ge»valtiqcn finanziellen Sieg errungen. Diesmal in einer die Erwartungen übertressenden Weife. Es ist eine geldliche Durchbruchsschlacht der Heimarmee. Also nicht nur das Behaupten der bisherigen Stellung bei den früheren Höchsterfolgen der 6. und 7. Anleihe; die 8. Kriegsanleihe ist mit ihren über 14(4 Milliarden Mark ebenbürtig mit dem heldenmütigen Durchbrechen der feind- lichen Front im Westen -durch unsere unübertrefflichen Truppen.
Die achte Kriegsanleihe ist eine Volksanleihe im besten Sinne des Wortes. An der Werbung' beteiligte sich das ganze Volk, das Volk in Waffen wie da§ Volk im Bür- gerklcidc, Angehörige oller Parteien, aller Stände, aller .Konfessionen In dem Gedanken und Bestreben, e,n möglichst gutes AuleibeergebniS herbeizufühcen, war das ganze deutsche Volk einig. Mochten über Kriegs,z:ele und Neuorientierung Meinungsverschiedenheiten herrkchen. mit Bezug auf den ' Willen, einen neuen Miltt irdensieg zu erringen, gab es keine Auseinandersetzung. Damit bat da» deutsche Volk wreder einmal gezeigt, daß es mit unerschütterlichem Ver- trauen zu seinen Fiibrern steht, daß es auf die Gerechtigkeit seiner Sache und auf einen siegreichen Ausgang de-s Völkerringens felsenfest baut, dah leine Hilfskräkte. den Sieg zu erkämpfm, unerschöpflich sind, und daß es, wir lein Blut, so auch sein Gut, sein Alles, daran setzt, ", siegen. _
Die bisherigen sieben ttriegsanieihen.
I. 1460 Millionen-.
II. 8106 Millionen.
HI. 12162 Millionen.
IV. 10 768 Millionen.
V. 10 688 Millionen.
VI. 12 770 Millionen.
VII. 12 138 Millionen
VIII. 11 300 Millionen.
Starke Auerkäinpse bei lvyljchaete und BsiOeuI.
Der Eagesberichl vorn 20. kipril.
W. 1.-8. Großes Hauptquartier, 20. April. (Amtlich.)
Westlicher Krieqsschanplatz.
An den Schlachtfronten blieb die Tätigkeit der Infanterie auf Erkundungen beschränkt. Starke Feuerkämpfe bei Wytschaete und Bailleul. Zwischen S c a r v e und Somme lebte die A r t i l l e r i e t ä t i g k e i t gegen Abend auf. An der Bore, nordwestlich von M o r e u i l, blieb sie tagsüber gesteigert.
In der Vogesen» südwestlich von M a r k i r ch, brachte ein erfolgreicher Borstoß in die feindlichen Linien Gefangene ein. _
Bon den anderen Kriegsschauplätzen nichts Neues.
Der Erste Grnrralquartiecmeister: Ludendorff.
»
vir Notwendigkeit der Hilfssendung italienischer Truppen.
. W.T.-B. Bern, 19. April. Über die vom Minister
präsidenten Orlando anaekiindlpte Entsendung italienischer Truppen an die Westfront durfte man in Italien bis in die Regier,mgskrefte hinein geteilter Ansicht sein. Nach dem „Giornale d'Jtalia' vom Ist. April erklärte Schatzminister Nitti noch hör wenigen Tasten englischen Journalisten gegenüber, daß es bei der gegenwärtigen Lage gefährlich wäre, von der italienischen Jront auch nur eine einzige Division wegzunehinm. Ebenso unangebracht wäre es, wenn Italien von den Alliierten Truppensendungen verlangen würbe
Ein» Nede Lord Eeeils.
