W ifsbaiVnfr
Verlag Langgaffc 21
„Tagtlatchaus".
Schalter-vollr «föffnrt Don 8 Uhr raoroen* K* 7 Uhr ebtnbo.
wöchentlich
manfnns 19 , Ä'&«^«b-Orn Dir Zwei, ft'rllr %u.
-bin tat ÄiÄÄtÄS
12 Ausgaben.
Fernruf:
„Tazblatth-us" Nr. 6630-53.
Son 8 Uhr morgens bis 7 Uhr abends, außer Sonntag»,
Abrnd-Anegakie Üiit 19 Ühr hninaäH für dir Morgm-Nusgobr^bis^s"Ü8r nachmittags."— ssüc die fnabme von Anzeigen an vorgeschriebenen Tagen und Plätzen wird keine Gewähr übernommen.
Mittwoch, 17. Spril 1918.
Siegreiches weiterer Vordringen gegen Ypern und nördlich der Lys!
Parschendaele. wqtschaete. BaMeul, Tappelqn de und Meieren genommen.
schwerste Verluste der auch hier bereits durch Franzosen zu unterstützenden Engländer bei gescheiterten Gegen Angriffen.
W. T.-B. Großes Hauptquartier, 17. April. (Amtlich.)
Westlicher Kriegsschauplatz.
Auf dem blutdurchtränkten Kampffeld der vorjährigen Flandernschlacht besetzte die Armee deS Generals Sixt von Armin Passchendaele und schob auch bei Bece- laere und Gheluvelt ihre Linien vor.
Nördlich von der L y 8 erstürmten die Truppen des General? Sieder in den frühen Morgenstunden das Dorf Whtschaete, warfen den Feind trotz heftiger Gegenwehr von den Höhen nordöstlich und westlich vom Ort und wiesen starke Gegenangriffe ab. Den südwestlich von W u l - vergbem in rückwärtige Linien ausweichenden Gegner drängteu wir über den Douveebach zurück. Baillcul und der zäh verteidigte Stützpunkt Cappolhnde nördlich von Bailleul und M e t e r e n wurden genommen. Mit starkem.Kräfteeinsatz versuchte der Engländer, gestübt durch Franzosen, vergeblich, Meteren und das verlorene Gelände beiderseits von Merris zurückzuerobern. Seine Angriffe brachen unter,, s ch w e r st e n Verlusten zu sammen.
Auf dem Schlachtfeld zu beiden Seiten der Somme entspannen sich heftige Fr u erkämpfe, die auch während der Nacht, namentlich südlich von der Somme, anhielten.
Mazedonische Front.
I» Borfeldkämpfen in der Strumaebcnc nahmen bulgarische Stoßtruppen 155 Engländer und einige Griechen gefangen.
Der Erste Generalquartiecmeister: Lndendorff. '
•
Ein englischer Bericht über die Lqs-Schlacht.
^d. Haag, 17. April. (Erg. Drahtbericht, zb.) Der Kriegsberichterstatter Gibbs meldet vom Montag nähere Einzelheiten über die Kämpfe in Flandern, in denen es heißt, daß die Deutschen wiederholt bis zu 15 neue Divisionen in den Kampf geworfen hätten. Von diesen 15 Divisionen habe nur eine, und zwar an der Somme, initgekampft. Den neuen Divisionen seien besondereStoßtrupps beigegeben. Trotzdem befänden sich Bailleul und Kemmel, die das Ziel der Angriffe bildeten, noch in britischer Hand. Sonntagnacht, fährt Gibbs fort, wurde die britische Linie bei Lac reiche zurückgenoinnien und NeuweEglise wurde der Hauptpunkt des Kampfes; schließlich aber wurden die Engländer auch von hier vertrieben. Die deutschen Offiziere zeigten eine wundervolle Begeisterung und beinahe eine fanati- s ch e Z u v e r f i ch t in den E n d s i e q. von dem sie auch ihre Mannschaften zu überzeugen wüßten. General- major Hofer, der nur einen Arm hat, führte die Trupps der ersten Sturmwelle einer Abteilung an. Er lief mit einem erhobenen Spazier stock seinen S o l d a t e n v o r a u s, die ihm erstaunt, aber voll Bc- geistern.ng folgten.
