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Verlag Langgasse 21 ,*n. V> AuSQClbCTt.T«,bl-t>»a«s" «Rt. 6650-53.

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Freitag, 19. Llpril 1918.

Bailleul - LangemarK»

Trotz des heftigen Widerstandes, den die Engländer in der Gegend von Bailleul leisteten, und trotz des sort- währenden Einsatzes frischer, in höchster Erle heran­geholter Verstärkungen ist der Feind nicht m der Lage gewesen, seine Stellungen dauernd zu behaupten. Ob­wohl das Gelände die Verteidigung außerordentlich unterstützte, ist es den deutschen Truppen nach schwerem Kampfe gelungen, sich in den Besitz des^ südöstlichen Eckpfeilers der ganzen englischen Stellung zu setzen und damit einen Erfolg von große r t a k t r- scher Bedeutung zu erzielen, der zugleich dre Mög­lichkeit weitreichender Ausnutzung in sich trägt.

Die englischen Stellungen zoaen sich bisher aus der Gegend von Hazebrouck bis über Bailleul hin­aus von Westen nach Osten, beschrieben dort einen flachen Bogön und wendeten p.ch nach Norden rn der Richtung auf Ypern. Dadurch bildete die Gegend von Bailleul den südöstlichen Eckvseiler dieses ganzen Ab­schnittes und war sür den Gegner von ausschlaggeben- der Wichtigkeit. Andererseits war die Möglichkeit zu einem umfassenden Angriff gegeben. Die deutschen Truppen konnten sowohl von Süden wie von Osten da­gegen Vorgehen und gerade der Flankendruck aus östlicher Richtung scheint die Entscheidung gebracht zu haben. Es gelang den Truppen der 4.-deutschen Armee des Generals Sixt von Armin, Wulv>erghem und die Höhen südwestlich des Orres zu erobern und in die ganze Höhenstellung zwischeu Bailleul und Nieuvekerre einzudringen. Als die dort gelegenen Höhen von den deutschen Truppen erstürmt tvaren. konnte sich der Geg­ner auch bei Bailleul selbst nicht niehr halten. Der so­fort einsetzende frontale Angriff war von einem vollen Erfolg begleitet und führte zu der Eroberung des Ortes Bailleul, das als Stützpunkt außerordentlich stark aus- gebaut war und auf eineiu, das Vorqelände beherrschen- den Hügel lag. Dieser örtliche Erfolg ivurde sofort wei- ter ausgenutzt. Der Angreifer drang in nördlicher Rich- tung über Bailleul hinaus weiter vor und eroberte auch den zäh verteidigten Stützpunkt von Cappe- l y n d e. Nach Westen zu wurde die Ortschaft von Meteren erstürmt. Damit sind die Deutschen schon tief in das Hügelgelände eingedrungen und haben in ihm festen Fuß gefaßt. Feindliche Gegenangriffe, die von frisch herangeholten feindlichen Reserven ausge­führt wurden, blieben ohne Erfolg und wurden i,nter schwersten Feindesverlustcn abgewiesen. Der Druck gegen die feindliche Ostflankc wurde noch dadurch er- höbt, daß die Armee Sirt von Armin auch das weiter nördlich gelegeneDorf von Wy t s ch a e t e und die angren­zenden Höhenstellungen eroberte. Wenn man sich er- knnert, daß der Marschall Haig -einerzeit den Besitz des Höhenländes von Wptschaete und Me ff in es für irnbe- dingt erforderlich erklärte, um den Angriff über Ypern hinaus zu unternehmen, so wird die Bedeutung der neuen deutschen Erfolge ohne weiteres einleuchten, denn von Wytfchaete aus kann da-Z ganze Gelände Um Ypern heriim cingefeheii rnid unter Feuer ge­nommen werden. Es ist damit gleichzeitig die Grund- läge zu weiterem erfolgreichem Vorgehen in west­licher Richtung aelegt. so daß cs auch jede neue englische Stellung im Höbengelände nördlich von Bailleul ohne weiteres flankiert und im'.ner 'nieder die Möglichkeit konzentrischer Angriffe gegeben ist.

