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Verlag Langgasse 21

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Samstag, 20. April 1918#

Morgen» 5 lusgabe

Nr. 183. . 66. Jahrgang.

Die freie Hand.

Wenn Deutschlands Feinde geglaubt haben sollten, daß die M e h r h e i t s e n t s ch l i e tz u n gvom ^ u l l 1917 eine Kette ist, die sich das deutsche Volk selber ange­legt hat, so werden sie sich getäuscht sehen. Ott genug haben wir durch unsere Staatsmänner, aber auch durch das Parlament, unseren Feinden erklärt, daß lene Ont* schließung n icht zu einem Freib rleNur den un- gebändigten Kriegswillen der anderen Seite werden darf, noch werden wirb. Unsere Bernde sind gegen­über allen diesen Vorstellungen taub geblieben. Sie werdenPch nunniehr nicht wundern dürfen, wenn wir. nachdem nun me großen Opfer der g e^w a u tigen Westschlacht gebracht worden sind und noch immer gebracht werden, die R e ch n u ,1 g wese nt l ich anders a n f m a ch e n. als sie aufzuinachen wir da- mal? entschlossen waren. Es ist notwendig, sich den Wortlaut jener Entschließung noch einmal m das Ge­dächtnis zurückzurufen. So hieß es damals:^

D?r Sreichctag erstrebt einen Frieden der .Verständigung und der dauernden Versöhnung der Völker. Mit einem solchen on^den sind erzwungene Eci icieerweidune.cn und politische, wirtschaftliche oder finanzielle V.rgcwaltigungcn unvereinbar."

Mehr konnten unsere Gegner wahrlich nicht per- langen. Sie haben solchem V e r si ä n d i g u n g s- willen aber ihr Ohr nickt geliehen. und sie stvaren auch taub gegen einen weiteren Absatz fener Ent- schließung. der also lautete:

.Soluac;- jedoch d,e feindlichen Regierungen am emen solchen Frieden nicht cingchen. solange sie Deutschland und seine Drrbün- deten niit Erobern ne »nt Vergewaltigung bedrohen, wird da« deutsche Volk wie ein Mann z u s a m m e n ,t e h e n , unerschütterlich an-liarren und kämpfen, bis sein und seiner Ver­bündeten Recht aus Leben und Entwickelung gesichert ist.

Aus solchem Ernst, unter keinen Uillstänben den Be­ruf des deutschen Volkes preiszugehen. hatten unsere Feinde entnehmen können, daß wir fest entschlof- s e n waren, den gegen uns gerichteten V e rnlch- tungs willen niedcrzusch lagen, daß wrr aber auch schon damals damit rechneten, gemäß den Opfern, dis wir etwa noch zu bringen hätten, unsere Friedenspolitik einzurichten. Diese L v f e r nun hoben sich seitdem außerordentlich Perm ehrt. Sie dürfen nicht unangerechnet blerben. Wenn sich dadurch die Aussichten unserer Feinde, zu einem be- quemen Frieden zu gelangen, wesentlich verschlechtert haben, so ist das w i r k l i ch n l ch t u n f e r e S ch u l d vnd ganz allein die Sache unserer Feinde. Schon heute steht es fest, daß die d i es e lb e M eh rhei t die im Juli des vergangenen Jahres jene Entschließung on- nahm. diese heute nicht mehr als bindend an- zuerkennen vermag. Der ZentrumSabgeordncte T r i m b o r n hat vor kurzem ausdrücklich darauf hin- gewiesen, daß bei künftigen Fricdcnsverhandlungcn die Zentrumsfraktion völlig freie Hand hat. und der fort- schrittliche Abgeordnete Ablaß sagte deutlich genug: „Die Resolution ist kein unabänderliches Programm-, wir sind nickt mehr an unsere früheren Bedingungen gebunden." Die Sozialdemokratie hat sich noch nicht parteiamtlich erklärt: aber man darf Wohl an-

nehmen daß sie sich nach dem Wort Scheidemanns richten wird, der von jeher das Verrücken einiger Grenz- pfähle keineswegs als eine Sünde gegen den heiligen Geist gekennzeichnet hat. Wenn unsere Feinde das politische Gespräch des deutschen Volks, wie es letzt durch die Zeitungen geht und wie es mit Sicherheit die soeben wieder begonnenen Rerchstagsverhandlungen beherr­schen wird, auch nur einigermaßen zu verstehen ver- tnöflen, tnethcn fie fDtffen, öof$ if)to Süqc fd}oti fjsute keine gute ist, daß sie aber mit jedem Tag neuen Kampfes schlechter werden muß.