Neilwe Ealise wechselte während der Schlacht wie- derholt den Besitzer. Hier wurdö mit allen möglichen Waffen gekämpft, kleine Trupps unternahmen Angriffe rn den Trümmern des Dorfes mit Gewehren. Bajonetten oder Bomben. Der Angriff auf dieses Dorf war be- reits am 10. April begonnen worden. Seitdem der Feind das Gehöft Ploegsteert genommen hafte, war die Lage ernst geworden, da dieses ein Nest für Maschinengewehre bildete, das nicht einmal durch die wütendsten Angriffe der Engländer genommen werden konnte. In der Nacht vom 11. erhielten die Briten, die den Wald bei Ploegsteert besetzt hielten, den BeMl, diese Stellung zu räumen und sich auf Neuwe Eglise zuruckzuziehen. Eine Abteilung der britischen Infanterie wurde hier fastbiszumletztenMann vernichtet. Eine andere Abteilung Lancester- regiments hat ebenfalls bei Neuwe Eglffe außerordentlich schwere Verluste erlitten.
v«r Sturmerfolq des 75. April.
W. T.-B. Berlin, 16. April. Am Nachmittag des 15, April setzte um 2 Uhr ständig zunehmend das Artilleriefeuer auf die englischen Stellungen ein. Sie lagen auf der Hügelkette zwischen Nieuvekerke und Bailleul. Diese Hügel, vor allem der Mont de Live, der Ravetsberg und die Kupve von Zwartenmolen-Hoek, gestatteten den Engländern freie Beobachtung auf das flache Land bis jenseits Armenlieres. Die Hügelftellungen selbst waren mit breiten DraMindet- nisten foftungsartig aufgebaut, das glacisartige Vovgekäwdc ein ttefgeylie.de rtes System von Miafchinengewehc- attiexn, «cherardcn-tlich geschickt zur Berteidigang heryerichirt.
kibend-Ausgabe.
Langsam 'hatte sich in den letzten Tagen der deutsche Angriff an dieses GlaciS berangezogen. Die starken Stütz- P unkte wurden durch die Geschosse der schweren Mörser ? ertr .. 1 * , ”. Incrt '..^ e Eehöfte aus den Hühenkämmen, in ® le englischen Artilleriebeobachter aufhielten, braun te n Inyterloh. Mu n i tio n sde po t s flogen mit riesigen ^Mn^en Rauchwolken in die Luft. Noch vor.der für den Angriff festgesetzten Stunde brach die deutsche Jnfan teri e, die Erschütterung der englischen Besatzung wahrneh mend. aus den St u r m ste l I u n ge n Nor. Dank der genauen Fenerlettung der schweren und leichten Batterien gelang es. .das Feuer so rechtzeitig vorzuverlegen, daß die deutschen Sturmwellen unmittelbar hinter den Mörser- und Haubitz-Ctn schlügen eiiien feindlichen Graben nach dem anderen erreichen konnten. Die e n g l i sche n M a sch i n e ng e - wehre wurden durch das schwere Feuer niedergehat- ^ Ur Es dem linken englischen Flügel, wo in dichten Buschen und Hecken verschiedene feindliche Stützpunkte unent- geblieben waren, eröffneten einige Maschinengewehre wr Feuer, Sofort griffen jedoch hier diejenigen Truppen ein, die tags zuvor die nördlich Nieuvekerke liegende Stampkot- Muhle genommen -hatten. Durch Minenwerferfeuer hielten sie die englischen Maschinengewehre rri-eder. Unauf- halts am vorwärts stürmend, ttugen die Deutschen den Angriff über den schweren Boden der Sturzäcker, durch Stacheldrahtverhaue hindurch bis auf die Kuppen der Hügel vor.. Di« englische Artillerie, die entweder in der Umgruppierung begriffen oder ihrer Beobachter beraubt war, hat den Beginn des Angriffs nicht erkannt, jedenfalls setzte das englische Sperrfeuer % Stunden 3 u spät ein, so daß nicht nur die vorder« Welle, sondern auch die Masse der nachrückenden deutschen Reserven die feindliche Feuergarbe bereits unterlaufen hatten. Mit dem Er- scheinen der ersten Deutschen aus .den Höhen, begannen die Engländer in hellen Haufen aus ihren Unterständen, Gräben und aus dem Barackenlager von Breemeerschen z u fliehen.^Auch westlich kam ihre Linie ins Wanken. Starke deutsche Kräfte rückien in lichten Schwärmen über den sumpfi- gon Grund, der sich auf dem Ravets-Berg hinz-ieht, und erstürmten eine Kuppe nach der anderen. Die deutschen Feldbatterien begannen sofort den Stellungswechsel. Sie jagten im vollen Galopp der Infanterie nach und erösfneten ein vernichtendes Feuer auf die dichten Reihen der fliehenden Engländer.