Die hier erzielten Erwlge haben sich auch sofort weiter nach N o r d e n auf die ganze Front des Y p e r n- b o g e n s übertragen und zeigen, welche große Wir­kung und tiefgehenden Einfluß das erfolgreiche deutsche Vorgehen bei -Bailleul und Wvtschaete auf die ganze Krieaslage haben mußte. Die Armee Sirt von Armin hat Passchendaele, Poelkapelle. Langemark und Zonne- beke genommen und den Feind bis hinter den Steenbach zurückgeworfen. Damit scheint der ganze Ypernbogen ins Wanken zu geraten. Jedenfalls greift die deutsche Offensive immer weiter um sich, die englische Front gerät immer mehr ins Wanken.

*

Die Maske der Zuversicht f§llt bei den StaatsmSnnern «knqlands.

W. T.-B. Bern, 18. Avril. (Drahtbericht.) Sir G e d d e s betonte in einer Rede in der Londoner Han delskammer am 10. April den dringe ^den großen Bedarf an Mannschaften für die Armee. Zwar etwarte man, daß die amerikanischen Truppen in größerer Stärke ans dem europäischen Kriegsschau­platz erscheinen, als bis jetzt möglich war, aber infolge von Umständen, die sich der Kontrolle entziehen, werde die Gesamtstärke der amerikanischen Unterstützung ge­ringer sein, als man aehofft babe. Daher sei die ans England lastende Bürde schwer Zahlenannaben könitr er zu seinem Bedauern nicht wachen, aber die Ziffer sei sehr hoch. Er »isie, da« die

Morgen-Kusgabe.

Durchführung der We h r p f l i ch t n o v e l l e den Tod und Untergang vieler Industrien bedeuten werde, aber das sei ein geringeres Übel als der T o d u ndllnt er- gang der ganzen Nation. Über. dre große Schlacht in Frankreich und Flandern sagte Geddes, man muß damit rechnen, daß die franzosrlchen Kanalhäfen an Deutschland verloren werden. Wir werden eine Armee rn »gland nong haben, dir von älteren Leuten gebildet wird, da nur me jüngeren nicht dafür hergeben können. Dre wirkliche. Krise des Krieges kommt n ä h er und n ah er h eran, sie muß jetzt kommen, dickes Jabr, denke ich, bei welcher der letzte Kämpfer zählen wird.

Zusammenbruch starker französischer Angriffe bei Moreuil.

Oer Kbendbericht vom 18. Kpril.

W.T.-B. Berlin, 18. April, abends. (Amtlich. Drahtberich:.)

In Flandern und auf dein Schlachtfeldc an der Lys ist die Lage unverändert.

Nordwestlich von M o r e u i l brachen starke franzö­sische Angriffe blutig zusammen.

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Englische Brutalität gegen den Bundesgenossen.

W. T.-B. Berlin, 18. April. Seit Beginn der deut­schen Offensive haben die Engländer die französische Be- völkerung zu ganz kurz b efrist eter Raumung des Kampfgebietes gezwungen. Niemand wurde Zeit gelassen, sein Hab und Gut zu bergen. Die englische Soldateska bemächtigte sich plündernd des zurück­gebliebenen französischen Eigentuins. Neuerdings be­handeln die Briten die Bundesaenossen noch grau- s a m e r. Im Kampfgebiet der Lys unterließen die eng- lischen Militärbehörden selbst die rechtzeitige Benach- richtiaung der Bevölkerung! Die bedauernswerten Menschen konnten also aus der gefährlichen Zaire nicht einnial entfliehen, um das nackte Leben zu retten. Sie ließen vielmehr die Einwohner von Estaires, Sarlly und vielen anderen Orten erb arm un gsloAMA- rück, ohne die Mittel zur Abbeförderung zu stellen. So wurden Greise, Frauen und Kinder schonungslos den Schrecken des Trommelfeuers und der sich um die einzelnen Ortschaften absvielendest Kämpfe ausgefetzt. Die unglückliche französische Bevölkerung m der Zone ist zum Teil tot oder verwundet, und Soldaten fanden Frauen und Kinder vor. die infolge der Erlebnisse wahnsinnig geworden waren. Zitternde Greise, irr­sinnige Worte murmelnd, starben in den lodernden Flammen ihrer Häuser. Sterbende Kinder lagen allein und verlassen in der Nähe der Trümmerstötten.