NB. Haag, 20. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) In einer Rete in Hitchin erklärte Lord Stöbert Cecil u. a.: Wir sind hier in der Zeit einer Krise versammelt, die wahrscheinlich e r n st c r ist a IS j e m a l s in der Geschichte Englands. Damit ineine ich nicht, daß mir der Endausgang des Krieges Serge mackit. sondern ich meine, daß niemals die Zeit schick
salsschwerer war als jetzt. Wir wären töricht, wenn wir an- i.ehmen wurden, daß der Kampf beendigt ist. Wir stehen vor Kämpfen von unbeschränkter Dauer. Wir dürfen den Feind nicht enter schätzen. Er hat einen großen Vorteil, nämlich den, daß er sich während 50 Jahren auf den Krieg vorbereitet hat. Es ist nicht nur die Übung allein, sondern auch Deutschlands geographische Lage, die ihm den großen Vorteil sickert. Schließlich haben die Deutschen an der Westfront auch noch den großen militärischen Vorteil des einheitlich e n O b e r b e f e h l s. Ich kann nun zu meiner Freud« erklären, daß wir in den jüngsten Tagen eine Maßregel ge- troffen haben, die den letztgenannten Vorteil aufwicgt. Die Negierung hat mit voller Zustimmung Haigs und anderer tapferer Führer, die unsere Truppen in Frankreich leiten, unsere ganze Armee zusammen mit der französischen unter den Oberbefehl des Generals Fach gestellt. Lord Cecil erinnerte dann weiter an die Enthüllungen Lich- nowSkys und andere Beweise, die dartun könnten, daß der Krieg nicht von der Entente hervorgerufen worden sei. ES sei aller Welt klar, daß Deutschland seit Ausbruch des Krieges sich nicht verändert bat. Es überschütte die Welt zwar mit Erklärungen seines Friedenswillens, aber sein Ziel fei. unS in den Schlaf zu wiegen und dazu zu bringen, unsere Anstrengungen erschlaffen zu laffen, um sich den beabsichtigten Angriff zu erleichtern. Jetzt sei die MaSke gefallen; der Angriff hat begonnen und eS wird nickt mehr über den Frieden pesprcchen. Dem alten Geschwätz, keine Annexionen und keine Kriegskontribution, habe man Lebewohl gesagt. Man höre jetzt nur von deutschen Annexionen, Kontributionen, Garantien für MachtauS» hieitung der deuifcben militärischen Kaste und den Klagescbrek der ganzen Welt. Wir kämpfen, so schloß er, ohne allen Zweifel ausschließlich für die Freiheit der Welt. Jeder, der jetzt noch sagt, die Deutschen wünschen mit ihren Nachbarn in Frieden zu lebenvnnd sind bereit, einen gerechten Frieden zv schließen, begeht einen freiwilligen Selbstbetrug.
Die Kdmiralstabsmelduna.
W. T.-B. Berlin, 19. April. (Amtlich.) Im Sperrgebiet des Mittelmeeces versenkten unsere Unterseeboote sechs Dampfer und fünf Segler von zusammen etwa 26 000 Bruttoregistr.tonnen.
Außerdem vernichtete ein Unterseeboot vor Biserta die französische Unterseebootsfalle „Madeleine". r49 Drt. groß, einen mit ztvei 7ch-Zentimeter-Geschühen bewaffneten Zweimastgaffelschoner mit Hilfsmotor und Funken- telegraphie und machte drei Mann der Besatzung zu Gefangenen. Der Chef des Admiralstabes der Marine.
Die Anbahnung des Friedens der Ukraine mit Nutzland.
W. T.-B. Kiew, 18. April. (Meldung der Ukrainischen Telcgrirphen-Agentur.) Der Volksministerrat der Ukrainischen
Unterhallnngsleil.
* Königliche Schauspiele. ES ist doch charakteristisch, daß «in so geistvoller Goethekenner wie Gundolf, in seinem Wecke einer Dickchung von so herzbezwingender Einfalt wie Goethes „Geschwistern" gegenüber nicht die rechte Stellung finden kann. . Bei aller Bewunderung der sinnlichen Ben-egtl^eit, die aus dem süßschwel enden Liebeshin- .und -her Goet>!>es in die schlichten Sätze des Dialog« stellenweise ein- flicht, ist es ihm doch mehr szenische Improvisation als Drama, scheint ihm die Handlung konstruiert bis zur Künstlichkeit, sind ihm die Charaktere bloße Stimmungsallegorien, alles nachträglich dramatisch zusa-mmengefügt, um den ursprünglichen lvrischen Gehalt szenisch zu vergegenwärtigen. Das oanz Unromantische dieses kleinen Schauspiels mit seiner Andacht zum Unbedeutenden, jener in kleinem Kreise sich oe- wegen den Nüchternheit, die einst auch Grillparzer gegen den Zeitgeschmack verteidigen mußte, mochte doch den feinsinnigen Ästheten, der von Stephan George herkam, etwas anfremden. Und doch bleibt ek dabei, dieses von einer Fülle holder Anmut geschwellte LiebeszeugniS ergreift nicht nur den Wissenden, der seine geheimnisrcllen Schroingunycn mitfü'ylt, di« zarten Beziehungen kennt, di« es mit Goethes tiefstem Innenleben verknüpfen, dies« Selbstobjektivierung ist doch zu so klarer Plastik herangeretft, daß auch der einfache Hörer alles verstehen und genießen kann. So ist auch bei uns das kleine Drama oft gegeben worden. Es diente diesmal zur Prüfung einer neuen lünstlerifchen Kraft. Fräulein Borkmann hc>tte sich ganz in die schlichte Lieblichkeit dieser Stimmungen e'ngolebt, di« kindliche Heiterkeit gab sich liebenswürdig und unbefangen in harmloser Plauderei, aber auch die Ver- wirrui g der Gefühl«, das Erwachen der Leidenschaft war ganz mite riebt. Zu gleicher Natürlichkeit war der ganze Stil der Aufführung aba.wnt; irre ich nicht, so waren diesmal freilich einige liebgewordene Stellen weggefallen. Und das Bild «a der Word patzte «cht «m K ostü m ß» der Zeit,