Ein Bild vom Schlachtfeld von Arment'vres.
B*. Berlin, 17. April. (Gig. Drahtbericht, zb.) Der Kriegsberichterstatter des „B. T." schreibt: Bis zur Flandern- schlecht blieb Armentieres ziemlich unversehrt. Als aber dann die Engländer Batterien in den Straßen aufftellten, nahmen sie diese unter Feuer.- Das war der Anfang vom Ende Armentieres. Die Einwohner mußten die Stadt verlasien. Die Straßen machen einen recht ttübseligen Eindruck. Die Brücken über den Lys sind für den Straßenverkehr Bereits w i e d c r h e r g e st e l l t. Am Neubau der Eiscnbahnbrücken sind die Pioniere in voller Arbeit. Hin und wieder begegnen wir einem Trupp Le-cktberwundeter, die von schweren Kämpfen, aber auch von rastlos zäbem Vorwärtskommen erzählen. Ununterbrochen rollen die MunitionLautos vorüber. An Wegebauten ist in diesen vier Tagen das Großartigste geleistet worden, was menschliche Kräfte vermögen, und noch immer rollen neu« Wagenzügc mit frischem Schotter an, um die Trichter und Locker aüszufüllen. Fetzt erst, nachdem man das furchtbar zerschossene Gelände dieses mit Drahtgeflecht überwucherten tiefen Sumpfes kennen gelernt bat. kann man die Leistungen unserer Soldaten, in ihrer ganzen Grüße erfassen. Tie vorderste Stellung der Engländer macht ein-ü höchst verwahrlosten Eindruck, Selbst in den Unter, ständen steht das Wasser kniehoch. In diesen unbetretbaren Räumen liegen noch z a h I r e i ch e L e i ch e n der in unserem Geschützfeuer Gefallene».
vas Ueborgeroicht auf deutscher Seite.
NB'. Haag, 17. April. (Gig. Drahtbericht, zb.) Der Berliner Berichterstatter des „Nienwe Rotterd. Courant" sagt Wenn man die Lage überblickt, muß man zu der Schluß- fr lgerung kommen, daß ein Übergewicht auf deutscher Seite existiert, daß keine Übermacht so groß ist, daß nach den Ereignissen im Osten kein neuer Feind in absehbarer Zeit Deutschland machtlos machen kann. Die als unerschütterlich angesehene westliche Front ist ins Wanken geraten, sobald sie die Deutschen ernsthaft angegriffen haben, und auch die zähe englische tapfere Armee, eie über alle technischen Hilfsmittel des Krieges verfügt'und sie mit großer Geschicklichkeit zu benutzen weiß, hat überall dort nachgeden müssen, wo sie angegriffen wurde.
Das von England über Frankreich gebrachte grohe Elend.
W. T.-B. Berlin, IC. April. England versucht, seinen eigenen Truppen die Größe feiner Niederlage zu verhehlen. Der englischen Garde-war bis zum 1t, April kein Wort von den großen Erfolgen der deutsche» Offensive mitgeteilt worden. Auf dem Durchmarsch durch eine französische 'Stadt jedoch erfuhren sie gerüchtweise, -daß dre Deutschen 70 060 Mann gefangen und 100 (!) Geschütze erbeutet hätten. Auch anderen Truppenteilen sucht England - die großen deutschen Fortschritte zu v«r-
178. ♦ 66. Jahrgang.
borgen. Zahlreiche in -deutsche -Hand gefallene Englandw wollten den chnen ans der Karte erklärten Geländegswinn nicht glauben. Während -die Städte M e r v i I l c und L a c o n durch englische? Feuer in immer wüstere Trümmerhaufen verwandelt werden, fetzten die Franzosen auch am 15. April die Beschießung unserer Unterkürfie in der inneren St-rdt Laon mit schwerem -Kaliber fort. Tag für Tag müssen die Engländer den Deutschen weite Strecken ftanzön- schen und belgischen Bodens überlassen. Während des kärglichen Raumgewinns in der viemonatigen Flan- dernoffensibe zählten die Engländer in ihren Heeresberichten die einzelnen Ortschaften auf, die sie von den Deutschen befreit haben wollten. In knapp 4 Wochen büßten die Engländer weit über das Hundertfache ftanzöü- scheu und belgischen Bodens wieder ein Di« Zahl der eroberten Städte. Dörfer und Ortschaften läßt sich bei der Größe des von den Deutschen eroberten Gebiets nicht angeben. Weite Landstriche, die von der Kriegsfurie bisher verschont Vli-sben, lernen infolge des englischen Versagens jetzt dre schrecken des Kriegs kennen. Stadt um Stadt und Dorf um Dorf,_ Gehöft um Gehöft schießt die britische Artillerie in Trümmer. Die Fluren werden verwüstet und die Bevölkerung rücksichtslos vertriebe n. Ha-b und Gut, Äcker, Gärten und Herden muß der Franzose im Stich lassen, die Engländer machen sich alles zu eigen. Das ganze Elend, das aufs neue über blühendes französisches Land brach, dankt Frankreich der von England gewollten und -durchgesetzten Verlängerung des Kriegs.