Ein unheilvoller Ratgeber Nasser Rarls.

Br. Berlin, 19. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Tie „Deutsche Tagesztg." veröffentlicht eine aus Wien kom- wende sensationelle Darstellung der E r n f l u s s e, die den Wiener Hof beherrschen. Es heißt hier, der Verfasser des Kaise-brieies soll der der- zeitige Chef der kaiserlichen Kanzlei. Graf Polzer. gewesen sein, der auch sonst der Urheber vieler verhäng­nisvoller Ratschläge an den Kaiser gewesen ist. So war Graf Polzer einer der Hauptinspiratoren_ der Amnestie der tschechischen Hochverräter. Er war einer jener geheimen Kriegskräfte, die in der Umgebung des Kaisers gegen das Bündnis mit dem Deutschen Reiche 'ntrigierten. Graf Polzer hat auch die famose Denkschrift des Hofrats L a m m a t s ch hinter dem Rücken des Grafen Czerinn dem Kaiser in die Hand gespielt. Aus Czernins Betreiben wurde Polzer damals gestürzt, aber insgeheim dauerte sein Einfluß fort. Offenbar auf dre weiteren Intrigen Polzers sind die U n stimmig- ketten zurückzuführeu. die in der letzte» Zeit zwischen

dem Monarchen und seinem crsten Minister immer häufiger in die Erscheinung tra en und die schließ­lich den Rücktritt Czernins unvermeidlich^gemacht haben.

So hatten es nach dem Brest-Litowskcr Brieden Mit der Ukraine die Polen verstanden, sich hinter Graf Polzer zu stecken, durch den Kaiser Karl SeranloBt wurde, den Polen Zusagen bezüglich der Wiederher­stellung der C h o l m e r G r e n z e zu machen, die fast auf eine Desavouier un g des Grafen C zernim hinausliefen. Schon vor der Kaiserbrmaffare brachten tschechische Blätter triumphierend die Nachricht, daß,13,6 Tage des Grafen Czernrn gezahlt seien, was ne sicher auf Grund ihrer guten Informationen bei Polzer m Erfahrung gebracht hatten. Als Graf Tzermn von seiner Reise nach Bukarest zuruckberufen wurde, soll der Kaiser, nach der Darstellung der, „Deutschen Tagesztg. , die von Czernin erbeten" Demission nicht genehmigt und d-„ Minister zum Verbleiben im Amte bewogen haben. Am Samstaaabend sollte Czernin zusammen mit dem Kaiser nach Budapest und von dort werter nach Bukarest reisen. Da muß ein Ereignis eingetveten sern. das einen plötzlichen Umschwung herbe,führte.Dw Reise am Samstagabend wurde im letzten Augenvlick abgesagt und am Sonntagvormittaa genehmigte der Kaiser ine neuerlich überreichte Demission.

Ote Lage im Westen.

Relmr nur noct) eine Wüste von Steinen.

NB. Haag, 19. April. (Gig. Dvahtbericht. zb.) Aus Paris wird berichtet: Seit sieben Tage» steht Reims mit Ausnahme der Vorstädte in Flammen. Anher einer verwüstetes Straße. wo noch Trümmer von Häusern stehen, besteht Reims nicht mehr, sonder» nur noch eine Wüste von Steinen.