Gerhart Hauptmanns Nachtstück „EIga" konnte sich doch immerhin nach solchem reinen Kunstwerk noch als ernste Dichtung behaupten, wenn auch bei öfterem Hören sich die schwächen bedenklicher aufdrängen. Trotz aller szenischen Stimmungsmache bleibt doch Grillparzers Novelle weit stärker und unmittelbarer; nur die letzten Bilder dos Dramatikers zeigen Eigenes. Sollte übrigens nicht die gai.ze Form des Dramas direkt au-s Schillings „Monna Lisa" eingewirkt haben V Daß Fräulein Borkmann auch die Gestalt dieser schönen Sünderin in so interessanter Weise nochzuschaffen termochte, ist doch ein Beweis von starkem Talent. Sie be- t.nte energisch von Anfang an das elementare Döse, Dämonische; diese Elga täuscht den arglosen Gatten mit bewußter Heuchelei, wo andere Künstlerinnen mehr das Jenseits von Gut und Böse hervorheben, die wahllose Sinnlichkeit, die sich dem starken, stolzen Gemahl entgegendröngt und doch auch dem romantischeren Verführer unbedenklich sich hingibt. Auch d:eft Auftastung war gefchickl durcbgesührt, mir iebtte eben daS Letzte, Zwingende, die Steigerung zur Unmittelbarkeit. Einen Gewinn für unsere Bühne dürfte die Künstlerin aber jedenfalls bedeuten. Den Starschensky gab Herr Everth, de: auch in der Wildheit edel und gehalten blieb, das Bild eines reinen Menschentums, ein Richter, nicht ein blind Wütender, Herr Albert, der in Goethes Drama schon den Wilhelm recht >'chlicht charakterisiert hatte, gab dem unglücklichen Ogirski, der eigentlich nur Andeutung bleibt, so viel Leben wie möglich. K. P>
» Residenz Theater. Sylvia H erz igs Tanz ist Musik! Diese Worte umschwebten die Künstlerin gestern, als sie, die hie: noch gänzlich Unbekannte, ihren gut besuchten Abend moderner Tänze gab. Das Residenz-Theater bietet für solche Abende den rechten vornehmen R.chmen, zudem war die Reformbühne belebt durch die feinkünstlerischen Ausstattungsstücke des Manu- heimer Hoftheater-Malers Ludwig Sievert, uns der Kölner Kapellmeister Paul W a n i a leitete das Orchester mit so kundiger Hand, daß er aus der kleinen Schar hiesiger Musiker ■rc ft» i. »«.fr ivrrl hevaus-tchole.» w atzte. Und rum erst Sylvia
Herzig selbst! Mit Ponchiellis Spitzentanz aus dem Ballett „Gioconda" eröffnet« sie den Abend. Bei ihr verliert der Spitzentanz alles Barbarische, verliert das quälende Gefühl mühsam erlernter Technik. Tllle Erdenschwer« streifte die junge Künstlerin ab. Sie schwebte über die mit goldenen Sternen geschmückte Bühne im köstlichen goldenen Kurzröckchen, aus dem Kopf einen goldenen Helm, und verstand es, den alten Spitze r- tanz, mit moderner Auffaflung gepaart, wirksam und künstlerisch zu bringen. Griegs „An den Frühling" zeigte sie im zartlila, langwallenden Schmetterlingsgewaud, lila Blumen als Hintergrund. Hier jedoch blieb der Eindruck etwas matt, um gleich darauf aber einen genmltigen Auftchwung zu nehmen, da Sylvia Herzig erneut erschien, ebenfalls zartlila, aber kniefrei gekleidet. Aufjubelnd ivarf sie ihre köstlichen jungen Glieder in die Musik von Strauß, sie war die lebendig gewordene Verkörperung seiner ,.Frühlingsstimmen". A lf den Wellen der Musik schwebte sie dahin, tauchte in ihnen unter, um erneut sich von ihnen tragen zu lassen. Ein unendlich reizvelleS Spiel. Dabei ein völliges Beherrschen der Glieder, eine natürliche Grazie, vollständig gelöst und natürlich geworden durch eisernen Fleiß. Der „Türkische Tanz" von Grunow brachte das Ebenmaß des schönen jungen Körpers erst recht zur Geltung. Hier gab es viel Verhaltenes, gleichsam in strenge Linien Gefesseltes, und doch wieder durch weiche Rundung veredelt und geadelt. Der türkische Bauchtanz, ästhetisch und vollendet schön anzusehen. Chopins „Mimiteu- walzer", niedlich und neckisch gebracht, konnte den künstlerischen Eindruck des vorhergehenden türkischen Tanzes nicht bannen. Dafür tanzte Sylvia Herzig nach der Paus« Schubcrts „Spitzengavotte" aus der „Dalletmusik Rosanrnnde" mit entzückender Anmut. Ein Tanz, ganz in Pastell gehalten, auch der Ton des blauen Biedermeierklerdes darauf gestimmt. Als feuerrote Flamme wirbelte die Tänzerin dann in MoSzkewskis A-Dur-Walzer über die Bühne, um in Cata- lanis „Schleiertcmz" auf das höchste zu fesseln. Sie mutete an wie ein weißer Blütentraunr, zeitweise von zartbunten Ltzhteüektgn umflossen. Da» Spiel mit dem Schle ie r war M