Der «aiferbrief und sein« zeigen.
Sixtus von Bourbon.
Br. Wie», 17. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) Nach der „Reichspost" ist es bisher unmöglich, die gewünschte Verbindung zwischen Sixtus von Bourbon und Wien herzustellen, da die französische Regierung jede andere als ihre eigene Mitteilung über den Kaiserbrief ängsllich zu verhindern trachtet.
Br. Genf, 17. April. (Eig. Drahtbericht, zb.) „Echo de Parrs" will wissen, daß die Regierung entschlossen sei, morgen dem Ausschuß für Auswärtiges und Krieg alle Schriftstücke in Sachen des Briefes Sixtus von Bourbon sowie Armands und Rebenteras bekannt zu geben. Auch verlangt die äußerste Linke die Bekanntgabe aller bisher noch geherm gehaltenen Aktenstücke, di« sich auf den Fall Czernin beziehen.
Graf vurian.
ver Nachfolger Lzernkns.
W. T.-B. Wien, 16. April. Seine f. und k. Apostolische Majestät hat den gemeinsamen Finanzminister Baron Stefan Burran v. Rajecz zum Minister des kaiserlichen rind königlichen Hauses und des Äußern ernannt.
W. T.-B. Budapest, 16. April. (Amtlich.) Seine Atajestät hat, wie das Ungarische Telegr. Korr.-Bur. erfährt, mit Entschließung vom heutigen Tage den gemeinsamen Finanz- minister Baron Stefan SBütian v. Rajecz zum Minister des kaiserlichen und königlichen Hauses und des Äußern ernannt. Die Wahl ist aus dem Grande auf Baron Burran gefallen, weil er, abgesehen davon, daß er das Vertrauen Soiper Majestät besitzt, alle Antezedenzien im einzelnen kennt, deren gründlich- Kenntnis im Zusammenhang mit den zur Verhandlung gelangenden internationalen Vereinbarungen außerordentlich wichtig ist. Der Minister des Äußern wird, wie das Ungarische Telegr.-Korr-.Bur. erfährt, auch weiterhin die Führung des gemeinsamen Finanzministeriums beibehrlten.
*
L. Berlin, 17. April. (Eig. Drabtb-richt. zb.) Graf Burran, der im 67. Lebensjahr steht, ist in der aus- wärtigen Politik SsterretchZ kein Neuling Er hatte bereits während des Krieges schon einmal denselben Posten inne, und zwar als Nachfolger des Grafen Berchtold vom 15. Januar 1915 bis Ende 1916 Gerade in dieser Zeit waren Fragen der äußeren Politik von größterTragweite und außerordentlicherSchwierigkeit Su losen. Graf Burian zeigte hierbei so viel Takt und Geschick, daß man es begrüßen kann, daß dieser be- währte Staatsmann, der sich als durchaus treu und zuverlässig Deutschland gegenüber er- wiesen hat, als Nachfolger des Grafen Czernin an das Ruder kommt.
Graf Burian fiihrte seinerzeit die Verhnndlungen mit Italien, als man dessen Neutralität durch Abtretung des Treuttuo sich sichern wollte. Auch <m den Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten und der U-Bootfrage, die sich außerovdenthch in die Länge zogen, war er in^ hohem Matze beteiligt. Graf Burian ist durch leine 'rühere Tätigkeit mit der amerikanischen Politik besonders verttaut. Großes Geschick bewies er, als er im Jahre 1916 actegentlich der in den deutschen und englischen Parla- nwntcn von den verantwortlichen Ministern geführten D-s- kusfion über den Ausbruch-des Krieges sehr eindrucksvoll, da die Delegation-en nicht versa,nmelt waren, ein Exposee, das er mit seinem Namen deckte, durch den un- qorischcn Ministerpräsidenten im ungnrijchen Abgeoröneeir». Haus verlesen ließ.