10. bis 16. April sind auf Reims mehr als 100000 Granaten geschleudert worden. Allein am 12. April sind 'i0 000 in die Stadt gefallen. Brandbomben sind gleich­falls abgeschossen worden. Die Theater, Justizvalast und dir alten Häuser sind v c r » i ch t e ». Historische Denkmäler und Bauten von hohem Kunstwert sind dem Feuer zum Opfer gefallen. Auch dir Mauern der Kathedrale bröckeln ab. In kurzer Zeit werden nur noch die nackten Säulen stehen. Die Pariser Feuerwehr hat mit großem Heldenmut mit der Feuersbrnnst gekämpft, konnte aber die Katastrophe nur wenig einschränken.

granzSsNeste Respeklsbezeugung vor dem §eldherrnyenie Hindenburgs.

W. T.-B. Bern, 19. April. „Humanst^" schreibt, daß Hrndenburg seine Offensive außerordentlich gut organisiert habe. Er habe beabsichtigt, den englr- schen Armeen eine Niederlage wie die der Russen in Masuren beizubringen. Hindenburg führe wirklich die strategische Schlachthandlung in ihren ganzen Folgen bis ins einzelste durch.

Vas Plazet wilfons für dke würde Sock».

w T-B Paris. ,9. April. Die Agcnce Havas berichtet-. Der amerikanische viiliiärische Vertreter beim obersten Kriegsrat teilte der sransiH'schen Regierung amtlich mit. dah er cme Depesche erhalten bobc. nonach Präsident Wilson die Ernennung des Generals Joch zum Oberbefehlshaber der allilnrten Ar, meen in Frankreich billige.

Die erledigten Portugiesen.

W. T.-B. Madrid, 18. April. (Meldung des Wiener K K Telegraphen-Korrespondenz-Bureaus.') Nach einer telegraphischen Blätternachricht aus Lissabon wurden laut einer offiziösen Note des portugiesischen Knegs^ Ministeriums vier Brigaden der m Frankreich stehenden ersten und zweiten portugiesischen Truppen^ divisirnen. die bei dem deu tschen Angrlff d,e blutig st en Verluste erlitten hatten, zum^ Zweck der Neugruppierung von der Front zurückge

Infolge einer in Portugal herrschenden Fleck- typhussenche ersck>einen gegenwärtig vortw giesische Trupvensendungen nach Frankreich aus gesundheitlichen Gründen undurchführbar.

Systematisch« Verwendung vSMerrechtswidriger mimiHnn lsitens der Enaländer»

pfropfen enthalten. Es unterliegt ietzt keinem Zweifel mehr, daß die völkerrechtswidrige Munition bei der englischen Infanterie rll.gemein erngefuhrt und ganz systematsch verwendet wird.

*

Der Kbendbericht vom 19. klprtl.

W.T.-B. Berlin, 19. April, abends. (Amtlich .DEbericht.j

Bon den Schlochtfronten nichts Neues. Nordwestlich v»o Moreuil hat der Franzose nach den Mißerfolgen deS gestrigen Tages seine Angriffe nicht erneuert.

Munition seitens der Engländer.

W.T.-B. Berlin, T. April. Dre Nachrichten über die Verwendung von Explosivgeschossen durch die e n g l i s ch e I n f a n t e r i e häufen sich Sie kom- men fast von allen Teilen der englisäien Front. E,n neuer krasser Fall wurde am 11. April durch ein bayerisches Regiment in der Gegend von A r r a s fest- gestellt. Dort wurde eine vollgefüllte englische Maschinengewehrtrommel eingebracht, in der Explosiv- geschosse mit gewöhnlichen Infanterievatronen vermischt eingegurtet waren. Die Art der Explosiogcschosse ist dieselbe, wie sie letzthin auch von anderen Fronttcilen m größerer Menge einqesandt wurden. Es sind zum Teil Infanterie geschosse. zum Teil Patronen, die an Stelle des gewöhnlichen Geschosses einen zack'.- gen B leisplitter mit darübecgesetztem Papier-

an&auernfc lebhafte Uampftätigkett zwischen Etsch und Piave.

W.T.-B. Wien, 19. April. Amtlich wird gemeldet: Zwischen Etsch und Piave ist die K a m p f t 8 t i g - feit andauernd lebhaft. Auf der Hochfläche der Liebengemcinden wurden mehrere italienische Vor­stöße abgeschlagen.

' ' Der Chor des Generalstabes.

»

Descrteuruntvesen in Süditalien.