Die französischen Todesbatailloue.

W. T.-B. Berlin, 18. April. Seit dem 21. März der- wendet Großbritannien die Franzosen nach der Art, wie seinerzeit die Russen ihre Todesbataillone einset;ten. Überall dort, wo der deutsche Angriff die britischen Stel- langen zu durchbrechen droht, müssen französische Truppen einsprinqen. 'Nack eiligstem Antransport werden sie sofort in die Schlacht geworfen und vor- nehmlich zur Durchführung der Gegenangriffe bestimmt. Infolgedessen sind die französischen V e r l u st e besonders schwer. Der jüngste Einsatz fran­zösischer Truppen am Nord teil der englischen Front zum Gegenstoß gegen den von den Teutsckien eroberten Ort Meteren hat die Franzosen besonders hohe blutige Opfer gekostet.

Die Behandlung der Portugiesen durch die Engläuder.

W. T.-B. Berlin, 18. April. Daß für die Niederlage der Portugiesen lediglich die englische Führung verant- wörtlich gemacht werden muß, geht daraus hervor, daß der den Portuaiesen zugewiesen; englische Stab aus 60 höheren Offizieren bestand, die die portugiesische Sprache beherrschten. Es bestätigt sich, daß die nach Boulogne und Jtaples gebrachten portugiesischen Ge­fangenen gemeutert haben. Die Reste der aus der Niederlage übrig gebliebenen Portugiesen sind nunmehr englischen Truppenteilen eingegliedert und aufs neue in'die Gräben geschickt worden, so Vaß sich mit der Zeit das portugiesische Hilfskorps gänzlich für England ver­blutet haben wird.

Englische Dum-Dum-Geschosie.

W. T.-B. Berlin, 18. April. Immer häufiger wer den ganze Kisten Dum-Dum-Geschosse durch die Deutschen erbeutet. Es handelt sich hier nicht um vereinzelte Versehen britischer Truppenteile, sondern um eine von England staatlich sanktionierte sabrik- mäßiae Herstellung dieser jeder Menschlichkeit hohnsprechenden Munition, deren Anwendung laut Haager Abkommen verboten ist. Die sorgfältig Prä parierte und von England selbst alsExplosiv Patrons" bezcichnete Jnfanteriemunition beweist aufs neue, daß England vor der Anwendung völkerrechtswidri -ger Kam.-smittel nicht ruwickjchreckt.

Nr. 181. * 66. Jahrgang.

Der letzte Luftangriff auf Paris.

W. T.-B. Bern, 18. April. (Drahtbericht.) Der _ letzte deutsche Fliegerangriff ans Paris in der Nacht vom 13. April hat, wie die Pariser Blätter melden, b e- deutenden Sachschaden verursacht. In emer ehr belebten Straße im Zentrum der Stadt gegenüber der llntergrundbahnstation hat eine Bomb e einen ungeheuren Trichter ausqeworfen und. wie bereits er­wähnt, eine Gasleitung zerschlagen. - Dre Explosion und der daraus folgende Brand ver­ursachten einen außerordentlich großen Sachschaden, Umkreise von 200 Meter wurden alle Häuser be­schädigt, Fenster und Türen herausgerissen. Auch die Untergrundbahn wurde schwer beschädigt. An dieser Stelle wurden auch mehrere Personen getötet und zahlreiche verschüttet. Die abgewvrfenen Geschosse waren Torpedos. Den Blättern zufolge verfolgten die deutschen Flieger eine neue Taktik: sie hatten dre französischen Linien im Geleiizua überflogen, um nicht durch Lärm der Motore Aufmerksanikeit zu erregen. Sofort nach dem ersten Alarmzeichen abends 10 Uhr 10 Minuten waren auch schon die ersten Explosronen vernehmbar. Wegen der darauf folgenden Panik kann- ten die Unterstandslaternen nicht angebrannt werden, was die Mehrzahl der Opfer verursachte.

Beschießung feindlicher Lager und Slapelplätze zwischen vkinkirchen und ttfjMiport.

W.T.-B. Berlin, 18 April. (Amtlich. Drahtbericht.) In der Nacht vom 17. auf den 18. wurde Ostende von See aus be­schossen. Militärischer Schaden ist nicht entstanden. Unsere Torpedo sireiikräfte nahmen am Morgen des 18. April feindliche Lager und Stapelplätze zwischen Dünkirchen und Nieuport mit 600 Schuß unter Feuer.

Der Ches des AdmiralstsSs der Marm«.

Der «aiserbrief und seine Zolgen.

Naifer Narls Dankfügung an den scheidenden Grafen Czernin.

W. T.-Bi Wien, 17. April. Die morgigeWiener Ztg." veröffentlicht das folgernd« kaiserliche Handschreiben:

Lieber Gras Czernin! Indem ich meinen gemeinsame« Fin-ar.zminister Stephan Baron Burian zum Minister meines Hauses und des Äußern ernenne, enthöbe ich Sie nmrü mehr in vollen Gnaden von diesem Amt und der Ihnen mit meinem Handschreiben vom 13. April unter Annahme Ihrer Demission au-sgetragenön einstweiligen Fortführung der Geschäfte. Während einer der bedeutsamsten Epochen der Weltgeschichte aller Zeiten hoben Sie im Interesse einer Politik, die nach wie vor für mein Haus und für meine Staaten richtunggebend bleiben soll, in aufopferungsvoller Weise und unermüd­licher Pflichttreue hervorragende Dienste geleistet, -deren Ihnen zu gerechter Besriediguxg gereichende Erfolge Ihnen nicht versagt geblieben sind, indem Sie mit in vor» d e r st e r Linie dre ersten Friedensschlüsse der leidenden Menschheit vermitteln konnten. Sie haben sich hierdurch' den wohlverdienten Anspruch aus meinen unver­gänglichen Dank und mein« vollste Anerkennung er­worben. die :ch Ihnen hiermit gern zu warmem Ausdruck bringe und als deren äußeres, wenn auch lange nicht voll entsprechendes Zeichen ich Ihnen die Brillan­ten zmn Grohlreuz meines St. Stephansordens verleihe. Nicht minder will ich Jhn-en meine fortdauernde Gewogenheit zusichern, wie ich auch zuversichtlich hoffe, daß Ihre außerordentlichen Gaben nicht für immer mir und dem Wohl meiner Staaten enthalten bleiben sollen.

»

Llemenceaus Vernehmung vor Ver Kammer.

W. T.-B. Paris, 18. April. Clemenceau sprach in der gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für das Auswärtige, für Armee und Marine über die Umstände, unter denen die B e r- suche Öst-erreich -Ungarns, eine paltung zwi­schen den Alliierten durch Friedensverhand- I >>. ngen herbei zu führen, sich abgespielt haben. Clemence-a-u überreühte das gesamte Akten material dem Ausschuß für die auswärrigen Angelegenheiten, der es durcharbeiwu und dann darüber Bericht erstatten wird.

Br. Bern, IS. April. (Eig. Drahtbericht. zb.) Aus Paris wird gemeldet; Der Kommisiion, die sich mit der, Angelegen- heit des Kaiserbriefes befaßt, ist von der Regierung das Dossier vorgelegt worden. Es enthält Stücke, die sich auf den Prinzen Sixtus vor dem 31. März 1917 beziehen, also vor dem Tag, an dem der Brief des Kaiser Karl dem Präsidenten Poincarö übermittelt wurde. Das Original des Karsecbrieses war mit Bleistift geschrieben. Prinz Sixtus behielt das Original und ließ Poincare eine Kopie, die sich im Archiv des Ministeriums des Äußern befrndet. Ribot machte bei der Zusammenkunft in St. Jean de Mau- wenne Lloyd George und Sonnino Mitteilung von dem Schritt des Kaisers, übereinstimmend erklärten die Minister, daß der Brief keine Grundlage zur Einleitms» von Besprechun­gen lullen könne. Die Angelegenheit fand rhren Abschluß m einem zweiten Brief des Kaisers Karl, den Prinz Sixtus einige Wochen später zur Kerrrrtnis brachte.