Bi- Lugano. !9. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Cvrriere dclla Sera" mellet. Von den zahlreichen Deserteurbanden, d,e S ü d i t a l i e n unsicher machen, wurde neulich eine 14 Kopse sta,ke Bande nach hartein Kamps gefangen genommen. ®<x» Kriegsgei ichi in Aneona verurteilte fünf Mann zum Tod« durch Erschießen, die übrigen zu lebenslänglichem Kerker.

Die Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen zwischen Oeutschland und Rutzland^

L. Berlin, 19. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie wir hören, trifft heute Herr Josse, der Botschaster der russischen Sowjet-Regierung, in Berlin ein. Da gleich, zeitig Graf Mirbach in Moskau eintnstt. so sind da. mit die diplomatischen Beziehungen zwischen Deutsch, land und Rußland in aller Form wiederhergestellt.

Der Antrittsbesuch des Barons Burian in Berlin.

B. Berlin, 19. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Wie wir hören, wird der angekiindigte Besuch des neuen österreichisch-unflarischen Ministers des Äußern Herrn v Burian in Berlin voraussichtlich anfangs der kommenden Woche erfolgen. Der Reichskanzler dürfte bis dahin aus dem Großen Hauptguartier. wo er sich gegenwärtig aushält, zurückaekehrt sein. Zurzeit ist es noch fraglich, ob sich Baron Burian schon letzt auch in daS Große Hauptguartier begeben oder von Berlin nach Wien zurückreisen und sich dem Kaiser zu einem späteren Zeitpunkt vorstellen wird.

Lin ukrainischer Protest gegen die Kngliederuns vestaravienr an Rumänien.

W.T.-B Kiew, 19. April. (Drahtbericht. Meldung der Ukrainischen Tclegraphen-Agentar.) Nach der Erörterung der g-raae der Annexion Beßarabiens durch Rumänien erklärte t* ukrainische Zentralraoa in ihrer Sitzung vom 6. Avril, das^ die ukrainische Volksrepublik den Beschluß der Cpbatul-Zery über die Angliederung Beßarabiens an das rumäiiiicke Königreich nicht anerkennt, weil er dem freien Ausdnrck der Wünsche aller Natioaen, tue das Gebiet Beßarabiens bewohnen, nicht entspreche. Die Zentralrad« beauftragt den Volksmrnistrrrat, sich an Rumänien wie auch an tie Staaten des Viecbundes zu wenden in erner P r o t e st- o t e gegen ein solches System der Unterdrückung und der Gewalttat den Völkern Beßarabiens gegenüber D,e Zentral- rada betrachtet die Proklamation vom 9. April als nicht b i n d e n d und beauftragt ihren Volksministerrat. alle Maß- robmen zu treffen, damit in der nächsten Zukunst daS Schicksal Beßarabiens auf Grund eines Einverständnisses mit der ukrainischen Volksrepublik und nach dem Willensausdruck der ganzen Bevölkerung Beßarabiens entschieden wird.

England.

DaS «lstlksche Mannschastscrsahgeseb vom König genehmigt.

W.T.-B London, 19. April. (Drabtbericht. Reuter.) Das Mannschostserlotzgesetz wurde in allen seinen Teilen angenommen und hat gestern abend die königliche Genehmigung erhalten.

Anrufung Wilsons durch die Iren.

Br. Rotterdam, 19. Avril. (Eig. Drahtbcricht., zb.) Aus London wird gemeldet: Wie von irischer natlona» listischer Seite bekanntgegebeu wird, haben sich die Par- teien sofort nach Einbringung der R e k r u t e »* vorlageam lebten Dienstag an Präsident Wilson um seine P - r m i t t e l n n g zv;ischen Irland und dem englischen Kabinett gewandt. Das amerikanische ^ren- tum ist durch die Einbeziehung Irlands tn die Wehr- pflichtvorlaae in große Unruhe versetzt, um so mehr, als das neue Gesetz auch Hunderttausende von Iren im Alter von 18 bis 50 Jahren in den Vereinigten Staaten berühren wird, die bis jeizt von jeglichem Wassendienfi (mich in der amerikanischen Armee) befreit waren.